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 04 - Historisches Forum 

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Hallo zusammen,

vor etwa einem Jahr hatte ich hier von meinem Erstkontakt mit der Bremerhavener Straßenbahn im Jahre 1976 berichtet. Sechs Jahre vergingen anschließend, bis ich zum zweiten Mal dorthin fuhr - buchstäblich fünf Minuten vor Zwölf. Denn im Jahre 1981 hatte man die Stilllegung der Straßenbahn beschlossen, und am 30.7.82 sollte der letzte Betriebstag sein. Keine drei Wochen blieben der Straßenbahn Bremerhaven also noch, als ich sie am 14.7.82 zum zweiten und letzten Mal besuchte.

Es sei hier noch einmal festgehalten, dass der Straßenbahnbetrieb zwar seit 1964 nur noch aus der Linie 2 vom Hauptbahnhof zur Stadtgrenze Langen am Nordrand der Stadt bestand. Diese war aber die stark belastete Hauptverkehrsachse der Stadt, die Straßenbahn also keineswegs zu einer Art Anhängsel in einem Netz aus stark frequentierten Buslinien verkommen.

Seit meinem Erstbesuch 1976 hatten sich zwei Dinge verändert: Im Jahre 1978 hatte man die drei letzten schaffnerbesetzten Züge aus 3x-Tw und zweiachsigen Verbandstyp-Bw abgestellt. Seitdem stand dem Planbedarf von acht Kursen auch nur noch ein Bestand von acht Straßenbahnzügen gegenüber – den 1968 beschafften Hansa-Gelenkzügen (Tw 80-84, Bw 218-222) und den drei 1967 gebraucht aus Offenbach übernommenen Großraumzügen (Tw 77-79, Bw 215-217). Als Konsequenz wurden seither zwei der acht Kurse planmäßig mit Bussen gefahren. Weiterhin hatte man zwischenzeitlich für die Dauer der Sommermonate die Zugfolge von 10 auf 12 Minuten gedehnt, wodurch der Planbedarf dann nur sieben Kurse betrug. Auch dies ging zu Lasten der Straßenbahn, die in ihren letzten Monaten somit nur noch mit fünf Zügen pro Tag unterwegs war.

Bei dem Besuch steuerte ich als erstes die Endstation an der Stadtgrenze Langen an. Alles weitere wurde zu Fuß und mit der Straßenbahn selbst erledigt.

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(Bild 1) Hier startet gerade ein Hansa-Zug, bestehend aus Tw 80 und Bw 218, in Richtung Innenstadt.

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(Bild 2) Gleich darauf biegt Tw 83 mit Bw 221 in die Wendeschleife ein. Bei beiden Zügen fällt auf, dass ein „Zaungast“ dem Fahrer über die Schulter blickt. Überhaupt stand die Straßenbahn in diesen Tagen mehr als sonst im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Auch im Kiosk an der Endhaltestelle, wo ich eine Tageskarte erwarb, liefen aufgeregte Debatten. Es war offenkundig, dass die Stilllegung auf viel Ablehnung bei der Bevölkerung stieß.

https://abload.de/img/bhv82ii14-07-82hinderwmjpm.jpg
(Bild 3) Mit einem weiteren Hansa-Zug aus Tw 82 und Bw 222 bin ich dann einmal die komplette Strecke bis zur entgegengesetzten Endstelle Hauptbahnhof gefahren. Diese präsentierte sich unspektakulär und wenig fotogünstig. Man kann erkennen, dass das Gegengleis immer noch vorhanden und mit Fahrleitung überspannt war, obwohl es schon lange nicht mehr benutzt wurde. Südlich der Geestebrücke fuhr die Linie 2 in einer großen Schleife entgegen des Uhrzeigersinnes über Borriesstraße – Hbf – Friedrich-Ebert-Str. durch das dortige Stadtviertel. Bis 1964 hatte die Linie 3 diese Schleife in der Gegenrichtung durchfahren.

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(Bild 4) Die erwähnte Geestebrücke war natürlich ein bevorzugtes Fotomotiv. Sie lag am südlichen Rand dessen, was man als Bremerhavens Stadtkern bezeichnen könnte; Bremerhaven wurde ja – ähnlich wie manche Städte im Ruhrgebiet – durch die Zusammenlegung mehrer zuvor selbständiger Gemeinden gebildet. Auf diesem Bild verlässt ein vierter Hansa-Zug, gebildet aus Tw 81 und Bw 219, die Brücke Richtung Hauptbahnhof.

https://abload.de/img/bhv77i14-07-82hindermhkyw.jpg
(Bild 5) Auf der Brücke selber sehen wir den in die Gegenrichtung fahrenden Großraum-Zug aus Tw 77 und Bw 217, der das Quintett der an diesem Tag eingesetzten Straßenbahnen vervollständigte. Die übrigen zwei Kurse fuhren ja als Gelenkbusse. Der Tw fällt durch seine noch komplett vorhandenen Alu-Zierleisten einschließlich des „Düwag-Spitzes“ am Bug auf. Mit Bw 216 gab es auch einen Beiwagen, der noch über seinen komplette Alu-Zierrat verfügte. Der war aber normalerweise mit dem Tw 78 gekuppelt.

https://abload.de/img/bhv82iv14-07-82hinder2yjki.jpg
(Bild 6) Hier Tw 82 und Bw 222 beim Verlassen der Brücke, ebenfalls Richtung Langen.

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(Bild 7) Kurz hinter der Geestebrücke folgt Bremerhavens „Rennmeile“, die Bürgermeister-Smidt-Straße als Haupteinkaufsstraße. Die Straße war damals schon Fußgängerzone, in der man die Straßenbahn beibehalten hatte, was wegen der üppigen Straßenbreite kein Problem war. Hier im Bild ist Tw 77 mit Bw 217 aus Langen zurück und hält an der Haltestelle „Theodor-Heuss-Platz“, bevor es weiter Richtung Hauptbahnhof geht.

https://abload.de/img/bhv80iii14-07-82hinde48kld.jpg
(Bild 8) Diese etwas weiter nördlich mit Tw 80 und Bw 218 eingefangene Szene zeigt deutlich, dass sich die Straßenbahn harmonisch in den Fußgängerbereich einfügte und absolut nicht störte.

https://abload.de/img/bhv82v14-07-82hinder7hkzw.jpg
(Bild 9) Ein komplett anderes Bild bot sich weiter nördlich bei der Durchfahrt durch den Ortsteil Lehe. Aufgrund der schmalen Straßen wurde eingleisig im Richtungsbetrieb gefahren – Richtung Norden durch die Lange Straße und Richtung Süden überwiegend durch die Nordstraße. Auch für den Straßenverkehr bestand weitgehend Einbahnregelung, so dass dieser Streckenabschnitt ebenfalls keine großen Probleme bereitete – im Gegenteil fuhren die Züge hier meist ziemlich flott. Wir sehen abermals den Zug 82-222, der hier auf der Langen Straße Richtung Langen unterwegs ist. Aufgrund der Einbahnregelung parken die Autos in Fahrtrichtung links.

https://abload.de/img/bhv80v14-07-82hindern0klp.jpg
(Bild 10) Einbahnregelung bestand auch auf der Nordstraße, durch die der größte Teil der Strecke in der Gegenrichtung verlief. Lediglich auf dem hier gezeigten letzten Stück durch die Krüselstraße gab es Gegenverkehr. Aber auch hier lag das Straßenbahngleis auf der „richtigen“ Seite.

https://abload.de/img/bhv79ii14-07-82hinderr8kax.jpg
(Bild 11) Kurz davor - in der im Hintergrund von Bild 10 erkennbaren Biegung - lag die Haltestelle „Krüselstraße“, die für meinen Geschmack einen ausgezeichneten Fotopunkt darstellte. Dort überraschte mich ein „neuer“ Großraumzug in Gestalt von Tw 79 mit Bw 215. Er war zwischenzeitlich für den Zug 77-217 eingewechselt worden.

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(Bild 12) Am Nordrand von Lehe befand sich der Betriebshof. Der Blick in die Wagenhalle zeigt, was neben den fünf auf der Strecke befindlichen Zügen noch übrig war: Rechts der an diesem Tag nicht eingesetzte Tw 84 (mit Bw 220), daneben der ausgewechselte Zug 77-217, weiter hinten die an diesem Tag nicht benötigte Garnitur 78-216. Links sehen wir vorne zwei Arbeitswagen – den Schienenreinigungswagen 253 und den Schleifwagen 254. Dahinter sind die 3x-Tw 68 (abgestellt seit 1978), 71 (abgestellt seit 1975) und ganz hinten der seit Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr im Personenverkehr eingesetzte Verbands-Tw 76 zu erkennen. Daneben stehen noch die beiden seit 1978 nicht mehr eingesetzten Beiwagen 208 und 210, ebenfalls vom Verbandstyp II.

https://abload.de/img/bhv78i14-07-82hinder71jnm.jpg
(Bild 13) Freundlicherweise gestattete man mir das Betreten der Wagenhalle, wo ich zunächst Tw 78 mit Bw 216 aufnahm. Ich habe bisher nirgendwo Bilder dieses Zuges aus den letztem Betriebsmonaten der Bremerhavener Straßenbahn gesehen und vermute daher, dass man bei ihm vielleicht im Hinblick auf das bevorstehende Ende eine fällige Reparatur oder Zwischenuntersuchung nicht mehr durchgeführt hatte.

https://abload.de/img/bhv70i14-07-82hinderqmjks.jpg
(Bild 14) Auch am rechten Rand der Wagenhalle standen ganz hinten noch drei inzwischen überzählige Fahrzeuge: vorne der 3x-Tw 70 (auch seit 1978 nicht mehr im Personenverkehr), dahinter die Salzlore 277 und zum Schluss der Arbeits-Tw 252, der auf dem Fahrgestell eines Original-Tw der ersten Serie von 1908 aufgebaut worden ist.

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(Bild 15) Ein Blick zur anderen Seite der Wagenhalle auf den Tw 68 vom gleichen Typ wie Tw 70.

https://abload.de/img/bhv208i14-07-82hindery3ki8.jpg
(Bild 16) Rechts nebenan stand der Verbandstyp-Bw 208.

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(Bild 17) Und dieses kleine „Wagenhallen-Stilleben“ bildet den Abschluss der Depot-Aufnahmen.

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(Bild 18) In der Wurster Straße lag auf Höhe des Betriebshofes die Haltestelle „Eckernfeldstraße“, von wo aus das Depot über eine kurze Stichstrecke angebunden war. Hier habe ich zwei Züge abgepasst: den Hansa-Gelenkzug 81-219…

https://abload.de/img/bhv79eck114-07-82hin79kcn.jpg
(Bild 19) … und den Großraumzug 79-215. Beide Züge sind übrigens „Ganzreklamezüge“ in dem Sinne, dass Trieb- und Beiwagen die gleiche Werbung haben. Bei Tw 79 und Bw 215 gilt das sogar für die Dachwerbetafeln.

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(Bild 20) Eine – allerdings nicht nur für die Straßenbahn – nicht ungefährliche Stelle dürfte diese im Ortsteil Speckenbüttel gewesen sein. Die Straße nebst Straßenbahn unterquerte hier die Bahnstrecke Bremerhaven-Cuxhaven, und die unmittelbar hinter der Brücke einmündende Straße war schwer einsehbar.

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(Bild 21) Meine Rundreise endete natürlich dort, wo sie angefangen hatte – in der Schleife an der Stadtgrenze Langen, denn dort wartete mein Auto (Citroen Dyane 4 – 23 PS!) auf mich. Ein Weitwinkel besaß ich damals noch nicht, und daher war das Nebeneinander der fast wie siamesische Zwillinge wirkenden Tw 82 und 83 nur in dieser Form machbar.

https://abload.de/img/bhv82222ii14-07-82hinpak2n.jpg
(Bild 22) Dieses Foto vom abfahrbereiten Zug 82-222 ist mein letztes von der Bremerhavener Straßenbahn.

In den verbleibenden 16 Tagen bis zur letzten Fahrt musste die Bremerhavener Straßenbahn noch eine letzte Einschränkung hinnehmen: Da Entwerter für die neugelieferten Busse benötigt wurden, stellte man die Hansa-Bw 218-222 ab, um aus ihnen die Entwertergeräte auszubauen. In den letzten Tagen fuhren daher die Hansa-Gelenk-Tw (im Gegensatz zu den Großraumzügen) solo – sicherlich nicht optimal für eine Zeit, in der vermutlich zahlreiche „Abschiedsfahrgäste“ zu den üblichen Fahrgästen hinzukamen. Die letzte Fahrt machte am 30.7.82 abends dann auch der auf Bild 5 und 7 zu sehende Zug 77-217.

Viele Grüße,
Stefan



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.07.22 21:20.
Moin Stefan,

toller Beitrag, danke fürs zeigen.
Frage: fuhren die Bus-Kurse der 2 auch durch die Fußgängerzone?

Gruß
Patrick
Danke für die schönen Erinnerungen, die Bremerhavener Straßenbahn war immer ein toller Betrieb, mit freundlichem Personal und einem unglaublich großen „Reservebestand“, der aber wegen Nicht-Einmanntauglichkeit nicht mehr eingesetzt wurde. Stattdessen liefen planmäßig zwei Kurse mit Gelenkbussen, was wegen des geringen Anteils an eigenen Bahnkörpern auch kein großes Problem darstellte. Werktags nach 19:00 Uhr, Sonnabends nach 14:00 Uhr und Sonntags ganztägig wurde die Linie 2 ohnehin ausschließlich mit Bussen bedient. Die Fußgängerzone wurde nicht nur von der Straßenbahn, sondern auch von mehreren Buslinien befahren. Letztere hatten mit den dort üblichen, geringen Geschwindigkeiten immer ihre liebe Mühe, denn irgendwie fuhren sie immer im „falschen Gang“, oder die Busfahrer gaben Gas ließen ausrollen, bis der Bus zu langsam wurde, gaben wieder Gas, und so weiter, bis zur nächsten Haltestelle. Das ging mit der Straßenbahn wesentlich eleganter und angenehmer für die Fahrgäste.

FCK PTN!
El Barto schrieb:
Moin Stefan,

toller Beitrag, danke fürs zeigen.
Frage: fuhren die Bus-Kurse der 2 auch durch die Fußgängerzone?

Gruß
Patrick
Ja, ebenso andere Buslinien. Ich weiß allerdings nicht, ob das heute noch der Fall ist.

FCK PTN!
Die Fußgängerzone wird nur noch zwischen Lloyd -und Keilstr von den Bussen befahren.
Dann wird in einem Zick-Zack Kurs über die Columbusstr. Kirchenstr. und Schleswiger Str. die Fußgängerzone umfahren, wobei sie im Zuge der Kirchenstr. noch einmal an der H "Große Kirche" gekreuzt wird.
Immer gab es wichtigeres ... - und schwupp hatte ich die Bremerhavener Straßenbahn verpasst.

Danke für deinen Beitrag, der noch einmal einen schönen Überblick gibt. Besonders gefallen mit (natürlich) die drei DÜWAG-Züge.

Bernhard

Vielen Dank für eure Antworten :-) (o.w.T)

geschrieben von: El Barto

Datum: 09.07.22 10:27

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: Kurzweilig und schön anzusehen!

geschrieben von: Martin K.

Datum: 09.07.22 21:56

Hallo Stefan,

danke für den schönen und interessanten Beitrag!
Du wirst verzeihen, dass meine Augen länger an den Hansa-Kurzgelenkwagen hängen bleiben. Mit denen bin ich groß geworden und die waren immer meine Favoriten....
Morgen fahren wir gemeinsam damit durch Bremen. :-))

Herzliche Grüße von
Martin
Hallo Stefan,

vielen Dank für deinen wunderbaren Bericht aus den letzten Tagen der Bremerhavener Straßenbahn. Du hast viele schöne Motive eingefangen; viele kommen mir bekannt vor, da ich auch an fast denselben Standpunkten fotografiert habe. Ich war 13 Tage nach dir in Bremerhaven und habe den Tw 78 nebst Beiwagen in der Bürgermeister-Smidt-Straße aufgenommen:

https://abload.de/img/bhv78-bgmsmidtstr-82-93jtn.jpg

Viele Grüße

Bernd



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.07.22 13:38.
Hallo Bernd,

danke für das ergänzende Bild von Tw 78 und Bw 216! Dann war meine Vermutung bezüglich des Schicksals dieses Zuges also falsch.

Viele Grüße,
Stefan
Stefan Hinder schrieb:Zitat:
(Bild 9) Ein komplett anderes Bild bot sich weiter nördlich bei der Durchfahrt durch den Ortsteil Lehe. Aufgrund der schmalen Straßen wurde eingleisig im Richtungsbetrieb gefahren – Richtung Norden durch die Lange Straße und Richtung Süden überwiegend durch die Nordstraße. Auch für den Straßenverkehr bestand weitgehend Einbahnregelung, so dass dieser Streckenabschnitt ebenfalls keine großen Probleme bereitete – im Gegenteil fuhren die Züge hier meist ziemlich flott. Wir sehen ...
Moin,

ziemlich flott musste man wohl auch sein, wenn man als Radfahrer von der Strab eingeholt wurde - der Platz zwischen Gleis und Bordsteinkante war für mein Gefühl beklemmend eng ...
Bin dem bimmelnden Fahrer jedenfalls lieber auf den Gehweg ausgewichen. :-)

Egal, die Hansa-Gelenkzüge fand ich damals (1972/73) als von zu Hause nur Düwag Gewohnter faszinierend. Für mein allererstes ÖPNV-Foto musste ich da allerdings einen Ausflug nach Bremen unternehmen, weil in den Sommerferien schon in den Jahren ohne Beiwagen gefahren wurde.
Und bekannt war auch schon, dass bei der zu erwartenden Stilllegung diese Bahnen nach Bremen gehen würden.

Danke für die netten Urlaubserinnerungen.
Gruß
HKR
Hallo Stefan,
auch ich war buchstäblich in letzter Minute noch in Bremerhaven. Meine Fotoausbeute war damals
nicht ganz so toll, allerdings hatte ich auch die Möglichkeit, im Betriebshof zu fotografieren. Dort standen
ja noch die alten Triebwagen, die nicht mehr im Tagesverkehr unterwegs waren.
Hier die links zu meinen Beiträgen als Ergänzung.

Herzliche Grüsse aus dem Rheinland.... Harald

PS: Ich hatte damals auch einen 2 CV - allerdings mit 16 PS !!

[www.drehscheibe-online.de]

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Die gezeigten Fotos stammen von mir und das Urheberrecht liegt falls nicht anders gekennzeichnet bei mir.
Anmerkungen und Korrekturen zu meinem Beitrag sind willkommen und sogar gewünscht.

Eine Übersicht meiner Beiträge / Zeitraum bis1989 findet man hier: [www.drehscheibe-online.de]
Eine Übersicht meiner Beiträge ab 1990 sehr Ihr hier: [www.drehscheibe-online.de]

Harald Müller




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.07.22 10:27.
Hallo Stefan,

die Straßenbahn in Bremerhaven kenne ich nur von Familenausflügen Ende der Sechzigerjahre, und da waren mir die Hansa-Gelenkzüge aufgefallen, weil die von dem durch DÜWAG-Gelenkwagen gewohnten Eindruck abwichen; sowas hatte ich vorher nur in Bremen gesehen. In dem Betriebshof hast Du ja noch ein paar alte "Schätzchen" entdeckt! Weißt Du, ob die Dreiachser (68, 70, 71) die gleiche Fahrwerkskonfiguration hatten, wie die Münchener Dreiachser (seitenverschiebliche Mittelachse mit Radialsteuerung der vor- und nachlaufenden Achse)? Die Bauart ist mir als verschleißmindernde Konstruktion beruflich "über den Weg gelaufen". Im Übrigen pflichte ich Dir bei: die Einstellung des Straßenbahnbetriebs in Bremerhaven war eine verkehrspolitische Fehlentscheidung! Schön, dass Du den kurz vor Schluss noch mit sehenswerten Fotos dokumentiert hast!

Gruß
Klaus
Vom Prinzip sind die Bremerhavener 3-achser (ex Opladen - Ohligs) sehr ähnlich konstruiert, es gibt allerdings mehrere Patente, die sich in der Anlenkung, der Unterbringung der Fahrmotoren etc. unterscheiden. Die Bremerhavener Wagen waren Westwaggon-Konstruktionen, die in Lizenz nachgebaute SLM-Untergestelle hatten. Welches Patent Rathgeber bei den M/m-Zügen verwendet hat, weiß ich leider nicht, aber die Funktionsweise solcher Lenkgestelle war immer die gleiche, nämlich dass durch die Seitenverschiebung der Mittelachse die Endachsen radial eingestellt wurden. Dass München, wo bislang praktisch nur Maximumvierachser-Tw eingestzt wurden, auf das Dreiachserfahrwerk umstieg, ist irgendwie folgerichtig, denn diese Dreiachs-Fahrwerk funktionierte ja im Prinzip ähnlich, nur dass die zwei inneren Achsen der Maximum-Drehgestelle in einer Achse beim Dreiachsfahrgestell zusammengefasst wurden. Die beiden inneren Achsen lagen ja speziell in München extrem dicht nebeneinander.

FCK PTN!
Hallo Klaus,

ergänzend zu den Ausführungen von "Früherwarallesbesser": Die Münchener Großraumzüge (Typ M/m) besaßen tatsächlich das Westwaggon-Lenkgestell. Es wurde bei den Prototypen von 1949/50 direkt von Westwaggon zugeliefert. Bei den Serienbauten fertigte Rathgeber das Lenkgestell dann in Lizenz. Westwaggon bot das dreiachsige Lenkgestell mit zwei Achsständen an: 4,7 m (für Wagen in Zweiachser-Größe) und 6,2 m (für längere Wagen bis max. ca. 13 m Kastenlänge). Die Fahrgestelle der Bremerhavener Wagen entsprachen also tatsächlich denen der Münchener Wagen. Letztere waren allerdings von vornherein Einrichtungswagen mit Fahrgastfluss und festem Schaffnerplatz, die später in Bremerhaven eingesetzten Tw dagegen klassische Straßenbahnen mit handbedienten Endeinstiegen und Pendelschaffner. Eine Umstellung auf Einmannbetrieb wäre nur mit großem Aufwand möglich gewesen, der sich wohl nicht mehr lohnte.

In Bremerhaven gab es zwei Spielarten: Die etwas neueren Wagen 68, 69 und 70 waren 1952 gebaut worden und fuhren bis 1978, die etwas älteren Tw 71 und 72 (Bj. 1950) schieden dagegen schon 1975 aus dem Personenverkehr. Die beiden Spielarten unterschieden sich übrigens auch äußerlich, denn die Fronten der Tw 71 und 72 waren etwas eckiger und weniger stark zugespitzt als die der Tw 68-70. Wenn man genau hinsieht, kann man das übrigens auch auf Bild 15 (hinter dem Tw 68 steht der Tw 71) erkennen. Die fünf Wagen waren ursprünglich von der Straßenbahn Opladen-Ohligs beschafft worden, fuhren also ganz in der Nähe deines heutigen Wohnortes. Die Bahn wurde aber schon 1955 stillgelegt, und Bremerhaven kam günstig an "Fast-Neuwagen". Ähnliche Triebwagen beschafften in den 50er Jahren auch Neuss (Tw 29, 30), Mainz (Tw 101-105, später 201-205) und vor allem die Bahn Bonn-Bad Godesberg-Mehlem (Tw 15-34, später 315-334), letztere allerdings mit ausgesprochen luxuriöser Inneneinrichtung.

Viele Grüße,
Stefan
Klaus Groß schrieb:Zitat:
Im Übrigen pflichte ich Dir bei: die Einstellung des Straßenbahnbetriebs in Bremerhaven war eine verkehrspolitische Fehlentscheidung!
Gibt es einen Straßenbahnbetrieb, dessen Einstellung aus heutiger Sicht keine Fehlentscheidung war? Oder noch genereller: Welche Einstellung eines Schienenverkehrs war keine Fehlentscheidung?

Recht hast Du, dass Bremerhaven auf Grund seiner Ausdehnung sich besonders gut für eine Schienenerschließung eignet und der Einstellungen viele Fehlentscheidungen vorausgingen.
Hallo Stefan,

vielen Dank für die tollen Fotos aus Bremerhaven!
Deine Reise hat sich absolut gelohnt, ich bin gern mit dir die Strecke wieder abgelaufen.

Zum Thema Busse in der Fußgängerzone:

https://abload.de/img/img-00779tkkz5.jpg

Hier befährt der Bus 113 der VGB am 1. Juni 1982 die Fußgängerzone

Als Bonus noch eine Straßenbahn:

https://abload.de/img/img-00781gjkf2.jpg

Tw 80 verläßt gerade die Hst. Krüselstraße

Viele Grüße

Thomas
Hallo "Betra",

grundsätzlich hast Du wohl Recht; bei Einzelfällen kann man das möglicherweise anders sehen. Aus heutiger Sicht war z.B. die Umstellung des Straßenbahnbetriebs auf Obus-Betrieb in Solingen in meinen Augen keine so krasse Fehlentscheidung. Schließlich bietet der Obus in Verbindung mit Batteriebetrieb heute die Möglichkeit, Relationen zu bedienen, die keine Chance auf Schienenanschluss gehabt hätten.

Gruß
Klaus
Es gab bis in die Fünfzigerjahre etliche Klein- und Kleinstbetriebe, die durchaus nicht zu Unrecht stillgelegt wurden, da sie zu keiner Zeit ihres Bestehens je ein straßenbahnwürdiges Fahrgastaufkommen aufwiesen. Aber die meisten Betriebe hätte man durchaus „retten“ können, indem man neue Stadtteile erschlossen und zumindest die Innenstadtstrecken zweigleisig ausgebaut hätte.

FCK PTN!