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 04 - Historisches Forum 

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Da ist was dran

geschrieben von: Peter

Datum: 03.08.26 16:59

Hallo!
012 055-0 schrieb:
Moin,

auch dieser Beitrag ist wieder sehr interessant, danke.

Warum das, was heute unmöglich ist, damals noch ging, bzw. eher umgekehrt:

Damals wusste man i. d. R. noch, was sich gehört.
Wenn also ein Fremder im Gelände war und sich (selbstverständlich) gut benahm, dann wurde das oft toleriert.
Heute ist das Wissen um das, was man machen darf, und das, was man nicht machen soll/darf, leider ziemlich verloren gegangen.
Schlimmer noch, wird ein Unbefugter verletzt, hat die Bahn ja auch noch Schuld!
Außerdem wird ja auch noch geklaut, randaliert, oder sogar sabotiert...!
Das kann ich exakt so fuer das damals aufgelassene Bw Bielefeld bestaetigen:
Dort standen in den 1980er Jahren nur noch Loks abgestellt, es erfolgte keine Wartung oder Instandhaltung von dort aus mehr (die Drehscheibe war bereits gesperrt, der Ringlokschuppen verfiel).

Wenn man dort am Wochenende oder an Feiertagen auflief, war i. d. R. erst einmal niemand zu sehen, also stromerte man herum.
Sah man einen Eisenbahner, dass fragte man, ob es okay sei, sich dort etwas umzusehen und/oder Bilder zu machen. Klappte immer.

Ich erinnere mich aber an ein grosses "Donnerwetter", als drei oder vier Eisenbahn-"Freunde" an abgestellten Loks herumkletterten, Klappen und Hauben oeffnete und sich das Innenleben anschauen wollten - da bruellte ein (vorher nicht zu sehender Eisenbahner) laut auf ueber den Platz und "nordete die Jungs ein", wenn sie nicht innerhalb 30 Sekunden das Gelaende verliessen, dann mache er von seiner Verpflichtung als Hilfsbeamter der Bahnpolizei (oder so aehnlich, ich bekomme es nicht mehr auf die Reihe, aber Ihr wisst, wie das damals war ...) Gebrauch und naehme sie vorlaeufig fest.

Die waren weg wie nix. Ich war zu der Zeit einige -zig Meter entfernt, packte also auch meine Kamera ein und wollte ebenfalls gehen, als er mich ruhig ansprach und meinte, ich koenne bleiben - schliesslich wuerde ich regelmaessig ordentlich fragen.

Und auf die Idee, irgendetwas an abgestellten Loks zu machen, kaeme ich -damals wie heute- nicht einmal.

Aus dem Kontakt ergaben sich in der Folge bei mehreren Gelegenheiten nette Gespraeche und Einladungen zur Besichtigung der Fahrzeuge von innen.

Gruss

Peter

Nur die Erinnerung an die Opfer schütze vor einer Zukunft als Täter: "Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unserer Demokratie."
"Wir, die Bürger der Bundesrepublik Deutschland, tragen keine Schuld an den Taten von damals. Aber wir tragen die Verantwortung für die Konsequenzen dieser Taten im Hier und Jetzt."
(Hape Kerkeling, 12. 4. 2026, zum 81. Jahrestag der Befreiung von Buchenwald)
Hallo Steffen,

Manchmal verdödelt man Stunden für nix und Unfug.
Du has die halbe Stunde überaus nutzbringend und effizient genutzt. Etwas für die Ewigkeit.
Vielen Dank für's Mitnehmen und Zeigen
Bastian

Der Kilometer 0.0 heute (2023) [1 B]

geschrieben von: 144.5

Datum: 04.08.26 01:53

Hallo Steffen,

wieder ein sehr ansprechender Beitrag von Dir - informativ und lebendig in Wort und Bild!
Die Ergänzugen von Georg mit der "Doku des Alltags" (einschl. seiner unter diesem Begriff laufenden Seiten) passen bestens dazu.

Irgendwie schaut es heutzutage doch etwas verändert aus. Euere Bilder führen es deutlich vor Auge. War auch etwas überrascht, da mein Zugang zum Hirschgarten i. d. R. über die neue Station Hirschgarten erfolgt.

Laim_nachNorden_Km0_28082023_001.jpg
München Laim August 2023: Blick vom neu errichteten Bahnsteig (S-Bahn stadtauswärts) Richtung Norden mit der ehemaligen BÜ. Dahinter befand sich auch der Güterbahnhof Laim (heute Rosa-Bavarese-Straße mit neuer Bebauung). Das grüne Gebäude im Hintergrud "My O" führt(e) zu Diskussionen u. a. wegen der Farbgebung. Diese nimmt alte Gebäude in München als Vorbild und sollte einen Kontrast zu den meist in Grautönen gehaltenen Neubauten entlang der Bahnachse bilden. Die Fensterbögen im Ober- und Erdgeschoß lehnen sich an alte Hamburger Kontorhäuser an und heben sich dadurch ebenfalls von der übrigen Neubebauung ab.

Der Rbf Laim zählte im Zusammenspiel mit München Ost zu den unwirtschaftlichsten Rangierbahnhöfen der Bundesbahn. Diese Zweiteilung verbunden mit einem zusätzlichen Mehraufwand in anderen korrespondierenden Rangierbahnhöfen, eingeschränkte Erweiterungsmöglichkeiten und veraltete Technik u. a. mit den dadurch verursachten Transportschäden trugen dazu bei. Im Vergleich hierzu dürften die Kosten für die Verschrottungsfahrten kaum ins Gewicht gefallen sein. Was einen effizienteren Güterverkehr anbelangt, kam auch der Rbf München Nord viel zu spät.

1972 war noch Hochkonjunktur; Ende 1974 kam dann ein heftiger Einbruch. Aber das ist ein anderes Thema. Was mir aufgefallen ist, dass es bereits 1970 zu relativ langen Rangierruhezeiten kam: Motags bis 14:00 Uhr für die Zugauflösung bzw. bis 15:00 Uhr für die Zugbildung (entsprechendes Altpapier folgt bei Gelegenheit). Das ist ja fast zu spät für anständige heimkehrende Fahrschüler ;-)

Schöne Grüße
144.5
Vielleicht ist es das Gebäude links, gleich im ersten Bild?

Ich bedanke mich mal

geschrieben von: Enno

Datum: 05.08.26 19:50

Ich bedanke mich mal für die vielen Güterwagen 😊

Ersatz-Signatur
Du meine Güte, Steffen, was war 1972 noch los im Gbf München-Laim! Gleich das erste Bild zeigt so viel Vielfalt wie wir es uns heute kaum mehr vorstellen können! Und beachte hier auch den „Hecht“ links, der hier wohl zum Aufenthaltsraum für Rangierer, Hemmschuhleger und Kollegen umgewidmet war?

Mein besonderes Augenmerkt gilt aber auch der beeindruckenden 191, die so groß war, daß ich mich frage, wie sie es über die Neigungswechsel auf dem Ablaufberg geschafft hat!?

Danke, daß Du damals „draufgehalten“ hast. Heute bietest Du uns damit eine – eine weitere! - sehenswerte Zeitreise!

Das gilt auch im Hinblick auf die Zugänglichkeit unserer damaligen Bahn-hotspots, wo wir durchweg „gelitten“ bis manchmal sogar mit Freude begrüßt wurden: Deine Schilderung erinnert mich an „mein“ Bw Frankfurt 2, wo ich niemals „ermahnt“ oder gar „herauskomplimentiert“, sondern nach wiederholten Besuchen in der Lokleitung oft fröhlich mit Namen begrüßt wurde… Andere Zeiten!

Schöne Grüße aus Aachen –
Reinhard

Re: Oktober 1972: Eine halbe Stunde in München-Laim Rbf

geschrieben von: e32

Datum: 06.08.26 06:34

Die 191 war sehr gelenkig 😀.

In der Schweiz wurden Ce 6/8 ll ( Krokodil) am Ablaufberg eingesetzt. Sogar noch umgebaut mit Plattformen für Verschiebedienstmitarbeiter, usw.

Sehr interessant, Georg, danke! (o.w.T)

geschrieben von: Reinhard Gumbert

Datum: 06.08.26 07:05

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
Hallo Steffen,

das war ja wirklich eine ergiebige, oder sogar pickepackevolle halbe Stunde! Einen Besuch in Laim hatte ich wegen der 191 während eines mehrtägigen Aufenthalts 1972 bei meinem Bruder zwar vorgesehen, aber dann hatte mich das Deutsche Museum so in den Bann gezogen, dass ich lieber einen weiteren Tag dort verbrachte, was ich damals nicht bereute. Trotzdem habe ich wohl etwas verpasst. Besonders gut gefällt mir der Blick von dem Fußgängersteg. Da auch in der Browserversion von google-earth Rückblenden möglich sind, versuche ich es mal mit zwei Links:

Laim, 30.9. 2001 noch mit allen Gleisen

[earth.google.com]

Laim, 8.4. 2018 letztes Bild mit dem Steg

[earth.google.com]

edit: Natürlich kann man mit den beiden Pfeiltasten beim Datum auch in den alten Ansichten blättern. Und sich mit den Cursortasten durch Laim bewegen (zum Schwenken mit Strg + Cursortaste)

Gruß aus Köln

Heiner



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.08.26 12:04.
Lieber Steffen,
für eine halbe Stunde war das ja eine reiche Ausbeute. Die Konzentration von Altbauloks (144, 191 und 194) war anderswo zu der Zeit nur noch selten anzutreffen.
An den lockeren Umgang zwischen Eisenbahnern und Fotografen (Ausnahmen gab es natürlich immer) kann ich mich auch noch erinnern. Früher freuten sich die Leute mit aufs Bild zu kommen, heute wird man von einigen regelrecht angegiftet. Am schlimmsten sind die unterbelichteten Sicherheitskräfte von Privatfirmen.
Viele Grüße
Erhard

Die anderweitige Verwendung der von mir eingestellten Fotos ist nur mit meiner jeweiligen Zustimmung gestattet.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.08.26 15:44.

google-earth Rückblende / 191 übern Berg

geschrieben von: 144.5

Datum: 07.08.26 01:24

Hallo Heiner,

danke für diese beiden Links. Beeindruckend, was IT leisten kann.

Der erste Verweis zeigt deutlich die Ausmaße der Stückgutumladestelle München-Laim (das Gebäude mit den vielen Oberlichtern), die ich oben fälschlicherweise als Gbf bezeichnet habe ("Dahinter befand sich auch der Güterbahnhof Laim"). Der Abriss war 2005, der genaue Errichtungszeitpunkt dieses Gebäudes ist mir nicht bekannt; lässt sich aber in die Reihe von Versuchen einordnen, den Stückgutverkehr zu optimieren.

Die 191 war schon gelenkig und der Eselsrücken war auch etwas sanfter wie der zweite Einsatzort München Ost Rbf [Maße nach Klaus-Dieter Korhammer].
Und die 160 mit ähnlich oder gleich (?) starrem Fahrwerk hatte auch viele Fahrten über Ablaufberge zu überstehen. Auf jeden Fall hatte sie nicht - zumindest in bestimmten jährlichen Zeiträumen - so lange Ruhezeiten wie 191 ;-)

[?] Dritter Ablaufberg: Eher nicht, würde aber die Effizienz dieses Rbf in einem noch schlechteren Licht erscheinen lassen.

Danke für Euere Biträge und schöne Grüße
144.5

Re: google-earth Rückblende / 191 übern Berg

geschrieben von: Ricky Fitz

Datum: 07.08.26 11:53

Stückgutumladestelle, so hieß das! War auch kein Juwel der Architekturkunst, wenn ich mich recht erinnere! Aber da am Berg war schon immer etwas geboten, auch wenn ich mir, anders als die meisten hier, mal einen gehörigen Anschiss über Lautsprecher (!) abgeholt habe, weil ich mich auf eine Schiene am äußersten Gleis direkt beim "Berg" gesetzt hatte. Es war das Gleis, das der Margarete-Danzi-Strasse am nächsten lag, ich habe nie davor und auch nicht danach dort einen Zug fahren sehen, es oxidierte einfach nur vor sich hin. Aber das hat den Chef im Stellwerk (?) nicht interessiert - zu Recht. ;)

In lauen Sommernächten konnte man übrigens das Quietschen der Hemmschuhe, wie sie widerwillig über die Schienenköpfe gezwungen wurden, noch kilometerweit hören. Das ist natürlich wie alles andere Laimige schon längst Geschichte.

Ricky


P.S. Womit wurde eigentlich abgedrückt, bevor die E 91 übernahmen? G 10? T 161?

"Have a teaspoon of concrete and harden up!"




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 07.08.26 11:54.
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