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 04 - Historisches Forum 

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Bilder, Dokumente, Berichte und Fragen zur Vergangenheit der Eisenbahn und des öffentlichen Nahverkehrs - Bilder vom aktuellen Betriebsgeschehen bitte nur im Zusammenhang mit historischen Entwicklungen veröffentlichen. Das Einstellen von Fotos ist jederzeit willkommen. Die Qualität der Bilder sollte jedoch in einem vernünftigen Verhältnis zur gezeigten Situation stehen.
Dies ist KEIN Museumsbahnforum! Bilder, Meldungen und Fragen zu aktuellen Sonderfahrten bitte in die entsprechenden Foren stellen.
Dies ist nun der zweite Teil von

9. Mai 1971 - Sonntagsausflug nach Oberammergau vom Isartalbahner
teilweise aufgelockert mit Knallfrosch-Bilder vom Djosh

[ kursiver Text: Isartalbahner
normaler Text: Djosh ]

Der erste Teil ist hier:
[www.drehscheibe-foren.de]


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1995%20November/08%20Seeleiten-Berggeist.jpg
http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1995%20November/02%20Seeleiten-Berggeist.jpg

1. + 2.) Hp Seeleiten-Berggeist im geheimnisvollen Licht in Gabriele-Münter-Manier. Die Malerin (Blauer Reiter) hat die Szene von eben dieser Stelle auch in mehreren expressionistischen Gemälden festgehalten. Der Haltepunkt liegt in einer 1,3 km langen S-Kurve etwa 600 m südlich des Staffelsees, mit der ein Hügel umfahren wird.



http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1995%20November/04%20Seeleiten-Berggeist.jpg

3.) Es ist kurz nach 15 Uhr, als die Regionalbahn einfährt. Der Haltepunkt ist noch in warmes Sonnenlicht getaucht, das jedoch bald dem Schatten weichen wird.



http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1995%20November/05%20141%20030%20in%20Seeleiten-Berggeist.jpg

4.) Kurzer Halt, niemand steigt ein oder aus und schon schiebt 141 030 ihren Zug weiter Richtung Endbahnhof.


Nun wieder zurück ins Jahr 1971 zu Pauls Bericht:


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_20_169004_P3776_Seeleiten-Berggeist.jpg

5.) Unser Herr Zugführer bei der kurvenbedingten Aussenabfertigung in Seeleiten-Berggeist.

Weil ich meiner Birne während der Fahrt in den lauen Sommerwind gehalten hatte und Herr Lokführer dies bemerkte, lud er mich beim Halt in Bad Kohlgrub ein, auf der Lok mitzufahren. Die Unterhaltung erspar ich euch, die schafft kein Übersetzungsprogramm ins Ausserbaierische.
Kurz vor der Einfahrt in Oberammergau erklärte er mir den Umsetzvorgang, meinte leicht lachend „des wean sicha guade Buidl“ und seine Goldkronen blitzen in der Sommersonne.
Wir befinden und nun bereits in Oberammergau, Wendezeit sind 14 Minuten, das Umsetzen steht an.


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_21_Oberammergau-umsetzen1.jpg

6.) Ich schildere es jetzt so, wie es bei den Personenzügen bis zur Einführung der 141-bespannten Wendezüge Usus war. Auf Einladung des Lokführers durfte ich das ganze vom Führerstand aus beobachten und aufnehmen.
Die Luftleitungen zwischen Lok und Zug waren bereits ausgehängt, die Kupplung locker gedreht und die Lok drückte den Zug rückwärts raus auf den Rangierbuckel.



http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_22_Oberammergau-umsetzen2.jpg

7.) Wochentags war es Aufgabe des örtlichen Rangierleiters, am Wochenende übernahm der Fahrdienstleiter den Bremserjob, standesgemäss mit weissem Hemd und Kulturstrick.
Der Zug wurde im Gefälle mittels einer Wagenhandbremse festgelegt, dann rollte die abgekuppelte Lok grenzzeichenfrei ins Nebengleis. Weiche umstellen, Wagenhandbremse lösen und mittels Schwerkraft rollte die Wagengarnitur Richtung Bahnsteig, dort wieder schööön hingebremst. Die Weichstellerei übernahm unser Zugführer, der zu dem Zweck auf der Lok mitfuhr.


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_23_Oberammergau-umsetzen3.jpg

8.) Da rollt er nun an uns vorbei, vollkommen vorschriftsgemäss, jawoll!


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_24_Oberammergau-umsetzen4.jpg

9.) Die Lok rückte nun wieder ins Fahrgleis vor, Weiche umgelegt, Zugführer rauf und schön langsam unserem noch rollenden Züglein hinterher.


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_25_169004_P3777_Oberammergau1.jpg

10.) Da steht sie nun, unsere fertige Garnitur.


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_27_169004_P3777_Oberammergau3.jpg

11.) Bergziege E69 04 / 169 004-9:
Bw Murnau 01.04.1922 – 01.04.1930
Bw Mü-Thalkirchen 02.04.1930 – 14.06.1934
Bw Murnau 15.06.1934 – 31.12.1953
Bw Garmisch-Partenkirchen 01.01.1954 – 23.05.1955
Bw Freilassing 24.05.1955 – 19.06.1955
Bw Rosenheim 20.06.1955 – 04.07.1955
Bw Garmisch-Partenkirchen 05.07.1955 – 29.09.1977


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/KBS960/9.%20Mai%201971%20-%20Starnberg%20-%20Oberammergau/1971-05-09_27_169004_P3777_Oberammergau3.jpg

12.) Nochmal das vertraute Gesicht in gross.



http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1971-05-09/1971-05-09_28_Gmehs30_Oberammergau.jpg

13.) Weil bis zur Abfahrt noch etwas Zeit war, ein altes Trum (Gmehs 30) portraitiert. Ach ja, das war Güterverkehr!




http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1988%20September/22%20Oberammergau.jpg

14.) Oberammergau 17 Jahre später. Die yl-Wagen sind irgendwann gegen Silberlinge ausgetauscht worden, die E 69 im Jahr 1982 durch die E 41 abgelöst. Es mußte nicht mehr umgesetzt werden. Der Bahnhof hatte dann schon zwar einige Gleise und verloren, aber es war immer noch ein Bahnhof mit außergewöhnlichem Flair. Nicht wie heute ein völlig verschandelter Haltepunkt mit Aldi-Anschluß.



http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1988%20September/24%20141%20050%20in%20Oberammergau.jpg

15.) 141 050 wartet auf die Abfahrt des N 6618 um 16.11 Uhr.


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1988%20September/23%20Oberammergau.jpg

16.) Güterverkehr gabs auch noch 1988 und angesichts dreier G-Wagen gar nicht so wenig. Bis 1987 fuhr 2x wöchentlich eine Übergabe mit einer Augsburger 211, nach 1987 mit 212.


http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1988%20September/21%20Oberammergau.jpg
http://www.doku-des-alltags.de/BDMuenchen/Ammertalbahn/1988%20September/20%20Oberammergau.jpg

17. + 18.) Aus- und Einfahrtsignal(e) 1988.


Teil 3 wird dann die Rückfahrt behandeln.

Viele Grüße,

Georg und Paul

https://doku-des-alltags.de/banner/DSObanner01.jpg

[früherer Benutzername: Djosh]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:03:21:20:36:36.
Moin,

da machte es noch Spaß, Fotos vom Bahnhof in Oberammergau zu machen. Lang' ist's her, das auch ich dort war mit dem TMT und angetan war von der Atmosphäre auf dem Bahnhof, das war eine gute Visitenkarte für Oberammergau und die Besucher. Damals fuhren auch noch die kleinen Lokomotiven der Baureihe 69 zwischen Murnau und Oberammergau, war schon toll eine Fahrt von Murnau über Murnau Ort nach Oberammergau ... .

Inzwischen soll ja fast alles zurückgebaut sein an Gleisen in Oberammergau, wenn meine Informationen stimmen ... .

Gruß und bis die Tage
Wenn ich mir Bild 7 und 8 so anschaue stellt sich mir die Frage, warum das Umsetzen der Lok so durchgeführt wurde.
Man hätte doch bequem die Wagengarnitur auch umfahren können.

http://www.vennbahn.de/dso/sign1.jpg
Na was ich mich so frage, ist: Warum hat der Fdl den Zug gebremst und der Zf die Weichen gestellt?!
Wollten die Rollen tauschen? *grübel*

Gruß ebahner
DH 240 schrieb:
-------------------------------------------------------
> Wenn ich mir Bild 7 und 8 so anschaue stellt sich
> mir die Frage, warum das Umsetzen der Lok so
> durchgeführt wurde.

Hallo!

Die gleiche Frage hätte ich nun auch gestellt, hat sich somit erledigt.
Eventuell gab es über der Weichenverbindung keine Oberleitung, ein entsprechendes
Zeichen kann ich allerdings nicht erkennen.

Gruß Jürgen

Ich bin gegen die ungewollte Umleitung!!!
Jürgen Utecht schrieb:

>Eventuell gab es über der Weichenverbindung keine Oberleitung.

Wie man sieht, waren alle Gleise und Verbindungen überspannt.

Wie sollte eine Lok, die am Prellbock angekommen ist, ihren Zug umfahren?
Das Zurückdrücken in Oberammergau führt hinter der ersten Weiche bereits in die Steigung,
in der die Wagengarnitur zum Umfahren hätten festgebremst werden müssen.

Also drückte die Zuglok die Wagen bis auf den "Scheitelpunkt" zurück (sieht ja fast wie ein Ablaufberg aus),
setzte sich nebenan in die Verbindung, und wartete, bis die Garnitur ins Bahnsteiggleis zurücklief.

Damit war zumindest eine Rangierbewegung eingespart.

Schönen Abend
Mw



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:21:21:06:04.
Schöne Bilder, schöne Doku und lesenswerter Text! Danke an euch beide, Paul und Georg, dass ihr den Ablauf in O'ammergau wieder lebendig werden lasst!

Martin
Hallo, erstmal herzlichen Dank für den interessanten Beitrag und die Dokumentation des Oberammergauer Umsetz-Manövers. Dieses hat für mich ja besonderes Bedeutung, spielte sich doch genau jene Szene am Schlüsselstellwerk im Sichtfeld meines Kinderzimmers ab. Tausende Mal verfolgt....

Zwei Dinge sind an den Aufnahmen für mich besonders bemerkenswert: Bild 7 zeigt gut, die damalige Gleisstruktur, die ich noch ansatzweise erlebte (wir zogen 1972 in dieses Haus an der Bahn). Die Kreuzungsweiche mit dem mittleren Umfahrungsgleis (etwa 12 Wagenlängen zum Hinterstellen von Passionszügen)und der ehemalige Gleisanschluss links hinter dem Schlüsselstellwerk verschwanden wenige Jahre später.

Was mich bei der Bilddokumentation wirklich wundert: Die Lok setzte von den Wagen in die Gleisverbindung zum Gleis 1 a zurück - gut zu sehen auf Bild 8 (die angefrage Umfahrungsmöglichkeit wurde übrigens in dieser Verbindung i.d. Regel bei den Güterzügen genutzt, die man nicht ablaufen lassen wollte, ganz vereinzelt auch mal, wenn die Handbremse der N-Wagen nicht vernünftig funktionierte). Ich kenne das Manöver eigentlich ausschließlich so, das die Lok hinter die auf dem Foto noch als Kreuzungsweiche, später als normale Weiche ausgeführte Weichenverbindung fuhr, also in die Verzweigung Gleis 2/3.

Insofern würde mich doch brennend interessieren, ob das Anfang der 70er noch üblich war, in Richtung Gütergleise zu fahren, oder ob dies an diesem Tag zufällige Ausnahme war.

Übrigens: Das interessante Manöver war so eingespielt, das es beim auch abgebildeten Abendzugpaar mit kurzer Wendezeit (18.06 an / 18.20 ab, ab 1977 sogar 18.09 - 18.19) i.d. Regel pünktlich geklappt hat. Nicht immer geklappt hat das rechtzeitige Abbremsen der Wagen, wie der Prellbock auf Gleis 1 mit seinen immer wieder ausgerissenen Verschraubungen am Gleis immer wieder mal dokumentierte....


Danke nochmals für diesen Beitrag aus meiner Jugenderinnerung !

Übrigens zur Frage nach dem Aufkleber auf 160 009. Leider ist er nicht so ganz eindeutig zu erkennen, ich vermag mich aber noch leicht daran zu erinnern, das es sich um einen Aufkleber "Güter gehören auf die Bahn" handeln könnte.

Bernd Mühlstraßer

Mein EK-Buch über die Baureihe E69 erscheint im Frühjahr 2026 völlig überarbeitet und erweitert wieder neu!

Begleitet die Baureihe E69 "täglich frisch" auf Facebook unter: Die Baureihe E69




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2010:02:22:08:56:58.
Danke für die weiteren Erläuterungen, Bernd Mühlstraßer!

Ob das Warten im Gütergleis Anfang der 70er Jahre Usus war oder an der DKW kann ich nicht sagen, das weiß vielleicht der Isartalbahner. Wenn ich mir die Weichenverbindungen auf Bild 8 anschaue, wäre es theoretisch möglich gewesen sich beim Zurückfahren an den Bahnsteig einen Richtungswechsel zu sparen, ohne nochmal aufs Streckengleis zurücksetzen zu müssen. Die drei Weichen hätten natürlich noch umgelegt werden müssen. Wie es tatsächlich war, liegt wenige Augenblicke vor Bild 9.

Viele Grüße,
Georg

https://doku-des-alltags.de/banner/DSObanner01.jpg

[früherer Benutzername: Djosh]
Moin Georg und Paul!

Vielen Dank für den so sorgfältig aufbereiteten Bericht über die nicht gerade unbekannte Nebenbahn im Alpenvorland! Besonders interessant finde ich die Aufnahme Nr.6, die deutlich die Mixtur zwischen Kettenfahrleitung und Einfachfahrleitung im Bahnhof Oberammergau zeigt. Mir ist jedenfalls kein anderer Endbahnhof bekannt, der ebenfalls mit diesem scheinbaren Durcheinander ausgerüstet ist.

Aus dem Norden grüßt

Helmut
Wenn ich das auf den gezeigten Bildern richtig sehe, handelt es sich bei allen Weichen der erwähnten Umfahrverbindung um handbediente Weichen. Bei dem beschriebenen Manöver war nur eine Weiche von Hand zu bedienen, beim Umfahren mindestens zwei (und bis zu fünf), also sparte man sich ein bischen Stellerei und Lauferei. Und die eingesparte Zeit konnte mit nützlicheren Dingen wie Schweinsbraten-mit-Semmelknödel-verwertung verbracht werden :-)

Cheers

Walter Lang
Albany, OR
Hallo,
habe dieser Tage die fantastischen Beiträge zum Thema "Oberammergau" "E69" entdeckt - suuuper.
Die beiden E-69-Bücher (mit viel Herzblut geschrieben) hatte ich Ende der 90er und 2005 verschlungen. Klasse, dass der Autor hier postet! Und die Bilder ....

Bin am überlegen, Oberammergau in Epoche 3 in HO erstehen zu lassen.

Hierzu eine dumme Frage zum beschriebenen Umsetzen: Wurde das "immer" so gehandhabt? Oder der Zug zurückgedrückt und umgesetzt? Welche Nutzlängen bitte hatten die Gleise 1 - 3 bzw. die Ausziehgleise?

Herzlichen Dank für Infos!

miwe
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