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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Anfang Februar hat Burkhard Beyer hier die Übernahme des Rotthowe-Nachlasses durch die Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum bekannt gegeben. Ich freue mich, nun auf eine weitere Übernahme durch das Museum hinweisen zu können. Nachfolgend der Pressetext des Museums, der ebenso auf der Museumshomepage eingesehen werden kann. Dort findet man auch die in der Pressemitteilung erwähnte Bilderserie. Und wie auch schon Burkhard Beyer möchte ich die Leser bitten, die "Lobhudelei" zu der diesen Text schreibenden Person höflich zu übergehen.

Ingo Hütter



Fotografien mehrerer Bundesbahndirektionen im Eisenbahnmuseum Bochum

Als die Bahn noch „Deutsche Bundesbahn“ hieß und sie organisatorisch in einzelne „Bundesbahndirektionen“ untergliedert war, hatte jede Direktion auch ihren eigenen „Direktionsfotografen“, der vor allem das Baugeschehen , aber auch viele andere mehr oder weniger wichtigen Ereignisse im Bereich der jeweiligen Direktion im Bild festhielt. Kürzlich konnte nun die Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eine rund 200 000 Bilder umfassende Sammlung von Fotografien der Bundesbahndirektionen Köln, Essen, Münster, Wuppertal und Mainz in ihre Obhut übernehmen.

Die Berufsfotografen der Bundesbahn hatten bei ihrer Arbeit selbstverständlich einen vollkommen anderen Fokus als die zahlreichen Hobby-Eisenbahnfotografen, so dass diese Sammlung vollkommen neue Einblicke in den Alltag der Eisenbahn und ihrer Eisenbahner ermöglicht: Unter welchen Bedingungen arbeitete die Bundesbahn-Köchin in den 50er-Jahren in einer Bahn-Kantine? Wie funktionierte die Verladung der damals neuen „Haus-zu-Haus-Container“? Und wie lief ein Schwertransport mit Lademaßüberschreitung ab? Die Bilder geben Antworten … Und sie dokumentieren den damaligen „Status Quo“ aber auch die Veränderungen – so z.B. die im Laufe der Jahre entstandenen Neubauten, damals stolz von den Repräsentanten der Bahn eingeweiht, heute meist schon wieder verschwunden oder vollkommen umgebaut.

Mit der Erfassung und Aufbereitung der Sammlung wurde Dipl.-Ing. Ingo Hütter betraut, der durch seine Autorentätigkeit auf dem Gebiet der Eisenbahn-Geschichte sowie durch seine beruflichen Arbeiten zur digitalen Langzeitarchivierung mit der Thematik bestens vertraut ist. Ebenfalls mit eingebunden sind weitere ehrenamtlich tätige Kollegen aus dem Team der Unterstützer der Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum.
In unserem Blog werden wir im monatlichem Rhythmus Bilderserien aus den verschiedenen Direktionen zu unterschiedlichen Themen veröffentlichten.
Hallo,

das ist sehr erfreulich! Jegliche geordnete Übernahme eines Bild-/Unterlagenbestandes in ein Museumsarchiv ist zu begrüßen.
Meine Frage: wurden nur Papierabzüge übernommen, oder gehören auch die Negative dazu?

Grüße,
Joachim
Es handelt sich weit überwiegend um s/w-Negative, doch auch diverse Farb-Negative, Dias und Glasplatten gehören zu dem Bestand.
Hallo Ingo!

Das ist eine sehr gute Nachricht. Ich bin gespant auf Deine Scanergebnisse. Die Zeiten, als man noch mit Papierabzügen rumhantierte (also damals, kurz nach der Ära des Kartoffeldrucks), sind nämlich zum Glück längst vorbei. Ich bin jetzt noch total erschrocken, daß beim Rotthowe-Archiv auch in Zukunft nur mit diesen völlig verwurschtelten Papieranzügen gearbeitet werden soll, die gerade mal so original sind wie eine Fotokopie der Blauen Mauritius. Ich habe noch nie einen perfekten Rotthowe-Abzug gesehen, das ziemlich unbeholfene Nachwedeln ist unübersehbar, die Schatten abgesoffen, die hellen Partien hoffnungslos überstrahlt, und daß der 18/24-Abzug wirklich das vollständige Negative zeigt, geht ja nun gar nicht. Man muß sie nicht gleich in die Tonne kloppen, sondern kann sie säuberlich in Kartons verpacken (wozu auch immer), aber das A und O sind nunmal die Negative. Ich hatte mich schon gefreut, jetzt endlich Rotthowe-Bilder in perfekter Qualität zu sehen zu bekommen, so wie bei den Müller-Bildbänden, aber Pustekuchen. Es geht weiter wie in grauer Vorzeit, als die Menschen schon aufrecht gehen konnten und soeben das Telefon und elektrisches Licht erfunden hatten. Das Rotthowe-Archiv ist jedenfalls so lange kaputt, bis sich endlich jemand um die Negative kümmert.

Wegen der Moselbahn melde ich mich in zwei Wochen.

Viele Grüße
Ludger
Ludger,

du übertreibst mal wieder maßlos. Und du hast den fotografischen Ansatz von Ludwig Rotthowe, den ich auch weiterhin respektieren werde, offenbar nicht verstanden.

Viele Grüße

Burkhard
Hallo Burkhard!

Ich übertreibe in keiner Weise, sondern lebe nicht mehr in den 70er Jahren, sondern im Jahr 2021. Genau jenen fotografischen Ansatz hast nämlich Du überhaupt nicht verstanden. Sein wohlüberlegter, einzigartiger Bildaufbau ist uns allen seit Jahrzehnten bekannt, aber leider mußten wir uns immer und immer wieder lediglich mit Scans von alten verkorksten Papierabzügen zufrieden geben. Von Hand hat er immer krampfhaft versucht, den Himmel irgendwie herauszuquälen, aber wirklich gelungen ist es ihm nie: Über der Lok ein überstrahlter weißer Streifen, zum Bildrand wird der Himmel immer dunkler, fast schwarz, und die Schattenpartien sind hoffnungslos abgesoffen. Die Papierabzüge sind absolut irreparabel. Rotthowes Lebenswerk ist einzigartig und hat es mehr als verdient, jetzt endlich in optimaler Qualität präsentiert zu werden. Jetzt ist die Chance da! Ich bin nicht der Erste, dem dieses Manko auffällt, schon einige Leute haben bei ihm vorgesprochen (und sich die Zähne daran ausgebissen), um die Negative scannen zu dürfen. Aber er hat sich immer nur an seine ollen Papierbilder geklammert.

Schau Dich in der Szene mal um, und ich spreche nicht von jenem Hövelhofer Verlag, der sich um Bildbearbeitung etwa so sehr kümmert wie um das Versenden von Belegexemplaren oder eine seriöse Klärung von Eigentumsrechten, nämlich gar nicht. Ich spreche von Verlagen, die etwas auf sich halten und für die Bildbearbeitung eigens Spezialisten beschäftigen. Mir fallen da z.B. die meisterlichen neuen Müller-Bildbände ein oder die Heißdampf-, Culemeyer- und neuesten Wolff-Bücher. Das ist das aktuelle Niveau der Bildpräsentation! Mit den Rotthowe-Abzügen konnte man in den 70er Jahren einen Blumenpott gewinnen, aber die Zeiten sind zum Glück längst vorbei. Geh doch mal mit einem Karton mit Abzügen nach Freiburg, um einen Bildband machen zu wollen: Die werden Dir vielleicht noch einen Kaffee anbieten, aber Dich dann freundlich zur Tür geleiten und sagen, daß Du Dir die Bilder gerne übers Bett hängen darfst und sobald Du die Negative wiedergefunden hast, gerne wiederkommen kannst.

Rotthowe war nicht der einzige namhafte Fotograf. Mir fallen Namen wie Luft, Navé, Meyer, Müller, Röth etc. ein, sie alle haben ein Leben lang einen riesigen Aufwand betrieben, um gute Abzüge von ihren Negativen zu bekommen. Aber diese Abzüge sind heute völlig belanglos oder höchstens noch wegen einiger Notizen von Bedeutung, mittlerweile wurden die Dias und Negative nämlich hochwertig gescannt. Was wir heute aus den Archiven dieser Leute zu sehen bekommen, ist absolut begeisternd, eine völlig andere Welt als die der alten Papierbilder. Bei Meyer, der immer nur seine selbstgefertigten Papierabzüge aus der Hand gab, fällt mir zudem ein, daß sich erst jetzt, als sein Sohn die Negative hervorholte, herausstellte, daß es sich teilweise um Farbnegative handelt. Außerdem bekommen wir jetzt endlich Scans vom gesamten Negativ zu sehen, nicht nur mickrige Ausschnitte. Sensationell!

Für mich ist es in keiner Weise nachvollziehbar, alle Nase lang von Münster nach Bochum zu reisen, um dort irgendwelche wertneutralen Papierbilder zu sortieren. Noch haarsträubender ist es, solches Zeug als "Originale" zu betiteln (oder ist eine Fotokopie der Blauen Mauritius etwa original?). Um Originale handelt es sich einzig und allein bei den Negativen, nichts anderem. Und glaub mir: Ich übertreibe in keiner Weise, wenn ich sage, daß mich Dein kürzlicher diesbezüglicher Kommentar sehr erschrocken hatte. Es war wie eine Stimme aus einer Epoche, die schon Generationen zurück liegt. Und ich wünsche mir sehr, daß Du endlich im 21. Jahrhundert ankommst und die Bilder so hochwertig präsentierst, wie es die einmaligen Rotthowe-Aufnahmen mehr als verdient haben. Die Abzüge kann man ja aufbewahren, vielleicht stehen ja noch interessante Informationen auf der Rückseite. Vielleicht lassen sie sich irgendwann mal für eine Bilderausstellung verwenden, dort achten die Leute ja nicht so auf Qualität.

Nun hoffe ich sehr, vor allem hinsichtlich des Rotthowe-Archivs, Dich bald mal im Jahr 2021 begrüßen zu dürfen.

Viele Grüße
Ludger



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.04.21 06:32.
Guten Tag in die Runde
Guten Tag Burkhard Beyer

Zunächst möchte ich an dieser Stelle mal eine Lanze für Ludwig Rotthowes Bilder brechen. Die Bilder die er mir von der Ruhr-Sieg-Strecke .vor allem vom Bereich Plettenberg zu Verfügung gestellt hat, sind einzigartig vom Motiv und von der Wirkung. Für mich als fotografischer Laie einfach hervorragend. Man kann immer ein Haar in der Suppe finden. Wie sagt ein Sprichwort: Wenn ich einen Hund werfen will ,finde ich auch einen Stein.
Und noch eins,was soll so ein" Zynisches" Gerede Herr Kenning? Wem wollen Sie etwas beweisen?

Trotz alle dem,meine Frage wer hat die Rotthowe Negative? Wer hält die Hand darauf?

VG Dietmar Kunen
Ruhr-Sieg Dietmar
Hallo Ludger,

dein Rundumschlag beruht auf einem im Kern berechtigtem Anliegen, aber deine Schlussfolgerungen schießen mal wieder weit über's Ziel hinaus.

Ich stimme dir ja völlig zu, dass man – wo immer das mit vertretbarem Aufwand möglich ist – auf die Negative zurückgreifen sollte. Das mache ich ja selbst nicht anders, denn meine Abzüge aus den 1980er-Jahren sind auch niemandem mehr zuzumuten. Dass diese Strategie deshalb aber der alleinseeligmachende Weg ist, der jedem Fotonachlass angemessen sein soll, ist völlig überzogen.

Das gilt besonders für den Fall Rotthowe. Der gute Ludwig – der immerhin eine Meisterprüfung als Fotograf absolviert hat – hatte mehr Fotolabortricks drauf als wir alle zusammen. Im Nachlass ist zu sehen, dass es viele markante Bilder in zigfachen Variationen gibt, viele der schönen Wolken gehören übrigens zu ganz anderen Bildern. Sein Ansatz und sein Anspruch war eindeutig kein dokumentarischer, sondern ein künstlerischer. Und sein Werk war erst vollendet, wenn er mit dem Ergebnis des Fotolabors zufrieden war. Insofern war es nur konsequent, dass er seine Negative nie herausgegeben hat. Ludwig Rotthowe auf seine Negative zu reduzieren, wäre eine gestalterische Amputation. Komischerwiese sieht man das in Freiburg genauso, dort ist man mit meinen Scanns bestens zufrieden.

Das ist der eine Punkt. Der andere: Der Respekt vor dem Verstorbenen verbietet es, nähere Umstände der "Bergung" des Nachlasses hier auszubreiten. Nur soviel: Das brauche ich so schnell nicht wieder. Angesichts der vorliegenden konkreten Anfragen war es nur vernünftig, erst einmal in den riesigen Bereich der Schwarzweißabzüge Ordnung zu bringen. Die Negative (und Dias!) sind gesichert, die Bearbeitung muss aber noch etwas warten. Bis zu meiner Rente habe ich noch paar Jahre vor mir, bis dahin muss ich mir meine Freizeit leider einteilen.

Viele Grüße

Burkhard
Großartige Sache! Ich gratuliere sehr herzlich lieber Ingo!

Dieter
Burkhard Beyer schrieb:
Das gilt besonders für den Fall Rotthowe. Der gute Ludwig – der immerhin eine Meisterprüfung als Fotograf absolviert hat – hatte mehr Fotolabortricks drauf als wir alle zusammen. Im Nachlass ist zu sehen, dass es viele markante Bilder in zigfachen Variationen gibt, viele der schönen Wolken gehören übrigens zu ganz anderen Bildern. Sein Ansatz und sein Anspruch war eindeutig kein dokumentarischer, sondern ein künstlerischer. Und sein Werk war erst vollendet, wenn er mit dem Ergebnis des Fotolabors zufrieden war. Insofern war es nur konsequent, dass er seine Negative nie herausgegeben hat. Ludwig Rotthowe auf seine Negative zu reduzieren, wäre eine gestalterische Amputation. Komischerwiese sieht man das in Freiburg genauso, dort ist man mit meinen Scanns bestens zufrieden.

Das ist der eine Punkt. Der andere: Der Respekt vor dem Verstorbenen verbietet es, nähere Umstände der "Bergung" des Nachlasses hier auszubreiten. Nur soviel: Das brauche ich so schnell nicht wieder. Angesichts der vorliegenden konkreten Anfragen war es nur vernünftig, erst einmal in den riesigen Bereich der Schwarzweißabzüge Ordnung zu bringen. Die Negative (und Dias!) sind gesichert,
Meine volle Zustimmung! Ich sehe das auch so.
245 002



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.05.21 20:16.