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 04 - Historische Bahn 

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Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Nach der Ankunft am Vortag geht es nun in Gnesen/Gniezno zur Sache:

Teil 1 (Nörenberg/Insko, Neu Bentschen/Zbaszynek, Wollstein/Wolsztyn)
Teil 2 (Wollstein/Wolsztyn)
Teil 3 (Wollstein/Wolsztyn, Gnesen/Gniezno)
Teil 4 (Gnesen/Gniezno, Jarotschin/Jarocin)
Teil 5 (Jarotschin/Jarocin, Kempen/Kepno)
Teil 6 (Kempen/Kepno, Königszelt/Jaworzyna Sl.)
Teil 7 (Königszelt/Jaworzyna Sl., Glatz/Klodzko, Neisse/Nysa)
Teil 8 (Jakobswalde/Kotlarnia, Peiskretscham/Pyskowice, Marcule, Scharfenwiese/Ostroleka)
Teil 9 (Lyck/Elk)
Teil 10 (Lyck/Elk)






Mittwoch, 21. August 1991

Morgens beim Aufstehen schien endlich einmal die Sonne! Das Tagesprogramm sah vor, den morgendlichen Güterzug der Schmalspurbahn nach Anastazewo abzulichten und anschließend noch bis Jarotschin/Jarocin vorzustoßen. Das Morgenlicht optimal nutzend ging es erst einmal hinüber zum Schmalspurbahnhof. Da sich dort noch nichts tat, blieb Zeit für einen nochmaligen Besuch im benachbarten Bahnbetriebswerk.


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Px48-1754 und Px48-1927 im Lokschuppen in Gnesen/Gniezno


Bei der unvermeidlichen und sich in die Länge ziehenden Anmeldung beim Lokleiter sprang ich nervös von einem Bein aufs andere, da ausgerechnet jetzt die Ty2-331 unter dem Gebäude der Lokleitung hindurch zum Bansen fuhr. Endlich autorisiert, hastete ich der Lok zum Hochbunker hinterher. Ty2-331 war inzwischen allerdings fertig restauriert und setzte sich schon wieder in Bewegung, so dass ich sie mit Mühe und Not noch neben der pr. G 12 (Ty1-76) ablichten konnte. Die Lichtverhältnisse waren zu dieser frühen Stunde leider auch nicht ideal – die Gebäude warfen noch lange Schatten auf die Gleise.


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Ty1-76 als Schrottlok im Bw Gnesen/Gniezno

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Ty2-331 neben Ty1-76 im Bw Gnesen/Gniezno

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Ty2-331 mit Ty2-1298 am Lokschuppen im Bw Gnesen/Gniezno

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Ty2-331 auf der Drehscheibe im Bw Gnesen/Gniezno


Nach zwei weiteren Aufnahmen auf der Drehscheibe verschwand die Ty2-331 unerwartet als Lz in Richtung Westen, ohne dass ich in Erfahrung bringen konnte, wohin die Reise ging. Notgedrungen nahm ich mir nun die abgestellten Loks vor. An der noch im Winter im Einsatz befindlichen Ty2-1122 war ein Verschrottungsteam bei der Arbeit und hatte die Lok bis auf Fahrwerk und Tender schon kräftig zerlegt. Bei einem kurzen Plausch mit einem der Arbeiter handelte ich mir für 15 Mark und eine Schachtel Zigaretten das Kesselschild und die Dampfpfeife der als nächstes zur Zerlegung anstehenden Ty2-1061 ein, bevor ich mich wieder zu meinem Auto begab und erneut zum Schmalspurbahnhof fuhr. Dort herrschte jetzt emsige Betriebsamkeit: Px48-1925 war mit dem Aufrollen von Kohle-Eas beschäftigt.


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Px48-1925 beim Aufrollen mittels Seilzug

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Px48-1925 wird vor der Abfahrt abgeölt…

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…und mittels aus der eigentlichen Ladung geklauter Kohle „aufmunitioniert“


Die Arbeiten waren schnell beendet und man rüstete zum Aufbruch. Ziel des Tages war jedoch nicht das 37 Kilometer entfernte Anastazewo (Anschlussbahnhof zum Kujawischen Schmalspurnetz), sondern lediglich das 10 Kilometer davor liegende Powidz. Die Strecke dorthin war reichlich unspektakulär und führte recht gradlinig von Gnesen/Gniezno aus nach Süden. Als typische Landwirtschaftsbahn verband sie alle am Weg in die auf halber Strecke liegende ehemalige Kreisstadt Witkowo. Außer im unmittelbaren Ortsbereich von Gnesen/Gniezno lag das Gleis immer direkt neben der Straße, so dass die Verfolgung ein Kinderspiel war.


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Px48-1925 kurz hinter dem Bahnhof in Gnesen/Gniezno

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In der Ortslage Gnesen/Gniezno musste der Lokführer kurz mal zu Hause vorbeischauen

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Px48-1925 Ortausgang Gnesen/Gniezno


Spannend wurde es kurz hinter Gnesen/Gniezno: Auf freier Strecke war gerade eine Rotte mit einer Handhebeldraisine unterwegs. Als sich laut pfeifend der Zug näherte, hielt man einfach an und setzte das Gefährt per Hand aus, um den Zug passieren zu lassen – eine wunderbare Szene für mich Fotografen!


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Px48-1925 begegnet einer Handhebeldraisinie

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Px48-1925 in der Steigung vor Niechanowo

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Px48-1925 kreuzt die Landstraße vor Witkowo

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Px48-1925 kurz vor dem Bahnhof Witkowo


In Witkowo wurde der größere Teil des Zuges an der Ladestraße abgestellt sowie ein leerer Eas aus dem Anschluss am Bahnhof abgeholt.


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Bahnhof Witkowo

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Anschluss in Witkowo


Mit nur noch einem zweiachsigen E-Wagen ging es weiter nach Powidz, dem Bestimmungsort der heutigen Fuhre.


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Px48-1925 mit arg gekürztem Zug hinter Witkowo

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Px48-1925 mit Haus bei Strzyzewo

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Bahnübergang bei Wiekowo

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Px48-1925 Einfahrt Bf Powidz

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Px48-1925 Einfahrt Bf Powidz


In Powidz wurde nach dem Wegsetzen des Rollwagens nur kurz umgesetzt und die Lok machte sich mit dem Packwagen wieder auf den Rückweg.


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Px48-1925 setzt in Powidz um


Die Rückfahrt des Zuges sparte ich mir und nahm nun Kurs auf Wreschen/Wresznia und von dort weiter an die Bahnlinie Czempin – Jarotschin/Jarocin. In Chwalkowo bezog ich am Beamtenwohnhaus am Bahnhof Position und lichtete kurz nach einander Ol49-6 (15:05 Uhr) und Ol49-77 (15:20 Uhr) mit ihren Zügen ab.


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Ol49-77 Ausfahrt Chwalkowo


In der Pause zwischen den beiden Zügen traf ich auf zwei deutsche Eisenbahnfreunde, die zu Fuß unterwegs waren. Wir kamen ins Gespräch und ich sagte ihnen zu, dass ich sie am nächsten Tag mit dem Auto mitnehmen würde. Wir verabredeten uns am Morgenzug in Szoldry und sie zogen wieder von dannen (zu Bekannten ins Nachbardorf?).


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Ol49-6 Einfahrt Chwalkowo


Im Übrigen war ich ziemlich erstaunt, ausgerechnet hier nur Ol49 vorzufinden, war die Strecke doch im Winter noch zu 100 % mit Tkt48 bedient worden. Als nächstes wollte ich den folgenden Zug mit der Kirche von Schrimm/Srem ablichten, was jedoch gründlich misslang: Ich fand einfach keine passende Stelle, so dass es am Ende ein „Notschuss“ am Ortsausgang Schrimm/Srem wurde, der um 16:30 Uhr aber mit Tkt48-126 vor dem P 33534 immerhin endlich eines der kleinen „Eselchen“ in den Kasten brachte ¬– dem letzten hier noch im Einsatz befindlichen, wie sich herausstellen sollte.


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Tkt48-126 Ortseinfahrt Schrimm/Srem


Damit war erst einmal wieder eine längere Zugpause auf der Strecke, die ich notgedrungen für die Lösung eines altbekannten Problems nutzen wollte: Unterwegs hatte mein tapferes Gefährt plötzlich an Leistung verloren, was auf Probleme mit den Unterbrechern schließen ließ. Aus den Erfahrungen der Frühjahrstour lernend, hatte ich mir für den Fall der Fälle eine zweite Unterbrecherplatte vormontiert. Diese war mit einem Anschlag versehen, so dass der Zündzeitpunkt nicht ständig neu eingestellt werden musste. Auf diese Weise brauchte man nur fix die komplette Platte austauschen, den Unterbrecherabstand korrigieren und man war in wenigen Minuten wieder einsatzbereit. Die ausgebaute Unterbrecherplatte konnte man dann in aller Ruhe bei Gelegenheit wieder auf Vordermann bringen.

Nach der Reparatur suchte ich mir schon mal ein Plätzchen für die Nacht, welches am Ende aus einem Feldweg unweit von Szoldry bestand. Hier passte ich noch um 18:44 Uhr die Ol49-77 mit dem letzten Zug des Tages ab (Sonnenuntergangsbild ohne Sonne), bevor ich mein Nachtlager herrichtete: Die Rückbank frei geräumt, Rückenlehne des Fahrersitzes ganz nach hinten, den Fußraum mit einer Tasche ausgestopft und schon konnte man in halbwegs liegender Position im Schlafsack nächtigen. Sonderlich bequem war es ganz und gar nicht, aber es gab schlechteres.





Damit endet Teil 4. Im Teil 5 geht es bei prächtigem Fotowetter den Jarotschiner Zügen hinterher.

Bis dann, xBurt.



Meine HiFo-Beiträge: [www.drehscheibe-foren.de]




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:04:19:20:32:57.
Guten Abend,

vielen Dank für Deine Serie! Gekonnte, stimmungsvolle Bilder, und nett erzählt. Da freut man sich schon auf die nächsten Teile.

Viele Grüsse,
Hubert.
Endlich Bilder (und dazu noch sehr stimmungsvolle!) von der Schmalspurbahn in Gnesen, die ich leider gegenüber der in Sroda sehr vernachlässigt habe.

Mit Dank und Gruß,

Jürgen



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:04:03:08:48:33.
Hallo Frank,
heute konnte ich endlich die letzten drei Teile Deines Berichtes nacharbeiten. So manches erinnert mich an eigene Erlebnisse.
Immerhin hatte der Trabbi Liegesitze - welcher Westwagen bietet Dir diese Möglichkeit?
Danke für's Zeigen!
Stefan

https://abload.de/img/db-251902-4003812-titu8k49.jpg

Hallo Frank,

wieder ein schöner Teil Deines Tourberichtes.

Zwar sah die Ty 1 76 damals arg heruntergekommen aus, war aber noch halbwegs vollständig. Heute sieht sie zwar farblich etwas besser aus, nur inzwischen fehlen ihr fast alle Stangen. Diese haben sich in den letzten zwei, drei Jahren auf Wanderschaft begeben, fragt sich nur wohin. Vermutungen hierzu gibt es auch.

Grüße,
Jens
Man beachte auch die völlig freien Straßen, bis auf die beiden Aufnahmen in der Ortslage Gnesen. Da war der Trabantfahrer noch König,
weil allein auf weiter Flur. Und gleichzeitig war das etwas Fahrpraxis für den "relativen Neuling" ! Damals waren gut 26 PS noch
ausreichend, heute würde man wahrscheinlich in der Schlange immer weiter hinten landen, weil ein bischen Si-Abstand war bei der Pappe
schon nötig. Und wenige Meter davon sind heute meißt für "den Nachfolger" schon die Aufforderung zum Sprung ...
Über den Mehrteiler müssen wir nicht reden, wer das damals gesehen hat ist schon im Vorteil. Was mich aber interessiert, zwischendurch mal
einen Kilometerstand zu erfahren, damit man weiß wann das aktuelle Buch weitergelesen werden könnte. Wieviel mal gings da eigentlich an die
Tanke, oder wurde auch noch 'ne 20er Reserve mitgeführt ?
Aufnahmen gut umgesetzt, gut protokolliert u. gescannt - was muß ich mehr sagen wie DANKE !

Nebenanfrage für Frank, Du hast doch sehr wahrscheinlich auch die in Gniezno bereits z abgestellte Ty2-260 aufgenommen, hatte die da noch
den Tender mit dem verlängerten Kohlekasten wie von H.Philipp in Bydgoszcz gezeigt ?

Viele Grüße, bis demnächst von der kalten Reserve
Die Ty2-260 hatte da schon wieder einen normalen 2'2'T30:
260.jpg

Für den Bericht konnte ich auf meine Dia-Datenbank und die handschriftlichen Aufzeichnungen zu den Fotos zurückgreifen. Trotz intensiver Suche habe ich aber meine auf der Fahrt angefertigte Lose-Blatt-Sammlung, auf der ich neben den der finanziellen Buchführung auch die bei den täglichen Tankstopps angefallenen Kilometerstände notiert habe, noch nicht wieder gefunden. Nach vier zwischenzeitlichen Umzügen dürften sie irgendwo auf dem Dachboden liegen, nur wo? Vielleicht schaffe ich da ja noch was bis zum Ende der Serie aufzutreiben...

Für den Erwerb gründlicher Fahrpraxis war Polen natürlich ideal: Die in der Regel leeren Landstraßen waren gut zum Üben und bei den Stadtdurchfahrten war der geringere Verkehr nützlich, da ich ja neben der Fahrerei auch noch immer wieder einen Blick auf die Karte werfen musste. Als haarig habe ich nur die Durchfahrten von Posen/Poznan sowie den oberschlesischen Kohlenpott in Erinnerung.

Den nächsten (5.) Teil schaffe ich vielleicht bis Mittwoch!

Viele Grüße, xBurt.



Meine HiFo-Beiträge: [www.drehscheibe-foren.de]
mein Favorit ist die "polnische Schmalspurlokbekohlung"! Fantastisches Bild, gekonnt umgesetzt.

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(
Die Lok war eigentlich vorher schon mittels Föderband bekohlt worden. Da die Ladung der E-Wagen aber 1A-Steinkohle in großen Brocken enthielt, wollte sich das Personal die eigenen Krümmel nicht antun und requirierte somit einfach einen Teil der Ladung. Nachwiegen tat das am Zielort ja eh' keiner.

Gruß, xBurt.

Edit: Hier noch der Link zum Teil 5: [www.drehscheibe-foren.de]



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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2011:04:06:19:53:00.
Ja, war mir schon klar, daß diese schönen dicken Knabbeln (wie es fachsprachlich heißt) Begehrlichkeiten geweckt hatten ;)

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(