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Fräge an die Batterietriebwägenexperten

geschrieben von: OZL-Lokd.

Datum: 03.07.11 23:51

In einem Bericht von 1932 (Zusammenfassung der Jahre 1924-1932) über die Allensteiner AT-Wägen steht u.a.:Im Januar 1927 ging wegen Mangel an Lösche die Tagesleistung
der AT-Wägen von 868 km auf 424 km zurück. Kann das ein Fachmann evtl. näher erläutern? Wozu benötigt man Lösche bei AT-Wägen? Danke im voraus.

Re: Fräge an die Batterietriebwägenexperten

geschrieben von: ytracks

Datum: 04.07.11 00:52

Zunächst mal habe ich keine Ahnung von dieser sehr speziellen Materie, möchte aber denoch ein paar Gedanken dazu in den Raum werfen
Wie wurde denn der Strom zum Laden der Akkus erzeugt? Gab es vielleicht einen dampfgetriebenen Generator der mit Lösche betrieben wurde? Die Bahn war ja damals in allem Selbstversorger und preussisch sparsam? Im fraglichen Januar kann die Transportleistung aussergewöhnlich zurückgegangen sein und es gab weniger Güterzugdienstleistungen von Damploks und damit viel die Batteriestromerzeugung teilweise aus? Damals gab es ja u.A. auch spezielle Umformerwagen um überhaupt gleichrichten zu können. [www.modellbahn-spur-n.de] Der Stand der Technik in Berlin war wenige Jahre zuvor der Quecksilberdampfgleichrichter, damit konnt die S-Bahn als Gleichstrom S-Bahn betrieben werden. Erst dadurch wurde die grosse Elektrisierung des Berliner Raumes wirtschaftlich ermöglicht. Ich bin mir nicht sicher ob es in Ostpreussen damals schon öffentliche Kraftwerke in ausreichender Anzahl gab und ausserdem, ob die rechtliche Situation so war, daß die Bahn diesen Strom 'einkaufen' konnte. Ich habe irgendwie im Hinterkopf das es (militär) historische Gründe hatte, daß die Bahn ein eigenes unabhängiges Bahnstromnetz und ein eigenes unabhängiges Fernmeldenetz hatte.

Ytracks



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:07:04:01:09:23.

Re: Fräge an die Batterietriebwägenexperten

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 04.07.11 17:03

Werter OzL: Hier noch eine Vermutung zu diesem Rätsel: Die Lösche ist zwar noch sehr kohlenstoffreich, zur wirtschaftlichen Verbrennung aber schlecht geeignet. Sie könnte daher zur Absorption und Unschädlichmachung der bei der Ladung in den Batterieladeräumen entstehenden, vor allem für Eisenteile sehr korrosiv wirkenden, Schwefelgase gedient haben. Aber ich lasse mich gerne belehren. Gruß Fritzle.

Re: Fräge an die Batterietriebwägenexperten

geschrieben von: ehemaliger Teilnehmer

Datum: 04.07.11 19:05

Ich habe lange über diese Frage gegrübelt. Lösche macht im Zusammenhang mit Bleiakkus absolut keinen Sinn. Schlechte Akkubehandlung führte zum Gasen, also zum getrennten Abscheiden von Wasser- und Sauerstoff mit der Gefahr der Knallgasbildung. Gutes Lüften war ausreichend und es musste in die Akkuzellen stets Wasser nachgefüllt werden, um den durch das Gasen weniger werdenden Wasseranteil in der Schwefelsäure wieder auszugleichen. Für sinnvolle Verwendung war keine Lösche weit und breit notwendig.

Stutzig gemacht hat mich etwas anderes: Mit Ach und Krach kamen die Speichertriebwagen auf Kilometerleistungen von 400 Kilometern am Tag. Um diese Laufleistung zu erhöhen, ist man in den zwanziger Jahren und später auch in den 50er dazu übergegangen, die Akkus zu tauschen und sie stationär zu laden und zu pflegen. Der Akkutausch bei Wittfeld-Triebwagen war jedoch anspruchsvoll und in einem alten MaK-Prospekt von 1953 spricht man bei einem neuen Triebwagen vom "einfachen Löschen" der Akkus.

Meine Gegenfrage: Ist das Wort "Lösche" zweifelsfrei zu lesen oder könnte es auch "Löschen" heißen? Ein Akkutausch würde nämlich die für Speichertriebwagen ungewöhnlich hohen Laufleistungen erklären ...

Re: Fräge an die Batterietriebwägenexperten

geschrieben von: OZL-Lokd.

Datum: 04.07.11 19:48

Es heißt zweifelsfrei "Lösche" ( ungesiebte Lösche, Mangel an Lösche, Kohlen-Lösche ) Gruß

Vielleicht zur Wagenheizung?

geschrieben von: PKP-modelarz

Datum: 04.07.11 23:23

Hallo Klaus,
die AT hatten eine von außen zu beschickende Preßkohlenheizung. So könnte ich mir vorstellen, daß die noch recht kohlenstoffhaltige Lösche brikettiert wurde und in diesen Wagen verheizt wurde.
Das fehlen derselben verhindert dann wohl den Einsatz der dann im Fahrgastraum kalten Wagen.

Lösche ist ja eigentlich auch nichts weiter als kleiner un- oder teilverbrannter Kohlengrus, welcher durch die Saugzuganlage in die Rauchkammer mitgerissen wurde.
Eine wirtschaftliche "Zweitverwertung" könnte ich mir nur in brikettierter Form vorstellen.

Viele Grüße Christian

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:07:04:23:23:46.

Re: Fräge an die Batterietriebwägenexperten

geschrieben von: m38902687-1

Datum: 04.07.11 23:33

Werter OZL! Da ich mittlerweile im Text von Generatoren, gebrochenen Kurbelwellen, Gasgeneratoren, Gasmotoren usw. gelesen habe, drängt sich bei mir die Erkenntnis auf, daß die Stromerzeuger bzw. Lademaschinen von mit Lösche beheizten oder von mit Lösche vergasenden Gaserzeugern (Vorstufe des Imbert-Holzgasgenerators, volkstümlich Holzvergaser genannt) kostengünstig betrieben wurden. Gruß Fritzle.