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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Guten Tag,

einiges erst letzte Woche geliefert bekommen, hier die Buchbesprechungen.

Wie immer gilt, leider nicht alles überall direkt erhältlich,
gilt besonders für die Auslandstitel..

Gruß aus Köln

Rolf Hafke, hafke.koeln@t-online.de
TS: TramShop
Der einzige Versandbuchhandel für Nahverkehrs-Literatur mit
entsprechenden Buchrezensionen bzw. Besprechungen




*** Strassenbahnen allgemein ***
„Straßenbahn Jahrbuch 2021 – SM-Special 36“ von Michael Hofbauer und einer Autorengemeinschaft, München 2020, 114 Seiten im Format 21,5 x 28,0 cm, broschiert, Herausgeber: GeraMond- Verlag, Preis: 19,90 €

Rechtzeitig zum Jahreswechsel ist das aktuelle Jahrbuch als Sonderheft des Straßenbahn-Magazins erschienen. Wie sein niederländisches Pendant „trams“ berichtet es über Ereignisse im abgelaufenen Jahr. Auch dieses Mal konkurrenzieren sich beide Publikationen nicht und ergänzen sich in gewisser Weise sogar wobei die Informationsfülle der deutschen Veröffentlichung vor allem durch die verstärkte Verwendung von Tabellen übersichtlicher wirkt. Neben der Chronik gibt es aber auch Ausblicke auf 2021 und weiter.

Der Schwerpunkt der Chronik liegt auf den Ereignissen bei deutschen Betrieben, wobei es zu jedem Betrieb auch einen Infokasten mit den wichtigsten Betriebsdaten gibt. Recht ausführlich ist auch die Berichterstattung zu Österreich und der Schweiz, auch hier Betriebsinfos. Bei den Betrieben des übrigen Europas, aufgeteilt nach den vier Himmelsrichtungen und dem „Rest der Welt“ werden einzelne wichtige Ereignisse herausgegriffen. Der Report greift einzelne Ereignisse für Deutschland heraus und betrachtet sie eingehender. Am alles beherrschenden Thema „Corona-Pandemie“ kommt natürlich auch dieses Jahrbuch nicht vorbei, so gibt es bei vielen Betrieben einen kleinen Absatz über die ergriffenen Maßnahmen und vorgenommenen Einschränkungen. Die die Chronik einrahmenden in der Rubrik „Report“ behandelten Einzelaspekte bieten viele interessante Informationen und fassen einzelne Bereiche übersichtlich zusammen. So wird der Frage nachgegangen, warum viele Betriebe gerade jetzt investieren und es werden die aktuellen Projekte in Deutschland aufgelistet. Auch der Bericht über die Straßenbahn-Museen fehlt dieses Mal nicht. Weitere Themen sind neu bestellte Fahrzeuge, der Einsatz von Altwagen in Deutschland im Plandienst und natürlich auch die Corona-Pandemie. Eine wertvolle Fleißarbeit ist die komplette Übersicht über alle existierenden Straßenbahnbetriebe der Welt mit Eröffnungsdatum oder -jahr und Spurweite. Verglichen mit den Übersichten der letzten Jahre stellt man fest, dass mehr Betriebe hinzukommen als stillgelegt werden. Anzuregen wäre, dass in den Vorbemerkungen diese zusätzlich erwähnt werden.
Die gewählte Form der Darstellung und die Durchsetzung mit guten Farbfotos ist bereits von den vorherigen Ausgaben bekannt und sie hat sich auch bewährt. Insgesamt ist mit diesem Jahrbuch auch dieses Mal wieder eine Veröffentlichung mit hohem Informationswert entstanden, welches als Nachschlagewerk auch in späteren Jahren gute Dienste leisten wird. Eines ist schon nach dem ersten Durchblättern klar: Langweilig wird die Beschäftigung mit dem Thema Straßenbahn nicht dafür aber häufig interessanter und abwechslungsreicher als noch vor einigen Jahren! (reu)



*** Strassenbahnen Deutschland ***
„Straßenbahnen in Dresden – Die Linien in den Westen der Stadt“ von Frank Ebermann, Norbert Kuschinski und Jören Zill, München 2020, 288 Seiten im Format 22,5 x 29,5 cm, gebunden, Herausgeber: VGB/Geramond, Preis: 49,95 €

In eher ungewöhnlicher Form nähert sich dieses schwergewichtige Buch dem behandelten Straßenbahnbetrieb von Dresden und hier auch nur in einem Teilbereich der Stadt, wobei aber, wie aus dem Vorwort zu erfahren ist, Fortsetzungen geplant sind. Dabei stimmt der Untertitel nicht ganz, denn im Buch werden die einzelnen Strecken beschrieben und dabei natürlich auch die Linien, die dort verkehrten oder verkehren genannt und gezeigt. Ungewöhnlich ist das Thema deshalb, weil es in der Vielzahl der Möglichkeiten, einen Straßenbahnbahnbetrieb und seine Teilaspekte zu beschreiben recht selten aufgegriffen wird. Die geschichtliche Entwicklung des Streckennetzes wird in der Regel chronologisch dargestellt, der Fahrzeugpark bildet einen zweiten Schwerpunkt in der Literatur. Übersichten über die Linienführungen gibt es auch von einigen Städten, wobei hier aber immer noch erhebliche Lücken bestehen.

Dieses Buch nimmt sich die sechs Strecken in den Westen der Stadt vor und dokumentiert sie von ihren Anfängen bis heute oder aber bis zu ihrer Stilllegung. Welche dies sind, zeigt bereits übersichtlich ein farbiger Strecken- und Haltestellenplan des Gesamtnetzes 1973, in dem sie entsprechend hervorgehoben sind. Deutlich wird dabei, dass der gewählte Bereich nur einen recht kleinen Teil des umfangreichen Netzes der sächsischen Stadt darstellt und die übrigen Netzteile sicher noch Stoff für mehrere derartige Veröffentlichungen bieten.

Zum „Einstieg“ in die Materie gibt es auf den ersten 20 Seiten des Buches einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Verkehrsmittels Straßenbahn, an deren Beginn 1872 die Pferdebahn stand. Es entstanden zwei Gesellschaften und die Trennung in eine „gelbe“ (englische) und „rote“ (deutsche) blieb auch bei Einführung der elektrischen Straßenbahn 1896 erhalten, bis schließlich die Betriebe 1906 in städtische Hand übergingen. In kurzen Absätzen wird die Entwicklung bis in die heutige Zeit knapp und übersichtlich dargestellt.

Es folgen die sechs behandelten Strecken, an deren Anfang zunächst immer ein Blick in die Geschichte steht, dem dann ein umfangreicher Bildteil dazu folgt. Dabei beginnt die Darstellung immer im Innenstadtbereich und führt dann „nach draußen“ Begonnen wird auf über 100 Seiten mit der wohl bei Straßenbahnfreunden bekanntesten Verbindung nach Cossebaude, deren Außenstrecke Cotta – Cossebaude am Streckenende bis zu ihrer Einstellung noch im Jahr der Wiedervereinigung 1990 über keine Wendeschleife besaß und daher den Einsatz von älterem, zumeist zweiachsigen Wagenmaterial notwendig machte. Sie entwickelte sich daher schon recht früh zu einem regelrechten „Pilgerziel“, was sich auch in der Zahl der hier entstanden Bilder niederschlägt.
Es folgen die Strecken zum Schlachthof, nach Löbtau und Wölfnitz, die Zweigstrecke von Löbtau über Altcotta nach Leutewitz, die direkte Verbindung nach Cotta und erst in den 1980er Jahren entstandene Anbindung der großen Neubaugebiete auf den Höhen bei Gorbitz mit deren schrittweisen Erweiterungen. In der jeweiligen Einführung gibt es zumeist auch einen Fahrplanauszug, ferner werden die dort verkehrenden Linien mit ihren Einsatzjahren in einem Infokasten genannt.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf dessen Illustrationen mit über 700 Bildern, aber auch etlichen Strecken- und Detailplänen. Der Großteil der Fotos stammt aus den vier Jahrzehnten der DDR, reichen aber teilweise auch in die Zeit davor und danach. Sie sind in unterschiedlichen Formaten, aber immer von ausreichender Größe, sowohl in schwarz-weiß als auch in Farbe innerhalb eines gut gelungenen Layouts übersichtlich angeordnet. Die Qualität der Widergabe aber auch der Motivwahl ist durchgehend gut bis ausgezeichnet. Erstaunlich gut ist bei den Aufnahmen auch die Zeit der 1950er und 1960er Jahre vertreten, die eindrucksvoll zeigen, welche Leistungen die Straßenbahn mit ihrem durch Kriegsverluste verminderten und überalterten Wagenpark in einem hauptsächlich im Innenstadtbereich durch die Zerstörungen des Februar 1945 stark gezeichneten Stadtbildes vollbrachte.
Jeder Strecke ist zudem eine „Leitfarbe“ zugeordnet, welche sich auf einem Streifen im oberen Seitenbereich wiederfindet, in dem jeweils auch der aktuell zu sehende Streckenbereich eingetragen ist. Dies ermöglicht eine gute und schnelle Orientierung.
Zu jeder Aufnahme gibt es eine ausführliche Bildlegende mit zahlreichen Informationen, die auch das Umfeld der Straßenbahn einschließen. Die Streckenentwicklung wird so, eingebettet in die baulichen Veränderungen, detailliert dokumentiert. Damit wird nicht nur der Verkehrsfreund angesprochen, sondern auch der an der Stadtentwicklung und Heimatgeschichte Interessierte.
Die unheimliche Akribie, welche in den Texten zum Ausdruck kommt setzt sich auch noch in den zu jedem guten Buch gehörenden „Randbereichen“ fort. Dazu gehört neben dem Register der Bildautoren und -geber, in dem jede einzelne Aufnahme mit ihrer Herkunft erfasst ist ein Literaturverzeichnis, ein umfangreiches Impressum und eine Legende zu den ins Buch eingestreuten Streckenplänen. Diese wurden allesamt neu und nach einheitlichen Gesichtspunkten mit heutiger Technik neu erstellt. Einige zeitgenössische Originalübersichten hätten sicher auch noch ihren zusätzlichen Reiz gehabt, da damit die Linienführungen auch vor 1973 hätten gezeigt werden können. Aber dies lässt sich ja in geplanten Folgebänden noch umsetzen. Völlig neu in einer Veröffentlichung über Straßenbahnen ist ein Register der im Buch abgebildeten Straßenbahnwagen, unterteilt nach Zeitperioden und Fahrzeugtypen.

Entstanden ist mit dieser Veröffentlichung ein qualitativ wie inhaltlich ausgezeichnetes Buch zu einem interessanten Aspekt der Verkehrsgeschichte einer Stadt. Die Autoren und André Marks als Herausgeber und zuständig für Redaktion und Layout haben hier ganze Arbeit geleistet. Es füllt in der doch recht zahlreichen Literatur über die Dresdner Straßenbahn eine Lücke. Es sollte Vorbild und Anreiz zugleich sein, dass sich Autoren auch einmal von dieser Seite dem Thema nähern.

Es bleibt zu wünschen, dass auch die anderen Bereiche des Streckennetzes in gleicher Form nach und nach behandelt werden um dann ein Gesamtbild in der gewählten Form zu liefern und einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation des Unternehmens zu liefern. Für Interessenten an der Verkehrs- und Stadtgeschichte Dresdens in gleicher Weise höchst empfehlenswert. (reu)



*** Nahverkehr Deutschland ***
„Zeitreise durchs BOGESTRA-Land – Band 3: 125 Jahre flott und freundlich durchs Revier (1896 – 2021),
Andreas Halwer und ein Autorenteam, Hövelhof 2021, 160 Seiten im Format 24,5 x 22,0 cm, gebunden,
Herausgeber: DGEG-Medien, Preis: 29,80 €


25 Jahre „Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft BOGESTRA e.V.“ und 125 Jahre „Bochum-Gelsenkirchener-Strassenbahnen“ (abgekürzt BOGSTRA) waren der Anlass, den 3. Band der Zeitreise-Buchserie als Jubiläumsband herauszugeben. Das 100jährige Jubiläum der Straßenbahngesellschaft war 1996 einen Verein zu gründen, der sich ehrenamtlich mit der Erforschung, Bewahrung und Kommunikation der Geschichte befasst und zusätzlich die historischen Fahrzeuge des Unternehmens betreut und auch einsetzt. Diese Kombination hat sich mittlerweile in verschiedenen Städten erfolgreich etabliert und bietet für beide Seiten Vorteile.
Verkehrsunternehmen können sich in heutigen Zeiten nur noch um ihr Kerngeschäft kümmern, ein Verein bildet quasi das Gedächtnis des Betriebes und sorgt für deren Darstellung nach außen und sorgt damit für einen Imagegewinn. So macht es auch Sinn, dass der Verein sich um ein Jubiläumsbuch kümmert, zumal er mit der Buchreihe und zwei bereits herausgebrachten Bänden bereits über Erfahrung mit Publikationen verfügt.

Nun ist ein Jubiläumsbuch (nicht zu verwechseln mit einer Festschrift) immer etwas Besonders, soll doch das Unternehmen dort in all seinen Tätigkeitsbereichen möglichst positiv dargestellt und es soll damit der „normale“ Fahrgast und damit Kunde sowie Geschäftspartner des Unternehmens angesprochen werden. Da eine komplette Darstellung der Unternehmensgeschichte auf dem verfügbaren Platz nicht unterzubringen war, geht das Buch den richtigen Weg und greift bestimmte Aspekte heraus um sie dem Leser mit vergleichsweise kurzen Texten aber vielen Bildern nahezubringen. Eckpfeiler dieser Darstellung sind die Anfangsjahre und die aktuelle Zeit nach 2007. Ein weiteres Zeitkapitel widmet sich der BOGESTRA in der NS-Zeit, wobei man heute auch nicht über das Thema Zwangsarbeit hinweggeht, sondern den aktuellen Stand der Forschung zum Unternehmen darlegt. Mangels Quellen hat sich dabei aber eine „Unschärfe“ eingeschlichen, da die Arbeitsverhältnisse von Beschäftigten aus den Niederlanden und aus Osteuropa gleichgesetzt werden. Aus Erkenntnissen anderer Betriebe dazu und aus Veröffentlichungen in den Niederlanden weiß man aber mittlerweile, dass es dabei um weitgehend normale Arbeitsverhältnisse mit entsprechender Bezahlung und Freizügigkeit beim Aufenthalt in Deutschland gehandelt hat.

Für die übrigen Schwerpunktthemen wird der „Zeitstrahl“ weitgehend verlassen und dessen Gesamtheit dargestellt. So erfährt der Leser etwas über den Güterverkehr und die Gemeinschaftslinien, den Omnibusverkehr sowie die Modernisierung des Schienenverkehrs, der im Zeitalter der „autogerechten Stadtplanung“ nicht immer einfach war. Das Projekt der Stadtbahn Rhein-Ruhr, hier recht treffend als „Upgrade für die Straßenbahn“ bezeichnet, blieb letztlich nur Stückwerk und die Anfangszeit wird dem Leser in erster Linie durch Bilder der zahlreichen dafür notwendigen Baustellen wieder in Erinnerung gerufen. Ein weiteres Kapitel widmet sich den Farben des Unternehmens, sowohl bei seinen Fahrzeugen als auch bei der Dienstkleidung des Personals.

Im Buch zu einem Jubiläum auf Themen zu setzen, welche nicht nur Experten sondern auch die „breite Öffentlichkeit“ interessiert, gelingt der Veröffentlichung zum einen mit einem Blick hinter die Kulissen über die sozialen und kulturellen Einrichtungen für ihre Beschäftigten aber auch mit einem Abschnitt über den ausgestorbenen Beruf des Schaffners und seinen Ersatz durch die Technik. Das auch neuere Geschichte interessant sein kann, beweist das letzte Kapitel über die Zeit nach 2007. Bis heute haben sich hier auch bei der BOGESTRA als Unternehmen zahlreiche Veränderungen ergeben, die gerade in letzter Zeit durch viele Verbesserungen auch für den Fahrgast spürbar waren.

Illustriert wird das Ganze mit Bildern unterschiedlicher Formate in schwarz-weiß und Farbe sowie durch zahlreiche abgebildete Dokumente. Das Ganze jeweils in ausreichenden Formaten und guter Motivqualität. Layout, Druck und Verarbeitung entspricht dem hohen Standard des Herausgebers. Entstanden ist sicher kein Buch für den „nur Straßenbahnfreund“, denn für diesen ist die Geschichte des Unternehmens und seines Wagenparks bereits anderweitig ausführlich in anderen Veröffentlichungen behandelt worden. Für alle anderen Freunde des Nahverkehrs und seiner Anwohner und Benutzer bietet dieser 3. Band der „Zeitreise“ viele Möglichkeiten Erinnerungen wachzurufen und neue Erkenntnisse mitzunehmen und kann daher als sehr gelungen bezeichnet werden. (reu)



*** Nahverkehr Belgien ***
„Het openbaar vervoer in Belgie 1980 – 1990 – De grote ontsporing“ von Jaques Peeters, Mons (B) 2020, 320 Seiten im Format 21,5 x 30,0 cm, gebunden, Herausgeber: TSP-Edities, Preis: 45,00 €

Die sich in erster Linie mit dem Erhalt historischen Eisenbahn-Rollmaterials beschäftigende Vereinigung TSP im Wallonischen Mons beschäftigt sich schon seit einigen Jahren in einer Buchreihe mit der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Belgien nach 1945. Mittlerweile liegt der 4. Band vor, der sich mit dem Zeitabschnitt von 1980 bis 1990 beschäftigt. Er trägt ins Deutsche übersetzt den Untertitel „die große Entgleisung“. Wie zuvor gibt es die Bände sowohl in einer französischen als auch in einer flämischen Variante, wobei derjenige Interessent, der nicht über Kenntnisse der französischen Sprache verfügt mit der auch so leichter verständlichen flämischen Variante besser bedient sein dürfte.

Die 1980er Jahre waren auch in Belgien für den öffentlichen Verkehr eine Zeit großer Umwälzungen. Dazu gehört neben der „Zerlegung“ der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCB/NMBS in einzelne Sparten auch die Teilung der landesweiten Vizinalbahngesellschaft SNCV/NMVB in einen Verkehrsbetrieb für die Wallonie (TEC) und Flamen (De Lijn), welche gleichzeitig mit Ausnahme der Verkehrsgesellschaft der Hauptstadt Brüssel alle übrigen städtischen Verkehrsbetriebe übernahmen. Mit diesen Reorganisationen sollten vor allem Kosten gespart werden, was vor allem durch Personalabbau und zum Teil auch durch Leistungseinschränkungen erreicht wurde. Im Vergleich zu anderen Ländern war das Material von Bahn- und Busbetrieben ziemlich veraltet, so dass hier viel investiert werden musste um an höhere Standards heranzukommen. Nicht immer ist dies gelungen, Eingriffe aus der Politik aber auch der allgegenwärtige Sprachenstreit führten immer wieder zu Verzögerungen und Konzeptionslosigkeit mit ihren Folgen. So blieben das groß geplante Metronetz im Hennegau in den Ansätzen stecken, der durchaus auch mit einfacheren Mitteln zu modernisierende Straßenbahnbetrieb wurde dagegen eingestellt. Auch in Antwerpen entstanden Tunnelanlagen, die dann Jahrzehnte brachlagen. Das sehr feingliedrige Eisenbahnnetz mit zahlreichen Stationen mit zum Teil nur wenig Fahrgastaufkommen wurde „ausgeholzt“, Strecken stillgelegt, Stationen geschlossen oder auch nur das Angebot reduziert.

Die geschilderte Thematik wird, teilweise auch recht kritisch, sehr detailliert und ergänzt durch zahlreiche Bilder und sonstige Abbildungen sowie etliche Tabellen behandelt. Layout, Druck und Verarbeitung sind gut, ansprechen dürfte es aber sicher nur wenige Verkehrsfreunde außerhalb des Erscheinungslandes. Um etliche Abläufe zu verstehen, die man als „typisch belgisch“ bezeichnen würde, muss man wohl dort aufgewachsen sein und auch die Verhältnisse kennen. Vielfach erscheint einem unbefangenen Leser die Veröffentlichung als Gebrauchsanweisung, wie man es nicht machen sollte. Zum Glück haben sich die Verhältnisse gerade in den letzten Jahren stark gebessert, was dem Fahrgast in günstigen Tarifen und attraktivem Angebot zugutekommt. Die dabei entstehende Kluft zwischen Einnahmen und Ausgaben ist allerdings ein gefährliches Pulverfass. Die Darstellung der letzten 30 Jahre wird wohl noch zu Fortsetzungen führen. Eine Buchreihe mit hohem Dokumentationswert für speziell Interessierte! (reu)