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 11 - Bahn und Medien 

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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Ich finde, ein ganz okayer Beitrag. Für mich insofern neues dabei, als ich die Mängel der neuen Metronom-Wagen zu ersten Mail in Bewegtbild und mit Bericht einer betroffenen Person sehe. Gleichzeitig teilt der Beitrag meiner Meinung nach eine Schwäche mit vielen weiteren solchen Kurzberichte: Ein mehr oder weniger "naiver" Journalist lässt sich von Betroffenen Probleme zeigen, und konfrontiert dann Entscheidungsträger*innen, lässt sich dann aber eben auch von Floskeln abspeisen. Zum Beispiel, als Herr Altwig die Metronom-Wagen mit einer EU-Richtlinie rechtfertigt, wonach die elektrischen Rampen "angeblich zu steil seien". Was soll da dieses "eigentlich"? Außerdem erklärt das nicht die geringere Zahl von Rollstuhlplätzen und das kleinere Klo mit Schwelle, welches zuvor gezeigt wurde. Und wenn dann von neuen Fahrzeugen in 15 Jahren die Rede ist, was soll sich dann an dem Problem mit der Rampenneigung geändert haben, sodass es dann gelöst sei? Gleiches mit Herrn Strauß, der erzählt auch irgendwas, um nicht zugeben zu müssen, dass sie Barrierefreiheit (= ohne Hilfe einsteigen) eben nicht als Ausschreibungsbedingungen aufgeführt haben und dann natürlich keine entsprechenden Angebote bekamen.

Zumindest den Schlussteil finde ich gut. Barrierefreiheit sollte bedeuten, die Züge ohne fremde Hilfe nutzen zu können.

Grüße aus Bärstadt
Deutschland ist das Land der DIN-Normen und Vorschriften. So gibt es für Rollstuhlrampen Vorschriften, welche Steigung sie haben dürfen. Bei der erlaubten 6 % und eine Höhendifferenz von 18 cm müßte die Rampe über die ganze Fahrzeugbreite des Doppelstockwagens verlaufen. Die Rampe im alten Metronom-Wagen ist demnach viel zu kurz, zu steil und heute so nicht mehr zulässig. Da zur Bedienung der Rampe sowieso Bahnpersonal benötigt wird, kann ein Rollstuhlfahrer mit einem handbetriebenen Rollstuhl mit deren Hilfe natürlich auch größere Höhenunterschiede überwinden. Ein E-Rolli schafft größere Steigungen, wenn da nich die Vorschriften wären.

Erinnert sei an den Fall, der vor nicht langer Zeit in DSO beschrieben wurde, wo der Bahnsteig einer Station auf S-Bahn-Niveau angehoben wurde, die bisher vorhandene, normgerechte Rollstuhlrampe zum Bahnsteig ersatzlos abgebaut wurde, weil es keinen Platz für die nun erforderliche, längere Rampe war. Aber einen Fahrstuhl hat man auch nicht gebaut.

Zurück zum Metronom. Elektrische Rollstühle finden zunehmend Verbreitung - es gibt versicherungsfreie Rollstühle, die nur max. 6 km/h fahren - und schnellere Rollstühle, die ein Versicherungskennzeichen haben müssen und folglich nicht auf Gehwegen gehören und auch nichts in Bussen und Bahnen zu suchen haben. Die langsamen Elekto-Rollstühle müssen wie die von Hand betriebenen Rollstühle aber von Bussen und Bahnen mitgenommen werden können. Die langsamen E-Rolli sind aber nicht wesentlich leichter als die schnellere Version. Da die Rollstuhlfahrer mangels Bewegung häufig zu Adipositas neigen, kommen da schon schnell mal Gewichte von 300 kg und mehr zusammen, die eine mobile Rampe tragen können muß. Folglich fällt die Rampe auch entsprechend massiv aus.

Die einzige Lösung wäre wohl eine Umkonstruktion des Wagens, in dem man ähnlich dem bisher auf dem Bahnsteig eingesetzten, mobilen Lift einen Lift in den Doppelstockwagen einbaut, der den Höhenunterschied von Bahnsteig und Wagenboden überbrückt. Da Behinderte in der Regel einen speziellen Universalschlüssel für Behindertentoiletten haben, könnte man eine Schaltvorrichtung für den Lift bauen, damit der Behinderte selbst den Lift bedienen kann.

Aber wie viele Garnituren hat die Metronom denn nachbestellt? Für ein oder zwei lohnt sich nicht eine völlige Neukonstruktion.

VG Georg
Barrierefreiheit im Sinne von gleichberechtigter, autarker Teilhabe (ohne helfendes Personal) geht bei Doppelstockwagen mit Bahnsteigen der Höhe 55 cm, an 76 cm gut mit einstöckigen Wagen. Für Bahnstrecken mit hohem Kapazitätsbedarf gibt es Triebzüge von so ziemlich allen Herstellern, welche ein- und doppelstöckige Wagen kombinieren, wie den Alstom Coradia HC, welche auch bereits vom LNVG beschafft werden: https://www.lnvg.de/anzeige-newsletter-sonderausgabe-08-maerz-2021/foerderung-von-zuegen-fuer-express-kreuz-niedersachsen

Es stimmt, die haben nicht ganz die gleiche Kapazität wie reine Doppelstockzüge, aber das ist bei der Inklusion von Rollstuhlfahrer*innen fast immer so.

Die DIN 18040 zu Rampen findet übrigens keine Anwendung in Schienenfahrzeugen, dort werden in der Regel die TSI PRM angewendet. Für Doppelstockwagen heißt das: in den Gängen zwischen dem Vorraum einer rollstuhlgerechten Außentür, dem Rollstuhlplatz, einer rollstuhlge­rechten Schlafgelegenheit und der Universaltoilette dürfen Rampen bis 840 mm Länge eine Steigung von 15 % aufweisen, längere maximal 6,25 %. Eine Rampe zwischen Fahrzeug und Bahnsteig darf maximal 18 % Neigung aufweisen. Ob das jetzt die autarke Teilhabe ermöglicht oder Züge diese Normen überhaupt einhalten, ist eine andere Frage.

Grüße aus Bärstadt