Hallo zusammen,
das Thema hatten wir schon einmal vor langer Zeit, aber mit völlig anderem Schwerpunkt, zudem mit zum Großteil ganz anderen Bildern.
Es geht um das Werk der Alsenschen Portland Cement Fabrik, kurz APCF, am Delftor in Itzehoe.
Im Jahr 2008 gab es das Gerücht, dass sich in einer Mittelschule (damals war das wirklich noch Mittelschule, sprich Realschule), ein Modell der APCF stehen solle, das das Werk in seinem Zustand um 1972 exakt darstelle.
Ich begab mich zu besagter Schule, und nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, öffnete man mir tatsächlich einen Nebenraum, in dem das Modell stand. Die Abdeckung aus Glas war kaputt gegangen, was der Fotografie natürlich zuträglich war. Mich hat es immer schon gereizt hat, das Modell dem Vorbild gegenüberzustellen, wobei aus meiner Sicht das Modell eindeutig ins HiFo gehört, da es das Werk in exzellenter Weise vollständig dokumentiert.
Zwar habe ich damals nicht Maß genommen, aber der Maßstab dürfte ca. 1:200 gewesen sein. Auch so waren die Abmessungen imposant. Das Modell bildet den gesamten Bereich von der Stör bis Nordoe, vom Bellerkrug bis zur heutigen Bundesstraße ab.
Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, die Funktionen farblich darzustellen.
Das Modell lässt sich grob gliedern in den Altbereich des Werkes, am ehemaligen Bahnhof Itzehoe, den Bereich jenseits der Marschbahn mit dem in den 1960er Jahren gebauten letzten Drehrohrofen, das Klinker und Kohlenlager und den Hafen.
Im Vordergrund erkennbar, die Werft der APCF, denn man unterhielt auch eine eigene Flotte von Schuten, früher sogar eigene Segelschiffe.
Ganz am unteren Bildrand eine Spannstation der Drahtseilbahn von Wacken/Agethorst. Hier endete die Drahtseilbahn bis in die frühen 1950er Jahre.
Ein Bild aus den 1920er Jahren zeigt noch einen Segler der Alsenschen Reederei.
Im Hintergrund rangiert eine 91 des Bw Itzehoe auf der Klappbrücke über die Stör.
Klinker- und Kohlenlager waren über Gurtförderer an das Werk jenseits der Marschbahn angebunden.
Vor dem Krieg wurden die Materialien per Drahtseilbahn befördert.
Die hier gezeigten Kastenwagen wurden in den 1930er Jahren durch moderne Einseitenkipper von Krupp ersetzt.
Hier noch einmal die Förderer im Modell, sowie die Klappbrücke der Marschbahn über die Stör, die auch schon lange Geschichte ist.
Die Klappbrücke besaß zwei einzeln bewegliche Brückenteile.
Am südlichen Teil des Werkes entstand in den 1950er Jahren die neue Schlämmerei, mit dem Endpunkt der verlängerten Drahtseilbahn von Agethorst.
Der Ton von Agethorst wurde mit den Seilbahnwagen angeliefert, die Kreide aus Lägerdorf mit den Einseitenkippern auf der 860mm Schmalspurstrecke von Lägerdorf.
Die Gleisanlagen wurden durch mehrere Gebäude quer zu den Gleisen überdeckt.
Hier eines der seltenen Bilder der "12", einer der beiden von Schöma gelieferten Maschinen, die endgültig zur Einstellung des Dampfbetriebes fürhrten.
Am südlichen Rand befand sich die Bahnmeisterei, von der auch die Einfahrt ins Werk sowohl für die Schmalspurbahn, wie auch für die in Nordoe an die Marschbahn anschließende vollspurige Strecke geregelt wurde.
Zudem wurde der mit Blinklicht geregelte Bahnübergang der B5, die mitten durch das Werk lief, geschaltet.
Foto: Willer
Eine recht kurze Garnitur mit der "11" an der Werkseinfahrt. Die Maschinen verkehrten regelmäßig in Doppeltraktion.
Foto: Peter Pekny / Sammlung Dr. Matthias Lentz
Im Mittelbereich befanden sich die Gleisanlagen für die Verladung, wobei hier voll- schmalspurige und Dreischienengleise verlegt waren.
Am oberen Bildrand hinter dem Silo die Bundesstraße.
Auch hier nochmal die Werkseinfahrt mit der Bahnmeisterei, links dem Ersatzteillager mit Kranbahn und rechts der neuen Schlämmerei.
Die gerade von MaK angelieferte "8" macht hier zwischen den Werksteilen ihre erste Probefahrt (korrigiert)
Foto: MaK
Später wurde die Bundesstraße weiter nach Osten verlegt, die Einfahrt mit einer Blinklichtanlage gesichert.
Foto: Kindermann
Im Modell sind die Dreischinenegleise leider nicht auszumachen.
Auf dieser Aufnahme ist die Anordnung besser zu erkennen.
Foto: Peter Pekny / Sammlung Dr. Matthias Lentz
Ein Exot, der für die Versuchsfahrten umgespurt werden musste, war die für die SJ gebaute 700001, die auch heute noch als Museumslok existiert.
Foto: MaK
Foto: MaK
Genauso interessant wie die Lok ist der im Hintergrund sichtbare Zisternenwagen. Die Eimerkettenbagger in den Lägerdorfer Tagebauen hatten zum Teil noch Dampfantriebe, das Speisewasser wurde mit diesen Wagen zugeführt, die am ende der Einseitenkipper-Züge hingen.
Den Abschluss der Werksentwicklung bildete die Drehrohrofenkolonne westlich der Marschbahn, sowie die Ablösung der Kreidebahn aus Lägerdorf durch eine Schlamm-Pipeline.
Am rechten Bildrand hinter der Marschbahn das Ersatzteillager mit der Kranbahn.
Schmalspurige Stichgleise waren auch an den neuen Öfen vorhanden.
Noch ein Blick auf die Nachbildung der neuen Öfen sowie des neuen Eindickers.
Die Durchfahrt unter Der Marschbahn zu den westlichen Bereichen ist unten in Bildmitte zu erkennen.
Bei Anlieferung der "8" wurde die mittels Portal- und Autokran aufgegleist, wobei das Ersatzteillager über in vollspuriges und ein schmalspuriges Gleis verfügte (korrigiert)
Foto: MaK
In diesem Bereich ist hier auch die "9" abgebildet, eine HF 130C.
Foto: Peter Pekny / Sammlung Dr. Matthias Lentz
Die vollspurigen Bereiche wurden mit einer Krupp Maschine bedient (korrigiert).
Foto: Peter Pekny / Sammlung Dr. Matthias Lentz
Hier nochmal der Bereich mit der "9", sowie einigen sehr alten Wagen, die anderen Zwecken zugeführt wurden.
Schön zu sehen die mächtigen Drehrohröfen im Hintergrund.
Foto: Peter Pekny / Sammlung Dr. Matthias Lentz
Die "11" rangiert ebenfalls in dem Bereich, wobei die Diamond-Drehgestelle des Kippers eher ungewöhnlich sind.
Foto: Peter Pekny / Sammlung Dr. Matthias Lentz
Die Unterführung der Schmalspurgleise erfolgte unterhalb der Schmiede.
Dieser Bereich wurde während der Sturmflut 1962 sehr stark unterspült, da sich das Wasser den Weg durch die Unterführung suchte.
Am Bellerkrug befand sich eine überdachte Kippstelle für den gemahlenen Zement-Klinker, sowie das Umspannwerk.
Den westlichen Abschluss bildet die Spannstation der Drahtseilbahn von Agethorst, dem ehemaligen Endpunkt einer der längsten Drahtseilbahnen Europas.
Aufnahmen der Abspannstation sind rar, hier ein Bild von der Sturmflut 1962, zu sehen auch abgestellte Bodenentleerer an der Kippstelle.
Angetrieben wurde die Drahtseilbahn von einer Dampfmaschine am Bellerkrug.
Ich hoffe, die Präsentation anhand der damals am Modell entstandenen Aufnahmen hat gefallen.
Viele Grüße
Hans-Dieter
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