Moin,
Ich habe Euch bereits zwei MFWE-Strecken vorgestellt: Neustrelitz - Feldberg [
www.drehscheibe-online.de] und Mirow - Rechlin [
www.drehscheibe-online.de] - da ist es wohl angebracht, etwas mehr über die MFWE zu schreiben. MFWE steht für die Mecklenburgische Friedrich-Wilhelm Eisenbahngesellschaft, ein 1894 gegründetes Eisenbahnunternehmen, das aus dem Zusammenschluss zweier Privatbahnen entstand: der Neustrelitz-Wesenberg-Mirower Eisenbahngesellschaft und der Blankensee-Woldegk-Strasburger Eisenbahngesellschaft, die beide im äußersten Südosten Mecklenburgs Eisenbahnstrecken betrieben. Dort gab es das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz und der Name der Eisenbahngesellschaft geht auf den Großherzog Friedrich-Wihlem II. von Mecklenburg-Strelitz zurück, der die Herrschaft über diesen Teil Mecklenburgs ausübte [
de.wikipedia.org]. Neustrelitz war der Residenzsitz und hier befand sich auch der Sitz der MFWE.
Neustrelitz erhielt bereits 1877 Anschluss an das Eisenbahnnetz beim Bau der Berliner Nordbahn nach Straslund. Dieser Preußische Bahnhof ist nach wie vor der Hauptbahnhof in Neustrelitz, der Südbahnhof hingegen gehörte der MFWE. Er war durch eine Straßenunterführung vom Hauptbahnhof aus zu erreichen.
Im Gegensatz zum Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin wurden die Eisenbahnen im kleineren der beiden Mecklenburgischen Großherzogtümer nicht verstaatlicht, so dass die MFWE bis 1941 als privates Eisenbahnunernehmen geführt wurde, wobei jedoch der Mecklenburgische Staat einen wesentlichen Teil der Aktien hielt. So konnten die beiden zusammengeschlossenen Eisenbahngesellschaften ihr Netz gemeinsam ausbauen und es entstand eine in Verbindung mit der Prignitzer Eisenbahn durchaus verkehrspolitisch wichtige Ost-West-Verbindung nördlich von Berlin, die in Wittenberge Anschluss an die Strecke Hamburg - Berlin und in Strasburg Anschluss an die Strecke Lübeck - Neubrandenburg - Stettin hatte. Darübehinaus kreuzte sie in Neustrelitz die Magistralen Berlin - Rostock / Stralsund.
Wer möchte, kann auch den Artikel über die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn (MFWE) bei Wikipedia lesen: [
de.wikipedia.org].
Einen Überblick über das Eisenbahnnetz und die verschiedenen Eisenbahngesellschaften in Mecklenburg zu Privatbahnzeiten vor der zweiten Verstaatlichung im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin gibt es ebenfalls bei der Wikipedia:
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upload.wikimedia.org]
Die MFWE (gelb eingezeichnet) operierte im äußersten Südosten im ehemaligen Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz (eingezeichnet mit den blauen Grenzen):
Gut zu erkennen die MFWE-Ost-West-Magistrale durch den Süden des Großherzogtums samt der Stichstrecke nach Feldberg.
Die Strecke Mirow - Rechlin fehlt in dieser Übersicht, weil sie erst nach der Auflösung des Großherzogtums zur MFWE gelangte.
Als nächstes ein Blick in das Kursbuch, der zeigt, dass die PEG und die MFWE bereits vor dem Ersten Weltkrieg durchgehende Züge in der Relation Wittenberge - Wittstock - Neustrelitz anboten. Der Zugverbindungen in Richtung Strasburg waren allerdings in Neustrelitz gebrochen:
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www.deutsches-kursbuch.de]
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www.deutsches-kursbuch.de]
Sowohl westlich als auch östlich von Neustrelitz fand sich ein für die damalige Zeit respektables Zugangebot.
Machen wir einen Sprung in die Dreißiger Jahre:
Karte aus dem Kursbuch Winter 1937/38
Sowohl die PEG mit ihrer Strecke Wittenberge - Pritzwalk - Wittstock - Landesgrenze als auch die anschließende MFWE mit ihrer Strecke Landesgrenze - Mirow - Neustrelitz - Strasburg sind noch als privat betriebene Hauptbahnstrecke eingezeichnet. Rot markiert ist nicht nur der Streckenanteil der MFWE, sondern auch der östliche Abschnitt der PEG von Wittstock bis zur Landesgrenze, da trotz Besitzerwechsel an der Landesgrenze dieser Streckenabschnitt als eine Einheit betrieben wurde und ich auch die gesamte Strecke ab Wittstock vorstellen möchte. Die von der Strecke abgehenden Nebenstrecken auf Mecklenburger Gebiet (Mirow - Rechlin und Thurow - Neustrelitz) standen ebenfalls unter der Betriebsführung der MFWE.
Winter 1937/38
Trotz durchlaufender Zugnummer - durch den langen Aufenthalt in Neustrelitz MFWE waren die Zugverbindungen auf der Gesamtstrecke nach wie vor in Neustrelitz gebrochen. Besonders dicht war der Verkehr aber auch damals schon zwischen Neustrelitz und Mirow - dem Abschnitt, der auch heute noch in Betrieb ist!
Kursbuch Winter 1944/45 - jetzt mit neuer Kursbuchnummer 120.
Jetzt gehörte die Strecke der Deutschen Reichsbahn, die sie der RBD Schwerin zugeordnet hatte. Trotz widriger Bedingungen im Krieg gab es - zumindestens laut Fahrplan - eine regelrechte durchgehende Verbindung von Wittenberge über Nesutrelitz nach Strasburg, wo Anschluss nach Pasewalk und Stettin bestand. Neu im Fahrplan der Haltepunkt Schützenhaus kurz vor Perleberg.
Kursbuch 1946
Nur unwesentlich geringerer Verkehr nach dem Krieg. Auch damals wurde die Strecke noch auf voller Länge befahren. Der Abbau des Abschnitts Thurow - Strasburg als Reparationsleistung erfolgte erst 1947! Das Schützenhaus wurde jdoch nicht mehr bedient.
Den nächsten Blick auf die Bahnstrecken der MFWE werfen wir im Jahre 1966:
Karte aus dem Kursbuch Winter 1966/67
Die Strecke von Wittenberge nach Nesutrelitz ist nur noch alls Nebenbahn eingezeichnet. Durch den Verlust der Anbindung nach Strasburg im Osten und dem Eisernen Vorhang kurz hinter Wittenberge in Richtung Westen ist auch die Funktion als Ost-West-Magistrale verloren gegangen.
Kursbuch 1966/67
Die Strecke findet sich immer noch unter der Nummer 120. Die Verstärkerzüge zwischen Neustrelitz und Mirow fuhren in diesem Fahrplan letztmalig weiter nach Rechlin, diese Strecke sollte am 28.05.1967 ihren Reisezugverkehr verlieren.
Kursbuch Winter 1974/75
Der durchgehende Verkehr bestand für viele Verbindungen nur noch zwischen Pritzwalk und Neustrelitz unter der Kursbuchnummer 815. Viele Züge von und nach Wittenberge gingen jetzt auf die Verbindung nach Güstrow über, die neuen Kursbuchnummern verrieten auch die geänderten Verkehrsströme: Jetzt verlief von Wittenberge über Pritzwalk nach Güstrow die KBS 810.
Karte Kursbuch Winter 1990/91
Die neu sortierten Kursbuchnummern hielten sich bis zur Wende mit der 810 für die Strecke Wittenberge - Pritzwalk - Güstrow und der 815 für Pritzwalk - Neustrelitz.
Von den Siebzigern bis zur Wende haben sich die Zeiten der Abfahrten etwas verschoben, das Zugangebot ist aber im Großen und Ganzen gleich geblieben.
Schauen wir auf unsere Strecke nach der Wende:
Karte Kursbuch 1997/98
Dies war die letzte Fahrplanperiode für den Abschnitt Wittenberge - Mirow. Mit der nachfolgenden Stilllegung brach die einstige Ost-West-Verbindung endgültig auseinander.
Kursbuch 1997/98
Bis zuletzt bot man einen lupenreinen Zwei-Stunden-Takt zwischen Neustrelitz und Wittstock an. In Wittstock bestand Anschluss an den Prignitz-Express, wie man die auf die Strecke Berlin - Wittstock - Pritzwalk - Wittenberge ausgerichteten Züge nannte. Die Auslastung der Züge auf dem wirklich dünn besiedelten Westabschnitt zwischen Mirow und Wittstock soll damals denkbar schlecht gewesen sein.
Ein Blick auf die Gegenwart:
Modifizierte Kursbuchkarte, die die Situation nach der Stilllegung des Abschnitts Mirow - Wittstock darstellt. Inzwischen fahren die Züge von und nach Mirow allerdings nicht mehr den Südbahnhof, sondern den Hauptbahnhof in Neustrelitz an.
Kursbuch 2024
Auf der Strecke zwischen Neustrelitz und Mirow fahren die Züge im Zweistundentakt mit Verstärkerzügen in den Morgenstunden. Eigentlich ein gutes Angebot.
Seit 2013 halten die Züge für Ausflügler auch an der Station Weißer See.
Zur Lage des Südbahnhofs gegenüber dem Hausbahnhof ein Bild von Google maps:
Der Hbf ist mit "DB" gekennzeichnet, im Südbahnhof befindet sich ein Spielcenter.
Man kam durch eine Straßenunterführung vom Hbf zum Südbahnhof, im Reichsbahnkursbuch wurde die Entfernung mit 250 Metern angegeben.
Nach so viel Theorie und Altpapier kommen wir jetzt endlich zu den Bildern vom Bahnhof Neustrelitz Süd, einem repräsentativen Bau am Betriebsmittelpunkt der MFWE:
1. Straßenseite des repräsentativen Empfangsgebäudes der MFWE, 18.08.1999
In den frühen Neunzigern hatte man noch in das Bahnhofsgebäude investiert. Gleich nach der Wende konnte man sich noch nicht vorstellen, dass so viele Strecken stillgelegt und solche Gebäude nicht mehr benötigt, sondern nur noch eine Last darstellen würden. Seit 2003 gibt es hier keinen Reisendenverkehr mehr, die Mirower Züge fahren vom Hauptbahnhof ab. Der Neustrelitzer Hauptbahnhof an der Bahnstrecke Berlin - Stralsund / Rostock schließt sich direkt hinter einer Baumreihe links im Bild an.
2. Blick aus Richtung Strasburg / Feldberg, 18.08.1999
Auch der Südbahnhof verfügte über großzügig angelegte Bahnsteige.
3. Blick aus Richtung Mirow, 18.08.1999
Auf Gleis 2 ist die RB 33573 aus Mirow angekommen. Im Hintergrund erkennt man, dass es sogar richtiges Reisendenaufkommen gab.
3. Blick in Richtung Mirow, 18.08.1999
4. Blick aus Richtung Mirow, 18.08.1999
Im Unterschied zu Bild 3 von etwas weiter weg und ohne Zug.
5. Blick aus Richtung Strasburg / Feldberg, 18.08.1999
Auch aus dieser Richtung der Blick von etwas weiter weg mit der RB 33573 aus Mirow.
6. Blick in Richtung Mirow, 18.08.1999
Fünf mit Ausfahrsignalen gesicherte Gleise deuten an, welche Bedeutung der Bahnhof einstmals hatte.
7. Blick in Richtung Strasburg / Feldberg, 18.08.1999
In der Gegenrichtung kam man mit deutlich weniger Signalen aus.
Neustrelitz Süd war einer der Bahnhöfe, die auf einer Seite Formsignale und auf der anderen Seite Lichtsignale hatten.
8. Blick in Richtung Strasburg / Feldberg, 18.08.1999
Etwas dichter am Stellwerk. Das links davon verlaufende Gleis setzt geradeaus fort zu den Strecken nach Stralsund und Rostock.
9. Blick aus Richtung Strasburg / Feldberg, 18.08.1999
Inzwischen war der Talent aus Feldberg zurückgekommen, man erkennt ihn schwach auf Gleis 3 im Hintergrund.
10. Blick aus Richtung Strasburg / Feldberg, 18.08.1999
11. Blick in Richtung Strasburg / Feldberg, 18.08.1999
In diese Richtung befanden sich keine weiteren Signale, auch nicht direkt an der Ausfahrt aus dem Güterbereich, stattdessen haltetafeln an Gleis 2 und 3.
12. Blick aus Richtung Hauptstrecke, 18.08.1999
Einen Gleisplan vom Bahnhof Neustrelitz Süd gint es hier:
[
www.eisenbahn-mv.de]
13. Blick in Richtung Mirow, 18.08.1999
Den Schienenbus nach Mirow gibt es zum Abschluss noch einmal als Nahaufnahme.
Um 14.02 Uhr war damals die planmäßige Abfahrt nach Mirow als RB 33574.
Soweit die Dokumentation des Bahnhofs Neustrelitz Süd vom August 1999.
In der nächsten Folge werden dem Zug nach Mirow folgen!
Bleibt dran!
Viele Grüße
Christoph
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2025:02:07:18:35:24.