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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD

Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Lionman

Datum: 25.01.21 15:54

Hallo zusammen,

so langsam aber sicher wird Geramond zum Monopolist. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich. Wo bleibt dabei die "Meinungsfreiheit"?

Skeptische Grüße aus Hannover-Mittelfeld.

Löwenmann




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.01.21 17:17.

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Ober-Rodener

Datum: 25.01.21 16:34

Lionman schrieb:
Hallo zusammen,

so langsam aber sicher wird Geramond zum Monopolist. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich. Wo bleibt dabei die "Meinungsfreihet"?

Skeptische Grüße aus Hannover-Mittelfeld.

Hallo,

beschwere dich am besten bei der Kartellbehörde. Vielleicht ist das was für die, sofern es wirklich so sein sollte.

Gruß

-OR

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Sören Heise

Datum: 25.01.21 17:03

Moin.

Die Kartellbehörde hat die Übernahme genehmigt, hieß es damals auch bei DSO. Ich persönlich sehe eine gewisse Konzentration in München, aber noch lange kein Monopol. Das gibt es doch noch einige weitere Verlage am Markt, sowohl für Bücher als auch für Zeitschriften.

Viele Grüße
Sören

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: FTB

Datum: 25.01.21 17:56

> so langsam aber sicher wird Geramond zum Monopolist. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich. Wo bleibt dabei die "Meinungsfreihet"?

Nennt sich Monopolkapitalismus. Wurde schon von Karl Marx vor 150 Jahren in seinem Klassiker "Das Kapital" beschrieben.

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: wismarer

Datum: 25.01.21 18:47

Man betreibt halt Gewinnmaximierung.
Leider machen wir Eisenbahnfreunde das mit.
Wismarer

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Rübezahl

Datum: 25.01.21 19:17

Lionman schrieb:
Hallo zusammen,

so langsam aber sicher wird Geramond zum Monopolist. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich. Wo bleibt dabei die "Meinungsfreihet"?

Skeptische Grüße aus Hannover-Mittelfeld.
Diese Situation haben wir doch schon lange bei den Tageszeitungen. In vielen Bundesländern ist doch schon die Meinungseinfalt eingezogen.

Gruß

Rübezahl

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: miwe

Datum: 25.01.21 19:31

Rübezahl schrieb:
Diese Situation haben wir doch schon lange bei den Tageszeitungen. In vielen Bundesländern ist doch schon die Meinungseinfalt eingezogen.

Gruß

Rübezahl
So ist es! Wenn man sich mit diesem Thema näher befasst, stellt man fest, dass der Großteil der deutschen Tageszeitungen (und auch der meisten anderen Printmedien) letztendlich Medienkonzernen gehören, deren Anzahl man fast an den Fingern einer halben Hand abzählen kann. Meinungsvielfalt? Das war einmal!
Unschön, was in unserem Hobbybereich abläuft, aber die wirklichen Gefahren lauern da wohl bei anderen Themen .......

Gruß Michael



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.01.21 19:33.

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 25.01.21 19:37

Rübezahl schrieb:
Lionman schrieb:
so langsam aber sicher wird Geramond zum Monopolist. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich. Wo bleibt dabei die "Meinungsfreihet"?

Skeptische Grüße aus Hannover-Mittelfeld.
Diese Situation haben wir doch schon lange bei den Tageszeitungen. In vielen Bundesländern ist doch schon die Meinungseinfalt eingezogen.

Immer nur lokal. Überregional gibt es schon noch erheblichen Wettbewerb. Das sieht im GNB-Umfeld dann doch anders aus.

Sorgen würde ich mir aber für den Fall machen, dass GNB irgendwann zusammenkracht. Die Geschichte von GNB ist die Geschichte von Verlagsaufkäufen. Die machen ja nicht nur Eisenbahn, in anderen Bereichen haben sie genauso agiert. Ich will nun nicht den Vorwurf eines Schneeballsystems erheben, aber solch ausgeprägtes Wachstum durch Zukauf geht selten gut. Und was bleibt dann?

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: 52 4*6

Datum: 25.01.21 20:54

Wir haben doch eine schöne Zeitgehabt mit der bisherigen Vielfalt. So ist das Leben, einige gehen, neue kommen. Sicher wird es dauern, bis ähnliche Verhältnisse auf diesem begrenzten Markt wieder herrschen werden. Ausgeschlossen ist es sicher nicht. Sofern die Qualität der verbliebenen Zeitschriften nicht leidet, habe ich kein Problem mit der Situation. Ich konnte mir sowieso nur eine begrenzte Anzahl der Publikationen leisten. Damit entfällt die "Qual der Wahl".
Was ich echt übel finde, sind die verlorenen Arbeitsplätze, die mit diesen Änderungen auf der Strecke bleiben.

Viele Grüße
Matthias

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Schwandorfer

Datum: 26.01.21 00:53

Zitat:
so langsam aber sicher wird Geramond zum Monopolist. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich. Wo bleibt dabei die "Meinungsfreihet"?

Ich empfehle die Gründung eines eigenen Verlages mit dem ultimativen Eisenbahnmagazin.
Die VGB wird sicher nicht deshalb verkauft worden sein, weil sie die großen Gewinne abgeworfen hat - was heißt, selbst bei offensichtlich sehr beliebten Publikationen (so kommen mir die ganzen Kommentare hier jedenfalls vor) sind die Verkaufszahlen offenbar nicht hoch genug um auch betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein. Das klingt zwar ziemlich unromantisch, muß aber dennoch auch gesagt werden.
Wer Zeitschriften lesen möchte, die mit Idealismus erstellt werden, der sollte sich bei Drehscheibe, Bahn-Report, Lok-Report usw. umsehen - hier läuft vieles ehrenamtlich und damit deutlich kostengünstiger.
Jetzt kommt wahrscheinlich "ja, aber die genannten ehrenamtlichen Zeitschriften sind ja vollkommen anders aufgebaut": Ja. Aber was spricht dagegen, selbst zu versuchen, auf ehrenamtlicher Basis ein Heft wie die "Beliebten" aus dem VGB-Verlag aufzuziehen? Man wird dann sehen, ob dies möglich ist - immerhin müssen auch genug Autoren bzw. Bildautoren gefunden werden, die komplett ohne Honorar arbeiten.

Ich finde dieses Geranova-Rumgehacke hier momentan in jedem zweiten Beitrag jedenfalls ziemlich überzogen. Manchmal hat man den Eindruck, daß es den Schreibern lieber wäre, es würde gar keine Eisenbahnpublikationen mehr geben als welche von Geranova.

Und ja: Ich bin auch Abonnent einer ex-VGB-Zeitschrift. Bevor ich das Abo kündige oder hier lospoltere will ich aber zumindest sehen, was man letztlich daraus macht.

Viele Grüße

Tobias


http://www.vt610.de/banner/bahnbilder-nordbayern.jpg

Recht hast Du.

geschrieben von: Flipp1982

Datum: 26.01.21 09:06

Hallo Tobias,

ich sehe das genau wie Du. Vor etwa 2 Jahren hat mein Arbeitgeber mit dem Gedanken geliebäugelt, Eisenbahnpublikationen als Werbemedium zu nutzen.

Dadurch bekam ich als "Ach, Du kennst Dich doch mit Eisenbahn irgendwie aus" die Angebote der Verlage auf den Tisch in Verbindung mit den entsprechenden Zahlen über Reichweite, gedruckte und verkaufte Exemplare etc.. Ich war... erschrocken! Nur beim bloßen Überschlagen nach 5te-Klasse-Matheregeln hätte man aus wirtschaftlicher Sicht sofort eigentlich 50% der im Bahnhofsbuchhandel zu findenden Fachzeitschriften sofort einstampfen müssen.

Natürlich waren auflagenstarke wahrscheinlich gesunde Magazine dazwischen. Aber wenn ich mir anschaue, dass da bundesweit präsente mit großem Aufwand erstellte Zeitschriften zwischen waren, die effektiv 4000 Leser erreichten pro Monat. Wow.

Tendenziell sind 3 oder 4 gute Zeitschriften, die auch in ihre Artikel investieren können, wahrscheinlich besser als 4, 5 oder 6 mal so viele mit identischer Ausrichtung, die alle am Hungertuch nagen.

In diesem Sinne frohes Lesen,

Bastian. der für seinen letzten Zeitschriftenartikel bei den "Großen" immerhin etwa 20% seiner Reisekosten für den Artikel erstattet bekommen hat :-)

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Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Andreas Knipping

Datum: 26.01.21 10:29

Nein, Karl Marx hat wesentliche Wirkungselemente des Konkurrenz-Kapitalismus beschrieben, in Teilbereichen noch heute relevant. Die Legende vom Monopolkapitalismus entstand zu Lenins Zeiten und hat über 70 Jahre einen realistischen Blick von kommunistischer Seite auf die westliche Ökonomie versperrt. Es war vor 50 oder 25 Jahren und ist heute einfach nicht so, dass BMW und Mercedes und VW und Renault und Toyota "ganz geheim" und "in Wirklichkeit" den selben Leuten gehören. Nein, die konkurrieren, was das Zeug hält! Vielleicht auch schon mal gehört: microsoft und apple sind nicht Abteilungen einer Firma!

Wir haben doch auf den Märkten sowohl der "großen" Eisenbahn als auch der Modellbahn ständig die besten Beispiele vor Augen, wie zwar große Anbieter hie und da wegen beginnender Schieflage mit Personal/Angebot/Nachfrage aufgeben oder in die Fusion flüchten – und zugleich neue kleine Spezialfirmen ihre kleinen aber feinen Märkte erobern. Konkurrenz! Nicht Monopol!

Nun zu den Medien: Es hat sich in Jahrzehnten bewährt, das logistische Geschäft mit Druck, Vertrieb, Anzeigen usw. von der redaktionellen Arbeit zu trennen. Die insoweit schon langjährige Erfahrung zeigt ganz einfach, dass Süddeutsche, FAZ, Spiegel, Zeit, Bild, Welt, Tagesspiegel nicht das schreiben, was irgendeine Unternehmerfamilie lesen will. Die Anteilseigner halten sich aus dem Tagesgeschäft nicht wegen ihrer großen moralischen Güte heraus, sondern weil sie wissen, dass der Erfolg ihrer Zeitung genau von der Freiheit des redaktionellen Profils abhängt.
Übrigens "Monopole" im Medienbereich: Die Programmauswahl am Fernseher widerlegt wohl den Verdacht, dass es da nur noch einen Anbieter gibt.

Und zum Abschluss – nicht zum ersten Mal! – wieder der Blick auf meine persönliche mediale Erfahrung. Ich habe in nun 50 Jahren für wirklich viele Verlage geschrieben. Ihr werdet doch bitte nicht im Ernst glauben, dass mir da jemals irgendjemand zu bedenken gegeben hätte, dass ich diese oder jene – oft durchaus scharfe! – Aussage zum einen oder anderen historischen Stichwort nicht bringen könne, weil sie irgendeinen Eigentümer (oder irgendeine Bundestagspartei oder die DB oder sonstwen) irritieren könnte. Ein guter Verlag vertraut darauf, dass ein guter Autor begründete Wertungen trifft. Wem diese Wertungen nicht passen, der darf gerne in seinem Leserbrief, in seinem Artikel, in seinem Buch, auf seiner Internetseite die gegenteilige Meinung bekunden. Meinungsfreiheit!

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: FTB

Datum: 26.01.21 11:20

> Nein, Karl Marx hat wesentliche Wirkungselemente des Konkurrenz-Kapitalismus beschrieben, in Teilbereichen noch heute relevant. Die Legende vom Monopolkapitalismus entstand zu Lenins Zeiten und hat über 70 Jahre einen realistischen Blick von kommunistischer Seite auf die westliche Ökonomie versperrt.

Doppelnein! Karl Marx hat bereist in Band 1 die Zentralisierungsprozesse des Kapitals beschrieben. Lenin hat die Analyse der Wirkmechanismen noch mal verfeinert. Die Grundlagen der Lehre vom Monopolkapitalismus ist auch heute noch unverändert gültig.

> Nein, Karl Marx hat wesentliche Wirkungselemente des Konkurrenz-Kapitalismus beschrieben, in Teilbereichen noch heute relevant. Die Legende vom Monopolkapitalismus entstand zu Lenins Zeiten und hat über 70 Jahre einen realistischen Blick von kommunistischer Seite auf die westliche Ökonomie versperrt.

Genau andersrum wird ein Schuh draus. Karl Marx hat die Wirkmechanismen des Kapitalismus schonungslos offen gelegt. Dass das den damals (und heute wieder) Herrschenden nicht gefiel, war klar.

> Es war vor 50 oder 25 Jahren und ist heute einfach nicht so, dass BMW und Mercedes und VW und Renault und Toyota "ganz geheim" und "in Wirklichkeit" den selben Leuten gehören. Nein, die konkurrieren, was das Zeug hält! Vielleicht auch schon mal gehört: microsoft und apple sind nicht Abteilungen einer Firma!

Da sind wir uns wieder einig: Irgendwelche Verschwörungsmythen verstellen den Blick. Sei es in Bezug auf Corona oder das Wirtschaftssystem.

> Wir haben doch auf den Märkten sowohl der "großen" Eisenbahn als auch der Modellbahn ständig die besten Beispiele vor Augen, wie zwar große Anbieter hie und da wegen beginnender Schieflage mit Personal/Angebot/Nachfrage aufgeben oder in die Fusion flüchten – und zugleich neue kleine Spezialfirmen ihre kleinen aber feinen Märkte erobern. Konkurrenz! Nicht Monopol!

Das ist eben die Sache. Die Natur und Kapital scheut Konkurrenz, braucht sie aber als Reibungsfläche, damit wieder Neues entstehen kann.

> Und zum Abschluss – nicht zum ersten Mal! – wieder der Blick auf meine persönliche mediale Erfahrung. Ich habe in nun 50 Jahren für wirklich viele Verlage geschrieben. Ihr werdet doch bitte nicht im Ernst glauben, dass mir da jemals irgendjemand zu bedenken gegeben hätte, dass ich diese oder jene – oft durchaus scharfe! – Aussage zum einen oder anderen historischen Stichwort nicht bringen könne, weil sie irgendeinen Eigentümer (oder irgendeine Bundestagspartei oder die DB oder sonstwen) irritieren könnte. Ein guter Verlag vertraut darauf, dass ein guter Autor begründete Wertungen trifft. Wem diese Wertungen nicht passen, der darf gerne in seinem Leserbrief, in seinem Artikel, in seinem Buch, auf seiner Internetseite die gegenteilige Meinung bekunden. Meinungsfreiheit!

Doch. Das habe ich in beiden Gesellschaftssystem erlebt. In der DDR fand das meist so statt, dass niemand außerhalb davon erfuhr. In der heutigen Zeit, wird die Auseinandersetzung (meist) offen geführt. Wobei die Chancen einen Konflikt zu gewinnen mit dem finanziellen Hintergrund immer besser sind. Rechtliche und finanzielle Konsequenzen fürchtend, wird aber die Auseinandersetzung gescheut. Was aber eigentlich dann doch die Gesellschaft wieder befriedet. Aber viel Frust und Arbeit für Psychotherapeuten bringt. Na gut, Du hast Deine Meinung. Ich meine. Mit meinen 56 Jahren, dem Leben in zwei Gesellschaftssystemen (wo ich schon zwangsläufig immer vergleiche) wird sich an meiner linken Weltsicht bestimmt auch nichts mehr ändern.

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Bjoern Detlefsen

Datum: 26.01.21 11:54

Rübezahl schrieb:
Zitat:
Diese Situation haben wir doch schon lange bei den Tageszeitungen. In vielen Bundesländern ist doch schon die Meinungseinfalt eingezogen.

das war noch nie anders, mal abgesehen davon, das es quasi nirgendwo "Landeszeitungen" gibt. Aber bei den sog. Lokalzeitungen gab es nur in den seltensten Fällen und auch eher in Großstädten Konkurrenzsituationen und damit Vielfalt. Bei überregionalen Zeitungen gibt es damals wie heute ein relativ breites Angebot. Zudem sind Zeitungen auch nur ein Medium über das man sich informieren kann. Wer sich heute "gleichgeschaltet" fühlt, sollte mal die Augen aufmachen, um die Medienvielfalt in Deutschland beneiden uns viele Menschen in Europa. Was in Polen oder Ungarn abgeht, kann man ja gut verfolgen.

Grüße, Björn

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: duesselmartin

Datum: 26.01.21 13:39

es ist auch ein ein schrumpfender Markt.
Einerseits scheint die Anzahl der Eisenbahnfans rückläufig zu sein (wie erstellt man hier eine Statistik?), zumindest gehen die Verkäufe zurück, andereseits informiert der Fan sich digital.
Ein Beispiel ist DSO.

Martin

Auflagenstärke und altmodische Extras

geschrieben von: 3-Löwen-Takt

Datum: 26.01.21 14:13

Die Verkäufe gehen doch bei Printmedien überall zurück, sei es bei Tageszeitungen oder beim "Micky Maus Magazin". Selbst Fernsehzeitschriften haben nicht mehr diese hohen Auflagen wie vor 20 Jahren.
Ob die Zahl der Kundschaft rückläufig ist? Möglich, glaube ich aber auch nicht. Vielmehr wird es so sein, dass man sich heute alternativ informiert und nicht mehr so auf die gedruckte Presse angewiesen ist wie früher. Ein weiteres Problem sind die "Extras", die so mancher Zeitschrift beiliegen: Mich spricht keine DVD mehr an, weil ich gar keinen DVD-Player mehr im Hause habe. Solange das nicht als USB-Stick oder digitaler Download beigelegt wird, bleibt das Magazin links liegen. Denn für ein Extra, das mir nichts bringt, bezahle ich auch nicht.

Daniel

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Wolfram D.

Datum: 27.01.21 08:15

Schwandorfer schrieb:
Zitat:
so langsam aber sicher wird Geramond zum Monopolist. Ich halte das für nicht ganz ungefährlich. Wo bleibt dabei die "Meinungsfreihet"?

Ich empfehle die Gründung eines eigenen Verlages mit dem ultimativen Eisenbahnmagazin.
Die VGB wird sicher nicht deshalb verkauft worden sein, weil sie die großen Gewinne abgeworfen hat...
Keine Ahnung, welche großen Gewinne erwartet wurden.
Ich kann nur von den den Unternehmen sprechen, in denen ich tätig war/bin.
Vor 15 Jahren wurde bei einer Jahresrendite von nur 3% gemault, dass die Eigentümer dann ihr Geld gleich zur Postbank bringen können, da es dort mehr Zinsen abwirft.
Heute werden die Verträge auf eine Marge von 20% angelegt, in der Regel bleibt dann ein zweistelliger Wert übrig.
Gemault wird ebenso, nur den Spruch von der Bank bringt heutzutage keiner mehr.

Gruß
Wolfram

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Bjoern Detlefsen

Datum: 27.01.21 10:14

Marge und Rendite sind sehr unpräzise Begriffe. Redest du von Eigenkapitalrendite oder Umsatzrendite?

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Andreas Knipping

Datum: 27.01.21 11:14

Gerade wenn man aus "linker Weltsicht" den Kapitalismus bändigen, bekämpfen oder gar abschaffen will, muss man den "Feind" kennen und darf sich nicht mit jenen plakativen und vielfach moralisierenden Formeln zufrieden geben, mit denen z.B. die SED jahrzehntelang seinen alsbaldigen zwingenden Untergang angekündigt hat. Übrigens sprach Karl Marx vom Kapital (!) und definierte dieses selbstverständlich als die (teuren und wertvollen) Produktionsmittel, an denen der Arbeiter den Rohstoff zur Ware macht und damit den berühmten Mehrwert erzeugt. Ein Verleger von Eisenbahnzeitschriften ist jedoch – genau so wie die Chefs von Facebook, Apple, Google, Amazon oder von tausend Privatsendern – nicht der stinkreiche Typ, der die Fabrik geerbt hat. Insofern sprechen wir in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft weithin von einem Kapitalismus ohne Kapital. Die Revolution, mit der die geknechteten Redakteure von GeraMond die Schreibtische oder die Fahrer von Hermes die Lieferwagen erobern,
dürfte wenig bringen.
So gerät denn Kapitalismus-Kritik heute meist zu einem allgemeinen Wehklagen über Gewinnsucht, Ungerechtigkeit, Armut, Reichtum, Konsum, Werbung usw. usw. So weit war die Diskussion schon mal. Vor Karl Marx. Vor 1848.
Für die ganz allgemeine Verbesserung gesellschaftlicher Zustände engagiere ich mich seit 1969 in der Politik, und zwar ohne einen Funken Verdienst und ohne einen Gedanken an eine Karriere. Ich bilde mir aber nicht ein, damit einen heute wie auch immer konfigurierten Kapitalismus abzuschaffen.
Es ist nun schon Jahrzehnte her, dass ich mich im studentischen Umfeld zwischen gänzlich wirkungsloser revolutionärer Rhetorik und ach so braver Reformpolitik zu entscheiden hatte. Ich habe meine Entscheidung nicht bereut – und gerne die ganz wortgewaltigen Marxisten-Leninisten belächelt, die ein paar Jahre nach unseren Biertischdebatten in einer indischen Sekte oder bei der endlich gefundenen Freundin oder im gut bezahlten Job gelandet waren – und die Politik für den Rest ihres Lebens vergessen hatten.
Das alles geht weit über die hier angesprochenen Verlagsfusionen hinaus; und es liegt mir fern, hier einen Vorredner kränken zu wollen. Aber außer über Blasrohre, Stromabnehmer, Stellwerke und Ablaufberge mache ich mir eben auch über sowas ständig Gedanken.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.01.21 16:39.

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: dorpmüller

Datum: 27.01.21 11:23

duesselmartin schrieb:
es ist auch ein ein schrumpfender Markt.
Einerseits scheint die Anzahl der Eisenbahnfans rückläufig zu sein (wie erstellt man hier eine Statistik?), zumindest gehen die Verkäufe zurück, andereseits informiert der Fan sich digital.
Ein Beispiel ist DSO.

Martin

Das mit "schrumpfend" wage ich zu bezweifeln. Offenbar ist es zwar so, dass die Auflagen der einzelnen Publikationen sinken, aber wenn man mal die Anzahl der Bücher, Sonderhefte, etc. der letzten Jahre mit 20 Jahren vorher vergleicht, habe ich Zweifel, dass da insgesamt so viel weniger umgesetzt wird. Auch die Zahl der Fotografen, die an der Strecke stehen, nimmt meinen Beobachtungen zufolge in den letzten Jahren stetig zu.

FD

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: Wolfram D.

Datum: 27.01.21 11:35

Bjoern Detlefsen schrieb:
Marge und Rendite sind sehr unpräzise Begriffe. Redest du von Eigenkapitalrendite oder Umsatzrendite?
Umsatzrendite. Und aktuell bei einem Verhältnis Eigenkapital zu Umsatz von 1:24.

Gruß
Wolfram

DDR 2.0

geschrieben von: held-der-arbeit

Datum: 27.01.21 16:00

Wenn wir schonmal bei Karl Marx sind, aus dessen falschen Theorien entstand die DDR. Und da gab es tatsächlich das absolute Monopol: den transpress-verlag mit dem unterirdisch grottenschlechten Modell-Eisenbahner. Das betrifft Druckqualität, Inhalt und Aktualität sowie Verfügbarkeit.

Mit freien Grüßen

CM Peters

Re: Wird Geramond zum Monopolist? Gefährlich?

geschrieben von: FTB

Datum: 27.01.21 18:54

> Für die ganz allgemeine Verbesserung gesellschaftlicher Zustände engagiere ich mich seit 1969 in der Politik, und zwar ohne einen Funken Verdienst und ohne einen Gedanken an eine Karriere. Ich bilde mir aber nicht ein, damit einen heute wie auch immer konfigurierten Kapitalismus abzuschaffen.

Ja, ich auch (mit Unterbrechung vom 03.10.1989 *sic!* und zurück im Mai 2002). Der Kapitalismus hat auf absehbare Zeit den Systemwettbewerb gewonnen. Aber er sollte domestiziert werden. Und dafür engagiere ich mich.

> Es ist nun schon Jahrzehnte her, dass ich mich im studentischen Umfeld zwischen gänzlich wirkungsloser revolutionärer Rhetorik und ach so braver Reformpolitik zu entscheiden hatte. Ich habe meine Entscheidung nicht bereut – und gerne die ganz wortgewaltigen Marxisten-Leninisten belächelt, die ein paar Jahre nach unseren Biertischdebatten in einer indischen Sekte oder bei der endlich gefundenen Freundin oder im gut bezahlten Job gelandet waren – und die Politik für den Rest ihres Lebens vergessen hatten.

Ja da gab es mal einen einstmals bedeutenden Politiker der gesagt haben soll: "Ich bin Marxist" und das Land schlimmer neoliberal umgestaltet hat, als es der demokratische Wettbewerb jemals gewagt hätte.
In Zeiten der Wende in der DDR gab es so manchen SED-Parteisekretär, der war nicht nur Wendehals, der war ob der Schnelligkeit des Wechsels sogar ein Ventilator ;-)
Aber egal. Es ist eben nur schade, dass die wirklich anspruchsvollen Publikationen, die man auch aufhebt, archiviert und auch gern zitiert, heute selten noch aus professionellen Verlagen kommen. Es gibt Ausnahmen, ja, das weiß ich. Viele der tschechischen und polnischen Bücher gehören dazu. Ein Blick zu unseren östlichen Nachbarn würde der deutschen Fanszene mal gut tun. Meine Meinung.

Re: DDR 2.0

geschrieben von: Matthias Muschke

Datum: 28.01.21 14:40

held-der-arbeit schrieb:
Wenn wir schonmal bei Karl Marx sind, aus dessen falschen Theorien entstand die DDR. Und da gab es tatsächlich das absolute Monopol: den transpress-verlag mit dem unterirdisch grottenschlechten Modell-Eisenbahner. Das betrifft Druckqualität, Inhalt und Aktualität sowie Verfügbarkeit.

Mit freien Grüßen

CM Peters
Du bist der mega Auskenner... 🤦‍♂️

"Damit auch ich was zu meckern habe: Ich finde immer die künstliche Dampfentwicklung durch Abblasen an den Zylindern fürchterlich. Sicher gibt das für den ambitionierten Laien tolle Fotos, den Sound jedoch zerstört es vollkommen. :-("

Facebook-Fundstück...

[m.facebook.com]

aus aktuellem Anlass :-(: [www.youtube.com]

Re: "schrumpfend" oder nicht "schrumpfend"?

geschrieben von: andreas +

Datum: 28.01.21 14:59

dorpmüller schrieb:
Auch die Zahl der Fotografen, die an der Strecke stehen, nimmt meinen Beobachtungen zufolge in den letzten Jahren stetig zu.
Das muß aber nicht zwingend etwas mit dem Kauf von Eisenbahnliteratur (Bücher, Zeitschriften) zu tun haben.

Re: DDR 2.0

geschrieben von: QJ 7002

Datum: 28.01.21 18:46

Hallo Michael,

so ganz kann ich Dir da nicht folgen. Meine Erinnerungen sind wie folgt:

Druck- und Papierqualität: mies
Inhalt: wechselnd, es gab dort auch sehr fundierte und gut recherchierte Beiträge
Aktualität: es gab alte Kamellen, aber auch aktuelle Sachen
Verfügbarkeit: Für den Gelegenheitskäufer sehr schlecht

Grüße

Martin

Re: DDR 2.0

geschrieben von: Bw Neuruppin

Datum: 28.01.21 18:49

held-der-arbeit schrieb:
Wenn wir schonmal bei Karl Marx sind, aus dessen falschen Theorien entstand die DDR. Und da gab es tatsächlich das absolute Monopol: den transpress-verlag mit dem unterirdisch grottenschlechten Modell-Eisenbahner. Das betrifft Druckqualität, Inhalt und Aktualität sowie Verfügbarkeit.

Mit freien Grüßen

CM Peters


Zum lizensierten Druck (Alba usw.), war der Transpress Verlag gut genug. Mit dem Druck und der Aktualität, sah es im "Westen", sicher auch nicht besser aus!

MfG

Re: DDR 2.0

geschrieben von: Alexander Bergner

Datum: 28.01.21 23:15

Zitat:
Zum lizensierten Druck (Alba usw.), war der Transpress Verlag gut genug. Mit dem Druck und der Aktualität, sah es im "Westen", sicher auch nicht besser aus!

MfG
Hallo und guten Abend,

ja, das mag sein. Allerdings mussten dabei, wie ich von einem früheren Mitarbeiter des Motorbuch-Verlags in Erfahrung bringen konnte, die Druckvorlagen/Vorstufen und eigentlich der ganze Satz nochmal neu bearbeitet werden, da sie "in keinster Weise den hiesigen Mindeststandards" entsprachen - wir sprechen hier wohlgemerkt von den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts! Das Layout selbst und auch der Inhalt durfte aber nicht verändert werden. Bei reinen Fachbüchern, z.B. der Reihe Lokomotiv-Archiv, wurde in der Regel nur das in der DDR zwingende "Bekenntnis zum Sozialismus" im Editorial der Verfasser/Herausgeber weggelassen, was sicherlich in Anbetracht der notwendigen Deviseneinnahmen seitens der DDR geduldet wurde. Daher sind die westdeutschen Ausgaben bzw. Nachdrucke meist nicht nur in materieller Hinsicht (Papierqualität, Druckfarben), sondern auch insgesamt deutlich höherwertiger als die oft gleichzeitig erschienenen ostdeutschen Ausgaben derselben Transpress-Bücher. Problematisch sollen nur die Abbildungen gewesen sein, da hier für die erwähnten bundesrepublikanischen Qualitätsansprüche offenbar absolut unzureichende Vorlagen wie 10x15-Papierabzüge und Kontaktkopien geliefert wurden, mit den man sich in der DDR aber wohl zufrieden gab - oder besser gesagt, zufrieden geben musste. Jedenfalls werden, sofern vorhanden, die Linzenzausgaben westdeutscher Verlage heute antiquarisch deutlich höher gehandelt als die originalen DDR-Ausgaben von Transpress, obwohl diese weit geringere Stückzahlen erreicht haben dürften und damit eigentlich die selteneren und wertvolleren Bücher sind.

Andererseits bestach auch das westdeutsche Pendant des "ME", die MIBA, mehrere Jahrzehnte ihres Erscheinens eher durch den Inhalt und weniger durch ihre Druck- und Layout-Qualität. Man erinnere sich, gut zwei Jahrzehnte lang bekamen die Leser ein lediglich DIN-A5 kleines, ausschließlich in Graustufen gedrucktes und doch eher schlicht gesetztes Heftchen angeboten, als der Zeitschriftenmarkt in der Bundesrepublik längst von quietschbunten Hochglanzmagazinen bestimmt wurde! Insofern zeigt dies, dass auch im "alten" Westdeutschland lange vor dem Internet-Zeitalter bereits eine qualitative Diskrepanz zwischen dem allgemeinen Zeitschriftenmarkt und den Hobbyheften existierte. Meines Wissens nach war es dann der noch junge EK in den 1970er-Jahren, der auch den Hobbyzeitschriften-Markt mehr in Richtung qualitatives und gestalterisches Aufschließen zum allgemeinen Zeitschriftenmarkt getrieben hat, wovon wir letzlich bis heute profitieren - eben gerade auch im Vergleich zu vergangenen, noch gar nicht so lange zurück liegenden Zeiten.

Ganz nebenbei finde ich auch die "Monopoldiskussion" um den Markt der Eisenbahnzeitschriften hier recht interessant. Dazu möchte ich - besonders auch als ehemliger "Insider" und noch immer in Fach- und Hobbyzeitschriften Publizierender - nur noch anmerken, dass mich die derzeitige Konsolidierung des Marktes nicht überrascht. Sehr viele der bereits genannten Publikationen ähneln sich doch sehr, was Form und Inhalt angeht. Diese Entwicklung ist vor allem in den letzen Jahren immer deutlicher geworden. So kann meiner Meinung nach etwa der MODELLEISENBAHNER, dem ich als früherer Vollzeit-Redakteur immer noch sehr verbunden bin, längst nicht mehr als "ostdeutsches Eisenbahnheft" bezeichnet werden, wie dies von einigen Wenigen auch hier auf DSO stets kolportiert wird - dafür sind die behandelteten Themenspektren, ganz schlicht gesagt die Vielfalt der Inhalte, einfach viel zu weit vom alten "ME" aus DDR-Zeiten entfernt. Es findet ja noch nicht einmal mehr eine erkennbare Bevorzugung von DR-Themen statt, wie noch in den 1990er- und 2000er-Jahren. Dafür hat sich auch der Markt einfach schon zu sehr verändert. Denn auch wenn es Einige noch immer nicht verstehen oder wahrhaben möchten, aber die verkaufte Auflage eines MEB, der ganz im Stile eines alten "ME" gehalten wäre, könnte man heute mit großer Sicherheit an einer Hand abzählen!

Viele Grüße an das DSO-Forum,

Alexander Bergner

Géramont - c'est bon!

geschrieben von: TransLog

Datum: 29.01.21 21:02

Hallo,

ich hoffe, dass nach dem fast einjährigen Lockdown noch möglichst viele Verlage überleben können.
Da sie nicht wie Friseure oder Lokale Leute ins Haus lassen müssen, sollten sie durchaus eine Chance haben,
wenn nicht die Gefahr eines massiven Wirtschaftseinbruchs* als Spätfolge drohte.

Arbeitslose und Überschuldete werden sich kaum Bücher zwischen 40 und 50 EUR leisten können.

Ich habe mich bemüht, den Begriff Wirtschaftszusammenbruch aus psychologischen Gründen zu vermeiden.


Gruß, Ulrich

Lizenzausgaben?

geschrieben von: Mar-ko

Datum: 29.01.21 21:41

Hallo und guten Abend,
Zitat:
ja, das mag sein. Allerdings mussten dabei, wie ich von einem früheren Mitarbeiter des Motorbuch-Verlags in Erfahrung bringen konnte, die Druckvorlagen/Vorstufen und eigentlich der ganze Satz nochmal neu bearbeitet werden, da sie "in keinster Weise den hiesigen Mindeststandards" entsprachen - wir sprechen hier wohlgemerkt von den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts! Das Layout selbst und auch der Inhalt durfte aber nicht verändert werden. Bei reinen Fachbüchern, z.B. der Reihe Lokomotiv-Archiv, wurde in der Regel nur das in der DDR zwingende "Bekenntnis zum Sozialismus" im Editorial der Verfasser/Herausgeber weggelassen, was sicherlich in Anbetracht der notwendigen Deviseneinnahmen seitens der DDR geduldet wurde. Daher sind die westdeutschen Ausgaben bzw. Nachdrucke meist nicht nur in materieller Hinsicht (Papierqualität, Druckfarben), sondern auch insgesamt deutlich höherwertiger als die oft gleichzeitig erschienenen ostdeutschen Ausgaben derselben Transpress-Bücher. Problematisch sollen nur die Abbildungen gewesen sein, da hier für die erwähnten bundesrepublikanischen Qualitätsansprüche offenbar absolut unzureichende Vorlagen wie 10x15-Papierabzüge und Kontaktkopien geliefert wurden, mit den man sich in der DDR aber wohl zufrieden gab - oder besser gesagt, zufrieden geben musste. Jedenfalls werden, sofern vorhanden, die Linzenzausgaben westdeutscher Verlage heute antiquarisch deutlich höher gehandelt als die originalen DDR-Ausgaben von Transpress, obwohl diese weit geringere Stückzahlen erreicht haben dürften und damit eigentlich die selteneren und wertvolleren Bücher sind.
Hallo,
naja, da ist kein wesentlich großer Unterschied zu erkennen. Es gab aber innerhalb der Transpress Auflagen auch deutliche Qualitätsunterschiede je nach Herstellung. Die Lizenz Ausgaben wurden doch alle in der DDR für die Bundesrepublik, Österreich und Schweiz gedruckt. Kann man sogar lesen und erkennen.
Habe die Bücherreihen Verkehrsgeschichte Alba sowie die Archiv-Reihe vom R. v. Decker’s Verlag aus den 80er-Jahren. Der Umschlag von der Verkehrsgeschichte Alba hat z. B. die gleiche Oberflächenstruktur wie das Transpress Buch, nur das Format ist anders. Bei dem mir gerade vorliegenden Seilrampenbüchern von Walter Grüber ist die Transpress Papierqualität sogar besser, auch bei der Bildqualität ist kein Unterschied zu erkennen. Das gleiche Buch kostete im Osten 13,20M , im Westen dagegen 18,00 DM. Die Archiv Reihe war im Westen doppelt so teuer.
Schließlich waren die Transpress Büchern für viele im Osten eine gute Basis für Tauschgeschäfte mit westdeutschen Hobbyfreunden. Man mußte nur Beziehung zum Buchhandel haben.

Gruß Mar-ko

Re: DDR 2.0

geschrieben von: Dr. Joachim Ludwig

Datum: 30.01.21 14:58

Die Aussage von Neuruppin bezüglich Aktualität im " Westen" ist nur mit einer Verklärung der DDR zu erklären. Die Druckqualität des Modelleisenbahners war im Vergleich z.B. zum Eisenbahnkurier oder Eisenbahnmagazin/ Moderne Eisenbahn unterirdisch. Die Aktualität betreffend: Beim EK gab es in den 70 ziger Jahren den EK aktuell, ein zusätzliches Faltblatt , das zusätzlich zum Periodikum sehr aktuelle Informationen brachte , sogar zu einzelnen dampflokbespannten Reisezügen der DR. So etwas suchte man im Modelleisenbahner vergeblich.
Bleibt gesund!
Dr.joachim.ludwig

Re: DDR 2.0

geschrieben von: FTB

Datum: 30.01.21 15:37

Was wird statt dessen empfohlen? Genau! Wir verklären die BRD :)
Getreu dem Motto: "Der Westen, der Westen hat immer recht....!"
Unabhängig davon, war der Modelleisenbahner immer Bückware. Mal mehr, mal weniger. Die anderen Zeitschriften. z.B. "Signal" i.t.d. verschwanden in den 70ern. Jetzt droht auch die Vielfalt in der BRD immer weniger zu werden. Gut, dass es da noch das Internet gibt. Das Internet ist aber leider nur bedingt geeignet für Archivzwecke.
Lesbar waren die "größeren" westdeutschen Fanzeitschriften auch in der DDR. Mindestens in der Deutschen Bücherei Leipzig und der Universitätsbücherei Berlin. Habe ich in den 80ern in beiden gemacht. Und zur Buchmesse Leipzig im Frühjahr verteilte der Franckh-Verlag Probenummern von LOKMAGAZIN und STRASSENBAHNMAGAZIN. Hatte die Stasi bewusst (oder auch nicht?) nicht unterbunden.
Da waren auch Hefte dabei, die waren für die Genossen bestimmt nur schwer zu ertragen, wenn z.B. über die Straßenbahn in Königsberg geschrieben wurde. Bekam aber trotzdem jeder, der das wusste und ein Heft wollte, eins ab, ohne dass da ein Rollkommando von der Stasi gesichtet wurde.

Re: DDR 2.0

geschrieben von: Dr. Joachim Ludwig

Datum: 30.01.21 17:01

An FTB: Der Spruch heißt ja wohl ursprünglich: "Die Partei, die Partei hat immer recht." Ich hatte gesagt, dass Druckqualität und Aktualität in der Bundesrepublik deutlich besser waren. In der DDR gab es zum Modelleisenbahner keine Konkurrenz, also auch keinen Anreiz, etwas besser zu machen. Obwohl im MEB viele Vorbildthemen behandelt wurden , hieß er Modelleisenbahner , weil ein Interesse an der großen Bahn staatsgefährdend war ( alles streng geheim). Ich bin 1969 wegen harmlosen Fotografierens von Dampfloks der DR als 16 jähriger bei der Ausreise in Gerstungen 7 Stunden lang festgehalten und verhört worden. ( Film wurde beschlagnahmt ).
Und die Möglichkeit an sage und schreibe zwei Orten in der DDR in Bibliotheken " Westeisenbahnzeitschriften " lesen zu können, ist wahrlich kein Zugang für eine größere Zahl an Interessenten.

Dr.joachim.ludwig

Re: DDR 2.0

geschrieben von: gerdboehmer

Datum: 30.01.21 17:55

held-der-arbeit schrieb:
Wenn wir schonmal bei Karl Marx sind, aus dessen falschen Theorien entstand die DDR. Und da gab es tatsächlich das absolute Monopol: den transpress-verlag mit dem unterirdisch grottenschlechten Modell-Eisenbahner. Das betrifft Druckqualität, Inhalt und Aktualität sowie Verfügbarkeit.

Mit freien Grüßen

CM Peters
Hallo,

Nicht die gesellschaftswissenschaftliche Theorie war falsch, sondern das was die Menschen in der Praxis daraus gemacht haben. Das gilt in der westlichen Welt mit den Grundlagen der Ökonomie aktuell aber auch mehr dennje ...

Re: DDR 2.0

geschrieben von: FTB

Datum: 31.01.21 09:52

> An FTB: Der Spruch heißt ja wohl ursprünglich: "Die Partei, die Partei hat immer recht."

Das stimmt zwar. Aber mit meinen über gebliebenen DDR-Wurzeln bin ich etwas kreativ geworden und habe das der heutigen Zeit angepasst :)

> Ich hatte gesagt, dass Druckqualität und Aktualität in der Bundesrepublik deutlich besser waren. In der DDR gab es zum Modelleisenbahner keine Konkurrenz, also auch keinen Anreiz, etwas besser zu machen. Obwohl im viele Vorbildthemen behandelt wurden , hieß er Modelleisenbahner , weil ein Interesse an der großen Bahn staatsgefährdend war ( alles streng geheim).

Mit Verlaub, aber das ist Unsinn. Wenn ich daran denke, wie viele Westbahnen (auch die vom großen US-amerikanischen Bruderstaat) heute aus diesen Informationen "Staatsgeheimnisse" machen, ist die Situation nicht wirklich anders. Ich denke da auch an Reiseberichte aus der größten USA der Welt, die eher an schlimme Diktaturen denken lassen, als an die älteste heute noch existierende Demokratie der Welt.

> Ich bin 1969 wegen harmlosen Fotografierens von Dampfloks der DR als 16 jähriger bei der Ausreise in Gerstungen 7 Stunden lang festgehalten und verhört worden. ( Film wurde beschlagnahmt ).

Es ist natürlich, dass man mit den eigenen bekannten Maßstäben misst. Wenn die Ossis, die beide Gesellschaftssysteme erlebt haben, dasselbe machen, sind die natürlich gleich mindestens Staatsfeind Nr. 2. Wenn ich heute draußen rumschleiche und die ganzen Fotografierverbote sehe (als schönes schlechtes Beispiel aus unserem Hobbybereich gerade die Privatbahnen), erinnert mich das wohl nicht ganz grundlos an DDR-Zeiten. Im Februar 1993 (mit hin 3 Jahre nach der Wende!!!) wurde ich übrigens in Suhl wegen Busse fotografierens festgenommen und zur Polizeiwache gebracht. Ich musste anschließend unterschreiben, dass ich auf schnellstem Wege die Stadt Suhl zu verlassen habe. Der "goldene Westen" existiert nur darin, wie sich der Westen gern selbst sieht. Und da erkenne ich eine Riesendiskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

> Und die Möglichkeit an sage und schreibe zwei Orten in der DDR in Bibliotheken " Westeisenbahnzeitschriften " lesen zu können, ist wahrlich kein Zugang für eine größere Zahl an Interessenten.

Kann sein, dass es an der TU Dresden da auch noch Möglichkeiten gab, dass weiß ich aber nicht genau. Ich hatte Dresden auch schon zu DDR-Zeiten gemieden, weil Dresden auch damals schon "sehr speziell" war. Das schöne an Dresden war, dass man von den zwei Bahnhöfen aus die Stadt in alle Richtungen wieder verlassen konnte. Will sagen: Ich habe Dresden nur zum Umsteigen gebraucht :)

Re: DDR 2.0

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 31.01.21 11:46

FTB schrieb:
Wenn ich heute draußen rumschleiche und die ganzen Fotografierverbote sehe (als schönes schlechtes Beispiel aus unserem Hobbybereich gerade die Privatbahnen), erinnert mich das wohl nicht ganz grundlos an DDR-Zeiten.

Wo gibts denn heute Fotografierverbote?

FTB schrieb:
Im Februar 1993 (mit hin 3 Jahre nach der Wende!!!) wurde ich übrigens in Suhl wegen Busse fotografierens festgenommen und zur Polizeiwache gebracht. Ich musste anschließend unterschreiben, dass ich auf schnellstem Wege die Stadt Suhl zu verlassen habe. Der "goldene Westen" existiert nur darin, wie sich der Westen gern selbst sieht. Und da erkenne ich eine Riesendiskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Das dürfte wohl eher ein Relikt aus DDR-Zeiten gewesen sein, oder Du lässt absichtlich was weg bei der Geschichte (Fotografieren auf dem Betriebshof oder so).

Re: DDR 2.0

geschrieben von: exilvogt2000

Datum: 23.02.21 14:08

Dr. Joachim Ludwig schrieb:
Die Aussage von Neuruppin bezüglich Aktualität im " Westen" ist nur mit einer Verklärung der DDR zu erklären. Die Druckqualität des Modelleisenbahners war im Vergleich z.B. zum Eisenbahnkurier oder Eisenbahnmagazin/ Moderne Eisenbahn unterirdisch. Die Aktualität betreffend: Beim EK gab es in den 70 ziger Jahren den EK aktuell, ein zusätzliches Faltblatt , das zusätzlich zum Periodikum sehr aktuelle Informationen brachte , sogar zu einzelnen dampflokbespannten Reisezügen der DR. So etwas suchte man im Modelleisenbahner vergeblich.
Bleibt gesund!
Dr.joachim.ludwig
Sorry, aber das völlig falsch, das im ME keine Fahrzeiten zu finden gewesen. Spätestens ab Anfang der achtziger Jahre waren regelmäßig, wenn auch meist veraltete, Umlaufpläne der letzten Dampflokeinsätze zu finden. Das der ME ab 1982 über einige Farbseiten verfügte, scheint ebenfalls nicht von dir bemerkt worden zu sein. Aber Hauptsache mal mitreden, ist ja auch das wichtigste...

Re: DDR 2.0

geschrieben von: Dr. Joachim Ludwig

Datum: 23.02.21 17:48

@ Exilvogt 2000
Auch wenn man sich hinter einem Pseudonym versteckt, soĺlte man gewisse Höflichkeitkeitsregeln einhalten ( Zitat " aber Hauptsache mitreden "). Wenn Sie meinen Beitrag genau lesen , bezog sich die Kritik primär auf die Siebziger Jahre. Wenn ich in die DDR fuhr, um Dampfloks zu fotografieren, nützten mir sehr viel später veröffentlichter Umlaufpläne garnichts, ich brauchte aktuelle Informationen, die ich besonders auch im EK aktuell , Lokreport oder Lokrundschau auch bekam. In den Achtziger Jahren war die große Baureihen- Vielfalt bei der DR im Regeldienst auf Normalspur ja vorbei. In einem Buch über Damplokbaureihen freue ich mich natürlich über Umlaufpläne , die die damaligen Dienste veranschaulichen.
Und Farbbilder in Eisenbahnfreundepublikationen gab es anderswo schon vor den Achtziger Jahren.

Vielen Dank, Andreas!

geschrieben von: Wolfgang Sorger

Datum: 23.02.21 18:18

Moin Andreas,

vielen Dank für Deine erfrischenden, klaren Beiträge!
Beste Grüße

Wolfgang

Mich interessiert vieles - und alles rund um das Bw Bestwig!

Re: DDR 2.0

geschrieben von: exilvogt2000

Datum: 23.02.21 18:27

Dr. Joachim Ludwig schrieb:
@ Exilvogt 2000
Auch wenn man sich hinter einem Pseudonym versteckt, soĺlte man gewisse Höflichkeitkeitsregeln einhalten ( Zitat " aber Hauptsache mitreden "). Wenn Sie meinen Beitrag genau lesen , bezog sich die Kritik primär auf die Siebziger Jahre. Wenn ich in die DDR fuhr, um Dampfloks zu fotografieren, nützten mir sehr viel später veröffentlichter Umlaufpläne garnichts, ich brauchte aktuelle Informationen, die ich besonders auch im EK aktuell , Lokreport oder Lokrundschau auch bekam. In den Achtziger Jahren war die große Baureihen- Vielfalt bei der DR im Regeldienst auf Normalspur ja vorbei. In einem Buch über Damplokbaureihen freue ich mich natürlich über Umlaufpläne , die die damaligen Dienste veranschaulichen.
Und Farbbilder in Eisenbahnfreundepublikationen gab es anderswo schon vor den Achtziger Jahren.
Wieder falsch,
ein pauschaler Vergleich des ME aller Jahrgänge mit dem EK der 70iger gipfelte in der Falschaussage, es hätte nie Umlaufpläne im ME gegeben. Wenn es anders gemeint war, hättest du es anders schreiben müssen.
Die miese Druckqualität war also auch nicht so gemeint, weil andere Periodika auch bunt sind? Wo ist da die Logik?
Und in meinem Usernamen sind mehr Infos über mich enthalten, als in deinem, und ich bleibe natürlich beim forumüblichen duzen.

Re: DDR 2.0

geschrieben von: Dr. Joachim Ludwig

Datum: 23.02.21 21:40

Ich duze nur Menschen die ich mag/ mit denen ich befreundet bin. Ich wüßte nicht , daß auf Drehscheibe-online ein Duzzwang besteht. Die schlechte Druckqualität des ME haben auch andere User in diesem Beitragsstrang bemängelt ( z B QJ 7002 ). Was die Farbe mit der Druckqualität zu tun hat , erschließt sich mir nicht. S/W - Aufnahmen können hervorragend sein -- wenn sie gut gedruckt sind.