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Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Guten Tag,

heute nun die versprochenen Buchbesprechungen diverser Neuerscheinungen
aus dem März.
Die ausländischen Titel dürften nicht überall und beim "Händler an der Ecke" erhältlich sein,
für den einen oder anderen doch von Interesse sein, so gibt es diese bei der Fachbuchahndlung
Donat in Duisburg (auch Eisenbahn-Literatur, wenn wieer geöffnet - sonst "klick & pick"),
im Versand bei mir.

Das Wiener LRTA-Buch ist bereits wieder nachbestellt (kann etwas dauern),
zusätzlich vom Turiner Verein ATTS deren Büchlein über Peter Witt und "Schüttelrutsche"
verfügbar, Ende der Woche dann auch die NZH-Büchlein vorliegend.

Rolf Hafke, TS: TramShop
hafke.koeln@t-online.de


Buchbesprechungen weiterer Neuerscheinungen folgen in Kürze!

Achtung: Das Lissabon-Buch ist nur begrenzt dem Straßenbahnfreund zu empfehlen,
ebenso das Kiel-Buch!!


*** Strassenbahnen Deutschland ***
„Die Kieler Straßenbahn – Die Geschichte der Linien von 1881 bis 1985“ von Dieter Wöhlk und Hannelore Pieper-Wöhlk, Erfurt 2021, 124 Seiten im Format 16,5 x 24,0 cm, gebunden, Herausgeber: Sutton-Verlag, Preis: 19,99 €


Entgegen der sonst üblichen Einstellung in eine Buchreihe (z.B. Zeitreise) fehlt diese bei der Neuerscheinung. Um keine falschen Erwartungen zu haben, sollte der Untertitel unbedingt zur Kenntnis genommen werden, denn es wird nicht die gesamte Geschichte der Straßenbahn mit allen Aspekten behandelt, sondern schwerpunktmäßig deren Linien. Auch wird das Buch ausdrücklich als Bildband bezeichnet. Unter diesen Einschränkungen erfüllt es dann seinen Anspruch weitgehend, wenn auch mit kleinen Einschränkungen. Das Autorenehepaar ist bislang mit einigen Publikationen zur Heimat- und Stadtgeschichte in Erscheinung getreten und auch die nun vorliegende Veröffentlichung zielt eher auf diesen Interessentenkreis, als auf die Straßenbahnfreunde. Das äußert sich z.B. darin, dass es keine näheren Angaben zu den zu sehenden Fahrzeugen gibt.

Die zahlreichen unveröffentlichten Aufnahmen zeigen vor allem die Straßenbahn im Stadtbild mit recht ausführlichen Beschreibungen der jeweiligen Örtlichkeit. Die Einteilung nach Linien liefert dabei den roten Faden, wobei zuvor ein eigenes Kapitel über die Pferdebahn den Bilderreigen eröffnet. Viele der Aufnahmen aus der Vorkriegszeit, aber auch aus den 1950er und 1960er Jahren sind vom Motiv her sehr ansprechend. Es gibt aber, gerade für die letzten Jahre, auch etliche „Ausreißer“ was die Qualität angeht, für die sich bei entsprechender Suche sicherlich auch besseres Material hätte finden lassen.

Ein Fehlen von Übersichtskarten wie z.B. Stadtplanausschnitten erschwert leider auch in diesem Buch die Orientierung für nicht Ortskundige. Die drei sehr kleinen Abbildungen im nur zweiseitigen Kapitel über die Linienverläufe in den Stadtteilen vermögen diese Aufgabe nur unzureichend wahrzunehmen. Ebenfalls zwei Seiten behandeln das Thema Fahrscheine und Tarife, stellen aber nur wenige Aspekte eher zusammenhanglos dar. Die letzten Seiten widmen sich den Stadtbahnprojekten und Zukunftsaussichten, erschöpfen sich aber in ausführlichen Beschreibungen von Bildern von Bahnhöfen und Zügen in und um Kiel herum und ergeben kein Gesamtbild dazu.

Wer sich für bildliche Darstellungen der Straßenbahn im Stadtbild interessiert, der wird in diesem Buch gut fündig, einen tiefergehenden Einstieg in das Thema Straßenbahn in Kiel vermittelt es jedoch nicht und war wohl auch nicht die Intention der Autoren. Ob es daher, wie auf der Rückseite im „Waschzettel“ zu lesen ein „Muss für Straßenbahn-freunde“ darstellt, sollte jeder potentielle Interessent aus diesem Kreis für sich selbst entscheiden. (reu)



Die Tatra-Wagen bei den Berliner Verkehrsbetrieben“ von Marcel Götze und Jan Ruppert, Berlin 2021, 56 Seiten im Format 14,5 x 21,0 cm, geheftet, Herausgeber: Denkmalpflege-Verein Berlin Nahverkehr (DVN) e.V., Preis: 7,00

Zum eigentlich geplanten Einsatzende von Straßenbahnen der Bauart TATRA in Berlin im März 2021 gab der DVN eine kleine Broschüre über die dort gefahrenen Wagen heraus. Aus dem „Aus“ wurde jedoch nichts, da der Berliner Senat bei der BVG Zusatzleistungen bestellte, für deren Erbringung der Einsatz der Hochflurfahrzeuge weiterhin notwendig war. Nach Magdeburg, wo es ebenfalls bereits vor einigen Jahren einen „letzten Einsatztag“ gab, den die Bauart aber geflissentlich ignorierte und sich im letzten Jahr sogar wieder über Zuwachs freuen konnte, ist Berlin nun der zweite Betrieb der ehemaligen DDR, wo sich der unverwüstliche Fahrzeugtyp nach 44 Jahren Einsatz quasi selbst überlebte.

Die nett gestaltete und mit vielen guten Fotos illustrierte Broschüre beschreibt übersichtlich die Beschaffung, den Einsatz, die Modernisierung und den Verbleib der beiden eingesetzten Fahrzeuggattungen KT 4 und T6A2/B6A2. Eingegangen wird auch auf die Besonderheiten einzelner Wagen und die Farbversuche weg von uniformen rot-weiß bei Lieferung bis hin zum heutigen sonnengelb.

Das Heft versteht sich als Überblick und nicht als ausführliche Chronik, so dass es keine Fahrzeugstatistik enthält und z.B. auch keine Wagenzeichnungen, die allerdings nach Ansicht des Rezensenten durchaus ihren Platz in einer derartigen Veröffentlichung hätten finden können. Der DVN hält in seiner Sammlung mit einigen in verschiedenen Zuständen erhaltenen Gelenkwagen und einem vierachsigen Zug in modernisierter Form die Erinnerung an die Fahrzeuge aus Prag wach. Zusätzlich gibt es in Potsdam und damit ganz in der Nähe den „Ur KT4D“ mustergültig restauriert und einsatzfähig. Wer Einzelheiten zu den einzelnen Fahrzeugen und auch den Einsätzen „aus 2. Hand“ vor allem in Osteuropa sucht, der wird hierzu auf den einschlägigen Internetplattformen fündig.

Die gut gestaltete Broschüre leistet auf jeden Fall ihren Beitrag, dieses wichtige Kapitel deutscher Fahrzeuggeschichte für einen Teilbereich zu dokumentieren in ausgezeichneter Weise. (reu)



*** Strassenbahnen Europa ***
„Straßenbahnen in Wien in Farbe (1956 – 1978), von Martin Jenkins & Michael Russell, Welwyn Garden City (GB) 2020, 144 Seiten im Format 30,0 x 22,0 cm, gebunden, Herausgeber: LRTA, Preis: 38,50 Pounds = 44,00 €

Von wohl kaum einem Straßenbahnbetrieb dürfte es so viele Fotos aber auch Veröffentlichungen geben, wie dem der Donaumetropole Wien. Dies wird der einstigen Bedeutung des einmal größten Betriebes der westlichen Welt mit etlichen tausend Fahrzeugen durchaus gerecht. Hinzu kommt, dass die Wiener Straßenbahn nicht einfach „nur“ fotografiert wurde, sondern von einem überschaubaren Kreis gut organisierter örtlicher Straßenbahnfreunde spätestens ab den frühen 1950er Jahren auch sehr geplant bildlich dokumentiert wurde. Ein Glücksfall ist sicherlich auch, dass das vom Betrieb selbst angelegte Bildarchiv bis in die Anfänge zurück komplett erhalten und weitgehend zugänglich ist.

Entsprechend dem Stand der Technik entstanden die meisten Aufnahmen in Schwarz-weiß, frühe Farbdokumente gibt es aber bereits aus den späten 1930er Jahren. Ab Mitte der 1950er Jahre gab es erste Wiener Verkehrsfreunde, welche sich die Arbeit mit den sehr teuren Diafilmen leisteten und auch Bilddokumente in Farbe schufen. Auch ausländische Verkehrsfreunde besuchten früh die Stadt mit ihrem hochinteressanten, weil stark überalterten Fahrzeugpark. Allen voran Besatzungssoldaten aus Großbritannien und den USA, aber auch Touristen aus Übersee nutzten hierzu auch immer wieder Farbfilme.

Bei der britischen Dachorganisation der Verkehrsfreunde LRTA entstand die Idee, gezielt nach farbigen Aufnahmen der Wiener Straßenbahn des genannten Personenkreises zu suchen und diese in einem Bilderalbum zusammenzustellen. Gewählt wurde dabei der Zeitraum ab 1956 bis 1978. Ab Mitte der 1950er Jahre wuchs die Zahl der Nutzer der Farbfotografie und 1978 endete der Einsatz der Holzwagen in Wien.

Eine gute Entscheidung war sicherlich der zweisprachige Text in Englisch und Deutsch, da dies den Kreis der potentiellen Käufer erheblich erweitert. Sortiert sind die Aufnahmen nach Fahrzeugtypen, wobei den Triebwagen bei Beiwagen und Dienstfahrzeugen nur eine Auswahl folgt. Auch die Lokalbahn Wien-Baden ist enthalten, an deren schönen alten Vierachsern die Wien-Besucher natürlich nicht vorbeigehen konnten, ohne ebenfalls auf den Auslöser zu drücken. Obusse und Autobusse werden auf zwei Seiten kurz gestreift, während die letzte Doppelseite und der Buchrücken mit besonderen Aufnahmen zu Allerheiligen, zum 1. Mai mit geschmückten Fahrzeugen und den letzten Fahrten des Betriebstages mit blauer Scheibe von einem Wiener Fotografen stammen, welcher auch die Übersetzung der englischen Texte weitgehend übernommen hat. Eine Verkehrsübersicht aus einem Stadtplan der 1960er Jahre am Beginn des Buches zeigt die riesenhaften Ausmaße des Netzes und leistet einen guten Beitrag zur Bestimmung der Aufnahmeorte.

Neben etlichen ganzseitigen Abbildungen befinden sich ansonsten zumeist zwei Aufnahmen nebeneinander auf einer Querseite. Sie sind zur Ausnutzung des Platzes häufig an der Innenkante an einer Ecke übereinander geschachtelt, was aber die Wirkung des Bildes nur wenig stört. Hätte man dies vermieden, wären die Abbildungen zwangsläufig kleiner geworden und größere weiße Ränder entstanden, was dann erheblich weniger gut ausgesehen hätte.

Die Druck- und Wiedergabequalität der Bilder ist sehr gut und auch „der Blick fürs Motiv“ war bei den Fotografen zumeist vorhanden. So sind bei vielen Bildern nicht nur die Straßenbahnen interessant, sondern auch das „drumherum“ der Bebauung, übrige Verkehrsmittel und auch Personen in zeittypischer Kleidung.

Trotz der geradezu erschlagenden Vielzahl von Veröffentlichungen über die Wiener Straßenbahn schließt dieser Band mit Farbaufnahmen eine noch vorhandene Lücke und kann deren Freunden uneingeschränkt zur Anschaffung empfohlen werden. (reu)



„Lissabon und seine Tram“ von André Poling und Sabine Weiß, Stuttgart 2021, 192 Seiten im Format 23,5 x 27,0 cm, gebunden, Herausgeber: transpress-Verlag, Preis: 39,90 €

Die Formulierung des Titels deutet schon darauf hin, dass es sich bei dieser Veröffentlichung nicht um ein Fachbuch für Straßenbahnfreunde handelt. Das Buch richtet sich eher an die Liebhaber des „Mikrokosmos“ Lissabon, zu dem die „Elèctricos“ einfach dazugehören. Wie in kaum einer anderen Stadt sind die Straßenbahnen in den letzten Jahren zu einem touristischen Highlight hochstilisiert und vermarktet worden. Dies hat zu Verhältnissen geführt, bei denen viel von dem verloren gegangen ist, was die Straßenbahn mit ihrem viel größeren Netz vor 30 oder 40 Jahren ausmachte und von dem sich der Kenner dieser Zeiten, aber auch der einheimische Fahrgast nur mit Grausen abwenden kann. Der Bildband mit sehr vielen, sehr guten Aufnahmen gaukelt dem Leser dann auch eher eine Scheinwelt vor, die vor Corona so kaum noch anzutreffen war. Dazu passt auch, dass der moderne Nahverkehr in Form der auf der Linie 15 eingesetzten Niederflurwagen komplett ausgeblendet wird. Wie auch die Bilder im Buch zeigen, gibt es durchaus auch Tageszeiten, in denen die Straßenbahnen vorzugsweise den Einheimischen gehört.

Das Buch zeigt aber nicht nur die Tram, sondern auch die drei Standseilbahnen und den Santa Justa Aufzug, die natürlich auch zu den besonderen Verkehrsmitteln in der Stadt am Tejo gehören. Roter Faden durch das gut gestaltete Buch ist eine Reise mit den verbliebenen Straßenbahnlinien, den drei Bergbahnen und dem Aufzug. Gezeigt und beschrieben wird jeweils Leben und Treiben mit und auf der Straßenbahn und drumherum. Gezeigt wird damit das, was vor allem den Touristen als Besucher der Stadt ansprechen soll und anspricht, weniger aber den Straßenbahnfreund, der eigentlich so gar nichts von dem erfährt, was seine speziellen Interessen angeht. Auch hat das Buch eine Übersichtskarte aller Linien und zusätzlich noch Linienbänder mit den Namen aller Haltestellen zur Orientierung, die in so manchem Fachbuch schmerzlich vermisst werden!

Entstanden ist eine hochwertig gestaltete Veröffentlichung mit sehr lesenswerten Texten für den Liebhaber von Lissabon. Es eignet sich als Erinnerung an einen Besuch ebenso wie zur Vorbereitung eines Aufenthaltes dort. Wer sich rein für den Verkehr und seine Fakten interessiert, wird diesem Buch aber nur wenig abgewinnen können. (reu)



*** Kleinbahnen Niederlande ***
„Die Bahn auf dem Deich – die Vorgeschichte einer Museumsbahn“ “ von Jan de Bruin, Eric van der Reiden & Mark Grootendorst, Outdorp (NL) 2021, 128 Seiten im Format 23,0 x 16,5 cm, gebunden, Herausgeber: Stichting RTM, Preis: 30,00 €

Eine „Tram“ ist in unserem Nachbarland Niederlande nicht unbedingt ein elektrisches Verkehrsmittel, sondern es wurden auch mit Dampf- und Diesel betriebene Kleinbahnen als solche bezeichnet. Der größte Betreiber derartiger Bahnen war lange Zeit die Rotterdamsche Tramweg Maatschappij (RTM) mit einem Schienennetz auf der in den Niederlanden weit verbreiteten Kapspur (1067 mm) welches sich von Rotterdam aus über die südholländischen und seeländischen Inseln bis nach Westbrabant auf einer Länge von etwa 230 Kilometern erstreckte. Da die Inseln noch nicht, so wie heute, durch Brückenbauwerke und Dämme miteinander verbunden waren, entstanden ab 1878 sechs getrennte Netze, die jeweils durch Fähren untereinander verbunden waren, die Bestandteil der Transportkette waren. Die Bahnlinien wurden nach dem 2. Weltkrieg zunehmend durch Busverbindungen ersetzt, so dass dann auch ein großer Omnibuspark zur RTM gehörte, die für Frachten zusätzlich auch noch ein Speditionsgeschäft betrieb. Mit der Einstellung der letzten Bahnstrecken von Rotterdam nach Hellevoetsluis und Oostvoorne auf den Inseln Ijsselmonde und Voorne-Putten 1965-66 war der Bahnbetrieb der RTM Geschichte.

Schon bei Aufgabe des Bahnbetriebes bildete sich ein Verein mit dem Ziel, einen Teil der Fahrzeuge der RTM zu erhalten und auch Fahrbetrieb durchzuführen. Dies gelang am ursprünglichen Standort Hellevoetsluis, wo die vorhandene RTM-Infrastruktur genutzt werden konnte wegen anderer Interessen der Gemeinde leider nicht. 1989 wurde dann in De Punt in der Gemeinde Ouddorp auf Gooree-Overflakkee ein Neubeginn gewagt. Zwar bestand bis 1957 auf dieser Insel zwischen Middelharnis und Ouddorp eine RTM Strecke, diese hatte aber nichts mit dem Neubau von Depot, Werkstätte und Fahrstrecke zu tun, sondern führte in südwestliche Richtung zum Brouwersdam. Diese neue Landverbindung zwischen den Inseln Gooree-Overflakkee und Schouwen-Duiveland war Bestandteil der sogenannten Deltabauwerke, die nach der verheerenden Sturmflut von 1953 angelegt worden waren mit dem Ziel, die Inselwelt künftig vor derartigen Ereignissen zu schützen.

Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich ein erfolgreicher historischer Fahrbetrieb mit zahleichen ehemaligen Fahrzeugen der RTM, der über das Zwischenziel Port Zeelande mittlerweile das Ende des Dammes erreicht hat und sieben Kilometer Fahrstrecke bietet. Der Bahnbetrieb ist in die touristischen Angebote der Region eingebettet und wird auch von Touristen aus Deutschland gerne besucht. Der Betreiber die „Stiftung früherer Bahnbetrieb der RTM“ legt aber großen Wert darauf, einen authentischen Bahnbetrieb wie zu RTM-Zeiten durchzuführen und auch die Geschichte der Gesellschaft in einem Museum in Outdorp zu zeigen. Viele der vorhandenen Fahrzeuge sind restauriert und betriebsfähig, es gibt fünf der typischen Tramlokomotiven, zwei Diesellokomotiven, fünf Triebwagen, 16 Personenwagen und 30 Güterwagen.

Wohl bekanntestes rollendes Objekt ist ein Dreiwagenzug, der seine Ursprünge in zwei DÜWAG-Großraumtriebwagen für Meterspur der Straßenbahn Ravensburg – Weingarten – Baienfurt hat, nach deren Einstellung zur RTM kam und um einen Generatorwagen mit Dieselantrieb ergänzt und auf 1067 mm umgespurt wurde. Ende der 1960er Jahre fand er lange Jahre auf 760 mm Spur im Tiroler Zillertal seine Heimat und kehrte schließlich in den 1990er Jahren wieder in die Niederlande zurück, wo er nach Aufarbeitung und erneuter Umspurung auf Kapspur wieder im RTM-Zustand fährt.

Literatur zur RTM gibt es reichlich, bereits 1971 erschien eine auch heute noch als Standardwerk geltende Veröffentlichung, die immer wieder mal antiquarisch angeboten wird. In den 1990er Jahren kamen nach und nach 16 kleine Bildbände über die Bahn heraus. Auch ein Jubiläumsbuch zum 125jährigen ist erschienen und noch heute beim Betreiber erhältlich. Nunmehr schien dem Verein die Zeit reif für ein neues Bilderalbum mit Farbaufnahmen der RTM, die gerade in den letzten Jahren des Betriebes zahlreich entstanden sind. In 2020 erschien dieses in Niederländisch unter dem Titel „De RTM in kleur“. Um auch den zahlreichen deutschen Besuchern beim Besuch etwas in ihrer Sprache bieten zu können, wurde diese Veröffentlichung übersetzt und liegt nun vor. Der Titel „Die Bahn auf dem Damm“ passt zwar nicht so ganz, da dort wo heute der Museumsbetrieb stattfindet, zu RTM-Zeiten kein Bahnbetrieb war, der längere Untertitel erklärt aber den Inhalt des Buches. Den Leser erwartet, im dafür sehr geeigneten Querformat, eine Zeitreise mit vielen guten Farbaufnahmen über die letzten RTM-Strecken ab Rotterdam und zeigt nicht nur den vielfältigen Fahrzeugpark, sondern auch den Betrieb RTM mit seinen Mitarbeitern und den übrigen Betriebsteilen wie Schifffahrt, Busbetrieb und Spedition.

Die Streckenführung war ungemein abwechslungsreich und führte in Maashaven auch ein längeres Stück parallel zur städtischen Straßenbahn. Wo einst die RTM durch eine typische südholländische Landschaft schlängelte, fährt seit einiger Zeit die Rotterdamer Metro nach Spijkenisse durch dicht besiedeltes Gebiet! Ein Höhepunkt der Strecke war die von der RTM befahrene Straßenbrücke mit Hubteil in Spijkenisse. Die Streckenreise beginnt am Rotterdamer Endpunkt Rosestraat jenseits der Maas, wo immer Betrieb war und führt dann zu den beiden zuletzt bedienten Streckenendpunkten Hellevootsluis und Oostvoorne. Zusätzlich gab es auch in Zijpe auf Schouwen-Duijveland einen Restbetrieb für Güter, der ebenfalls im Bild gezeigt wird. Aber auch Bilder von den Fähren, den Bussen und den Lkws sind in dem Büchlein zu finden. Alle Aufnahmen werden gut und verständlich beschrieben. Die einzelnen kleinen Kapitel beginnen jeweils mit einem informativen Einführungstext. Die Farbaufnahmen reichen bis 1952 zurück und sind zumeist von guter Qualität. Was das Original nicht hergibt, lässt sich ja heute mittels Bildbearbeitung gut erreichen. Neben den Fotos bieten auch die schönen Fahrzeugzeichnungen einen guten Überblick über das vielfältige Rollmaterial in den 1950er und 1960er Jahren und die gefahrenen Zugzusammenstellungen.

Wenn dem Buch etwas fehlt dann ist es, wie heute leider so häufig, die Kartographie. Zumindest eine Übersichtskarte über den Gesamtbetrieb, aber auch Detailansichten der letzten Strecke würden die Orientierung und Verortung der gezeigten Aufnahmen ermöglichen, die Ortsunkundigen nur an Hand der erwähnten Ortsnamen nur schwer möglich ist.

Der gut gestaltete und preisgünstige Bildband erinnert an die letzten Jahre der RTM und macht zugleich Lust, die Museumsbahn zu besuchen und zu befahren um dort Bekanntschaft mit etlichen der hier im Bild gezeigten Fahrzeuge zu machen. Entsprechende Informationen liefert die ebenfalls auf Deutsch verfügbare Internetseite des Betreibervereins. (reu)