Augsburger Neueste Nachrichten
Dienstag, 2. März 1915
Nr. 51
* München, 2. März. - Sonntagsverkehr. Trotz ungünstiger Witterung entwickelte sich vorgestern ein sehr reger Ausflugsverkehr. Auch der Sportverkehr hat besonders nach dem Bayrischzeller Gebiet gegenüber dem letzten Sonntag wieder zugenommen. Im Hauptbahnhof wurden 15,246, im Ostbahnhof 3722 Fahrkarten verkauft. Hiervon treffen auf den Nahverkehr des Hauptbahnhofes 4877, auf jenen des Ostbahnhofes 2537 Fahrtausweise. Auf dem Starnbergersee wurden 225 und auf dem Ammersee 109 Personen befördert.
München - Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 2. März 1915
Nr. 40
Lokal-Anzeiger
* Verkehrsstörungen infolge Schneefalls. Starker Schneefall verbunden mit heftigem Schneetreiben verursachen seit 28. Februar auf den im Allgäu gelegenen Bahnlinien Störungen im Betrieb. Während diese Störungen auf den Hauptbahnen vorerst nur in dem Auftreten größerer Verspätungen bei den einzelnen Zügen in Erscheinung treten, mußten auf den Lokalbahnen Röthenbach - Weiler und Kempten - Sibratshofen - Isny einzelne Züge zum Teil, andere auf der ganzen Strecke ausfallen. Zurzeit ist auf der Lokalbahn Kempten - Isny der Verkehr mit den heutigen Zügen 105 und 106 gänzlich eingestellt.
München - Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 2. März 1915
Nr. 40
Lokal-Anzeiger
* Schneewehen und Zugsverkehr. Der früh 8 Uhr in München fällige Lindauer Schnellzug kam heute erst gegen 12 Uhr mittags in München an; er war in Schneewehen bei Hergatzhofen stecken geblieben.
München - Augsburger Abendzeitung
Dienstag, 2. März 1915
Nr. 40
Lokal-Anzeiger
st. Der Hilfslazarettzug Nr. 8 traf heute nachmittag 4 Uhr mit 179 Minuten Verspätung hier ein; er brachte 259 Verwundete und Kranke vom westlichen Kriegsschauplatz hierher.
München - Augsburger Abendzeitung
Donnerstag, 4. März 1915
Nr. 42
R. Anbau von Kriegsgemüse auf bahneigenem Boden. Die Erhebungen der Eisenbahndirektion München im Hinblick auf den Umfang der in ihrem Bezirk zur Verfügung stehenden Flächen, die noch nicht bebaut sind, haben nunmehr ergeben, daß solche noch in nennenswertem Umfang vorhanden sind. Der größte anbaufähige Teil ist allerdings bereits vergeben und bebaut. Außer dem kürzlich an dieser Stelle erwähnten und verfügbarem grooßen bahneigenen Grund und Boden an der Westendstraße, an der Renatastraße sowie am Ostbahnhof haben sich jetzt noch größere verfügbare Flächen in Pasing gegeben, die bis jetzt ebenfalls als Schafweiden gedient haben. Im weiteren stehen im Bereich des Eisenbahndirektionsbezirks München im allgemeinen nur noch kleinere Parzellen zum Neuanbau zur Verfügung. In einzelnen Landesteilen gegen das Gebirge zu ist verschiedentlich größerer freier Grund und Boden da, der bis jetzt zur Gewinnung von Streu und Futter diente und wohl auch weiter in dieser Form ausgenützt werden wird, da er sich infolge seines steinigen Bodens auch mehr dazu, als zum Anbau von Gemüse und dergleichen eignet.
Augsburger Neueste Nachrichten
Freitag, 5. März 1915
Nr. 54
* München, 5. März. - Störungen im Zugsverkehr. Die Eisenbahndirektion München teilt mit: Starke Schneeverwehungen auf der österreichischen Strecke zwischen Griesen und Reutte verursachten heute Störungen im Zugverkehr. Die Züge 731 und 736 erhielten je gegen drei Stunden, Zug 732 sechs Stunden Verspätung. Mit Zug 737 war der Verkehr wieder regelmäßig.
Münchner Neueste Nachrichten
Samstag, 6. März 1914
Nr. 118
Vorabend-Blatt
München, 5. März. - * Vom Hauptbahnhof. Der Verkehr am Münchner Hauptbahnhof ist zur Zeit recht rege und beträgt im Personentransport 85 Prozent der gleichen Periode des Vorjahres; für den Völkerkrieg gewiß eine erfreulich hohe Ziffer. Die Einnahmen bleiben bei den vielen Militärpersonen naturgemäß hinter der normalen Höhe zurück. Der Güterverkehr hat sogar 90 Prozent des Vorjahres erreicht. Abgesehen von den ankommenden Verwundetentransporten, die ernst und still vor sich gehen, tritt die militärische Note mitunter stark hervor, wenn ausziehende Truppen mit Musik verabschiedet werden. Besonders interessante Zeugen eines derartigen Landsturm=Abschiedes waren kürzlich einige Wagen gefangener Franzosen, die von Passau nach Puchheim verbracht wurden.
Während ankommende Offfiziere und Mannschaften bis vor kurzem die sämtlichen Perronausgänge benutzen konnten, haben nach Anordnung der Bahnhofskommandantur nunmehr sämtliche ankommenden Militärpersonen die Abnahme der Fahrkarten an eigens hierfür bestimmtem Perronausgang zwischen dem ersten und zweiten Doppelgleis im Südteil der Bahnhofshallen abzuwarten. Diese Südecke des Perrons enthält außerdem die Bahnhofswache (im früheren Fundbureau) und die Nebenwache (neben dem Wartsaal 3. Klasse) mit Warteraum für Verwundete und beurlaubte Heeresangehörige. (m.)
Augsburger Neueste Nachrichten
Dienstag, 9. März 1915
Nr. 57
* München, 9. März. - Schwerer Eisenbahnunfall. Die Eisenbahndirektion München teilt mit: In München Hauptbahnhof wurde am Montag nachmittag der verheiratete Heizer Bartholomäus Eser beim Ueberschreiten der Geleise von der Lokomotive des ausfahrenden Zuges 943 erfaßt und schwer verletzt. Es wurden ihm beide Beine abgefahren. Eser wurde durch die Sanitätskolonne in die chirurgische Klinik verbracht.
Münchner Neueste Nachrichten
Dienstag, 9. März 1915
Nr. 124
Morgen-Blatt
München, 8. März. - * Der bayerische Vereinslazarettzug W ist heute um 8 Uhr 31 abends mit 218 Verwundeten und Kranken aus den Kämpfen im Wasgau im Münchner Hauptbahnhof eingetroffen. Die Ausladung erfolgte an der Hauptzollhalle. Von den angekommenen Verwundeten war einer schwer verletzt. 180 mußten liegend befördert werden. Diesmal wurden für die Unterbringung hauptsächlich die Vereinslazarette gewählt. Der Verwalter des Vereinslazarettzuges ist Baron Stromer.
Münchner Neueste Nachrichten
Mittwoch, 10. März 1915
Nr. 125
Vorabend-Blatt
München, 9. März. - * Ein Transport russischer Gefangener traf heute mittag im Südbahnhof ein. Der aus sechs Wagen bestehende Zug mit 200 Gefangenen und 50 Begleitmannschaften wurde bald nach seiner Ankunft nach dem Isartalbahnhof geleitet. Von dort ging er mit dem fahrplanmäßigen Mittagszug nach Kochel weiter nach seinem Bestimmungsort Kloster Beuerberg bei Wolfratshausen. Die Gefangenen werden dort zu Moorkulturarbeiten verwendet. (m.)
München - Augsburger Abendzeitung
Freitag, 12. März 1915
Nr. 48
Lokal-Anzeiger
* Gepäckausgabe im Hauptbahnhof. Ab Montag, 15. März l. J. wird in München Hauptbahnhof die im südlichen Teil der Arkaden am Bahnhofplatz befindliche Gepäckausgabe der Richtungen Holzkirchen, Simbach, Salzburg, Kufstein und Lindau auf die Dauer des schwächeren Reiseverkehrs geschlossen und mit der im nördlichen Teil der Arkaden gelegenen Gepäckausgabe der Richtungen Augsburg, Nürnberg, Würzburg und Landshut vereinigt. Es wird daher das aus den Richtungen Holzkirchen, Simbach, Salzburg, Kufstein und Lindau ankommende Reisegepäck in der nördlichen Gepäckausgabe abgegeben.
Münchner Neueste Nachrichten
Freitag, 19. März 1915
Nr. 142
Vorabendblatt
München, 18. März. - * Der Badische Vereinslazarettzug E ist heute um 7.09 Uhr früh mit 210 Verwundeten und Kranken vom westlichen Kriegsschauplatz und zwar von Charleroi, in München Hauptbahnhof eingetroffen. 11 Soldaten waren erkrankt, die übrigen verwundet, davon 92 schwer. Die Verwundeten kamen aus den Argonnenkämpfen. Die Ausladung erfolgte an der Hauptzollhalle. Unter den Angekommenen befanden sich 7 Offiziere und Offiziersstellvertreter.
Münchner Neueste Nachrichten
Mittwoch, 24. März 1915
Nr. 151
Vorabend-Blatt
München, 23. März. - Der Vereinslazarettzug A 4 ist heute Dienstag gegen 11 Uhr vormittags mit 257 Verwundeten und Kranken vom westlichen Kriegsschauplatz in München eingetroffen. Der Zug gestiftet von den Landkreisen Anhalt=Dessau, kam aus Rethel in Frankreich und brachte Verwundete aus den Kämpfen bei Reims; es befanden sichnur etwa 20 Kranke in dem Zuge. Die Mehrzahl der Soldaten mußte infolge schwerer Verletzung liegend befördert werden. Unter den Angekommenen, die auf verschiedene Münchner Lazarette verteilt wurden, waren auch 12 Offiziere.
Münchner Neueste Nachrichten
Samstag, 24. April 1915
Nr. 207
Vorabend-Blatt
München, 23. April. - * Eisenbahn-Unfall. Die Eisenbahndirektion München teilt mit: Bei Einfahrt in die Station Brückmühl stieß heute früh 7 Uhr der von Holzkirchen kommende Personenzug auf ein Pferdefuhrwerk, das wegen verspäteten Schließens der Schranke noch auf der Ueberfahrt gekommen war. Die zwei Pferde wurden getötet, der Fuhrwerkslenker Blindhammer von Mittenkirchen schwer verletzt. Von dem Zuge entgleisten fünf Wagen, wobei ein Zeitungsbote aus München an einer Hand Schnittwunden erlitt. Die anderen Passagiere blieben unverletzt. Der verunglückte Fuhrknecht wurde in das Krankenhaus von Kirchdorf gebracht. Die Bahngeleise an der Unfallstelle sind aufgerissen und die Schienen gänzlich verbogen. Doch ist der Verkehr aufrecht erhalten. Der Sachschaden ist nicht unbedeutend. Erhebungen sind eingeleitet.
Münchner Neueste Nachrichten
Donnerstag, 25. März 1915
Nr. 153
Vorabend-Blatt
* Die Eisenbahndirektion München teilt mit: Nahpersonenzug Nr. 102 fuhr am Dienstag bei der Einfahrt in München Hbf auf den Prellbock des Gleises 23 auf. Der Prellbock wurde abgesprengt und die Lokomotive, die beim Zurückziehen entgleiste, geringfügig beschädigt. Verletzt wurde niemand, das Gleis blieb unbeschädigt. Störungen im Verkehr sind nicht eingetreten.
Münchner Neueste Nachrichten
Donnerstag, 25. März 1915
Nr. 153
Vorabend-Blatt
München, 24. März. - * Beim Wagenverschieben im Industriegleis der Melassefabrik in Feldmoching wurde dem jugendlichen Arbeiter Jos. Westermeier der rechte Vorderfuß zerquetscht. Der Verunglückte wurde durch die Sanitätskolonne in das Krankenhaus Nympenburg gebracht. Ein bahnseitiges Verschulden liegt nicht vor.
Münchner Neueste Nachrichten
Freitag, 26. März 1915
Nr. 156
Morgen-Blatt
München, 25. März. - * Kleine Chronik. Heute halb 2 Uhr nachmittag ließ sich ein bis jetzt unbekannter Mann von einem Eisenbahnzug der Bahnlinie München - Rosenheim an der Ueberfahrt der Baumkirchnerstraße in Berg am Laim überfahren. Der Tod trat sofort ein. Der Unbekannte wird beschrieben: 40 bis 45 Jahre alt, 1,68 bis 1,70 Meter groß, dunkle Haare, trug Nickelbrille und dunklen Arbeitsanzug. Sachdienliche Mitteilungen an die Polizeidirektion, Telephon 20,231. Nebenstelle 151.
München - Augsburger Abendzeitung
Samstag, 27. März 1915
Nr. 86
* Zirkus Krone trifft in Kürze mit zwei riesigen Sonderzügen aus Wien in München ein und wird sein hiesiges Gastspiel am Ostersonntag, 4. April, beginnen. Außer einer erstklassigen Künstlerschar und einem Marstall vün über 100 Pferden bringt das Riesen-Unternehmen Elefanten, Königstiger, Löwen, Zebras, Eisenbären, interessante Seelöwen, afrikanische Strauße, Herden von Kamelen, indischen Büffeln, Zebus, Gnus, Jaks, Bison, Lamas, Känguruhs, Antilopen, Zebroide und sogar Nilpferde, für welch letztere man eigens konstruierte Wasserbassin-Wagen gebaut hat. Der Kartenvorverkauf befindet sich in dem Zigarrengeschäft Kopp, Bayerstraße 1, Telephon 8629, und vor Beginn des Gastspiels an der Zirkuskasse, Telephon 13770.
München - Augsburger Abendzeitung
Samstag, 27. März 1915
Nr. 86
st. Todessturz von der Großhesseloherbrücke. Am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, stürzte sich die 16 1/2 Jahre alte Maurerstochter Babette Gest aus München von der Mitte der Großhesseloherbrücke in die Tiefe. Ihre Leiche wurde geborgen. Der Grund zur Tat dürfte in geistiger Störung zu suchen sein, die durch einen vor 2 Monaten erfolgten Sturz des Mädchens über eine Kellertreppe und Fall auf den Kopf verursacht wurde.
Münchner Neueste Nachrichten
Sonntag, 28. März 1915
Nr. 160
Morgen-Blatt
München, 27. März. - ik. Neue Sanitätseisenbahnzüge. Die deutsche Eisenbahnverwaltung hat eine weitere Art von Sanitätseisenbahnzügen eingerichtet und der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt. Die Wagen dieser Züge tragen an ihren Längsseiten die Anschrift "Seuchenzug". Jeder Zug zerfällt in einen sogenannten "reinen Teil", in welchem Krankheitsübertragung nicht zu befürchten ist, und in einen "unreinen Teil", in welchem besondere Maßnahmen gegen Seuchenübertragung getroffen sind. Auf je einer Plattform von zwölf Krankenwagen steht ein Wäsche-Entseuchungskasten. Diese Plattformen sind durch rote Anschrift: "Bremsen nicht besetzen! Aufsteigen verboten!" gekennzeichnet. Dem gesamten Zugspersonal ist das Durchgehen des unreinen Zugteils verboten; das Sanitätspersonal regelt dort Heizung und Beleuchtung. Wagenwärter dürfen einen Krankenwagen nur in einen Schutzmantel gehüllt betreten und müssen sich nachher genau nach den Angaben des Arztes desinfizieren. Im sogenannten "Uebergangswagen" muß sich sämtliches von der unreinen Zugseite kommende Personal, sei es durch Bäder oder andere Maßnahmen desinfizieren, bevor es nach der "reinen" Seite übergeht. (m.)
München - Augsburger Abendzeitung
Sonntag, 28. März 1915
Nr. 87
* Der bayerische Vereinslazarettzug W (Graf von Moysche Stiftung, ist Samstag nachmittag nach 4 Uhr mit 211 Verwundeten aus den Vogesen hier eingetroffen, wo er sich einer gründlichen Untersuchung mit verschiedenen kleinen Ausbesserungen unterziehen muß. Der Zug hat hiermit seine 19. Fahrt zurückgelegt, einen Weg von über 19 000 Kilometer durchmessen. Ueberall, wohin der Zug gekommen, nicht zuletzt in den deutschen Städten hat er allgemeine Bewunderung und Anerkennung bei den zahlreichen Besuchern, besonders auch von seiten der Militärärzte gefunden. Vor allem aber haben sich bei jeder Fahrt die mitgeführten verwundeten Offiziere und Mannschaften voll Befriedigung und Dankbarkeit ausgesprochen.
Bayerische Staatszeitung
Montag, 29. März 1915
Nr. 73a
* Tödlicher Unfall. Am Samstag, 27. März, wollte in München-Laim bei Ausfahrt des um 2 Uhr 35 Min. nachmittags abgehenden Nahpersonenzuges 124 Zugführer Frank auf den im Gange befindlichen Zug aufspringen, wobei er aber unter den Zug geriet, dessen letzte Wagen über ihn wegfuhren. Frank war sofort tot.
Walter