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In einem Rätsel dieser Tage ([www.drehscheibe-foren.de]) habe ich ein Bild der Blockstelle (Bk) Baerl (Dehnungs-E, wird also „Baahl“ ausgesprochen) gezeigt und gefragt, wo das Bild gemacht worden sei. Als „Lohn“ für die Auflösung habe ich einen Bericht über die Betriebsstelle Baerl versprochen, den ich nun hiermit zu meiner Entlastung liefere.

Die Betriebsstelle hat ihren Namen vom heutigen Stadtteil Duisburgs, Duisburg-Baerl. Bis zur kommunalen Neugliederung 1975 gehörte Baerl als Dorf zur Gemeinde Rheinkamp. Die Ortschaft Baerl liegt etwa anderthalb Kilometer nördlich unserer Betriebsstelle.

Diese nachstehende Karte zeigt die Lage der Betriebsstelle Baerl im Eisenbahnnetz am linken Niederrhein (rote Strecken und Betriebsstellen = stillgelegt):

http://www.nullclub.de/hifo/a0kartestill.jpg


Die Betriebsstelle Baerl ist die erste Betriebsstelle, die Züge erreichen, welche die Haus-Knipp-Brücke über den Rhein in westlicher Richtung passieren. Die Haus-Knipp-Brücke ist die nördlichste Rheinbrücke in Deutschland, die derzeit in Betrieb steht. Aber die Brücke ist nicht Thema dieses Beitrags. Noch ein Wort zu Baerl: In Baerl gibt es einen Bahnhof der NIAG, früher Moerser Kreisbahn, der aber genau wie die Brücke heute nicht das eigentliche Thema ist, genauso wenig wie rechtwinklige Kreuzung der Kreisbahnstrecke mit der Zechenbahn, welche im Bereich unserer Betriebsstelle Baerl die Staatsbahnstrecke rechtwinklig unterquert.

Die Blockstelle Baerl wurde im Zuge des Baus der Güterzugstrecke Hohenbudberg – Oberhausen West errichtet. Am 01.10.1912 wurde der 12.21 km lange Abschnitt Hohenbudberg Rbf – Bk Oestrum – Bk Asberg – Bk Hochstraße – Bk Baerl – Duisburg Beeck – Abzw Buschmannshof mit der Haus-Knipp-Brücke fertig gestellt. Bk Baerl lag in Streckenkilometer 12,86. Die Grenze zwischen den Eisenbahndirektionen Cöln und Essen lag in km 13,07.

http://www.nullclub.de/hifo/a1baerledcoeln1917.jpg


Die vorstehende Karte ist ein Ausschnitt aus der Karte der Eisenbahn-Direktion (ED) Cöln aus dem Jahr 1917, den Bereich der Bk Baerl habe ich in dieser und den folgenden Karten Rot eingekringelt. Bereits in dieser Karte sind gestrichelt geplante Anschlussstrecken nach Westen eingezeichnet.

Bürgermeister Heynen aus Friemersheim beantragte am 19.9.1919 bei der Eisenbahndirektion Köln, die Strecke Hohenbudberg – Oberhausen-West für den Personenverkehr zu erschließen. Der Antrag wurde abgelehnt, da die Strecke nur für den Güterverkehr gebaut ist. Auf einer Karte aus den 20iger Jahren ist ein Haltepunkt in Moers-Scherpenberg, nahe der Homberger Straße eingezeichnet. Offensichtlich gab es Anfangs tatsächlich Überlegungen, diese Strecke auch für den Personenverkehr zu nutzen.

Die nächste Karte ist ein Ausschnitt aus der Kreiskarte des Kreises Moers aus dem Jahr 1926 und zeigt die Strecke nach Westen als in Bau:

http://www.nullclub.de/hifo/a2baerlkreiskartemoers1.jpg


Auch dieser Ausschnitt aus einer Karte von vor 1929 zeigt nur die Strecke von der Brücke nach Hohenbudberg, welche übrigens von Anfang an zweigleisig ausgelegt war. Die in Bau befindliche Strecke nach Westen ist als Bahndamm angedeutet:

http://www.nullclub.de/hifo/a3baerlvor1929kopie.jpg


In der Karte der RBD Essen aus dem Jahr 1929 ist die neue Strecke nach Westen bereits als in Betrieb befindlich eingezeichnet:

http://www.nullclub.de/hifo/a4baerlrbdessen1929.jpg


Diese Strecke wurde am 15.05.1929 eröffnet und führt von Baerl, die Blockstelle ist dadurch zur Abzweigstelle geworden, zur Abzweigstelle Meerbeck zwischen Moers und Rheinkamp. Gleichzeitig wurde der Personenzugverkehr zwischen Krefeld und Duisburg über diese nördliche Verbindung – und damit über die Haus-Knipp-Brücke – aufgenommen. Der Neubau dieser Abzweigstelle Meerbeck bedingte die Verlegung des Haltepunktes Rheinpreußen, um Platz zu schaffen. Der Haltepunkt Rheinpreußen wurde wenige 100 m weiter nach Norden verlegt und später in Hp Utfort umbenannt – ich berichtete darüber bereits hier im Hifo: [www.drehscheibe-foren.de] Übrigens wurden die weiteren, in der Karte als geplant eingezeichneten Strecken (gestrichelt) nie fertig gestellt...

Die nachstehende Ruhrgebietskarte der RBD Essen aus dem Jahr 1938 endete in Baerl, zeigte aber die Gleislage. Es ist deutlich zu erkennen, wie die zuerst vorhandene Güterzugstrecke nach Hohenbudberg in südlicher Richtung ausgefädelt wurde.

http://www.nullclub.de/hifo/a5baerlruhrgebiet1938.jpg


Um mal einen Überblick über die Region zu bieten, habe ich diesen Ausschnitt aus der Direktionskarte der RBD Köln aus dem Jahr 1944 eingestellt – der Ausschnitt zeigt den Verlauf der Güterzugstrecke bis nach Hohenbudberg:

http://www.nullclub.de/hifo/a6baerlrbdkoeln1944.jpg


Eine andere Darstellung ist mit dieser Karte aus dem Jahr 1958 gewählt worden – es fällt auf, dass im Gegensatz zu 1944 nicht mehr alle Verbindungsstrecken in Betrieb sind:

http://www.nullclub.de/hifo/a7baerlraumhohenbudberg.jpg


Als letzte Karte nun ein Blick in den Stadtplan der Gemeinde Rheinkamp aus dem Jahr 1968. Die Ausfädelung ist gut zu erkennen, leider hat ein Vorbesitzer die Zechenbahnstrecke fett und dunkel nachgezeichnet:

http://www.nullclub.de/hifo/a9baerlstadtplanrheinka.jpg


Diese Karte kann hier auch größer nachgeladen werden:
[www.nullclub.de]


Die Stilllegung der Strecke nach Hohenbudberg erfolgte am 24.08.1969, im September 1969 begann die Demontage des Gleiskörpers. Aus unserer Abzweigstelle wurde wieder nur eine Blockstelle, nur lag diese effektiv an einer anderen Strecke als die erste!

Nach der Stilllegung 1969 wurde der gesamte Verkehr über die Haus-Kipp-Brücke und Bk Baerl zur Abzweigstelle Meerbeck und weiter über Moers – Trompet Richtung Hohenbudberg/Krefeld geführt.

Am 01.12.1970 wurde unsere Strecke nun elektrifiziert.

Noch ein paar Worte zum Personenverkehr: Nach Eröffnung der Strecke von Abzw Meerbeck nach Baerl wurden Personenzüge in der Relation von Krefeld (teilweise) über Moers nach Oberhausen gefahren. Bis 1970 hat auch an der Abzweigstelle Baerl ein Haltepunkt existiert – das zugehörige Empfangsgebäude steht heute noch. Während der Zeit, in der die Rheinbrücke in Rheinhausen zerstört war, verkehrten auf unserer Strecke auch D-Züge, teilweise mit Halt in Moers. Der Personenverkehr wurde am 24.09.1983 eingestellt, HiFo-User Rainer Sp. und ich fuhren mit dem letzten Personenzug (BR 515), aber das ist einen anderen Beitrag wert. Eine kurze Episode mit Reisezugverkehr gab es aber im Herbst 2001: Die Rheinbrücke in Rheinhausen wurde saniert und zur deren Entlastung fuhr von August bis Oktober Freitags ein D-Zug von Dortmund nach Trier über Baerl!

Bk Baerl war bis Anfang 1984 mit einem Blockwärter besetzt. Dann wurden die Blockstelle aufgelassen, die Formsignale wurden abgebaut und das Stellwerksgebäude, welches seit Anbeginn mit Eisenbahnern besetzt war, verwaiste nun. Das Stellwerks-Gebäude wurde Ende der 80er Jahre abgerissen. Mit Inbetriebnahme des Spurplanstellwerks in Moers am 15.10.1987 wurden in Baerl Selbstblocksgnale aufgestellt, die Blockstelle Baerl gab es wieder, wenn auch nur mit automatischen Signalen.

Seit 1998 wird die Rheinbrücke nur noch eingleisig befahren. Dazu wurde in Baerl eine Weiche eingebaut und auf der anderen Rheinseite wurde die Ausfahrt aus Duisburg-Beeck Gbf so modifiziert, dass nur noch das Gleis von Baerl nach Duisburg-Beeck befahren wird, allerdings nun in beide Richtungen. Aus unserer selbsttätigen Blockstelle Baerl wurde somit nun eine Überleitstelle, die vom Stellwerk Maf in Oberhausen bedient wird und heute noch so in Betrieb steht.

Das war die Geschichte der Blockstelle/Abzweigstelle in kurzen Worten! Kommen wir nun zu den versprochenen Bildern, die ich dort gemacht habe. Die ersten Bilder entstanden dort am 31.07.1984. An diesem Tag war das Stellwerksgebäude schon nicht mehr besetzt, die Formsignale waren abgebaut und der Betrieb rollte trotzdem!

Die Bilder, die ich nun zeige, sind nicht alle optimal – ich stand noch am Anfang meiner Eisenbahn-Fotografie-Zeit und bitte deswegen um Nachsicht, dass diese Bilder nicht dem Standard der Bilder unserer HiFo-Meister entsprechen!

Den Anfang macht 140 278, die gerade von der Haus-Knipp-Brücke runtergerollt ist:

http://www.nullclub.de/hifo/01140278baerl310784.jpg


Ist Euch was aufgefallen? Im vorigen Bild war ein merkwürdiges Hektometerzeichen zu sehen, ich habe hier mal einen Ausschnitt gemacht:

http://www.nullclub.de/hifo/021693a.jpg


Es kennzeichnete die Grenze zwischen den beiden Bundesbahndirektionen Köln und Essen – die Rheinbrücke gehörte also zur BD Essen!

Nun habe ich mich mal außerhalb des Gleisraums aufgestellt und eine Lok der BR 140 kam mir entgegen:

http://www.nullclub.de/hifo/03140baerl310784.jpg


Ein Blick zurück zeigte 140 831, die aus Moers kommend am Stellwerksgebäude Baerl vorbei fährt:

http://www.nullclub.de/hifo/04140baerl310784.jpg


Kurz danach folgte eine Lok meiner Lieblingsbaureihe, der BR 221. Und zwar fuhr 221 111 mit einem beladenen Kohlezug auf die Brücke zu – das Stellwerksgebäude lag nun in meinem Rücken. Deutlich ist zu erkennen, wie die Streckengleise auseinander gehen, die Güterzugstrecke nach Hohenbudberg lag zwischen den beiden sichtbaren Gleisen:

http://www.nullclub.de/hifo/05221111baerl310784.jpg


Das noch neue Teleobjektiv wurde genutzt, um 150 108 aus Moers kommend aufzunehmen:

http://www.nullclub.de/hifo/06150108baerl310784.jpg


Blicken wir noch einmal in Richtung Brücke, eine unerkannte 140 rollte in Richtung Moers:

http://www.nullclub.de/hifo/07140baerl310784.jpg


150 128 folgte Lz, also ohne Zug:

http://www.nullclub.de/hifo/08150128baerl310784.jpg


Aus der Gegenrichtung fuhr 140 832 in Richtung Rheinbrücke – links der Lok sind weite Flächen erkennbar, irgendwo von dort entstand das Rätselbild:

http://www.nullclub.de/hifo/09140832baerl310784.jpg


140 850 kommt mit einem Ganzzug aus Ucs-Wagen von der Rheinbrücke:

http://www.nullclub.de/hifo/10140850baerl310784.jpg


Im Oktober 1984 stand die Sonne etwas tiefer, als ich mich so hinstellte, dass sie in meinem Rücken war und ich 150 009 Lz aufnehmen konnte. Unten ist der Schatten des Stellwerkgebäudes zu erkennen:

http://www.nullclub.de/hifo/11150009baerl1084.jpg


Kurz darauf folgte 140 666:

http://www.nullclub.de/hifo/12140666baerl1084.jpg


Damit endet mein Bilderreigen der Bundesbahnloks, die ich in Baerl aufnahm – war halt nur Bundesbahn-Alltag, nichts besonderes also. Ich habe noch ein paar wenige Bilder, hauptsächlich BR 221, die ich dort aufnahm. Auch der 491 kam dort mal vorbei, als ich mich dort aufhielt. Aber diese Dias sind noch nicht gescannt...

Wie schrieb ich oben? Die Zechenbahn soll nicht Thema sein? Na ja, ich will mal nicht so sein, Joachim Leitsch soll auch was sehen. Als erstes zeige ich eine Lok der Nummernreihe 140 bis 143 auf dem Weg zum Rheinpreußenhafen in Duisburg-Homberg. Er kommt von der Kreuzung mit der Kreisbahn und wird gleich den Bahndamm vor der Brücke unterqueren. Heute dominiert die A42 diese Fotostelle:

http://www.nullclub.de/hifo/13ragbaerl310784.jpg


V137 ist hier auf dem Weg von Duisburg-Homberg nach Moers oder Kamp-Lintfort. Das Teleobjektiv holt nicht nur die Lok, sondern auch den Kirchturm von Baerl nahe heran:

http://www.nullclub.de/hifo/14v137baerl1084rag.jpg


Okay, die Moerser Kreisbahn hat ja auch eine Betriebsstelle namens Baerl, also hier zwei Bilder des Kreisbahnhofs Baerl, beide entstanden am 05.05.1984, als die Moerser Kreisbahn ihr 75jähriges Jubiläum feierte. Die auszustellende 41 241 stand verkehrt herum, so dass sie mit 221 104 nach Orsoy zum Gleisdreieck geschleppt wurde. Hier ist sie im Schlepp eben der genannten 221 104 zu sehen:

http://www.nullclub.de/hifo/1522110441241baerl05058.jpg

http://www.nullclub.de/hifo/1622110441241baerl05058.jpg



So, damit endet mein kleiner Bericht zur Betriebsstelle Baerl! Ich hoffe, er findet Eure Zustimmung!?!

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr meinen Bericht mit eigenen Bildern ergänzen könntet und würdet – ich habe zum Beispiel noch nie Bilder von Dampfloks (ausgenommen Museumsloks) gesehen. Auch Bilder eines Schienenbusses oder eines Akku-Triebwagens würden mich sehr erfreuen...

Mit freundlichem Gruß,
Stefan P.

Quellen neben eigenen Aufzeichnungen/Erinnerungen:
Baerl auf André Joosts Seite: [home.arcor.de]
Seite zum Bahnknoten Trompet: [www.nullclub.de]
Gesammelte Karten

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5-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:04:30:18:54:32.
Vielen Dank Stefan,

unser Gespräch während der Zugfahrt(du erinnerst dich doch noch?) über diese Stelle hat nun dank der Karten keine Fragen mehr offen gelassen.
Danke, lieber Stefan, für diesen interessanten, heimatverbundenen und informativen Bericht!

Ich wundere mich übrigens über die frühe Stillegung der Strecke Baerl-Hohenbudberg. Der "Rbf Hbu" stand doch noch voll im Saft, und 1968/69 setzte eine Hochkonjunktur ein, die sogar viele z-gestellte Dampfloks wieder unter Dampf brachte.

Hast du eine Erklärung dafür?

Bernhard

Oh!

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 22.04.11 10:15

Danke für die beiden Zechenbahneinsprengsel in dem sehr interessanten Beitrag über den Bk Baerl. Das Bild mit der "Dicken" mit ihrem Kübelzug hat schon was... eine aus dieser Serie läuft ja immer noch!

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Hallo Heinz,

Roststab schrieb:
-------------------------------------------------------
> unser Gespräch während der Zugfahrt(du erinnerst
> dich doch noch?) über diese Stelle hat nun dank
> der Karten keine Fragen mehr offen gelassen.

Klar erinnere ich mich noch an unser Gespräch! Gut, dass nun keine Fragen mehr offen sind...

Gruß,
Stefan

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Hallo Bernhard,

Bernhard Terjung schrieb:
-------------------------------------------------------
> Ich wundere mich übrigens über die frühe
> Stillegung der Strecke Baerl-Hohenbudberg. Der
> "Rbf Hbu" stand doch noch voll im Saft, und
> 1968/69 setzte eine Hochkonjunktur ein, die sogar
> viele z-gestellte Dampfloks wieder unter Dampf
> brachte.
>
> Hast du eine Erklärung dafür?

Damals kamen mehrere Themen zusammen:
1) Stilllegung der Zechen Diergardt&Mevissen im Rheinhausener Gebiet
2) Eröffnung der Zeche Rossenray im Norden von Kamp-Lintfort
3) geplante Elektrifizierungen im gesamten Gebiet und damit verbundene Leistungssteigerungder einzelnen Strecken
4) geplante Expansion der Bebauung in den an der Strecke benachbarten Gemeinden und damit verbundene Gebietsansprüche/Wünsche
5) Abbau von Sand etc. im Bereich der Strecke ("Töpper See")
6) Neubau der heutigen A 40 mit Querung der Eisenbahntrasse
7) Neuordnung der Bahnanlagen im Bereich Rheinhausen/Abzw Borgschenhof/Trompet mit Stellwerksneubauten in Rheinhausen und Trompet

zu 1) Die beiden Zechen waren am Bahnhof Trompet angeschlossen. Durch die Stilllegung der beiden Schachtanlagen entfiel die Notwendigkeit, von Trompet aus beginnende Züge nach Norden über Baerl abzufahren. Die restlichen Anschließer bzw. deren aufgelieferten Wagenladungen wurden südwärts abgefahren (nach Hohenbudberg oder als Ganzzug in alle Richtungen)

zu 2) Eine häufig gefahrene Relation der neuen Zeche Rossenray führte vom Anschlussbahnhof Rheinberg über Rheinkamp, Moers und Trompet nach Rheinhausen. Güterzüge in dieser Relation mussten damals in Trompet aufwändig durch den Bahnhof gefahren werden und fuhren dann über Abz. Borgschenhof nach Rheinhausen. Gleiches galt für beginnende Züge aus Rheinkamp und Moers, die entweder nach Rheinhausen oder weiter in den Süden der BD Essen mussten. Dabei erwies sich, dass der Bahnhof Trompet ein Nadelöhr war und umgestaltet werden müsste, genauso wie Abzw Borgschenhof!

zu 3) Elektrifizierungen boten die Möglichkeit, die gefahrenen Geschwindigkeiten und die Anhängelasten zu erhöhen. Dadurch steigt die Leistungsfähigkeit der elektrifizierten Strecken (im Vergleich zu vorher). Bei der Planung der Elektrifizierung am Niederrhein ist deutlich zu erkennen, dass der Aufwand der Elektrifizierung so gering wie möglich gehalten werden sollte und somit so wenig wie nötig elektrifiziert wurde. Durch die positiven Effekte war die Strecke Hohenbudberg - Baerl quasi über und der Instandhaltungsaufwand konnte nach Auflassung der Abschreibung der Elektrifizierung gegengerechnet werden!

zu 4) Die Städte Moers, Homberg und Rheinhausen waren stark auf Expansionskurz, so dass die freigesetzten Flächen gerne genutzt wurden. Weiter kam die Freisetzung der Flächen der Zechen Diergardt&Mevissen, so dass Rheinhausen im Norden ausgebaut und stark verändert wurde.

zu 5) Der Abbau von Sand und Kies im Bereich des heutigen Töpper Sees war in vollem Gange und die Abbaubetriebe hatten Expansionswünsche, so dass Teile der Trasse und des ehemaligen Bahnhofs Bergheim (b.Moers) abgegraben wurden.

zu 6) Die Stilllegung ersparte den Bau eines Überführungsbauwerks im Bereich der Autobahn. Weiter konnte der Flächengewinn auch genutzt werden, um eine mehrspurige Schnellstraße von Moers nach Rheinhausen zu bauen und diese an die neue Autobahn anzuschließen (Anschlussstelle Moers Ost/Rheinhausen). Weiter ist in zeitgenössigen Quellen zu finden, dass das Erdmaterial, welches beim Abtragen der Bahndämme gewonnen wurde, für den Neubau der heutigen A 40 verwendet werden konnte.

zu 7) Die Neuordnung der Bahnanlagen im genannten Bereich war enorm! Es wurde quasi alles umgegraben und neu ausgerichtet. Im Zentrum des Umbaus stand die Abzw Borgschenhof. Die eingleisige Güterzugstrecke Hobu - Borgschenhof (- Trompet) wurde stillgelegt, die zweigleisige Strecke Hobu - Bergheim - Baerl wurde nach Unterquerung der Strecke Rheinhausen - Borgschenhof in Richtung Trompet umgeschwenkt - somit war Trompet mittels zweigleisiger Strecke direkt an HoBu angebunden. Die eingleisige Personenzugstrecke Borgschenhof - Trompet wurde auf die ehemalige zweigleisige Güterzugstrecke Trompet - Borgschenhof verlegt und im Bereich des Bahnhofs Trompet wurde diese Strecke an die Bahnsteiganlagen angeschwenkt. Dadurch wurden zwei stählerne Brückenbauwerke überflüssig. Der Haltepunkt Rumeln wurde von der eingleisigen Personenzugstrecke Borgschenhof - Trompet an die neue zweigleisige Strecke Trompet - Borgschenhof verlegt. Abzw Borgschenhof wurde umgebaut, statt einer Verknüpfung der zweigleisigen Strecke von Rheinhausen, der eingleisigen Güterstrecke von HoBu, der eingleisigen Personenzugstrecke von Trompet, der zweigleisigen Güterzugstrecke von Trompet und der eingleisigen Verbindungskurve von Abzw Mühlenberg (in und aus Richtung Krefeld) lag die neue Abzw Borgschenhof nun an einer zweigleisigen Strecke von Trompet nach Rheinhause und hatte nur noch den Abzweig nach Mühlenberg zu bedienen. Der Bahnhof Trompet wurde umgestaltet und erhielt ein Spurplanstellwerk, welches auch die neue Abzw Borgschenhof fernbedient. Auch die Anbindungen des Umbauknotens Borgschenhof/Trompet in Rheinhausen und HoBu wurden optimiert und somit leistungsfähiger gestaltet. In Verbindung mit der Elektrifizierung des genannten Bereichs sorgte der Umbau ebenfalls für eine Leistungssteigerung, welche die alte Güterzugstrecke entbehrlich machte. Im Ursprungsbeitrag können die Ortsangaben auf der ersten Karte und der Karte aus dem Jahr 1958 nachvollzogen werden.

Natürlich kann es sein, dass einzelne der aufgeführten Punkte nicht kausal für die Stilllegung waren, sondern eher Folgen beschreiben. Aber das ist nun aus einer zeitlichen Entfernung von etwas über 40 Jahre ohne vertiefendes Aktenstudium nicht genauer zu definieren, tut mir leid!

Ich hoffe, ich habe Deine Frage, Bernhard, beantworten können?

Anmerkung von mir: Zum Punkt 7), der Umgestaltung der Bahnanlagen, suche ich noch Bilder, die vor, während oder nach den Umbauarbeiten entstanden sind und die Umbauten oder den entsprechenden Bahnbetrieb zeigen. Wre schön, wenn sich in Euren Archiven dazu etwas fände. Bei einem Relaunch der Homepage über den Bahnknoten Trompet [www.bk-tromet.de.vu] würde ich diese gerne mit einbauen!

Gruß,
Stefan P.

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Hallo Stefan,

den Beitrag finde ich außerordentlich interessant. Er zeigt sehr anschaulich, wie sehr das Eisenbahnnetz immer schon Veränderungen unterworfen war, egal ob durch Aufbau, Umbau oder Abbau.

Ich bin erst recht spät - ich glaube Ende der 90er Jahre - auf das imposante Bauwerk der Haus-Knipp-Brücke aufmerksam geworden, und ich habe schon einige sehr schöne Bilder davon gesehen.

Im Jahr 2000 gab es nochmals einen Personenverkehr über die Strecke, der von der Zeche Zollverein ausging und die sog. "Moersrunde" über Obh.-West, Moers, Rheinhausen, Obh.-West, Zollverein mit div. Zusteigehalten beinhaltete. Damit war sowohl die geschlossene Rundfahrt von Zollverein aus möglich, als auch der stilgerechte Besuch von Zollverein selbst von den Stationen entlang der Route, da der Zug mindestens zweimal am Tag verkehrte und eine günstige Aufenthaltszeit auf Zollverein gewährte. Es verkehrte der historische Zug der Emscher-Park-Eisenbahn-Gesellschaft mit 78 468 und Donnerbüchsen. Die Moersrunde ging auf meine Initiative zurück und ich habe sie auch zweimal selber gefahren. Über die Gleisführung an der Westseite der Haus-Knipp-Brücke hatte ich mich schon gewundert. Jetzt kenne ich die Geschichte dazu.

Besten Dank und schöne Ostergrüße

Klaus

Re: Baerl: Bild 491

geschrieben von: Rainer Sp.

Datum: 22.04.11 13:12

Hallo zusammen,

dank an Stefan für die Dokomentation. Als kleine Zugabe zeige ich hier ein Bild des gläsernen Zuges
bei einer Sonderfahrt etwa 1990 auf der Baerler Rheinbrücke.

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/img66362ua8rh79te.jpg

Gruß und schöne Ostertage,
Rainer

Re: Baerl: Bild 491

geschrieben von: stefan p.

Datum: 22.04.11 13:41

Hallo Rainer,

danke für das Bild!

Aber: Bist Du Dir sicher, dass das Bild etwa 1990 aufgenommen wurde? Warum ich frage? Nun, der Triebwagen trägt vorne das Schild "50 Jahre Gläserner Zug", und das Jubiläum war nun einmal 1985. Weiter sehe ich auf der Brücke kein Selbstblocksignal, welches ab 1987 dort stand. Könnte es sein, dass das Bild 1985 bei den beiden Besuchen des 491 in Moers aufgenommen worden ist?

Gruß und auch Dir und Deiner Frau ein frohes Osterfest,
Stefan P.

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Super gemacht - wie eine Doktorarbeit!

Vielen Dank für diese Monographie!

Schönen Abend
Mw

Bei der Fülle des zu verarbeitenden Materials sind einzelne Fehler oder Unrichtigkeiten nicht gänzlich zu vermeiden (Kursbuch Deutsche Bundesbahn)
Da wohne ich doch fast nebenan und weiß mal wieder garnix.
Vielen Dank für diese fantastische Arbeit, die vielen Erklärungen und somit erhellenden Momente. Ein Nachbar sprach immer von der Zechenbahn(trasse hat er nie gesagt), auf der er gerne spaziernging (hab ich auch schon gemacht, bis zur Essenbergerstraße und war verwundert. Klar als Bahntrasse zu erkennen, aber trotzdem ich auch in der Gegend aufgewachsen bin (allerdings Mitte der 80er nach Norddeutschland ausgewandert, mittlerweile aber wieder Niederrheiner), kam mir das alles äußerst unbekannt vor. Das dies aber die ursprüngliche Hauptstrecke nach HoBu war, ist schon faszinierend, vor allem wenn man bedenkt, dass es um die Strecke herum doch schon recht früh recht dicht besiedelt war.
Das war Eisenbahn- und vor allem Heimatgeschichte pur. Danke +

Viele Grüße,
Hardy aus Nordfriesland
Moin Stefan,

das ist ja ein Wahnsinnsbeitrag !

Von Oberhausen aus hatten wir mal vor einigen Jahren auf einer Radtour von Voerde aus die HOAG-Trasse/Grüner Pfad, die Moerser Kreisbahn, die Weseler Rheinbrücke und die Dinslakener Kreisbahn "besucht" und ich meine ersten - und schlechtesten - Fotos gemacht (extrem unscharf und verwackelt).

Ich werd mal danach suchen, da sind unter anderem noch Bilder vom Bahnhofsgebäude, beiden Überleitstellen der Haus Knipp Brücke usw. zu sehen.


Der Beitrag versüßt mir echt den Morgen :-)


Viele Grüße,

Plutone
Hallo Hardy,

freut mich, wenn Dir mein kleiner Bericht Neues aus der Heimat gebracht hat.

Ja, Baerl und Umgebung, da gibt es noch einige interessante Aspekte...

Du weißt sicher, dass
- die Straßenbahn nach Baerl mal parallel zur Zechenbahntrasse unter der Staatsbahntrasse hindurch verlief und somit das Hinterland der Haltestelle Baerl erschloss?
- die Zechenbahn vom Rheinpreußenhafen kommend eine Verbindungskurve zum Kreisbahn-Bahnhof Baerl hatte?
- Die Zechenbahn ein umfangreiches Gleisnetz im Bereich Homberg hatte und alle Rheinpreußen-Schächte darüber miteinander verbunden waren?
- es neben der Betriebsstelle Baerl früher einige Baggerlöcher mit Feldbahnen und teilweise mit Gleisanschluss zur Moerser Kreisbahn gab
- und und und

Über die Kreuzung der Zechenbahn mit der Kreisbahn reden wir mal noch nicht - sie soll übrigens vor kurzem ausgebaut worden sein...

Du siehst: Themen satt ;-)

Gruß aus Rheinberg
Stefan P.

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Hallo Plutone,

freut mich, dass Dir der Beitrag gefiel.

Wenn Du Deine Bilder der Überleitstelle hier einstellst, dann kann ich mir den Aufwand sparen. Denn ich müsste erst Bilder anfertigen...

Gruß von der anderen Rheinseite,
Stefan

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Ich habe da mal eine Frage: Hatte der Schacht Gerdt (Schacht 8) der Rheinpreussen AG eigentlich auch einen Bahnanschluß, z. B. für Materialanlieferungen während der Bauphase in den 40er Jahren, gefördert wurde dort ja nicht. Dieter
Hallo Dieter,

co2430 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Ich habe da mal eine Frage: Hatte der Schacht
> Gerdt (Schacht 8) der Rheinpreussen AG eigentlich
> auch einen Bahnanschluß, z. B. für
> Materialanlieferungen während der Bauphase in den
> 40er Jahren, gefördert wurde dort ja nicht. Dieter

Schau mal auf meine letzte Karte im Ursprungsbeitrag, da ist ein Gleisanschluss eingezeichnet - er war vom Rheinpreußenhafen aus zu bedienen (oder von Moers aus durch Zurücksetzen...).

Hier der Link zur größeren Karte:

[img571.imageshack.us]

Gruß
Stefan P.

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:04:23:14:30:26.

Übersichtsplan Scht VIII

geschrieben von: Joachim Leitsch

Datum: 23.04.11 15:45

Siehe hier:
a007.jpg

Damit sollten alle Fragen geklärt sein, Dieter, oder? Frohe Ostern.

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Das ist wirklich erschöpfend, ...

geschrieben von: Bernhard Terjung

Datum: 23.04.11 19:51

... und viel mehr als ich mit meiner nichtsahnenden Frage erwartet habe.

Hab nochmals vielen Dank!

Bernhard
Vielen Dank, lieber Stefan, für den tollen Beitrag!

Frohe Ostern!
Christoph

"Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen." (Immanuel Kant)
http://www.hippelandexpress.de/files/ability_logo.jpg
stefan p. schrieb:
-------------------------------------------------------
> Noch ein Wort zu
> Baerl: In Baerl gibt es einen Bahnhof der NIAG,
> früher Moerser Kreisbahn, der aber genau wie die
> Brücke heute nicht das eigentliche Thema ist,
> genauso wenig wie rechtwinklige Kreuzung der
> Kreisbahnstrecke mit der Zechenbahn, welche im
> Bereich unserer Betriebsstelle Baerl die
> Staatsbahnstrecke rechtwinklig unterquert.

Wenn du schon die ebenso interessanten und wenig beleuchteten Themen auflistest, kannst du noch die Straßenbahn von Homberg nach Baerl erwähnen.

Gruß und Dank,
André Joost



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:04:26:14:48:48.
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