DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 11 - Bahn und Medien 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Guten Tag,

nachfolgend die Buchbesprechungen von Neuerscheinungen aus dem November (1. Teil,
weitere folgen in Kürze). Vordergründig geht es um Straßen- und Kleinbahnen, auch von
privat (Verein TSNV) und ausl. Verlagen herausgegeben.

Wer sich für diese Titel interessiert, aber nicht beim Händler in der Nähe erhält,
kann sie meist bezeiehn bei Donat in Duisbur, Spezialhändler/n und im Versand bei
TS: TramShop, hafke.koeln@t-online.de

Rolf Hafke
einziger deutscher Versandbuchhändler für in- und ausländische Straßenbahn-Literatur
mit kontinuierlich erscheinenden Rezensionen dieser Titel (besprochen von Axel Reuther)




*** Nahverkehr Deutschland ***
„ „Vor Einfahrt: Halt!“ – Fotografische Betrachtungen in westdeutschen Straßenbahn-Depots“ “, von Wolfgang R. Reimann, Axel Ladleif und Jörg Rudat, Hövelhof 2020, 144 Seiten im Format 24,0 x 21,5 cm, gebunden, Herausgeber: DGEG-Medien; Preis: 27,80 €

Schon seit längerem angekündigt, ist nun endlich bei DGEG-Medien wieder einmal ein Buch zum Thema Straßenbahnen erschienen. Es widmet sich einer Einrichtung, die bisher in der Literatur eher ein Randthema bildete: Zwar oft erwähnt, aber nie ausführlich dargestellt. Dabei übt „der Ort, wo Straßenbahnen schlafen gehen“ einen eigentümlichen Reiz bei Straßenbahnfreunden und Verkehrsfreunden aus, hat er doch zumeist durch Mauern oder in Hallen hinter oft geschlossenen Toren vor neugierigen Blicken geschützt, etwas Geheimnisvolles an sich. Damit haben sie durchaus Gemeinsamkeiten mit vergleichbaren Anlagen bei der Eisenbahn. „Bahnaffine“ erfüllt es hier wie dort mit großem Glücksgefühl, wenn sie dort Zugang bekommen.

Das war in früheren Jahren zumeist einfacher als heute und der Rezensent erinnert sich gerne an die Erfolge seiner häufig geplanten Bemühungen, dort Zugang zu bekommen und viele nette Erlebnisse und Begegnungen mit Beschäftigten, die noch stolz darauf waren, bei einem Straßenbahnbetrieb arbeiten zu dürfen und einem „Externen“ zeigen zu können. Es gab sogar Betriebe, da artete das in ein den Tag füllendes Besichtigungsprogramm aus. Der Wunsch, besondere Fahrzeuge, die sich zumeist im hintersten Winkel einer Halle verkrochen hatten im Freien zu fotografieren, wurde zumeist gerne erfüllt. Nicht nur einmal kam so ein Angebot auch ungefragt und das trotz größerer dafür notwendiger Rangierarbeiten! Aber auch „einfach mal fragen“ führte besonders bei kleineren Betrieben häufig zum Ziel. Egal ob vorgemeldet oder ungeplant, teilweise durfte man auch ohne Aufsicht die Areale durchstreifen, häufig dann mit dem Hinweis, man möge auf die Gruben aufpassen und nicht hineinfallen! Alles schon seit längerem undenkbar!

Tage der offenen Türe in Depots locken auch heute noch tausende von Besuchern an, wovon die meisten sich nicht unbedingt als Straßenbahnfreunde bezeichnen, sondern einfach nur mal wissen wollen, was sich an einem Ort abspielt, dessen Betreten überall „für Betriebsfremde“ oder „Unbefugte“ verboten ist.

Die Idee des Wuppertaler Straßenbahnexperten Wolfgang R. Reimann, mit den dazu passenden Schätzen seines fast 60jährigen fotografischen Schaffens, ergänzt um Aufnahmen zahlreicher Kollegen ein Buch zu machen, konnte nun mit Hilfe von Axel Ladleif und Jörg Rudat endlich umgesetzt werden. Den Rezensenten haben die Bilder an viele eigene Begebenheiten erinnert und sicherlich wird es anderen Verkehrsfreunden und Fotografen genauso gehen. Der Zeitraum, aus dem die zu etwa zwei Drittel schwarz-weißen und einem Drittel farbigen Aufnahmen stammen, war das, was als die „gute alte Zeit“ des Verkehrsmittels Straßenbahn gilt. Zumeist stammen sie aus den 1950er bis 1970er Jahren, aber auch Aufnahmen aus deren Anfangsjahren und der Zeit vor 1945 haben die Autoren ausgegraben. Den meisten Fotografen unter den Straßenbahnliebhabern ging es bei Besuchen eines Depots hauptsächlich um die dort zu sehenden Fahrzeuge, womit sie sich kaum von der Gilde der Eisenbahnfreunde unterschieden. Die Betriebsanlagen in ihrer Gesamtheit oder mit Einzelheiten aus den Hallen oder dem Freigelände „auf die Platte zu bannen“ reizte weniger. Daher ist es besonders reizvoll, dass gerade solche Bilder Aufnahme in das Buch gefunden haben. Ganz- oder sogar doppelseitig abgebildet, verschafft ihnen die entsprechende Geltung. Überhaupt sind die größeren Formate bei diesem Buch in der Überzahl.

Der Raum, aus dem die Fotos stammen ist am besten mit „NRW“ beschrieben, nur drei der behandelten 36 Städte, nämlich Celle, Neuwied und Osnabrück liegen nicht in dem nach 1945 entstandenen Bundesland. Dabei ist die Zahl der Städte nicht mit der Anzahl der Betriebe gleichzusetzen, da Betriebe wie PESAG und Vestische einen größeren Raum bedienten.

Das Buch ist übersichtlich in neun Kapitel gegliedert, welche die thematisch zur Überschrift passenden Aufnahmen vereinen. So ziehen sich Aufnahmen der einzelnen Betriebe häufig durch das ganze Buch. Mit dieser Aufteilung wird gleichzeitig auch eine Beschreibung des Aufbaus von Depots geliefert. Es beginnt mit dem Vorfeld und der Fassade aber auch den Ein- und Ausfahrten und Rangierszenen, die jedermann auch von der Straße aus zu sehen bekommt und geht dann in Hallen und Werkstätten und damit in Bereiche „hinter den Kulissen“. Sodann werden die speziellen Typen von Arbeits- und Rangierfahr-zeugen vorgestellt, aber auch die Mitarbeiter dort, aber auch die Besucher in Form der Verkehrsfreunde nicht vergessen. Auch Szenen mit Verschrottungsaktionen ist ein Kapitel gewidmet, zwar traurig aber auch das gehört dazu! Immerhin 24 der gezeigten Betriebe gibt es heute nicht mehr! Zum Abschluss bietet das Buch noch zwei besondere „Bonbons“: Zum einen werden mit Fotos und Dokumenten illustriert Betriebsablauf und Organisation in einem Depot beschrieben, zum anderen werden mit Plänen im Original und in rekonstruierter Form die Gleisanlagen der besonders interessanten Depots dokumentiert. Da kann man dann versuchen nachzuverfolgen, was man auf den Bildern zuvor gesehen hat. Da sind dann auch so „Highlights“ wie das riesige Areal in Aachens Innenstadt mit mehreren Teilbereichen oder das etliche Jahre zweispurige Depot in Duisburg-Hamborn darunter. Verglichen mit den früheren teilweise sehr umfangreichen und kunstvollen Gleisführungen, sind die Depots heutiger Zeit ziemlich gesichtslose und funktionale Einrichtungen!

Zusammengefasst: Entstanden ist ein wunderschönes Buch zu einem wichtigen aber häufig vernachlässigten Teilbereich der Straßenbahn in angenehmem Layout, hervorragenden Bildern und guter Druckqualität. Sachlich fundierte Texte mit vielen Details vermitteln wichtige Informationen. „Sowas hat uns gerade noch gefehlt“, also unbedingt zugreifen! (reu)



„Die Gelenktriebwagen der AVG, Band 1“ von Markus Weineich und Jochen Zefferer, Karlsruhe 2020, 308 Seiten im Format 21,5 x 30,0 cm, gebunden, Herausgeber: Treffpunkt Schienennahverkehr Karlsruhe e.V.; Preis: 39,90 €

Die Entscheidung der 1950er Jahre, die stark veraltete meterspurige, elektrische Kleinbahn (Albtalbahn) von Karlsruhe ins Albtal nach Bad Herrenalb mit Zweigline nach Ittersbach (und Fortsetzung nach Pforzheim durch eine andere Gesellschaft) durch eine normalspurige Überlandstraßenbahn zu ersetzen, steigerte die Leistungsfähigkeit der Bahn erheblich und führte zusammen mit kürzeren Reisezeiten auch zu einem Anstieg der Fahrgastzahlen. Ursprüngliche Planungen des Einsatzes vierachsiger Großraumzüge wurden bald zugunsten von Gelenkwagen aufgegeben. Die 1956 gegründete Albtal-Verkehrsgesellschaft beschaffte im Laufe der Jahre für den Betrieb insgesamt 25 Gelenkwagen, zunächst sieben Achtachser der DÜWAG und acht Sechsachser der Waggonfabrik Rastatt, die dort in Lizenz der DÜWAG gebaut wurden. Durch die Umstellung auf Normalspur stark steigende Fahrgastzahlen mache schon bald die Erweiterung der Sechsachser in Achtachser notwendig, auch wurden weitere sechs Dreiteiler von der DÜWAG beschafft. Somit entstanden 21 weitgehend einheitliche Fahrzeuge. Sie wurden aufgrund ihrer elektropneumatischen Schützensteuerung als EP-Wagen bezeichnet. Als 1974 für eine Streckenverlängerung nach Ittersbach Bedarf für zusätzliche Fahrzeuge bestand, DÜWAG aber die vorhandene Type nicht mehr baute und nichts Passendes anderes anbieten konnte, erhielt DWM in Berlin, der Hauslieferant der städtischen Verkehrsbetriebe, den Auftrag für vier Achtachser. Diese kamen in neuem Design, welches ihnen den Beinamen „Badewannen“ eintrug und in neuer Farbgebung 1975 zur Ablieferung. Alle Wagen gelangten nach Umstellung der AVG-Strecken auf Stadtbahnwagen 1987 zu den Verkehrsbetrieben. Die DÜWAG-Gelenkwagen wurden nach Einsatzende teilweise noch nach Timisoara in Rumänien abgegeben, einige sind als historische Fahrzeuge in verschiedenen Farbgebungen in Karlsruhe erhalten. Die DWM-Gelenkwagen sind noch heute als Einsatzwagen aktiv.
Der Treffpunkt Schienennahverkehr Karlsruhe e.V. widmet seine neuesten Publikationen diesen 25 Gelenkwagen, welche aufgrund der Materialfülle auf zwei Bände aufgeteilt wurde. Band 1 ist nun erschienen, stellt die einzelnen Lieferserien vor und beschreibt die technischen Besonderheiten, sowie die durchgeführten Modernisie-rungen und den Einsatz bei der AVG zwischen 1958 und 1978. Band 2 wird sich dann mit der Einsatzgeschichte bei AVG und VBK von 1978 bis 2018 beschäftigen, den Fahrzeugen in Timisoara in Rumänien sowie den in Karlsruhe verbliebenen Einheiten. Weitere Kapitel werden Unfälle, Werbung an den Fahrzeugen, Lebensläufe sowie technische Daten und Verbleib sein. Der Umschlag des 1. Bandes ist in der mit den DWM-Wagen 1975 erstmalig verwendeten „Poplackierung“ in gelb-grün gestaltet, welcher den Fahrzeugen sehr gut zu Gesicht stand. Abwechslungsreich in der Farbgebung waren die Wagen immer, wie die zahlreichen Farbaufnahmen im Buch beweisen und es hat zahlreiche Varianten gegeben. Das erste viertel des 1. Bandes ist eher textlastig, geht es doch um die Beschreibung der Gründe für die Anschaffung und dann die Lieferserien selbst sowie die im Laufe des Einsatzes vollzogen Umbauten. Alles wird sehr detailliert und kenntnisreich beschrieben, aber auch durch eine Vielzahl von Bildern und Fahrzeugzeichnungen ergänzt. Ein Kapitel widmet sich ausführlich der Technik, auch die technischen Daten fehlen nicht. Ausführlich und reich bebildert wird auf die Farbgebung der Wagen mit etlichen Sonder- und Versuchslackierungen aber auch auf die Beschriftungen eingegangen. Dass es an Umbauten, Versuchen und Modernisierungsmaßnahmen nicht gefehlt hat, beweist das entsprechende Kapitel welches ebenfalls wieder durch Zeichnungen und Übersichten ergänzt wird.

Ab Seite 90 beginnt dann die Betriebs- und Einsatzgeschichte, deren Schwerpunkt auf der Bebilderung liegt. Chronologisch nach Jahren werden die Fahrzeuge durch die Zeit begleitet. Jede Seite enthält entweder zwei oder drei Aufnahmen, gemischt schwarz-weiß und farbig, deren Inhalt durch ausführliche Bildunterschriften erklärt wird. Zu sehen sind die Fahrzeuge auf der Strecke ebenso wie in Bahnhöfen. Betriebliche Besonderheiten wurden ebenso dokumentiert wie z.B. Unfälle, aber auch der Mischbetrieb mit Güterzügen und den dampfgeführten Museumszügen. Hier sind in akribischer Forschungsarbeit Bilder zahlreicher namhafter aber auch unbekannter Fotografen zusammengetragen und dann in der richtigen Reihenfolge angeordnet worden. Die Qualität der Motive ist durchweg gut, da sich das „fotografische Treiben“ zumeist auf bestimmte Örtlichkeiten konzentrierte, lassen sich Dopplungen und Wiederholungen bei der gewählten Form der Darstellung leider nicht vermeiden. Es gibt wohl kaum einen besonderen Einsatz und ein Ereignis, welcher in dieser Bildsammlung nicht erfasst worden ist. Layout und Druckqualität sind ausgezeichnet.

Entstanden ist eine äußerst detaillierte Dokumentation einer Fahrzeugreihe, welche mehrere Jahrzehnte das Bild der AVG aber auch der Karlsruher Straßen bestimmt hat. Prägend waren die Wagen aber wohl auch für Dieter Ludwig, der als Studentenschaffner mit ihnen ersten Kontakt hat und die sein Wirken bis zur Pensionierung begleiteten. Dem im Jahre 2020 verstorbenen Verkehrsfachmann dieses Buch zu widmen ist eine schöne Geste, er hätte mit Sicherheit seine helle Freude daran gehabt! Freude können aber alle diejenigen empfinden, welche sich diesen prächtigen Band, der für das Gebotene preislich sehr moderat ist, zulegen. Für die Freunde klassischer Gelenkwagen ist er ein „Muss“. Gespannt können wir nun auf die Fortsetzung warten, die 2021 erscheinen soll. Eine äußerst empfehlenswerte Veröffentlichung. (reu)



*** Eisenbahnen Österreich ***
„Die Lokalbahn Payerbach – Hirschwang und Eisenbahnen zwischen Semmering, Rax und Schneeberg, von Werner Schiendl, Wien 2020, 232 Seiten im Format 21,5 x 30,0 cm, gebunden, Herausgeber: Verlag Bahn im Film; Preis: 52,00 €

Die heute unter dem Namen Höllentalbahn bekannte Museumsbahn von Payerbach-Reichenau nach Hirschwang in Niederösterreich hat eine abwechslungsreiche und interessante Vergangenheit. Auch fällt sie als elektrische Lokalbahn in das Interessensgebiet der Freunde der Elektrotraktion im Bereich der Privatbahnen. Die erhalten nun endlich eine umfassende Veröffentlichung über die Bahn. Der Autor, langjähriger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, hat das Museumsbahnprojekt lange Jahre vorangetrieben und ist ein hervorragender Kenner der Region Semmering-Rax und ihrer Wirtschafts- und Bahngeschichte.

Der Untertitel deutet schon darauf hin, dass nicht nur die Lokalbahn beschrieben wird, sondern auch die anderen Bahnen der Region. Das macht durchaus Sinn, denn die Entwicklung der Höllentalbahn ist eng damit verknüpft. Da die Geschichte einer Bahn auch eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der bedienten Region verbunden ist, gibt es auch hierzu ein entsprechendes Kapitel, welches zusätzlich noch mit der touristischen Komponente verknüpft ist. Daraus ergibt sich die Entwicklung der Bahn: Payerbach-Reichenau wird Bahnstation an der Semmeringbahn, das dort beginnende Höllental wird wirtschaftlich erschlossen, eine Bahn muss für den Transport der Güter her (1918), die Raxalpe wird durch eine Kabinenseilbahn bedient (1927), eine Verlängerung zur Talstation und die Aufnahme des Personenverkehrs wird notwendig um die An- und Abreise zu vereinfachen. Die Kurve sinkt 1963 mit der Aufgabe des Personenverkehrs wieder, 1982 endet schließlich der Güterverkehr. Die Bahn wird aber museal erhalten, zum Teil auch mit Diesel- und Dampfloks befahren ehe es möglich wird, mit der Rückholung der an die Zillertalbahn verkauften Personenwagen und Rückbau eines Wagens in einen Triebwagen auch wieder den ursprünglichen Zustand nahezu wiederherzustellen. Gleichzeitig bleibt auch ein Teil des Güterwagenparks einschließlich zweier der urigen kleinen Elloks erhalten und ist einsatzbereit.

Das ist Stoff genug für das nun vorliegende Buch, welches reich bebildert die geschilderte Entwicklung nachzeichnet und dokumentiert. Zahlreiche Karten und Faksimiles anderer Dokumente ergänzen den klar strukturierten Text. Farbaufnahmen gibt es nicht nur aus neuerer Zeit, sondern zurück bis in die 1950er Jahre. Die Abbildungen haben eine ausreichende Größe und sind von guter Motivqualität. Auch Layout und Verarbeitung des Werkes sind gut gelungen. Ein umfangreiches Quellenverzeichnis zeigt eine solide Forschungsarbeit. Die Museumsaktivitäten, die auch von Problemen und Rückschlägen nicht verschont blieben, werden anschaulich dargestellt. Entstanden ist eine umfassende Chronik einer kleinen Bahn und ihrer Region in guter Qualität, auch welche die Freunde elektrischer Schmalspurbahnen in ihrem Bücherschrank nicht verzichten sollten. (reu)



„Wege aus Eisen in Oberösterreich“, von Peter Wegenstein, Schleinbach (A) 2020, 132 Seiten im Format 23,5 x 20,5 cm, gebunden, Herausgeber: Edition Winkler-Hermaden; Preis: 21,90 €

Die Buchreihe des Autors mit dem Obertitel „Wege aus Eisen“ hat mal wieder Zuwachs bekommen und umfasst mittlerweile sechs Ausgaben. Der neue Band beschäftigt sich mit Oberösterreich, dem Land „ob der Enns“, wie es ein Begriff aus der Zeit des Erzherzogtums im 15. Jahrhundert bezeichnet, als der linke Nebenfluss das Land in „ob“ (= über) und unter der Enns teilte. Die zahlreichen elektrischen Lokalbahnen des Unternehmens Stern & Hafferl, aber auch die Straßenbahnbetriebe in Gmunden und Linz an der Donau samt Pöstlingbergbahn bietet diesem Buch entsprechenden Stoff für die Freunde dieser Verkehrsmittel. Aber auch zahlreiche andere interessante Privat- und Schmalspurbahnen hat oder hatte das heutige Bundesland zu bieten. Nicht zuletzt lag hier mit der Pferdeeisenbahn Gmunden – Linz – Budweis im Jahre 1830 die Keimzelle der Wege aus Eisen“ im heutigen Österreich bildete. Der Band vereint erneut aussagekräftige Bilder in Schwarz-weiß und Farbe mit einem mit vielen Informationen zu den jeweiligen Bahnen gespickten und detailreichen Text. Die zum Teil ganzseitigen Fotos gefallen durch die Motivwahl und die Qualität der Widergabe. Alleine das Titelbild mit der Atterseebahn ist bereits ein „Hingucker“ Auch die ausführlichen Angaben zum Bildinhalt vermögen zu gefallen!

Eingeordnet sind die einzelnen Bahnen und Strecken in vier Kapitel, die zunächst die Pferdebahn, dann die Hauptbahnen und im Anschluss Nebenbahnen und Straßenbahnen beschreiben. Eine Streckenskizze und ein Ortsregister zu den Abbildungen rundet das Büchlein ab. Zusätzlich gibt es im Kapitel über die Hauptbahnen zwei Karten über die Bahnanlagen in Linz mit dem Stand von 1937 und heute. Für jede Strecke ist, auch wenn sie über die Landesgrenzen hinausführt, die exakte Länge innerhalb von Oberösterreich angegeben.

Das gut gestaltete Buch vermittelt, wie die übrigen Bände der Reihe auch, zu einem günstigen Preis viel Wissen zum Thema und kommt dabei mit vergleichsweise wenig Platz aus. Besonders für „Einsteiger“ in die Materie sehr empfehlenswert und sicher auch ein schönes Geschenk für den Bahnfreund, wenn man weiß, dass er sich für Österreich interessiert. (reu)



*** Strassenbahnen Schweiz ***

„Atlas historique du tramway á Genéve“, von Jean-Philippe Coppex, Geneve (CH) 2020, 66 Seiten im Format 21,0 x 29,5 cm, broschiert, Herausgeber: Editions Endstation Ostring; Preis: 25,00 €

Der meterspurige Straßenbahnbetrieb der frankophonen Großstadt Geneve/Genf in der Westschweiz hat einen großen und durchaus positiven Wandel hinter sich. Vom einstmals mit fast 150 km Streckenlänge im Jahre 1904 größten Betrieb der Schweiz mit zahlreichen auch ins benachbarte Frankreich führenden Überlandlinien und einer bemerkenswerten Streckendichte in der Innenstadt wurde das Netz bis 1969 auf eine Linie zurück-geschnitten, die aber immer noch über ein bemerkenswert hohes Verkehrsaufkommen verfügte. 1995 begann die erneute Ausdehnung des Netzes, zunächst sehr bescheiden, dann aber immer weiter in die Vororte ist bis 2020 wieder ein ansehnliches Netz entstanden, welches von fünf Linien befahren wird und seit kurzem auch wieder ein Stück nach Frankreich hineinführt. Weitere Streckenverlängerungen sind in Bau oder in Planung.

Die Veröffentlichung ist als Sonderheft 3 der Zeitschrift „Tram“ erschienen, die vier Mal im Jahr über das aktuelle Geschehen bei den Nahverkehrsbetrieben des Landes berichtet und auch historische Abhandlungen enthält. Anders als der Titel des Atlas vermuten lässt, zeigt er die Gesamtentwicklung der Strecken und Linien des Genfer Straßenbahn-netzes bis zum heutigen Tag auf und auch die weitere Entwicklung ab 2021 ist eingearbeitet. Die Geschichte begann aber bereits 1864 mit einer ersten Pferdebahn nur mit einer Leitschiene und zwei seitlichen Rollbalken, aber 1876 dann auf „richtigen Gleisen“ in Normalspur und zum Teil auch mit Dampflokomotiven auf den Außenstrecken. 1891 vollzog sich der Schwenk zur Meterspur und ab 1894 gab es die ersten elektrischen Straßenbahnen. Insgesamt sechs verschiedene Gesellschaften, zum Teil mit Vorgängerunternehmen erbrachten im Raum Genf die Verkehrsleistungen.

Dies alles übersichtlich in Karten und Daten darzustellen ist damit eine Herausforderung, die nach Ansicht des Rezensenten gut gemeistert wurde. Dazu trägt sicher auch bei, dass es zu der in französischer Sprache erstellten „Grundversion“ ein zusätzliches kleines Heft mit einer Übersetzung in Deutsch gibt. Hier wird dann auch noch einmal die Konzeption des Atlas erklärt und es ist ratsam, diese vor der Beschäftigung mit den Karten und Übersichten zu lesen.

Die Entwicklung des Netzes und der darauf fahrenden Linien in zwei getrennten Kapiteln behandelt. Die Karten mit der Netzausdehnung zu bestimmten Zeiträumen, insgesamt 18 Stück, die entweder das gesamte Netz oder das eigentliche Stadtgebiet als Ausschnitt zeigen, zeigen die vertretenen Gesellschaften in unterschiedlichen Farben. Es werden die Strecken dargestellt, mit einer Ausnahme aber nicht die Gleisführung. Ebenso sind nur Orts- und Platznamen eingetragen und nur auf einer Karte auch die Namen der durchfahrenen Straßenzüge. Eisenbahnstrecken und die Stadt- und Staatsgrenzen sind zur Orientierung eingezeichnet. Sieben Kapitel, nach Zeiträumen gliedern, zeigen die Darstellung und zu jedem Zeitraum gibt es eine Liste mit Daten von Eröffnungen, Einstellungen und Fahrwegänderungen.

Das Linienverzeichnis in Teil 2, zu dessen Systematik auf Seite 16 der deutschen Übersetzung ebenfalls eine Erklärung existiert, listet in numerischer Reihenfolge alle jemals verwendeten Liniensignale mit der ausführlichen Streckenführung auf. Jeweilige Änderungen sind fett markiert. In das Kapitel sind drei Abbildungen von Original-Netzplänen eingestreut, aber auch eine Visualisierung des Linienverlaufs von zwei häufig geänderten Linienführungen in Form von zehn kleinen Karten. Etliche Nummern sind mit der Ausweitung des Netzes ab 1995 auch zum zweiten Mal vergeben worden, haben aber mit den ursprünglichen Verläufen nichts zu tun. In einem Anhang findet sich eine schematische Darstellung der Aktivitäten der einzelnen Gesellschaften, eine Übersicht der Depots (immerhin 21!) sowie eine Auflistung der Wendeschleifen. Beide enthalten Angaben zur Nutzungsperiode.
Insgesamt sind im Innenteil auch noch 30 Fotos in Schwarz-weiß und Farbe verteilt, zum Teil auch ganzseitig, welche die Straßenbahn in den jeweiligen Verkehrsperioden zeigen. Hierzu, aber auch zu den Plänen gibt es im deutschen Beiheft auch die Übersetzungen.

Sehr hilfreich, auch für das Verständnis anderer Publikationen in französischer Sprache, ist ein Wörterverzeichnis von gängigen Begriffen und Fachausdrücken, welches sich ebenfalls in der deutschen Übersetzung findet.

Druck und Layout der Broschüre auf schwerem Papier sind ausgezeichnet, was auch für die Widergabe der Fotos zutrifft. Hier fasziniert besonders, dass sich in einer Stadt ohne Kriegszerstörungen manche Punkte selbst im Laufe vieler Jahrzehnte so gut wie nicht verändert haben.
Wer sich für die Geschichte von Straßenbahnbetrieben der Schweiz interessiert, erhält hier „gut und günstig“ ein umfassendes Nachschlagewerk zur Netzentwicklung. Die Machart der Broschüre kann aber auch gut als gelungenes Beispiel und Vorbild dienen, wie man ein solches Thema angeht. (reu)