Hallo,
es gab ja grundsätzlich zwei Formen des Fotografieranstriches:
1. Farbige Farben mit mineralischen Pigmenten, die oft mehrfach aufgetragen und poliert wurden, oft noch mit einer oder gar mehreren Schichten Klarlack überzogen. Diese Farben wurden gelegentlich (!) bei der Präsentation von neuen Fahrzeugen bzw. Fahrzeugtypen vor höchsten und allerhöchsten Herrschaften verwendet, die Loks sind damit auch eine Weile herumgefahren. Mit Abschaffung der Länderbahnen bzw. kurz vorher gab es bereits keinen Grund mehr für diese aufwändige Lackierung. Ähnliches fand man aber später auch bei der Präsentation der 05er, E19 usw. bis hin zum ICEx, wenn auch bei diesen bereits wesentlich weniger aufwändig.
In diesem Zustand wurden die Loks auch fotografiert, hauptsächlich mit den höchsten und allerhöchsten Herrschaften. Anders als bei den 05ern, E19 usw. diente der Anstrich aber nicht unbedingt in erster Linie fürs Foto.
Leider gibt es heute keine Fahrzeuge mehr in dieser Form der Lackierung. In Sachen Farbeindruck-, -tiefe, Glanz und Lichteffekten müssen sie unglaublich ausgesehen haben, selbst Klavierlack oder solcher, den Autoposer gelegentlich verwenden, sind ein Dreck dagegen. Man stelle sich eine mehrere mm dicke Lackschicht vor, die nicht einfach mit Pigmenten aufgefüllt ist, sondern deren oberer Bereich wie Glas glänzt und tiefer echter Lapislazuli-Staub mit jeder Schicht dicker wird - und durch mehrere Schichten innerhalb des Lackes noch einmal reflektierende Oberflächen hat!
2. Ein matter, gleichmäßig hellgrauer oder weißer Anstrich, der Lichtreflexe schluckte und Schatten aufhellte und so die dokumentarische Fotografie der Lokomotive erleichterte. Er hatte zwei Funktionen, einmal die technische (Man hatte das Foto und konnte ggf. Elemente der Lok anhand des Bildes zeigen, ohne die etwas unhandliche Lok mit sich rumschleppen zu müssen. Der andere Grund war, die Aufnahmen in Zeitungen unproblematisch abdrucken zu können.
Diese Anstriche waren sehr viel einfacher gehalten, einfacher als der eigentliche Lack.
Ein Nutzer hat vor einigen Jahren mal von Plakafarben gesprochen, Plaka ist ein Markename für Casein-Farben. Dies sind quasi die einfachsten verfügbaren, dauerhaften Farben. Sie bestehen aus Magerquark, der durch Zugabe von Kalk "aufgeschlossen" wurde. Je nach Verwendungszweck kann man diese Grundlage verdünnen, mit Pigmenten mischen (für weiß nahm man üblicherweise Kaolin) oder andere Bestandteile beimischen.
Für Fotoanstriche hatten Caseinfarben mehrere Vorteile: Sie waren schnell, einfach, billig und überall verfügbar (im Zweifelsfall brauchte man nur einen Bauernhof). Sie trockneten matt auf (was fürs Foto wichtig war), waren einfach und schnell zu verarbeiten, deckten mit dem ersten Anstrich und waren alkalisch, griffen also weder überdeckten Lack noch rohes Metall an, eine Grundierung war also nicht erforderlich.
Weiterhin konnte man sie nach dem Fotografieren relativ einfach mit Druckluft, Wasserstrahl, Bürste/Wasser wieder entfernen, ohne Lösungsmittel oder Sandstrahler einsetzen zu müssen.
Nun fängt meine Spekulation an: Caseinfarben kann man auch gut schwarz bzw. grau einfärben, z.B. mit Ruß oder gemahlener Holzkohle. Ob die Zierstreifen auf dem Weiß auch mit Casein aufgetragen oder freigekratzt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Beste Grüße
Tobias