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 04 - Historisches Forum 

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Hauptverantwortliche Moderatoren: Klaus Habermann - JensMerte - Rönshausener - Th.D.

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Guten Tag zusammen,

es ist nun schon etwas mehr als 75 Jahre her, dass am 19.5.1951 der planmäßige Personenverkehr bei der Krefelder Eisenbahn endete! Ich weiß nicht, ob andernorts daran schon erinnert worden ist.

Hier will ich nun aber im letzten Teil des Beitrags "Krefelder Eisenbahn in den 1960er Jahren" auf die Festwoche im Oktober 1968 eingehen. Gefeiert wurden "100 Jahre KEG" - und das mit einem erstaunlichen Programm!


EG_KEG_FdE_792_01_DSO68.jpg
Bild 1
Am Nordbahnhof strömte die Bevölkerung zu dem Bahnsteig, von dem aus die Züge zum Hülser Berg abfuhren.
In der Ausstellung "100 Jahre KEG" wurde m. W. damals zum ersten Mal die den Nordbahnhof darstellende Modellbahnanlage gezeigt, die heute in modernisierter Form in der verkehrshistorischen Ausstellung in einem der Gebäude auf dem SWK-Gelände an der St. Töniser Straße zu sehen ist.

DSO4_LI_KEG_FdE_LR_100_01_DSO68.jpg
Bild 2
Am Bahnhof "Hülserberg". Der Großvater, der hier seine Enkel über den Bahnsteig führte, war sicher als jüngerer Mann schon mit der Krefelder Eisenbahn gefahren. Bis 1951 hatten viele Menschen mit dem "Schluff" Sonntagsausflüge zum Hülser Berg (die Schreibweise des geografischen Ortes weicht von der Schreibweise des Bahnhofsnamens ab) gemacht, doch hatte man in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auch "Hamsterfahrten" aufs Land unternehmen müssen.
(Auf die Lokomotive gehe ich später ein.)

KEG_FdE_101_01_DSO68.jpg
Bild 3
Ein paar gutgelaunte Herren ließen sich gern fotografieren. Erkennt jemand seinen Vater, Großvater oder Onkel?
Das Kürzel "KN" verweist darauf, dass die KEG für die Festwoche Waggons von der Kleinbahn AG Kassel-Naumburg (später unter dem Namen "Kassel-Naumburger Eisenbahn" firmierend) angemietet hatte.

EG_KEG_FdE_Sel_LR_SB_777_01_DSO68.jpg
Bild 4
Auf der Fahrt durchs Hülser Bruch. Der Zug scheint rückwärts zu fahren. Dass Züge in Richtung Krefeld Nord von einer Diesellok gezogen wurden, während die Dampflok am Zugende mitlief, ist mir eigentlich nicht erinnerlich; der Normalfall war es sicher nicht. Denkbar ist, dass Züge am Bahnhof "Hülserberg" vereinigt wurden.
Wenn man auf das Kind schaut, fällt auf, dass die Waggonplattform weder durch eine Kette noch durch eine Stange gesichert ist.


Geb_KEG_FdE_Selten_LR_SB_772_01_DSO68.jpg
Bild 5
An derselben Stelle entstand am selben Tag dieses Bild. Aufgrund des unerwarteten Fahrgastandrangs hatte die KEG einige DB-Waggons angemietet. Modellbahner könnten sich von diesem Bild zur einer ungewöhnlichen Zugkompostion inspiriert und ermutigt fühlen - wenn es denn ein Modell dieser nur in fünf Exemplaren gebauten Loktype (Jung R 60 D) gäbe.

EG_KEG_FdE_Sel_LR_SB_106_01_DSO68.jpg
Bild 6
Am Bahnhof "Hülserberg" herrscht an einem regnerischen Nachmittag Hochbetrieb. Die Dampflok hat ihren aus KN-Wagen bestehenden Zug ins Anschlussgleis der Zementfabrik Carstanjen zurückgedrückt und wartet nun die Einfahrt des aus Richtung Krefeld Nord eintreffenden Zuges ab; dieser besteht aus von der DB angemieteten dreiachsigen Umbauwagen.

BE_KRE_KEG_FdE_048_01_DSO68.jpgBild 7
Bei der für die Festwoche angemieteten Lok handelte sich um die ehemalige Lok 1 der KEG (Krupp 1949, Typ "Hannibal"). Die Lok war an die Zeche "Niederberg" in Neukirchen-Vluyn verkauft worden. Das Foto zeigt sie mit einem Leerreisezug auf der Fahrt vom Betriebsgelände am Weeserweg zum Nordbahnhof in den Grünanlagen am Preußenring. Links das kurz zuvor errichtete RWE-Verwaltungsgebäude.

KEG_FdE_727_01_DSO68.jpg
Bild 8
Abfahrt vom Nordbahnhof in Richtung Hüls.
Im Hintergrund Besucherinnen und Besucher der Fahrzeugausstellung.

EG_KEG_Sel_LR_SB_775_01_DSO68.jpg
Bild 9
Bei der Fahrzeugausstellung auf den Ladegleisen am Nordbahnhof gab es u. a. die dieselelektrische Prototyplok
DE 2000 (Henschel/SSW, Bj. 1962) zu sehen. Ich fand die mit ihrem ungewöhnlichen Design (schräge Lokfront) futuristisch anmutende Lok eher hässlich. Ich glaube, ich habe das Foto gemacht, weil so viel weibliches Publikum zu sehen war.

EG_KEG_FdE_Sel_LR_SB__793_01_DSO68.jpg
Bild 10
Eines meiner Lieblingsfotos. Man nehme sich ein wenig Zeit, die Leute zu betrachten! Der Vater, der mit seinem Sohn die Ausstellung besucht, ist mit Anzug, Krawatte und Zigarette unterwegs. Überhaupt tragen alle Männer Krawatte. Die "Samt- und Seidenstadt" Krefeld war eines der Zentren der europäischen Krawattenindustrie und das in Krefeld ansässige Deutsche Krawatteninstitut verlieh alljährlich seit 1965 den Titel "Krawattenmann des Jahres" an eine prominente Persönlichkeit. (Die ersten Träger des Titels waren übrigens Hans-Joachim Kulenkampff, Willi Daume, Willy Brandt, Bernhard Grzimek, Walter Scheel und Helmut Schön ...).
Das Foto habe ich von einer der Treppen an der DE 2000 aus gemacht. Bemerkenswert scheint mir, dass zwischen den beiden modernen Diesellokomotiven ein SCHARNOW-Wagen ausgestellt war. Ganz links lugt übrigens die "ADLER" ins Bild.

Aus Gladbeck grüßt
Joachim



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.08.26 20:20.
da ist ja die Hannibal :)

Mir war gar nicht geläufig, daß die für diese Festivitäten (wann genau waren die?) wieder zurück auf ihre Heimatgleise gekommen ist.

Ansonsten sind Dir wirklich sehnmswerte Motive gelungen - irgendwie scheinen sie aus einer anderen Welt zu sein (alleine schon wegen Anzug + Schlips).

Vom Rheinstrande grüßt
Joachim

RUHRKOHLE - Sichere Energie

seit dem 24.II.2022 bittere Wahrheit in Europa
Hallo Joachim,

auf dem Plakat am Führerhaus des Lok-Traktors ist zu erkennen, dass die "Woche der Schiene" vom 5. bis 13. Oktober stattfand.

Joachim

EG_KEG_FdE_791_01_DSO68.jpg
Hallo Herr Stübben,

wieder wunderbare Erinnerungen aus der alten Zeit der KEG. Die Treckerlok hatte nicht zufällig die Nummer 20:
Die höchste Loknummer bei den Dampfloks der KEG war die Nr. 19, daher nun die 20. Wenn das auch systematisch
nach dem KEG-System nicht richtig gewesen wäre, da bei der Indienststellung des Dampftreckers die nächste freie
"Lok"nummer die 7 gewesen wäre. Aber darum ging es wohl bei der Nummerierung des Treckers nicht.

Herzliche Grüße, Talfeld
Hallo Herr Stübben,

vielen Dank für Ihren weiteren Bericht.

Die Ausstellung am Nordbahnhof im Oktober 1968 kann man auch als Wechselausstellung
bezeichnen. Zu den verschiedenen Tagen gibt es immer wieder Änderungen in der
Aufstellung der Fahrzeuge. So wanderte die ausgestellte V 90 während der Ausstellung
auf den einzelnen Gleisen. Aber auch an anderen Stellen gab es Änderungen.
So standen auf dem äußeren Gleis (zur Straße hin) neben der "Adler" mit zwei Wagen und
der V 160 bis zu drei moderne 26,4 m-Personenwagen,
neben dem Scharnow Liegewagen gab es auch einen grünen DB-Liegewagen und den Silberling.
Der Silberling war eigentlich für die Ausstellung gedacht. Der Zusatzzug (im Fahrplan
richtig Nachzug genannt) bestand nur aus 3 dreiachsigen Pärchen Umbauwagen.
Da der Andrang zu den Fahrten aber immer mehr zunahm, hat
man dann den Silberling aus der Ausstellung genommen und an den Zusatzzug angekuppelt.

Die V90 war wohl gemeinsam mit dem ebenfalls auf einem Ihrer Fotos zu sehenden
Hilfsgerätewagen auf der Ausstellung, beide zusammen standen ständig auf Abruf, sollte
ein Einsatz des Hilfsgerätewagens im Bereich der DB erforderlich werden. Abends nach Schließung der
Ausstellung kehrten die beiden immer zum Bw Krefeld der Bundesbahn zurück, um morgens
sich wieder dort einzufinden.

Nach dem damaligen Fahrplan gab es tatsächlich vereinigte Führungen des Hauptzuges
(ehemalige Dampflok 1 der KEG plus sieben Personenwagen, davon zwei von der Söhretalbahn und
sieben von der Kassel-Naumburger) und des Zusatzzuges (Diesellok 1 oder 6, die 4 war hier
wohl nicht eingesetzt, und zunächst den drei genannten Pärchen): und zwar zum einen um 14.15
von Hülserberg nach Krefeld Nord (an: 14.30) - dieser Zug dürfte auf Ihren Fotos abgebildet sein -
und zum anderen um 17 00 Uhr ab Nord nach Hülserberg, an 17 15 Uhr.
Der Fahrplan spricht von Doppelzug.

Interessant sind die Fahrzeiten: nur 15 Minuten von Krefeld Nord nach Hülserberg,
die Fahrgäste sind gar nicht in den Genuss des Schluffens gekommen! Man möge sich die
heutigen Fahrzeiten anschauen, die deutlich länger sind. Wenn man die Strecke kennt,
wundert man sich schon ein wenig, dass das mal so schnell ging, schon allein wegen der zahlreichen
Bahnübergänge, die heute alle mit Bedacht befahren werden. Freilich sah der Bildfahrplan
keinen Zwischenhalt in Krefeld-Hüls vor.

Von der Henschel DE2000 gab es in 2018 im kleinen Krefelder Eisenbahnmuseum der SWK auch
mal ein Modell, als die KEG-Ausstellung von 1968 dort als Modell gezeigt worden ist.

Herzliche Grüße, Talfeld



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.08.26 18:23.
Hallo Joachim,
erst einmal vielen Dank für das Feuerwerk an wunderbaren Aufnahmen von der KEG.
Der "Adler" ist auf dem letzten Bild nur angeschnitten, deshalb möchte ich mein Foto des bunten Vogels
nachreichen. Es ist wirklich und wahrhaftig mein allererstes Eisenbahn-Foto, mit Mutters Instamatic gemacht und (natürlich) nicht ganz scharf. Puffer oder was der "Adler" da so hat ein bisschen abgeschnitten, aber immerhin habe ich
gewartet, bis möglichst wenig Publikum das Objekt der Begierde verdeckte. Das Bild ist nicht viel größer als eine Briefmarke und klebt in einem uralten Album, aber es zeigt die schönen Fassaden am Oranierring.
Voila!
IMG_7445.JPEG


55er
(Klaus Peter)
Hallo Talfeld,

vielen Dank für die wiederum sehr interessanten Details zu den Exponaten, den Fahrzeiten und Zugzusammenstellungen!
Ich hänge ein Foto an, das eine weitere Bespannungsvariante zeigt; man hat alles mit allem kombiniert.

Die Fahrzeiten sind wirklich "sportlich", wie man heute sagt. Die Entfernung von Hülserberg nach Krefeld beträgt ziemlich genau 10 km. Um diese Strecke in 15 min. zurückzulegen, muss mit durchschnittlich(!) 40 km/h gefahren werden, wenn ich richtig rechne. Das erscheint eigentlich kaum glaubhaft.

Herzliche Grüße
Joachim
DSO68_KEG_725_01.jpg
Hallo Klaus Peter,

vielen Dank für das schöne Farbfoto! Die "ADLER" habe damals natürlich auch fotografiert. (Ich verwende bei Lokomotiven immer den weiblichen bestimmten Artikel und würde in Bezug auf die Schluff-Lok immer "die GRAF BISMARCK" und nicht "der GRAF BISMARCK" sagen.)

Bei deinem Foto gefällt mir, dass man den Blumenschmuck und das leuchtende Postkutschengelb der Wagen sieht! (Ich hatte damals das TRIX-Modell des Zuges.) Darf man hoffen, dass man bei Gelegenheit von dir bei Gelegenheit noch mehr Farbbilder von der KEG zu sehen bekommt?

Ich hänge noch ein Foto an, auf dem man einen bei regnerischem Wetter in Richtung Hüls ausfahrenden Zug sieht. Bei diesem Bild gefällt mir, dass es viel Umgebung zeigt, u. a. die Annakirche.

Joachim

DSO68_KEG_FdE_060_01.jpg

KEG_FdE_726_01_DSO68.jpg
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