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 04 - Historisches Forum 

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? Fotografieranstrich

geschrieben von: peter74

Datum: 18.01.25 13:32

Was ist die richtige RAL farbe für die fotografieranstrich der dampfloks und eventuel auch von die eloks
Und gibt es foto's von das grosse vorbild der baureihe 24 in diesen anstrich
Vielen dank schon für euere antworten


Freundlichen grüsse

Peter

Re: ? Fotografieranstrich

geschrieben von: Preußen-Klaus

Datum: 18.01.25 18:08

Hallo Peter,

ich denke nicht, dass sich ein zutreffender RAL-Farbton (bzw. Farbtöne) für den nur für das Erstellen von Fabrikfotos aufgebrachten Anstrich benennen lässt!
Er war ja nur vorübergehend aufgetragen (also keine Lackierung!) und variierte vermutlich stark, je nach verfügbaren Anstrichstoffen, Vorlieben des Photographen oder der Werksleitung.

Dieser helle Anstrich diente eben einzig und allein dazu, auf den Werksaufnahmen die Details der neuen Lok möglichst gut ins Bild setzen zu können.

Ob sich in Werksarchiven noch Unterlagen zu diesen Anstrichen, die verwendeten Materialien / Anstrichstoffen finden lassen, weiß ich nicht.

Die Wiedergabe der Einzelheiten einer Lokomotive oder anderer Maschinenobjekte war in klassischer Fototechnik nicht so einfach. Deshalb wurden vorzugsweise matte Farben verwendet, die zudem nach Erstellen der Fotos auch leicht wieder entfernt (abgewaschen) werden konnte. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es sich um eine Art Plaka-Farbe gehandelt habe. Die Verwendung matter Farben korrespondiert auch mit der häufig bei Fabrikfotos zu beobachtenden Praxis, die Maschine ohne Fenster zu fotografieren: Es sollten Spiegelungen und ähnliches vermieden werden.

Soweit meine Überlegungen zu dem Thema.

Mit eisenbahnfreundlichem Gruß
Preußen-Klaus

Re: ? Fotografieranstrich

geschrieben von: Nobbi

Datum: 18.01.25 18:21

Der Originalinhalt dieses Beitrags ist jetzt hier (Beitrag 04-4128) zu sehen.





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.06.26 15:56.

Re: ? Fotografieranstrich

geschrieben von: PKP-modelarz

Datum: 18.01.25 21:11

Hallo Klaus,
gerade von dem "vorübergehend aufgetragen" bin ich nicht überzeugt. Warum sollte man eine Farbe auftragen und hinterher wieder abwaschen? Wasserlösliche Farben bergen zudem die Gefahr, daß das Waschwasser in die Lager gerät. Von den Farbrückständen mal abgesehen.

Ich würde eher vermuten- daß der helle Farbton die Grundierung/Schleifgrund ist. Die dunklen Anteile des Fotoanstrichs dürften mit einer Vorstreichfarbe (auch meist matt), seltener mit Decklack aufgebracht worden sein.
Nach dem Foto muß das Fahrzeug nicht aufwendig abgewaschen, sondern nur, etwas weniger aufwendig, weiter lackiert werden.

Professor Nordmann hat im Vereinheitlichungsausschuß mal zum Thema "Farbgebung" gesprochen. Daß der grüne Farbton im neuen Zustand "sehr hübsch" aussehen, und im Betrieb recht schnell nachdunkele. Außerdem seien für die Farbgebung elf Tage notwendig. Während für den schwarz/roten lediglich vier Tage benötigt werden.

Der Schleifgrund/ Grundierung ist ein magerer Lack mit hohem Pigmentanteil. Aufgrund des Preises und der Verarbeitung entweder Schlämmkreide, Zink- oder Bleiweiß.

Viele Grüße Christian

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Re: ? Fotografieranstrich

geschrieben von: Michael Staiger

Datum: 18.01.25 22:15

Hallo Peter,

der Lokbau-Ingenieur beschrieb dass die Fotografieranstriche mit Grundierfarben ausgeführt wurden, was eigentlich auch ganz logisch ist. Die Grundierfarben hatten nach seinen Aussagen einen hellen Farbton von grau über grün bis rosa, für die schwarz-weiß Aufnahmen war das völlig egal.

hier zwei Fabrikbilder mit Loks im Fotoanstrich
https://i.ibb.co/bPb5hbh/80-026-rs-Fotoanstr.jpg
Man hat dann mit schwarzem Lack ein paar Kanten herausgehoben, die Stangennuten dürften schon fertig lackiert sein - in rot. Das kommt bei dem damaligen Filmmaterial schwarz heraus.

https://i.ibb.co/n8YFg0D/01-008-fotoanstr-83363.jpg
Die 01 008 hat die Borsig Nr. 12 000 und war die erste 01 die an die Reichsbahn ausgeliefert wurde. Bei ihr ist auch die Rauchkammer bereits lackiert, sehr wahrscheinlich mit hitzefestem Lack. Sie wurde auch noch mit weißen Linien geschmückt.

Gruß aus https://i.ibb.co/0Gcj6V0/Lichtenstein-Kurbelstellwerk-4.jpg
Michael

Re: ? Fotografieranstrich

geschrieben von: Tobias M

Datum: 19.01.25 14:41

Hallo,

es gab ja grundsätzlich zwei Formen des Fotografieranstriches:

1. Farbige Farben mit mineralischen Pigmenten, die oft mehrfach aufgetragen und poliert wurden, oft noch mit einer oder gar mehreren Schichten Klarlack überzogen. Diese Farben wurden gelegentlich (!) bei der Präsentation von neuen Fahrzeugen bzw. Fahrzeugtypen vor höchsten und allerhöchsten Herrschaften verwendet, die Loks sind damit auch eine Weile herumgefahren. Mit Abschaffung der Länderbahnen bzw. kurz vorher gab es bereits keinen Grund mehr für diese aufwändige Lackierung. Ähnliches fand man aber später auch bei der Präsentation der 05er, E19 usw. bis hin zum ICEx, wenn auch bei diesen bereits wesentlich weniger aufwändig.
In diesem Zustand wurden die Loks auch fotografiert, hauptsächlich mit den höchsten und allerhöchsten Herrschaften. Anders als bei den 05ern, E19 usw. diente der Anstrich aber nicht unbedingt in erster Linie fürs Foto.

Leider gibt es heute keine Fahrzeuge mehr in dieser Form der Lackierung. In Sachen Farbeindruck-, -tiefe, Glanz und Lichteffekten müssen sie unglaublich ausgesehen haben, selbst Klavierlack oder solcher, den Autoposer gelegentlich verwenden, sind ein Dreck dagegen. Man stelle sich eine mehrere mm dicke Lackschicht vor, die nicht einfach mit Pigmenten aufgefüllt ist, sondern deren oberer Bereich wie Glas glänzt und tiefer echter Lapislazuli-Staub mit jeder Schicht dicker wird - und durch mehrere Schichten innerhalb des Lackes noch einmal reflektierende Oberflächen hat!

2. Ein matter, gleichmäßig hellgrauer oder weißer Anstrich, der Lichtreflexe schluckte und Schatten aufhellte und so die dokumentarische Fotografie der Lokomotive erleichterte. Er hatte zwei Funktionen, einmal die technische (Man hatte das Foto und konnte ggf. Elemente der Lok anhand des Bildes zeigen, ohne die etwas unhandliche Lok mit sich rumschleppen zu müssen. Der andere Grund war, die Aufnahmen in Zeitungen unproblematisch abdrucken zu können.
Diese Anstriche waren sehr viel einfacher gehalten, einfacher als der eigentliche Lack.
Ein Nutzer hat vor einigen Jahren mal von Plakafarben gesprochen, Plaka ist ein Markename für Casein-Farben. Dies sind quasi die einfachsten verfügbaren, dauerhaften Farben. Sie bestehen aus Magerquark, der durch Zugabe von Kalk "aufgeschlossen" wurde. Je nach Verwendungszweck kann man diese Grundlage verdünnen, mit Pigmenten mischen (für weiß nahm man üblicherweise Kaolin) oder andere Bestandteile beimischen.
Für Fotoanstriche hatten Caseinfarben mehrere Vorteile: Sie waren schnell, einfach, billig und überall verfügbar (im Zweifelsfall brauchte man nur einen Bauernhof). Sie trockneten matt auf (was fürs Foto wichtig war), waren einfach und schnell zu verarbeiten, deckten mit dem ersten Anstrich und waren alkalisch, griffen also weder überdeckten Lack noch rohes Metall an, eine Grundierung war also nicht erforderlich.
Weiterhin konnte man sie nach dem Fotografieren relativ einfach mit Druckluft, Wasserstrahl, Bürste/Wasser wieder entfernen, ohne Lösungsmittel oder Sandstrahler einsetzen zu müssen.

Nun fängt meine Spekulation an: Caseinfarben kann man auch gut schwarz bzw. grau einfärben, z.B. mit Ruß oder gemahlener Holzkohle. Ob die Zierstreifen auf dem Weiß auch mit Casein aufgetragen oder freigekratzt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Beste Grüße

Tobias

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