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 04 - Historisches Forum 

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Hallo,



120 Jahre wäre die Strecke von Königswalde in die "obere Stadt" Annabergs heute geworden.
Das ist der Anlass für unseren soeben erschienenen Beitrag, in welchem die KA-Linie ausführlich vorgestellt wird:

Streckenjubiläen im Erzgebirge, Teil 4: Annaberg „obere Stadt“

Am 01. August 1906 ging die Güterbahn in Betrieb. Durch die regelspurige Anbindung an die 1872 eröffnete Linie Weipert – Annaberg konnte die böhmische Braunkohle nun problemlos in die obere Stadt gelangen. Rasch siedelte sich viel Industrie rund um den auf einer Hochebene gelegenen Endpunkt der Strecke an. Die Logistik sah nun vor, dass die Pferdefuhrwerke Last talwärts in die Stadt befördern.

Vorschaubilder:

https://s1.directupload.eu/images/260731/va79422x.jpg
[16] Der 29. Dezember 1993 war ein herrlicher Wintertag. 201 095 rollt mit N 5869 aus Richtung Cranzahl ein, während 201 833 mit der Übergabe aus
Ober-Annaberg schon zur Abfahrt nach Buchholz bereitsteht. Zum Zwecke der Zugkreuzung musste der Güterzug zuvor von Gleis 1 auf 2 umgesetzt werden.

https://s1.directupload.eu/images/260731/hyomemym.jpg
[20] Der Bildautor nutzte zu seinem Geburtstag die Gelegenheit, die Übergabe auf seiner „Lieblingsstrecke“ nochmals mit einer V 60 festzuhalten.
Im Bereich der ehemaligen Ladestelle rollt 346 520 mit UEG 68433 in Richtung Königswalde. In Höhe der letzten Wagen erkennt man die Reste des
abgebrannten Wagenkastens. Auf dessen Höhe endete das Stumpfgleis.

https://eisenbahnseite.de/wp-content/uploads/image/mbc/obere_stadt/comp_1994-07-21_annaberg_ob_bf_fernblick_201_101neu.jpg
[31] Von einer ehemaligen Pöhlberg-Bobbahn blicken wir auf den oberen Bahnhof. 201 101 setzt soeben um. Neben dem Güterschuppen sind noch fünf
der einst 18 Kohlehochbunker erkennbar.

https://s1.directupload.eu/images/260731/fou8wgdi.jpg
[62] 05/2000 bis 10/2000: Kompletter Rückbau Annaberg-Buchholz ob Bf, auch die Gebäude und Ladestraße verschwinden. Selten hat man bei einem
Bahnhof in so kurzer Zeit nahezu alle Spuren konsequent beseitigt! Letzter Zeuge bleibt das ehemalige Bahnwärterwohnhaus, siehe [29].

Ein Dank an die Unterstützer! Besonders hervorgehoben sei an dieser Stelle Danilo Grund, der mir sein umfangreiches Archiv zur Strecke mit zahlreichem Bild- und Datenmaterial zugänglich gemacht hat.

Zum ausführlichen Streckenportrait: Eisenbahnseite.de - Annaberg „obere Stadt“


MfG

MBC

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Klasse Beitrag!

geschrieben von: Streckenrangierbezirk

Datum: 01.08.26 11:13

Hallo MBC.

Herzlichen Dank für die Verlinkung des Streckenporträts. Viele interessante Details sind darin enthalten. Ich durfte die Strecke noch selbst kennenlernen und war überrascht, welch hohes Frachtaufkommen Annaberg ob Bf zugeschieden wurde. Gerne würde ich Fotos aus DDR-Zeiten sehen, wo Anschließer und Ladestraßen auch jenseits von Kohle und Schrott Frachten versendeten bzw. empfingen. Dass der Begleiterwagen zu einer Legende mutierte, war wir unbekannt. War seine Mitführung in den letzten Jahren überhaupt erforderlich?

Falls jemand über Hintergrundwissen verfügt: War es tatsächlich üblich, den Wagenausgang von Bärenstein (Kr Annaberg) nach Annaberg ob Bf mitzunehmen? Andersherum müsste dann der Wageneingang für Annaberg ob Bf zunächst von Annaberg=Buchholz Süd nach Bärenstein mitgeführt worden sein. Oder wurden in Königswalde ob Bf (vielleicht auf Gleis 3?) normalerweise die Wagen zwischengeparkt?

Grüße vom SRB

Re: Klasse Beitrag!

geschrieben von: MBC

Datum: 01.08.26 11:51

Hallo SRB,
Streckenrangierbezirk schrieb:
Gerne würde ich Fotos aus DDR-Zeiten sehen, wo Anschließer und Ladestraßen auch jenseits von Kohle und Schrott Frachten versendeten bzw. empfingen. Dass der Begleiterwagen zu einer Legende mutierte, war mir unbekannt. War seine Mitführung in den letzten Jahren überhaupt erforderlich?

Falls jemand über Hintergrundwissen verfügt: War es tatsächlich üblich, den Wagenausgang von Bärenstein (Kr Annaberg) nach Annaberg ob Bf mitzunehmen? Andersherum müsste dann der Wageneingang für Annaberg ob Bf zunächst von Annaberg=Buchholz Süd nach Bärenstein mitgeführt worden sein. Oder wurden in Königswalde ob Bf (vielleicht auf Gleis 3?) normalerweise die Wagen zwischengeparkt?
danke für die Rückmeldung. Zu Deinen Fragen: Viele Fotos aus der Zeit vor 1990 sind mir tatsächlich nicht bekannt. Leider gar keine von Anschlussbedienungen abseits des ob Bf, auch nicht von den Elefanten- und Schaustellertransporten.
Ob die Mitführung des Zugführerwagens erforderlich war, da kann man streiten. Immerhin gab es ja noch bis zuletzt den Zugführer und Rangierleiter zu befördern.
In den meisten Fällen (und planmäßig) ist erst Annaberg ob Bf und danach Bärenstein bedient worden. Am 29.12.1994 war es beispielsweise andersherum.
Meines Wissens wurden die Wagen jeweils mitgeführt.
Gegebenenfalls können die Chronisten noch aus früherer Zeit ergänzen.

MfG
MBC

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Re: Klasse Beitrag!

geschrieben von: MBC

Datum: 01.08.26 19:28

Hallo,

noch eine Ergänzung von D. Grund:
Zitat
Seit Einbruch des Güterverkehrsaufkommens nach 1990 und dem Einzug der V 100 gab es nur noch das eine Übergabezugpaar:
UEG 68423 Annaberg-Buchholz Süd - Annaberg-Buchholz ob Bf
UEG 68433 Annaberg-Buchholz ob Bf - Bärenstein
UEG 68424 Bärenstein - Annaberg-Buchholz Süd
Die Last für Bärenstein lief regelmäßig mit zum ob Bf, insbesondere wenn es nur ein oder zwei Fcs waren.
Dann liefen die beladenen Schrottwagen mit nach Bärenstein. Da zwischen Königswalde und Bärenstein keine großen Steigungen liegen, war das kein Problem.
Eine besondere Fahrt war die im oberen Bf zur Überführung ins Raw Görlitz verladene 99 1590. Fotografisch nachweisbar erreichte sie mit der Übergabe auch Bärenstein.
Bärenstein hatte nicht jeden Tag Last, dort gab es nur noch den Kohle- und Holzhändler. Demnach wurde oft nicht nach Bärenstein gefahren und gleich in Königswalde Kopf gemacht.
Bärenstein wurde vermutlich vorrangig zuerst bedient, wenn eine größere Anzahl an leeren Ea zur Holzverladung bereitzustellen war.
Eine Zwischenabstellung in Königswalde wurde einmal selbst erlebt, an dem Tag mit Foto von 201 101 vor dem Riesenrad (08.06.1994):
Der Zugführerwagen mit drei leeren Ea wurde in Königswalde abgestellt, während die 201 sechs beladene Ea aus Bärenstein holte.
Dann wurden die Wagen in Königswalde getauscht. Sonst wäre mit sechs Wagen voll Holz und drei vollen Schrottwagen die Höchstlast von 320 t ab Annaberg überschritten worden.
Zweimal wurde es erlebt, dass zwei mit Holz beladene Wagen aus Bärenstein via obere Stadt mit am Zug hingen.

Übrigens hatte der Holzhändler in Bärenstein Beschwerde eingelegt, sodass im Frühjahr 1995 noch ca. 3-4 Bedarfszüge mit Snps-Wagen und BR 219 sowie ein letzter Zug mit Ea und BR 202 gefahren sind.
MfG
MBC

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Re: Klasse Beitrag!

geschrieben von: Streckenrangierbezirk

Datum: 02.08.26 01:01

Besten Dank an Dich und D. Grund für die Ergänzungen.

Grüße vom SRB
Hallo,

in Ergänzung zum verdienstvollen Beitrag von MBC füge ich noch einige Bilder hinzu:

WA 62 vN Kopie.jpg
Bild 1: Königswalde ob. Bf, 11. August 1975, Blick aus Richtung Annaberg. N 63383 Buchholz-Annaberg ob. Bf macht hier Kopf. Bis hierher war die V 180 Zuglok und 86 1361-4 Schiebelok. Ab hier fährt die 86er den Zug allein weiter.


KA 32 vN Kopie.jpg
Bild 2: Am 12. März 1968 entgleiste die Henschelschneeschleuder 30 50 949 3103-0 mit allen Achsen, der Tender mit 3 Achsen am km 2,0 zwischen Cunersdorf und Kleinrückerswalde (rechts nach Königswalde ob. Bf).


KA 30 vN Kopie.jpg
Bild 3: Die entgleiste Schneeschleuder wird über Aufgleisschuhe von zwei 86-ern wieder ins Gleis gezogen. Im Hintergrund der Auer Hilfszug.


KA 49 vN Kopie.jpg
Bild 4: Annaberg, ehemaliger AEG-Bahnsteig links hinter dem Wegübergang am 11. August 1975. Blick aus Richtung Königswalde ob. Bf.


KA 56 vN Kopie.jpg
Bild 5:Blick aus Richtung Annaberg am 11. August 1975 auf den AEG-Bahnsteig. Am Anfang steht die Pfeiftafel.


KA 66 vN Kopie.jpg
Bild 6: Annaberg ob. Bf am 11. August 1975. Blick aus Richtung Königswalde ob. Bf vom Dach des Häuschens der Fuhrwerkswaage.


KA 77 vN Kopie.jpg
Bild 7: Annaberg ob. Bf am 3. September 1964. Blick vom Streckenende in Richtung Königswalde ob. Bf. Für SRB, der sich Ladegut jenseits von Kohle und Schrott wünschte mehrere Sack Kartoffeln für die GHG (Großhandelsgesellschaft Nahrungs- und Genußmittel / Obst und Gemüse).

Grüße
Manfred
Vielen Dank, Manfred!

Abgesehen von der Schleuder und dem vorletzten für mich neue Bilder.
Und beim ersten Bild sieht man gut die frisch eingebaute EKW.

VG
MBC

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.08.26 17:33.
Danke für das Bild 4. Endlich erkenne ich die Gleislage des Anschlusses.

Mit einmal Kopf machen errreicht man den Betrieb in der Höhe, genial.

Re: Klasse Beitrag!

geschrieben von: BR_50_849

Datum: 02.08.26 20:05

Ich kann dazu vielleicht etwas aus den 80er Jahren beitragen.
Selbst war ich von 1983 bis Ende 1988 beim Kohlehandel dort beschäftigt. Und habe zudem gewissermaßen von 82 bis 86 "unter der Brücke" in Cranzahl gewohnt.
Meines Wissens nach war der am stärksten ausgelastete Zug zum ob. Bhf der Frühzug.
Da wurden nicht selten Kohlewagen in Buchholz für den Mittagszug zurück gelassen, vor allem wenn andere Bediener dabei waren. Der Kohlezug kam als Ganzzug, er lief mit Zuglok bis Königswalde und wurde dann ab dort von der Schublok (Rangierlok) zum ob. Bahnhof gebracht. Ich glaube zu wissen, das von der Zuglok ein paar Wagen in Bärenstein zugestellt wurden, hier ebenfalls meist Kohle für den "Anschluß" Kohlehandel und einem Oberwiesenthaler Kohlehändler.
Der Anschluss nach Bärenstein in Verbindung mit der ob. Bahn, wurde, glaube ich, erst nach 1990 so getätigt.
Am ob.Bahnhof wurde zudem zwischen Bunkeranlage (E- Wagen) und an den Förderbändern (Bild 6 von Manfred /Fcs- Wagen) noch ein G Wagen mit Mehlsäcken für die Bäckereigenossenschaft am Güterschuppen entladen.
Das mit den Kartoffelsäcken auf der Rampe war zu meiner Zeit lange passe. Dafür gab es den GHG Anschluss, Bild 6 wo der Kw steht. Diese haben aber auch normale G Wagen und Waren in Containern zugestellt bekommen. Da ist es nichtmal selten passiert, was Diese nicht entladen werden konnten, da die Container mit den Türen falsch auf den R Wagen standen. Trotz mittlerweile in Buchholz vorhandenem Containerbahnhof mußten diese nach Karl-Marx-Stadt zum drehen, weil es der Kran in Buchholz von der Last her schlicht nicht "schaffte". Zudem kann ich mich erinnern, das ich in diesem Anschluß einen Gbs mit diesem weißen Diagonalstreifen gesehen habe.
Entladen wurden aber auch andere Güter auf der Ladestraße, so u.a. für die Metallgenossenschaft in Kleinrückerswalde. Kran und Fahrzeug kamen da von der ehem. und späteren, nun wieder ehem. Sped. Wolf aus Scheibenberg, eine Niederlassung des KVK Annaberg.
Oder aber Baumaterialien für den Umbau der Kohlesilos in den 80er Jahren, welche mittels eigenem RDK entladen wurden. Der KH hat nach dem auf den Bildern zu sehenden RK3 2 RDK's besessen, einen mit 4 Seilstangengreifer und einen mit Motorgreifer, welcher dazu genutzt werden konnte.
An der Rampe, Bild 7, war übrigens noch nicht Schluß. Dort ging es noch zur "Getreidewirtschaft". Der Schrott bekam dann die leeren Wagen vom Kohlehandel, meist die 4 Achser.
2 Achser gingen schonmal an die Rampe und wurden dort mit "Schlachtabfällen" von Annaberger Schlachthof von einem örtlichen privaten Entsorgungsbetrieb per Hand von Lkw Anhängern umgeladen. Die ersten Anhänger standen da schon meist Tage vorher dort schon abgestellt, bis genug Abfälle waren, das ein Wagen voll wurde. Vor allem im Sommer stank das bestialisch!
Leider kann ich nicht mit Bildern dienen.
Der ob.Bahnhof war zudem mit einer Güterabfertigung von 2 jungen Frauen besetzt.
Als Begleitwagen in meiner Zeit kenne ich nur den "Pwg 88", einmal durfte ich darin mit dem Abendzug nach der Schicht mit nach Cranzahl fahren. Besetzt war der mit Zugführer und Rangierer.

Viele Grüße
Steffen

Hier könnt Ihr auch mal reinschauen:
[www.mbc-jahnsbach.de]




5-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.08.26 12:20.

Dankeschön.

geschrieben von: Streckenrangierbezirk

Datum: 02.08.26 20:24

Hallo Manfred,

auch Dir ein herzliches Dankeschön für die aufschlußreichen Fotos Deines Vaters. Es handelt sich um prima Ergänzungen zur verlinkten Streckenchronik, die das Beschriebene bildlich lebendig werden läßt und auch meine Fragen gut beantwortet.

Grüße vom SRB

Dankeschön.

geschrieben von: Streckenrangierbezirk

Datum: 02.08.26 20:27

Hallo Steffen,

auch Dir gilt ein großer Dank für Deine Ergänzungen. Aber schau mal bitte an das Ende Deiner Antwort. Dort ist irgendwas abhanden gekommen bzw. unvollständig geblieben.

Grüße vom SRB


edit: Ich bin sehr begeistert über die Vervollständigung Deines Beitrages. So entsteht ein rundes Bild über die damaligen Betriebsabläufe. Gefällt mir. Nochmals danke!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 03.08.26 23:42.

Re: Dankeschön.

geschrieben von: BR_50_849

Datum: 02.08.26 20:39

Jetzt ist er "Vollständig". Ich hatte am Handy begonnen, habe ihn online gestellt um ihn am Rechner fertig zustellen.

Noch eine Ergänzung.
Die "EIA" (Elektroinstallation Annaberg/ ehem. AEG) wurde zumeist auf der Rückfahrt bedient. Dazu wurde die Zuglok mit dem Pwg, welcher meines Wissens nach damals immer hinter der Lok lief, und ggf. zuzustellendem Waggon abgekuppelt und in den Anschluss oberhalb des Streckengleises gedrückt, oder aber von dort abgeholt.

Viele Grüße
Steffen

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[www.mbc-jahnsbach.de]




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.08.26 23:05.
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