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 04 - Historisches Forum 

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Es kesselt

geschrieben von: JochenTT

Datum: 30.07.25 17:17

Liebe Steckenpferdreiter,

Kesselwagen gehören zum Eisenbahngüterverkehr, heute wie in vergangenen Zeiten. Inzwischen weiß man hier im Forum, dass ich oft unterwegs war und fotografierte, was vor die Kamera kam. Raritäten hatten es mir besonders angetan, oder das, was ich dafür hielt. So finden sich auch Kesselwagen in meiner Sammlung, von denen ich glaube, dass sie auch auf Interesse stoßen. Das ergibt sich auch aus der Lektüre des Wagenforums. Hier meine kleine Sammlung der Fotos, die zeigenswert sind.

PICT0039.jpeg
Bild 1: Der ist natürlich als Kesselwagen nicht echt. Weil wir es mit einem genieteten Kessel zu tun haben, eröffne ich mit ihm den Bilderreigen. Kessel und Wagen gehören nicht zusammen, die einfache Befestigung mit zwei Spannstählen lässt auf ein Lagerfahrzeug schließen. Wo und wofür?

PICT0038.jpeg
Bild 2: Nur dass der Wagen aus der UdSSR kam, ist eindeutig. An der linken Pufferbohle ist schwach eine Mittelpufferkupplung zu erkennen, wie sie in der SU üblich war. In Rußland heute noch. Ob es einen Kuppelwagen gab, vermag ich nicht mehr zu sagen.
Nördlich von Berlin gab es sowjetische Garnisonen, darunter einige Fliegerstaffeln. Darum vermute ich Kerosintransport, etwa in Bernau oder Eberswalde.

PICT0047.jpeg
Bild 3: Auch aus der UdSSR erreichte dieser Kessel deutschen Boden. Hier gilt das gleiche wie im vorigen Bild. Beschriftungen sind verwaschen und unleserlich, das Bremserhaus nur noch ein Fragment. Der gesamte Aufbau sieht simpel aus, es könnte sich noch um ein Fahrzeug aus der einfachen Kriegsproduktion handeln. Wie lange er wohl noch gefahren sein mag?

PICT0043.jpeg
Bild 4: Ein Brite, wie die Länderkennung aussagt. Und ein Fährbootwagen. Zu ihm weiß ich nichts, unsere Fachleute werden mit Bestimmtheit Ladung, Eigentümer und sonstige Angaben ergänzen. Wie schon oft erwähnt, gibt es zu meinen Bildern kaum Aufzeichnungen, so dass der Aufnahmeort unbekannt bleibt.

PICT0041.jpeg
Bild 5: Schwefelsäure vom oder zum VEB Chemiewerk Coswig, fotografiert irgendwo im Zugverband. Beachtet die Korrisionsspuren auf der Kesseloberseite,
beim Befüllen wird man nicht sehr sorgfältig vorgegangen sein.

PICT0044.jpeg
Bild 6: Wie ein Double sieht der zweite Kessel hinter dem ersten aus, es fehlt nur die Werksbeschriftung. Frage: Bedarf es beim Transport dieses gefährlichen Gutes besonderer Sicherheitsvorkehrungen, wie z.B. Schutzwagen?

PICT0045.jpeg
Bild 7: Diesen Wasserstoffkesselwagen habe ich in Berlin-Schönefeld aufnehmen können. Das Ziel könnte der Glühlampenhersteller NARVA an der Warschauer Straße gewesen sein. Dort waren des Öfteren solche Wagen zu sehen.

PICT0040.jpeg
Bild 8: Für welches Ladegut dieser Kessel vorgesehen war, lässt sich nicht entziffern. Auffällig ist der Glanz des übergelaufenen Transportgutes. Der Zug begegnete mir im Berliner Umland.

PICT0046.jpeg
Bild 9: Er gehörte zum Oberbauwerk Eberswalde und war zum Zeitpunkt der Aufnahme ausgemustert. Darauf deuten die durchgestrichenen Wagennummern hin. Welchen Zweck hat die Öffnung im oberen Teil des Kessels?

PICT0042.jpeg
Bild 10: Abschließend ein Alu-Kessel, frisch restauriert etwa 1980. VEB Maisan Werke Barby benutzte ihn, wo auch das Foto entstand. Maisan ist Maisstärke und auch als Maizena bekannt. Demnach haben wir hier einen Staubkesselwagen.

Hier endet meine Serie von alten Güterwagen, die zur Zeit der Aufnahmen noch vielfach auf den Gleisen unterwegs waren. Ich danke für das Interesse zu den vorigen Beiträgen und freue mich über die vielen Ergänzungen.

Ich grüße in alle Richtungen

Jochen

Re: Es kesselt

geschrieben von: Knut Ochdorf

Datum: 30.07.25 17:34

JochenTT schrieb:

Bild 10: Abschließend ein Alu-Kessel, frisch restauriert etwa 1980. VEB Maisan Werke Barby benutzte ihn, wo auch das Foto entstand. Maisan ist Maisstärke und auch als Maizena bekannt. Demnach haben wir hier einen Staubkesselwagen.


Nein, ein Staubkesselwagen hätte die Gattung U, das ist ein Wagen für Dextrose und sein Ziel sehr warscheinlich Wilkau-Haßlau.


Der Flaschenwagen geht in der Tat zu VEB Narva.

Bei den Schwefelsäurewagen ist der linke Wagen noch ohne UN-Nummer unterwegs. Die war damals nur im internationalen Verkehr vorgeschrieben. Schutzwagen brauchte es nicht, es reichte Abstoß- und Bergverbot.

Bild 4

geschrieben von: Corpet Louvet 1906

Datum: 30.07.25 17:43

Der Brite sollte Antiklopfmittel für Ottomotoren geladen haben (1649), sehr giftig und leicht entzündbar (663). Ein ziemlich exotisches Ladegut. Habe ich in freier Wildbahn noch nie bewußt gesehen.

Beste Grüße von der Zollernalb

Christian

Edit: Wie wärs mit einem Link ins Forum 10? Da findest Du die geballte KeWa-Kompetenz (ich gehör eher nicht dazu, obwohl ich die Dinger sehr mag).



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:07:30:17:45:43.

Re: Es kesselt

geschrieben von: Schienenknecht

Datum: 30.07.25 17:55

Hallo,
ich gebe mal meine bescheidene Meinung zu den interessanten Bildern.
Interessant wäre für mich der Aufnahmezeitpunkt. Ich würde ihn in die späten 70er Jahre verlegen.

Bild 1)
Dieses Fahrzeug oder besser die Kombination Kessel-Unterwagen ist für die Bedürfnisse angepasst worden.
Die eingeschweißten Schienen zum Schutz vor Verrutschen sprechen dafür.

Bild 4)
Laut UN-Nummer: Klopfschutzmittel. Sowas wurde u.a. in Premnitz hergestellt.

Bild 8)
Transportgut könnte Bitumen oder ähnliches gewesen sein.
Die Kessel haben eine Isolierverkleidung und Dampfanschluß zur Erwärmung.



Grüße aus Berlin
Schienenknecht


Folgendes hat sich zu den Wagen wie in Bild 2 in meiner Sammlung angefunden,
ein Fernschreiben der Rbd Berlin zur betrieblichen Wagenbehandlung der 2-achsigen
SZD-Kesselwagen, das Fernschreiben leider ohne Jahresdatum, aber unbedingt noch
vor Jahresende zur Kenntnis und zur Beachtung:

fernschr-rbd-bln_szd-kesselwagen-betriebl-behandlg-_1200pt-hochkte.jpg

Ich hatte das schon mal veröffentlicht, leider ist inzwischen der Bilderhoster abhanden gekommen.


Nachtrag: Einiges an Wühlarbeit, zumal ja die alten Unterlagen datiert abgespeichert sind, hat dazu geführt,
dass ich auf meine ursprüngliche Veröffentlichung vom Oktober 2013 verweisen kann:
[www.drehscheibe-online.de]

Beste Grüße
VB995



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:07:30:19:00:28.

Re: Es kesselt

geschrieben von: Cossebaude

Datum: 30.07.25 20:33

Hallo Jochen

Danke, das sind allerlei interessante Wagen!

> Bild 2: Nur dass der Wagen aus der UdSSR kam, ist eindeutig. An der linken Pufferbohle ist schwach eine Mittelpufferkupplung zu erkennen, wie sie in der SU üblich war. In Rußland heute noch. Ob es einen Kuppelwagen gab, vermag ich nicht mehr zu sagen.

Und rechts ist zu erkennen, dass er mit einem Wagen mit Seitenpuffern gekuppelt ist. Also ist das der Kuppelwagen!

Gruss

Frank

Zu Bild 1 und Bild 10 , Anmerkungen

geschrieben von: Norbert Bank

Datum: 30.07.25 21:38

JochenTT schrieb:
[attachment]
Bild 1: Der ist natürlich als Kesselwagen nicht echt. Weil wir es mit einem genieteten Kessel zu tun haben, eröffne ich mit ihm den Bilderreigen. Kessel und Wagen gehören nicht zusammen, die einfache Befestigung mit zwei Spannstählen lässt auf ein Lagerfahrzeug schließen. Wo und wofür?

Das Untergestell des "Behelfskesselwagens" stammt ziemlich eindeutig von einem Om der Verbandsbauart.
Die Kastenprofile wurden einfach in Höhe Bodenrahmen abgetrennt.
Die Kniewelle zur unteren Kopfklappenverrigelung ist noch am Untergestell montiert.
Wo der Kessel herstammt , da kann man nur spekulieren, ebenso über die Nutzung.

JochenTT schrieb:
Zitat:
[attachment]
Bild 10: Abschließend ein Alu-Kessel, frisch restauriert etwa 1980. VEB Maisan Werke Barby benutzte ihn, wo auch das Foto entstand. Maisan ist Maisstärke und auch als Maizena bekannt. Demnach haben wir hier einen Staubkesselwagen.

Einen Staubkesselwagen, trotz des Einstellers und seines Produktes möchte ich ausschließen.
Es fehlen jegliche Druckluftleitungen die für Staubkesselwagen typisch sind.
Vielleicht brauchte die Maisstärkebude irgend ein flüssiges Produkt oder es viel etwas in dieser Richtung an ( Maiskeimöl ?)

JochenTT schrieb:
Zitat:
Hier endet meine Serie von alten Güterwagen, die zur Zeit der Aufnahmen noch vielfach auf den Gleisen unterwegs waren. Ich danke für das Interesse zu den vorigen Beiträgen und freue mich über die vielen Ergänzungen.
Das finde ich sehr schade, es hätte noch ruhig etwas weitergehen dürfen.

Auf jeden Fall vielen Dank dafür !

Gruß

Norbert
Moin zusammen,

ich habe mit diesem Thema nun gar nichts zu tun, das Bild möchte ich den Interessierten aber nicht vorenthalten. Die Aufnahme müsste im Raum Göppingen im April 1961 entstanden sein. Besten Dank an den Kochertäler und viele Grüße Friedemann
img347.jpg

Re: Es kesselt, Antwort mit Bild

geschrieben von: ELNA 181

Datum: 31.07.25 14:12

Hallo Jochen,

Bild 1 Oberbauwerk Eberswalde 1979
Bild 2 Der Wagen fungierte als Kuppelwagen und den
Federn nach ist er nicht beladen. Auch die DR hatte 2 achsige Kesselwagen und 4 achsige GG-Wagen im Bestand als Kuppelwagen.
Bild 3 sollte Eberswalde sein, da ich ein gleiches Bild habe und wir wahrscheinlich beide nebeneinander
standen.
Bild 4 Angermünde
Bild 7 Beim Glühlampenwerk kenne ich nur 4achsige Wagen
mit 2 oder 3 Kesseln. Weitere 4achsige Wagen besaß
in Berlin noch das Werk für Fernsehelektronik in Berlin-Schöneweide. Leider kann man den Einsteller des 2achsigen Privatwagens nicht lesen.

Gruß Ulf

20250731_134102.jpg

Fährboot-Kesselwagen

geschrieben von: waldemar-43

Datum: 02.08.25 15:33

Zu Bild 4:
Es handelt sich um einen älteren Fährboot-Kesselwagen der 'Associated Octel Company' aus der Lieferserie:

21 70 078 0 270---291 .Ufhk (=Charles Roberts 1954/55) --- später 23 70 719 2 270....291 Zfk (TIR)

Die Wagons hatten ein Kesselvolumen von nur 123hl und ein Ladegewicht von 19t. Wie schon erwähnt dienten sie der Beförderung des hochgiftigen Antiklopfmittels und zwar von Octels Werk in Ellesmere Port [GB] nach den Ölraffinerien auf dem Kontinent. Sie dürften Mitte der 1980er Jahre ausgemustert worden sein, da der Bedarf an Bleizusatz für Kraftstoffe damals aufgrund der Umweltauflagen ja zurückging, und genügend S-fähige neuere Wagons vorhanden waren.
Interessanterweise verfügten alle Wagen aus dieser Serie nur über drei Handbremsen und ansonsten nur über Vakuum- und Luftleitung! Die deswegen eigentlich laut RIV vorgeschriebenen einzelnen weißen Eckstreifen fehlen aber beim abgebildeten Fahrzeug.

Noch zu Bild 2:
Wie schon erwähnt sollte es sich um einen Kuppelwagen handeln. Da er noch eine alte Nummer trägt, könnte man den Aufnahmezeitraum auf Anfang der 1970er-Jahre eingrenzen.

Grüße, Waldemar
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