Liebe HiFo-Gemeinde,
verbindlichen Dank für Eure Kommentare und die vielen persönlichen Erinnerungen zum Schlussteil meines Emslandberichtes [
www.drehscheibe-online.de].
@ 144.5: Deine Frage, was Politik und Gesellschaft, also jeder Einzelne von uns, aus den vor über 50 Jahren schon brandaktuellen Energieproblemen gelernt haben, ist bestürzend berechtigt. Für mich ist es immer wieder frappierend, wie wir Menschen als die angeblich höchstentwickelten Lebensformen dieser Erde unfähig sind, angemessen auf vorhersehbare Gefahren zu reagieren.
@ 01 1066 und Klaus Groß: Besten Dank für Eure ergänzenden Fotos aus Bentlage. Das war für mich ein magischer Ort! Dein Brandfoto, Klaus, ist zeitungswürdig!
@ K.F.W.: Danke Dir für die betrieblichen Ergänzungen . . .
@ Novoma: . . . und für die Erläuterungen zu den Miltärfahrzeugen.
@ Martin Welzel: Der Hinweis auf Deinen früheren Bentlage-Beitrag hat mich beim nochmal Anklicken sehr ins „Damals“ zurückversetzt.
Heute gibt es wieder etwas
Elektrisches und Dieseliges. Dass ich im Augenblick mehr Beiträge als sonst ins Forum einstelle, liegt an unserem unsäglich heißen Wetter. Bei solchen Temperaturen geht man nicht freiwillig aus dem Haus, sondern beschäftigt sich viel lieber mit historischen Themen.
Viele Jahre kam ich täglich am
Rangierbahnhof München-Laim vorbei, wenn ich mit der S-Bahn in die Stadt fuhr. Der Blick war geschult, alles Interessante oder auch nur das Alltägliche sofort zu erfassen. Schnell war ich mit der Sausebahn wieder vorbei. Da man damals das Bahngelände noch mit ein bisschen Courage ohne jedes Problem betreten konnte, legte ich dort gelegentlich einen Fotostop ein. Man gelangte von der S-Bahn-Station Laim über eine Treppe direkt zum Rbf und war schon drin. Im
Oktober 1972 stand wieder eine kurze Visite an, und zwar nach der Schule gegen 14 Uhr:
Bild 1 Über die Richtungsgleise führte extra für die Fotografen (vielleicht auch für die Bahner) ein eiserner Steg vom Betriebsgebäude zu einem der Stellwerke und zur anderen Rbf-Seite. Er bot einen idealen Überblick. Ich weiß noch, mit welchem rasanten Herzklopfen ich im September 1970 erstmals wagte, unter den Augen der Eisenbahner dort hinauf zu steigen und zaghaft meine Fotos zu schießen, siehe Bilder 16 – 21 in [
www.drehscheibe-online.de]. Heute kam als erstes die solo fahrende 194 158 (AEG/1944) vom Bw München Ost daher. Die Maschine hat nach ihrer Ausmusterung im Jahr 1988 noch Karriere gemacht, ihre Nummer ist dem Eisenbahnfreund des Jahres 2026 wohlbekannt: [
eisenbahn-museumsfahrzeuge.de].
Bild 2 Der Blick in die andere Richtung zeigt 260 418 (MaK/1958) vom Bw München Hbf. Sie wurde dort 1984 ausgemustert, kam aber über den Schrott- und Lokomotivhändler Layritz im Jahr 1985 in den Kosovo nach Priština und später ins serbische Belgrad. Laut [
revisionsdaten.de] wurde sie dort 2021 verschrottet.
Bild 3 Hinter der vorbeifahrenden 144 039 (KM/SSW/1935) vom Bw München Ost ist die damals neue S-Bahn-Station Laim zu sehen. Mit den Olympischen Sommerspielen des Jahres 1972 war das sternförmige Münchner S-Bahn-Netz im gleichen Jahr in Betrieb gegangen. Aus dem alten, ziemlich verranzten Haltepunkt München-Laim war nun eine neuzeitliche S-Bahn-Station mit zentraler Vernetzung geworden.
Bild 4 Im Laimer Rbf war ständig etwas los, eine Zug- oder Lokfahrt löste die andere ab. Kein Wunder, denn die Anlagen waren inzwischen längst zu klein geworden und verursachten lange Wartezeiten. 194 107 (AEG/1943) des Bw Augsburg kam vom Bw Hbf herüber, um einen Zug zu übernehmen. Rechts sauste 260 418 vorbei. Im Hintergrund sieht man drei Abdrücksignale. Weiß einer der ortskundigen Leser, wo sich der zugehörige Ablaufberg befand? Der große Berg, an dem die Stangen-Elloks der Baureihe 191 arbeiteten, befand sich ja ganz im Hintergrund, seine Züge sind in Richtung des Betrachters zerlegt worden. Zu ihm gehörten die Signale nicht. Oder waren das vielleicht „Wiederholer“ der Bergsignale?
Bild 5 Als sich 194 107 vor ihre Garnitur gesetzt hatte, rollte nebenan 211 288 (KM/1962) des Bw München Ost herein. Auch diese Lok fand nach ihrer Z-Stellung (01.06.1994, Bw Ulm) noch eine Weiterverwendung: Laut [
www.v100.de] lief sie ab 1997 in Beauchamp in Frankreich und kam 2019 nach Salzburg. Einst hatte sie 1962 ihre Abnahmefahrt von Nürnberg nach Marktschorgast über die Schiefe Ebene absolviert.
Bild 6 Nun war der dicke Brummer abfahrbeit. In dieser Aufnahme sieht man schön die in den 1950er Jahren angebrachte, sehr sinnvolle Dachverlängerung, die dem Lokführer als Blendschutz diente. 194 107 wurde 1987 beim Bw Ingolstadt außer Dienst gestellt und im Jahr darauf in Bremen verschrottet.
Bild 7 Einen sehr gemischten Güterzug brachte 144 025 (KM/SSW/1934) des Bw München Ost vom Südring herein. Auch ein Kran und mehrere Bauzugwagen waren dabei. Im Jahr 1972 besaßen noch viele Altbau-Elloks ihre großen Reichsbahnlaternen, die dann bald durch die kleineren DB-Lampen ersetzt worden sind.
Bild 8 Nun setzte ich meine Fototätigkeit eine Etage tiefer fort. 194 109 (AEG/1943) des Bw Ingolstadt lief mit einem Dg aus Würzburg ein. Die Lok fuhr noch geraume Zeit, die Z-Stellung erfolgte am 15.05.1987 in Ingolstadt. Auch sie wurde, wie so viele andere Loks auch, weit entfernt von ihrem letzten Einsatzort verschrottet, und zwar in Bous (Saar) im Jahr 1988. Ich frage mich, ob das System, die Loks rasch, aber oftmals an weit entfernten Orten zerlegen zu lassen, sinnvoll gewesen ist. Die langen Überführungsfahrten verursachten nennenswerte Personal- und Sachkosten, die vom Schrotterlös in Abzug zu bringen waren. Soweit ich weiß, gingen diese Fahrten zu Lasten der DB. Na ja, das fragt ein Außenstehender, der von den Interna des Betriebes natürlich nur wenig Ahnung hat.
Bild 9 Hauptgrund für meine Laimer Besuche waren immer die Loks der Baureihe 191. Dieses Mal traf ich 191 002 (Krauss/SSW/1926) alleine unten im Rbf an, während die andere Lok wohl „oben am Berg“ gewesen ist. Diese Maschine war erst vor einigen Monaten aus Oberhausen nach München gekommen, nachdem die hiesige 191 098 abgestellt werden musste. So war der für den Plandienst (zwei plus zwei) an den Ablaufbergen in Laim und in Berg am Laim nötige Lokbestand von sechs Stück gewährleistet.
Ende 1972 besaß das
Bw München Ost die folgenden Loks:
191 002, 011, 099, 100, 101, 102
Der übrige Rest der Baureihe erlebte beim
Bw Oberhausen-Osterfeld Süd gerade die letzten Einsatzwochen:
191 001, 008, 009, 010, 097.
Bild 10 Zum Mittag hin war es an meinem Besuchstag sehr warm geworden – goldener Oktober. Es wehte ein starker Föhnwind. Der Lokführer hatte die Maschinenraumfenster seiner Lok geöffnet, um den Trafo vor Überhitzung zu schützen. 191 002 war keine der Münchner Stamm-E 91, vor dem Krieg lief sie nur wenige Jahre hier. Danach gehörte die Lok zu den Bw Landshut, Pressig-Rothenkirchen (1950 – 1967), Kornwestheim und zuletzt Oberhausen-Osterfeld Süd. Nachdem sie am 09.09.1968 im AW München-Freimann ihre letzte U2-Ausbesserung erhalten hatte, wurde sie fristgemäß am 09.09.1974 z-gestellt. Es folgte noch der mehrjährige Einsatz als Heizlok in Neustadt/Aisch an der Strecke Nürnberg - Würzburg, dann wurde auch sie verschrottet, und zwar im Juli 1983 im AW Weiden.
(Schluss folgt in wenigen Minuten)