DREHSCHEIBE-Online 
DREHSCHEIBE-Online

Anzeige

HIER KLICKEN!

 04 - Historisches Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Hallo,

heute bekam ich über einen Bekannten eine sogenannte "Kriegskarte" von Wilhelm Gerling aus Darmstadt von 1914 in die Hand. Sie zeigt (verletzte?) französische Kriegsgefangene beim "Einladen" in einen bereit stehenden Zug. Ich kenne ja so manches Darmstädter Motiv, aber diese Abbildung war mir neu. Fragt sich, wohin die kriegsgefangenen Franzosen transportiert werden - ins Landesinnere in eins der fürchterlichen Internierungslager, auf den Griesheimer Sand in das dortige Kriegsgefangenenlager, oder gar zum Austausch von Kriegsgefangenen nach Frankreich?

http://www.walter-kuhl.de/dso/Fran1914.jpg

Gruß, Walter

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau-Erfelden, und mehr, auf https://www.walter-kuhl.de/riedbahn/.
Neueste Seite: Die Buschbaums als Maschinenfabrikanten. *** Mein DSO-Inhaltsverzeichnis.
Französichen Kriegsgefangene des 1. Weltkrieges kamen in keine "fürchterlichen Internierungslager" sondern in normale Kriegsgefangenenlager, wo diese gemäß der Genfer Konvention anständig behandelt wurden.
Das dürfen Sie jetzt auf keinem Fall mit den Verhältnissen im 2. Weltkrieg vergleichen.
Das sehe ich anders.
Es gibt genügend Berichte über katastrophale Zustände in deutschen Kriegsgefangenenlagern, in denen die Gefangenen wie die Fliegen wegstarben.

Genfer Konvention hin oder her, "anständige" Behandlung hin oder her - zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht hier immer ein Unterschied.

Ich zitiere der Einfachheit halber einen Text von meiner Webseite:

"Zwischen 1914 und 1918 starben im Griesheimer Lager 605 Kriegs­gefangene. Sie wurden auf dem nahe gelegenen Darmstädter Wald­friedhof bestattet. Der hessische Großherzog, aber auch Mitglieder des zwei­kammrigen hessischen Landtags besuchten das Lager. Sie waren voll lobender Worte und sprachen sich anerkenned über die dort herrschende Ordnung, Rein­lichkeit und Bequem­lichkeit aus.

Nun ja, idyllische Zustände werden dort nicht geherrscht haben, aber Ordnung und Sauberkeit müssen natürlich bei einer Show­veranstaltung sein, wenn hoher Besuch ansteht. Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, daß die Zustände so elend wie im Kriegs­gefangenen­lager Kassel-Nieder­zwehren gewesen sind, wo von den 18.300 Kriegs­gefangenen mehr als 7.000 infolge einer Fleckfieber­epidemie erkrankt und fast 1.300 gestorben sein sollen. Französische Quellen sprachen von sogar über 3.000 Toten, während nach deutschen Angaben bis Ende 1915 „nur“ 1.280 Kriegs­gefangene, darunter 721 Franzosen, an Fleckfieber gestorben waren. Hier kamen wahr­scheinlich logistische Probleme und die Inkompetenz des Lagerleiters, Generalmajor Benno Kruska (1849–1933), zusammen. In einem voreinge­nommen geführten Verfahren vor dem Leipziger Reichs­gericht wurde Kruska am 9. Juli 1921 freigesprochen. Dennoch lasse ich die Frage offen, ob 605 Tote unter Kriegs­bedingungen so etwas wie den „Normalfall“ darstellen."

Gruß, Walter

Die Riedbahn von Darmstadt nach Goddelau-Erfelden, und mehr, auf https://www.walter-kuhl.de/riedbahn/.
Neueste Seite: Die Buschbaums als Maschinenfabrikanten. *** Mein DSO-Inhaltsverzeichnis.
Hallo,

die wirklich nicht schlechte Behandlung der Kriegsgefangen führte dazu, dass im 2. Weltkrieg große Truppenteile der sowjetischen Armee sich ergab. Ihnen war noch bekannt, dass die Deutschen "anständig" mit den russischen Gefangenen umging.

Sie hofften einfach, dass sie es bei den Deutschen besser hätten als "unter Stalin". Wie sich rausstellte ein - für viele - tödlicher Irrtum.

Peter Achterberg

OT: Behandlung von Kriegsgefangenen

geschrieben von: 01 1066

Datum: 18.07.10 11:54

Die Behandlung von Kriegsgefangenen war zu allen Zeiten nicht besonders, Genfer Konventionen (im ersten Weltkrieg wohl auch noch "Haager Landkriegsordnung von 1907") hin oder her. Selbst unter "Landsleuten" gab es da Auswüchse, so waren die Zustände im Kriegsgefangenenlager Andersonville der CSA während des Sezessionskrieges katastrophal, dort sind fast 13.000 Gefangene ums Leben gekommen ...

Siehe auch: [de.wikipedia.org]

Mit leichtem Grausen denke ich daran, wie würde sich die heutige Bundeswehr und große Teile der bundesdeutschen Bevölkerung gegenüber Kriegsgefangenen benehmen? Denkt mal darüber nach!

Herzliche Grüße aus der Bundesstadt Bonn

Wolfgang

Re: OT: Behandlung von Kriegsgefangenen

geschrieben von: hqerlen

Datum: 19.07.10 14:32

Die "Genfer Konventionen" und auch noch die "Haager Landkriegsordnung von 1907" hatten wohl noch nie wirklich Gültigkeit für Kampfhandlungen der US-Truppen außerhalb von Europa.

Herzliche Grüße aus der Bundesstadt Bonn

Wolfgang




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:07:19:14:33:01.