Achristo's Foto-Historama: Historische Beiträge mit Fotos und Texten aus der Welt der Privatbahnen, Werksbahnen, Feldbahnen, städtischen Verkehrsbetrieben und der DB.
Der Komarek-Dampftriebwagen war eine ganz besondere Rarität unter den deutschen Neben- und Schmalspurbahnen. In meinem Buch über die Kerkerbachbahn schrieb ich dazu:
Als die Kerkerbachbahn in den Jahren 1907/08 ihre Strecke bis nach Mengerskirchen verlängerte, glaubte man, mit den drei vorhandenen Lokomotiven nicht auskommen zu können. Da der Personenverkehr nicht sehr rege war, wurde die Beschaffung eines Dampftriebwagens ins Auge gefasst, um die drei Lokomotiven für den Güterverkehr frei zu bekommen. Die Wahl fiel auf ein Angebot der Firma Komarek in Wien, die bereits einige Erfahrungen im Bau von Dampftriebwagen besaß und u. a. für die privaten Niederösterreichischen Landesbahnen (NÖLB) eine Anzahl zwei- und vierachsiger Dampftriebwagen in Schmal- und Normalspurausführung erbaut hatte.
Der Triebwagen war ein BCPwPost4idT, also ein vierachsiges Fahrzeug 2. und 3. Klasse mit Gepäck- und Postabteil und einem Abort. Das Achsbild war (Al')2', die Lokdampfmaschine (Zwei- Zylinder-Verbund) saß auf der Vorderachse. Die Raumaufteilung war folgende: Kessel- und Maschinenraum, Gepäckraum, Postraum (mit Seitengang), Abteil 2. Klasse (7 Plätze), Mitteleinstiegsraum, Abort, Abteil 3. Klasse (25 Plätze), geschlossene Endbühne. Bei Bedarf konnte ein Beiwagen mitgeführt werden.
Der Dampftriebwagen war bis zum Ersten Weltkrieg laufend im Einsatz und legte bis 1914 jährlich ca. 25.000 Kilometer zurück. Danach wurde er bis 1920 nur noch wenig benutzt. Von 1920 bis 1924 war er ganz abgestellt. 1925 kam er wieder zum Einsatz, legte aber jährlich nur noch zwischen 3.000 und 7.000 Kilometer zurück. 1928 vermerken die Geschäftsberichte letztmalig Einsätze des Triebwagens. Der Wagen muss um 1930 (nach anderen Meldungen erst 1935) verschrottet worden sein. Damit blieb er länger im Einsatz als die nach Österreich gelieferten Triebwagen des Systems Komarek.
Die Maschinenfabrik F. X. Komarek in Wien-Favoriten existierte von 1879 bis ca. 1908. Sie war spezialisiert auf den Dampfkesselbau. Eine Reihe von Dampftriebwagen der k.k. Staatsbahnen und der Niederösterreichischen Landesbahnen waren mit Komarek-Kesseln ausgestattet. Die Wagenkästen stammten allerdings von anderen Waggonfabriken, meist von Ringhoffer. Nach dem Ersten Weltkrieg verblieben einige der Fahrzeuge in der Tschechoslowakei, ein Triebwagen ist im Eisenbahnmuseum Lužná u Rakovníka, Tschechien, noch betriebsfähig erhalten. Der Triebwagen der Kerkerbachbahn war aber das einzige Fahrzeug des Systems Komarek in Deutschland.
Hier ein (leider schlechtes) Foto des Komarek-Triebwagens der Kerkerbachbahn.
Und nun ein wenig Altpapier. Hier die Typenzeichnung des Fahrzeugs.
Und hier die Zeichnung des Antriebs-Drehgestells und die technischen Daten des Fahrzeugs.
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Andreas Christopher (Achristo) im Internet:
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