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Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Liebe Freunde des historischen Wagenportraits,

wer in mein Inhaltsverzeichnis schaut, wird dort meistens auf einige Themen stoßen, zu denen es noch gar keinen öffentlich gemachten Beitrag gibt. Seit einiger Zeit sind dort auch ein paar Bildreihen zum WUMAG-Archiv auf diese Weise vorangekündigt. Ähnlich wie bei den von mir bislang für Beiträge herangezogenen Quellen sind die Fotos hochauflösend gescannt, aber sonst in keiner erkennbaren Weise bearbeitet. Solches Rohmaterial ist toll, aber zum Zeigen oder Verlinken nur teilweise geeignet.

Obwohl mittlerweile auch viele der WUMAG-Fotos fertig zum Herzeigen aufbereitet sind, blieben sie vorerst im Dunkel des privaten Ordners. Ein Grund dafür ist, dass meine Kenntnisse zu den Wagen nicht zureichend für eine Veröffentlichung sind. Da es aber mit zu den Zwecken eines Forums gehört, dass genauere Informationen von Lesern hinzu gefügt werden, wäre dieser Punkt vielleicht gar nicht so schlimm.

Schwerer wiegt anderes Bedenken: Von Jugend auf konnte ich historische Fahrzeugportraits, auf denen Lok oder Wagen vor einem rein weißen Hintergrund ganz oder teilweise - das ist echt das Letzte! - freigestellt sind, nicht leiden. Dafür mag es historische Gründe gegeben haben, etwa, dass ein solches Bild bei grob gerasterter Vorlage als Zeitungsbild in freigestellter Form besser wirkte. Aber das ist lange her und verfälscht m. E. Die Anmutung der Fahrzeuge beträchtlich.

Deshalb habe ich in diesen Fällen nicht nur Schäden retuschiert und Kontraste geändert, sondern Hintergründe spendiert. Mir gefallen die so bearbeiteten Bilder weit besser als die freigestellten. Sie kommen mir halt aus oben genanntem Grund auch sozusagen originaler vor als selbst die Originale.

Aber es ist eben auch historisch nicht korrekt. Zwar habe ich darauf Wert gelegt, zu diesem Zweck jeweils einen Hintergrund von Fotos mit möglichst ähnlichen Perspektiven (edit, weil das wohl von einigen missverstanden wurde: "Ähnlich" hieß hier für mich: Gleicher Ort, meist auch gleicher Tag, selber Fotograf, nur andere Wagen; es sind keine von irgendwo geholten Umgebungen!) zu adaptieren, aber es ist eben perspektivisch nur ähnlich, nicht der damalige exakte Hintergrund.

Hier nun zwei Beispiele zur Veranschaulichung:

Die Fotos unterliegen der CC BY-NC-SA 3.0 (zu deutsch: Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen)

edit 2; 16:12 Uhr: Weil das VM Dresden bei der Freigabe unter creative commons NICHT auch ein "ND" gesetzt hat, gilt kein Derivatenverbot (und eine solche Einstufung ist für den Lizenzgeber unwideruflich). Wenn die übrigen gesetzten Regeln eingehalten werden, ist es demnach nicht verboten, auch eine sehr weit gehende Bearbeitung öffentlich zu zeigen.
Im übrigen habe ich bislang stets darauf hingewiesen, wenn eine Bearbeitung auch mittels Bildelementen erfolgte, die einer anderen Quelle entnommen wurden, also benannt, was, warum, mit welchen Bildelementen eingefügt wurde, und dies auch dann, wenn es von den Vorgaben her nicht hätte sein müssen.




Bild 1: Das freigestellte Originalbild (Ausschnitt auf 16:9)
https://abload.de/img/fotografie-sechsachsiy2kdl.jpg
Foto: Verkehrsmuseum Dresden. (2020-03-29). Fotografie: sechsachsiger Schlafwagen (Umbauwagen), 1922. Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Bild 2: Dito mit Hintergrund
https://abload.de/img/fotografie-sechsachsi2ik7a.jpg

Foto: Verkehrsmuseum Dresden. (2020-03-29). Fotografie: sechsachsiger Schlafwagen (Umbauwagen), 1922. Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0



Bild 3: Das freigestellte Originalbild (Ausschnitt auf 16:9)
https://abload.de/img/fotografie-dreiachsigumklp.jpg
Foto: Verkehrsmuseum Dresden. (2020-05-04). Fotografie: dreiachsiger Durchgangswagen vierte Klasse, 1918. Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Bild 4: Dito mit Hintergrund
https://abload.de/img/fotografie-dreiachsigwnkb4.jpg
Foto: Verkehrsmuseum Dresden. (2020-05-04). Fotografie: dreiachsiger Durchgangswagen vierte Klasse, 1918. Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0


Die für mich weiterhin ungeklärte Frage ist nun: Welche Varianten nehme ist ggf. für diese Beiträge? Deshalb dieser Beitrag vorab.

edit 3; 17:56: da es in einer Antwort hieß:
Zitat
im Hintergrund sind plötzlich Gärten und Schuppen zu sehen, aber nicht der Werkshof der Wumag
setze ich noch einige Links, auf Fotos an ähnlicher Stelle, die eventuell das Manipulationsmaterial lieferten.

Auf dem Werksfoto ist ein dreiachsiger Durchgangs-/ Personenwagen vierte Klasse abgebildet. Auftraggeber war die Wittstocker Eisenbahn Gesellschaft.

Auf dem Werksfoto ist ein dreiachsiger Durchgangs-/ Personenwagen zweite und dritte Klasse abgebildet. Auftraggeber war die Wittstocker Eisenbahn Gesellschaft.

Auf dem Werksfoto ist ein dreiachsiger Durchgangs-/ Personenwagen zweite und dritte Klasse abgebildet. Auftraggeber war die Prignitzer Eisenbahn-Gesellschaft (PEG).

Ob ich jetzt diese drei oder noch andere Bilder benutzte, um den Hintergrund zu zimmern, weiß ich nicht mehr. Die Retusche ist, wie gesagt, ein Weilchen her. Auf jeden Fall waren es Fotos aus diesem Teil des Geländes. Am Vordergrund ist ja ablesbar, wie die einzelnen Bilder im Verhältnis zueinander sind, ob durch gezielte Verzerrung eine passende Bildpartie zu schaffen ist, usw. usw. Im Hintergrund der Wumuag Werksfotos sind mitunter noch viel grünere Partien zu erkennen. Aber gut, der Werksfotograf wird das Gelände eben nicht so gut gekannt haben wie der Kritiker.

Zu den eingegangenen Antworten werde ich dieser Tage noch Stellung nehmen, aber eines hat das heutige Thema schon gebracht: Falls ich jemals die Bilder mit dem Hintgergrund ins Forum stelle (ich hatte ohnehin vor, falls, stets wie hier das freigstellte und das bearbeitete Bild zusammen zu zeigen), dann werde ich z. B. Bildnummern usw. auch noch entfernen, jedoch dafür einen kleinen, aber deutlichen Hinweis im Bild selbst platzieren. Der Einwand, dass eine Sache, wenn sie erst mal im Netz ist, ein Eigenleben beginnen kann, hat mir eingeleuchtet. Die WUMAG-Bilder stehen allerdings eh auch nicht oben auf meiner Prioritätenliste.



Gruß vom Rhein

Heiner



6-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.06.20 22:45.
Hallo Heiner,

ein interessantes Thema!

Freigestellte Bilder wirken immer etwas steril und zuweilen habe ich auch schon festgestellt, dass nicht jeder Retuscheur genau gewusst hat, was da am Dach oder im Hintergrund zu sehen ist. Daher musste ich schon manches Archivbild mit Hilfe eines (zum Glück oft vorhandenen) unretuschierten Abzugs nachträglich wieder vervollständigen.

Der Wunsch, die überlieferten freigestellten Bilder mit einem Hintergrund zu versehen, ist in dieser Hinsicht nachvollziehbar, aus Sicht der Archivarbeit aber strikt abzulehnen.

Der (tatsächliche) Bildhintergrund beinhaltet oft weiterführende Informationen, die z. B. zur Datierung der Aufnahme herangezogen werden können. Viele (unserer) Archivbilder tragen eine Datierung in einer der unteren Ecken, zuweilen ist der Rand aber irgendwann abgeschnitten worden und das Datum fehlt. Oft wurde der Fotograf mit seiner umfangreichen Ausrüstung für einen bestimmten Tag bestellt und durfte dann ganze Serien, auch von verschiedenen Fahrzeugen, aufnehmen. Kennt man den Lieferzeitraum, kann man sich in so einem Fall die Gebäude im Hintergrund anschauen - dort findet sich ein Muster an geschlossenen und geöffneten Fenstern, ggfs. noch Jalousien. Ist das Muster auf mehreren Bildern weitestgehend das gleiche, sind die Aufnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum gleichen Zeitpunkt gemacht worden.

Noch wichtiger sind oft Fahrzeuge, die nur im Hintergrund zu sehen sind (das wäre in Deinem Fall weniger relevant); in einem Fall konnten wir das Aussehen eines Versuchstriebwagens rekonstruieren, von dem nur ein Foto im ausgeschlachteten Zustand überliefert war. Eine Seitenansicht fanden wir bei einer Innenaufnahme eines Schnellzugwagen-Abteils, da stand der Triebwagen direkt daneben und war wenigstens zum Teil durchs Fenster zu sehen; die Stirnansicht schaute neben dem Stirnwandfoto eines Gepäckwagens hervor.

Mein Vorschlag wäre, zumindest immer beide Aufnahmen zu zeigen und bei der "hinzuretuschierten" einen deutlichen Hinweis darauf zu geben.

Viele Grüße
Wolfgang-D.
Hallo Heiner,

Auch wenn Deine Fotomontagen schön anzuschauen sind, würde ich von einer solchen "Manipulation" historischer Quellen dringend abraten! Die Bilder bekommen sicher mit der Zeit ein gewisses Eigenleben und irgendwann tauchen Fragen auf wie "wo wurde der Wagen xy aufgenommen?" oder "was machte Wagen yx in Posemuckel?".
Wenn Du als "Künstler" dann nicht mehr bist oder von der Frage nichts mitbekommst, wird es schwierig, das aufzuklären!
Daher mein Tipp: Hochwertig/hochauflösend scannen, bestenfalls Fusel oder Kratzer entfernen, aber ansonsten die Bilder im (wenn auch im Original retouchierten) Ursprungszustand belassen...

Beste Grüße,
Gregor

Jein

geschrieben von: sc

Datum: 25.06.20 11:49

Hallo Heiner,

mir geht es mit freigestellten Werkfotos ähnlich wie Dir. Gerade bei Waggonbau-Görlitz-Bilder, von denen es ja viele auch mit Hintergrund gibt, ist man versucht diesen wieder in das retuschierte Bild einzufügen. Ich halte es nur dann für statthaft, wenn das Hintergrundbild aus etwa dem selben Jahr stammt, es definitiv den Hintergrund des retuschierten Bildes zeigt und die Lichtverhältnisse stimmen. Allerdings würde ich dann auch immer in der Bildlegende einen entsprechenden Vermerk vorsehen.

Grüße aus Hamburg
Stefan

Re: Einfügen von Bildhintergrund historisch statthaft? (4B)

geschrieben von: WHA

Datum: 25.06.20 11:56

Moijen,

ich kann mich Wolfgang und Gregor nur anschließen. Ich halte das Hinzufügen eines Hintergrundes auch für hochgradig problematisch. Ein paar Aspekte wurden schon genannt. Ein weiterer wären die Verwirrungen, wenn dann auch welchen Gründen auch immer doch noch das Orignal mit Hintergrund auftauchen würde... Abgesehen davon, daß diese Aufnahmen in aller Regel auf dem Werksgelände angefertigt wurden und Deine Hintergründe damit wenig bis gar nichts zu tun haben. Da hilft es meiner Meinung auch nicht, wenn der Hintergrund von einem anderen Werksfoto aus ähnlicher Perspektive und Zeit stammt (s. Wolfgang-D. Richters Hinweis auf den Triebwagen).

Die Bilder liegen jetzt eben in diesem Zustand vor. Archäologen finden in der Regel auch nur Scherben und müssen diese dann ausstellen oder sie ergänzen fehlende Teile, dann aber in einer deutlich anderen Farbe. So ist das nun mal mit historischen Dingen: Sie sind nicht immer in dem Zustand, den wir gerne hätten. Aber daran zu basteln macht daraus eine Fälschung. Denn wenn Du den Hintergrund hinzufügst, müßtest Du korrekterweise auch die Nummer im Bild entfernen...

Mir reicht auch der Hinweis in der Bildbeschreibung nicht, denn auch der geht mit der Zeit verloren und hätten wir das von Gregor beschriebene "Eigenleben".

Beste Grüße
Wolfgang

"Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen" - Plato
Den Ausführungen von Wolfgang ist nichts hinzuzufügen.

Ja, diese (zuweilen heftig) retuschierten Fotos sind schäbig - weil halt der komplette Hintergrund fehlt, da bin ich ganz bei Dir und auch Stefan. Laß sie, wie sie sind, auch, wenn sie das Auge beleidigen mögen - die optische Gefälligkeit wird (wie einige weitere Diskutanten beschreiben) rasch zu einer bösen Falle!

RUHRKOHLE - Sichere Energie

das war einmal :(

Vollumfaengliche Zustimmung!

geschrieben von: Peter

Datum: 25.06.20 13:04

Hallo!

Joachim Leitsch schrieb:
Den Ausführungen von Wolfgang ist nichts hinzuzufügen.

Ja, diese (zuweilen heftig) retuschierten Fotos sind schäbig - weil halt der komplette Hintergrund fehlt, da bin ich ganz bei Dir und auch Stefan. Laß sie, wie sie sind, auch, wenn sie das Auge beleidigen mögen - die optische Gefälligkeit wird (wie einige weitere Diskutanten beschreiben) rasch zu einer bösen Falle!
Ich stimme Joachim in beiden Punkten vollstaendig zu.

Und danke Dir, das Du das Thema ueberhaupt mal ansprichst.

Es gruesst

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
(Merke: Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer)

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind: Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen - und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Seit einiger Zeit biete ich sogar (gegen einen kleinen Obolus) auch Patenschaften fuer meine Fehler an.
Hallo Heiner,

wenn Du, wie von Dir beschrieben, lediglich das Bild wieder komplettierst finde ich das persönlich gut und
die Bilder auch interessanter.
Für mich ist das eher Restauration als Manipulation.
Für diejenigen denen das retuschierte/freigestellte Bild lieber ist reicht ja ein Link auf das Original.
Die eigentliche Manipulation erfolgte ja schon kurz nachdem das Foto entstanden ist.
Eben durch Retusche bzw. freistellen.
Das heutzutage alte Bildvorlagen bearbeitet und verbessert werden ist ja auch selbstverständlich.
Du weist ja selber wie miserabel mitunter die Vorlagen sind was Kontrast und Helligkeit, etc. betrifft.
Da hat auch niemand etwas dagegen wenn solche Bilder aufbereitet werden.
Link auf das Original und Hinweis auf den eingefügten Hintergrund sollten reichen.
Mir jedenfalls sind "Hintergründige" Bilder lieber.

Das war lediglich meine unmaßgebliche Meinung.

Gruß

Norbert
Da es sich um eine (vielleicht gut gemeinte) Manipulation eines fremden Bildes ohne eigene Rechte handelt, sollte man zumindest auf diese Manipulation hinweisen (eigentlich eine Selbstverständlichkeit), noch besser wäre es (immer auf Veröffentlichungen bezogen), aus rechtlichen Gründen die Finger davon zu lassen. (Ggf ein Fressen für die Rechtsabteilungen)

meint mit freundlichem Gruß

Helmut

Meine bisher erschienenen Beiträge findet ihr in meinem Inhaltsverzeichnis hier: [www.drehscheibe-online.de]

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Hallo Norbert,

bei der von Heiner beschriebenen Methode handelt es sich mitnichten um eine Restauration, denn im Hintergrund sind plötzlich Gärten und Schuppen zu sehen, aber nicht der Werkshof der Wumag...

Was Heiner machen will, kann man auch nicht mit einer Verbesserung vergleichen. Bei einer Verbesserung kann man Staub und Dreck entfernen und Kontrast und Helligkeit verändern, denn damit wird etwas entfernt, was nicht zum Bild gehört bzw. etwas sichtbar oder deutlicher gemacht, was sowieso schon vorhanden ist.


Beste Grüße
Wolfgang

"Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen" - Plato

Ich verstehe das etwas anders.

geschrieben von: Norbert Bank

Datum: 25.06.20 17:11

WHA schrieb:
Hallo Norbert,

bei der von Heiner beschriebenen Methode handelt es sich mitnichten um eine Restauration, denn im Hintergrund sind plötzlich Gärten und Schuppen zu sehen, aber nicht der Werkshof der Wumag...

Was Heiner machen will, kann man auch nicht mit einer Verbesserung vergleichen. Bei einer Verbesserung kann man Staub und Dreck entfernen und Kontrast und Helligkeit verändern, denn damit wird etwas entfernt, was nicht zum Bild gehört bzw. etwas sichtbar oder deutlicher gemacht, was sowieso schon vorhanden ist.


Hallo Wolfgang,

ich glaube Du hast Heiner da missverstanden:


ohneEisen schrieb:
Zitat:
...

Schwerer wiegt anderes Bedenken: Von Jugend auf konnte ich historische Fahrzeugportraits, auf denen Lok oder Wagen vor einem rein weißen Hintergrund ganz oder – noch schlimmer! - teilweise freigestellt sind, nicht leiden. Dafür mag es historische Gründe gegeben haben, etwa, dass ein solches Bild bei grob gerasterter Vorlage als Zeitungsbild in freigestellter Form besser wirkte. Aber das ist lange her und verfälscht m. E. Die Anmutung der Fahrzeuge beträchtlich.

Deshalb habe ich in diesen Fällen nicht nur Schäden retuschiert und Kontraste geändert, sondern Hintergründe spendiert. Mir gefallen die so bearbeiteten Bilder weit besser als die freigestellten. Sie kommen mir halt aus oben genanntem Grund auch sozusagen originaler vor als die Originale vor.

Aber es ist eben auch historisch nicht korrekt. Zwar habe ich darauf Wert gelegt, zu diesem Zweck jeweils einen Hintergrund von Fotos mit möglichst ähnlichen Perspektiven (edit, weil das wohl von einigen missverstanden wurde: "Ähnlich hieß hier für mich: Gleicher Ort, meist auch gleicher Tag, selber Fotograf, nur andere Wagen; es sind keine von irgendwo geholten Umgebungen!) zu adaptieren, aber es ist eben nur ähnlich, nicht der damalige exakte Hintergrund.
Deswegen sehe ich das schon unter Restaurierung des ursprünglichen Bildinhaltes.
Der wurde damals reduziert.
Es kommt ja auch kein x-beliebiger Hintergrund zum Einsatz.
Sondern schon ein ziemlich genau passender, vom selben Ort.

Gruß

Norbert
Helmut Philipp schrieb:
Da es sich um eine (vielleicht gut gemeinte) Manipulation eines fremden Bildes ohne eigene Rechte handelt, sollte man zumindest auf diese Manipulation hinweisen (eigentlich eine Selbstverständlichkeit), noch besser wäre es (immer auf Veröffentlichungen bezogen), aus rechtlichen Gründen die Finger davon zu lassen. (Ggf ein Fressen für die Rechtsabteilungen)


Hallo Helmut,



ich zitiere Heiner:
Hier nun zwei Beispiele zur Veranschaulichung:

Die Fotos unterliegen der CC BY-NC-SA 3.0 (zu deutsch: Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen)

edit 2; 16:12 Uhr: Das das VM Dresden bei der Freigabe unter creative commons NICHT auch ein "ND" gesetzt hat, gilt kein Derivatenverbot. Wenn die übrigen gesetzten Regeln eingehalten werden, ist es demnach nicht verboten, auch eine sehr weit gehende Bearbeitung öffentlich zu zeigen.
Im übrigen habe ich bislang stets darauf hingewiesen, wenn eine Bearbeitung auch mittels Bildelementen erfolgte, die einer anderen Quelle entnommen wurden, also benannt, was, warum, mit welchen Bildelementen eingefügt wurde, und dies auch dann, wenn es von den Vorgaben her nicht hätte sein müssen.


demnach gibt es da keinerlei rechtliche Bedenken, meine ich.

Gruß

Norbert

Werkhof Waggonbau Görlitz

geschrieben von: sc

Datum: 25.06.20 17:28

Einspruch Wolfgang,

das IST das Görlitzer Werkgelände. Von der Stelle kenne ich mehrere Bilder u.a. von Kesselwagen und zweiachsigen Reisezugwagen.

Grüße aus Hamburg
Stefan

Re: Werkhof Waggonbau Görlitz

geschrieben von: WHA

Datum: 25.06.20 20:28

Moijen,

ok, diese Ecke mit den Schuppen und den Bäumen habe ich noch auf keinem Bild gesehen.

Ich halte von der Veränderung der Bilder trotzdem nichts (selbst wenn es vom selben Werkshof sein sollte).

Beste Grüße
Wolfgang

"Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen" - Plato
Hallo Heiner,

ich finde Deine Idee, einen von dem Ort der "zu bearbeitenden" Aufnahme stammenden Hintergrund in das
seinerzeit retouchierte Originalbild einzufügen zunächst einmal interessant. Die von Dir gezeigten Bilder
in beiden Fassungen machen auf jeden Fall in der bearbeiteten Version einen sehr harmonischen und über-
zeugenden Eindruck.

Dennoch halte ich diese Bildmanipulation - und das ist es ja, ohne dass diese Tatsache dabei bewertet wird -
insgesamt für fragwürdig. Das gilt selbst dann, wenn Du die Einblendung des Hintergrundes im Begleittext
oder so deutlich kennzeichnest. Warum jetzt diese Ablehnung?

1.) es wird dem Betrachter etwas vorgegaukelt, was mit der Aufnahme tatsächlich nichts oder nur bedingt etwas zu tun hat.
2.) die weg-retouchierten Details des Originals (zum Zeitpunkt der Entstehung) können nicht wieder in das Bild hinein gebracht werden.
3.) der historische Hintergrund und der historische Bildinhalt gehören (trotz Kennzeichnung) nicht wirklich zusammen.
4.) es findet keine Rekonstruktion oder Restaurierung des Original-Fotos statt, weil diese Bildinhalte nicht verfügbar sind.

Letztlich erfolgt - der harmonischen Bildanmutung halber - eine Verfälschung der Verfälschung statt. Spätestens nach
der x-ten Bildweitergabe weiß niemand mehr, dass die Montage eine solche ist und alle glauben an ein Original in allen
Teilen (Mitropa-WL6ü: "schau 'mal, an dem Tag hat es ganz schön geweht! das sieht man an den verwischten Zweigen"...).


Was ich dabei allerdings lernen kann, ist, dass die Boldbearbeitungsmethoden und Werkzeuge die Möglichkeit
eröffnen, dem unbedarften Betrachter, ggf. sogar den nicht mit den entsprechenden Untersuchungstools aus-
gerüsteten Fachmann, ein Bild der Geschichte vorzugaukeln, das mit wirklichen geschichtlichen Tatsachen
nichts zu tun hat.
(Churchills Erkenntnis "Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!" können wir
damit getrost abwandeln zu: Traue keinem Foto, das Du nicht selbst bearbeitet hast … )


Sehr nachdenklich grüßt
Preußen-Klaus
Hallöchen,
auch die Bilder von früher sind tw. retuschiert worden und meine eigenen Bilder werden auch manipuliert. z.B . gerade richten, Masten weg, Personen aus dem Bild, generell werden alle Schmierereien unkenntlich oder komplett aus dem echten Bild entfernt.

Auch Kameraverzerrungen werden behoben.

Archiviert wird zwar auch das Original, Veröffentlicht wird aber nur das retuschierte Bild.

Auch in der Natur wird zu Fotozwecken auch schon Mal ausgeholzt oder Unkraut in der Höhe reduziert.

Da ich private Menschen Aufnahmen mache, werden, wie Original bei einschlägigen Magazinen, unvorteilhafte Stellen abgedeckt. Sollte bei mir ein großer Pickel im Gesicht bei Nacht entstanden sein, wird der auch entfernt und der Rest "Überlackiert" bzw. mit Panade in Hautfarbe überdeckt.. Ist alles ordentlich verheilt, entfällt die Panade.... Ich habe deshalb nicht s dagegen. In meiner Bildummer wird auch mit Buchstaben gekennzeichnet, was ich am Bild geändert habe.

Gruß Max
Hallo Max!

Natürlich kannst Du mit Deinen eigenen Aufnahmen so verfahren wie Du es möchtest, da hast Du juristisch und moralisch vollkommen freie Hand! Was anderes ist es aber, und danach fragt ja der Beitragseinsteller, wenn man fremde, also nicht-eigene Fotos verändert und veröffentlicht, es sei denn, das Einverständnis des Rechteinhabers liegt hierfür vor. Ein Irrtum ist es sicherlich, wenn man den Rechteinhaber nicht ermitteln kann, daraus abzuleiten, das man deshalb freie Hand hat. Denn auch wenn man den Rechteinhaber nicht ermitteln konnte - warum auch immer - bedeutet es ja nicht , das deshalb ein solcher nicht mehr existiert. Und genau dort liegt die (juristische) Gefahr für den Manipulator!

Mit freundlichem Gruß

Helmut

(der sehr wohl mit solchen Entgleisungen im Berufsalltag zu tun hatte)

Meine bisher erschienenen Beiträge findet ihr in meinem Inhaltsverzeichnis hier: [www.drehscheibe-online.de]

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Helmut Philipp schrieb:
Was anderes ist es aber, und danach fragt ja der Beitragseinsteller, wenn man fremde, also nicht-eigene Fotos verändert und veröffentlicht, es sei denn, das Einverständnis des Rechteinhabers liegt hierfür vor. Ein Irrtum ist es sicherlich, wenn man den Rechteinhaber nicht ermitteln kann, daraus abzuleiten, das man deshalb freie Hand hat.

Die typischen Werksfotos dieser Art dürften keinen Rechteinhaber mehr haben. Sehr wahrscheinlich fallen diese Werksfotos unter die Anwendung des verkürzten Lichtbildschutzes von 50 Jahren nach Erstellung bzw. Veröffentlichung und sind schon lange gemeinfrei. Es mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen, dass solche handwerklich aufwändigen Fotos nur den verkürzten Schutz haben, wohingegen Fotos aus dem Betrieb den vollen Schutz von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers haben. Das Urheberrecht fragt aber nicht nach dem handwerklichen Aufwand, sondern nach dem schöpferischen Beitrag. Und der ist bei solchen Werksfotos, die genau so abgeliefert werden wie sie aussehen müssen, eben sehr gering.
kaufhalle schrieb:
Die typischen Werksfotos dieser Art dürften keinen Rechteinhaber mehr haben. Sehr wahrscheinlich fallen diese Werksfotos unter die Anwendung des verkürzten Lichtbildschutzes von 50 Jahren nach Erstellung bzw. Veröffentlichung und sind schon lange gemeinfrei. Es mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen, dass solche handwerklich aufwändigen Fotos nur den verkürzten Schutz haben, wohingegen Fotos aus dem Betrieb den vollen Schutz von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers haben. Das Urheberrecht fragt aber nicht nach dem handwerklichen Aufwand, sondern nach dem schöpferischen Beitrag. Und der ist bei solchen Werksfotos, die genau so abgeliefert werden wie sie aussehen müssen, eben sehr gering.
Der Konjunktiv ist angebracht, so einfach ist es nämlich nicht.

Als Beispiel ein aktueller Hinweis zu diesem Thema, der Aufnahmen jeden Alters betrifft:

Siemens-Bilder dürfen nur für redaktionelle und wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Die Urheberrechte liegen bei der Siemens AG, München/Berlin, es sei denn, ein anderer Urheber wird ausdrücklich angegeben. Sämtliche Urheberrechte bleiben auch in vollem Umfang bestehen, wenn Bilder elektronisch/händisch in ein Archiv übernommen werden. Bilder, die für redaktionelle und wissenschaftliche Zwecke verwendet, verändert, vervielfältigt und/oder elektronisch verfremdet werden, müssen mit der Quellenangabe „Siemens Historical Institute“ versehen werden.

Gruß
Wolfgang-D.
wolfgang-d. richter schrieb:
kaufhalle schrieb:
Die typischen Werksfotos dieser Art dürften keinen Rechteinhaber mehr haben. Sehr wahrscheinlich fallen diese Werksfotos unter die Anwendung des verkürzten Lichtbildschutzes von 50 Jahren nach Erstellung bzw. Veröffentlichung und sind schon lange gemeinfrei. Es mag auf den ersten Blick widersinnig erscheinen, dass solche handwerklich aufwändigen Fotos nur den verkürzten Schutz haben, wohingegen Fotos aus dem Betrieb den vollen Schutz von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers haben. Das Urheberrecht fragt aber nicht nach dem handwerklichen Aufwand, sondern nach dem schöpferischen Beitrag. Und der ist bei solchen Werksfotos, die genau so abgeliefert werden wie sie aussehen müssen, eben sehr gering.
Der Konjunktiv ist angebracht, so einfach ist es nämlich nicht.

Als Beispiel ein aktueller Hinweis zu diesem Thema, der Aufnahmen jeden Alters betrifft:

Siemens-Bilder dürfen nur für redaktionelle und wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Die Urheberrechte liegen bei der Siemens AG, München/Berlin, es sei denn, ein anderer Urheber wird ausdrücklich angegeben. Sämtliche Urheberrechte bleiben auch in vollem Umfang bestehen, wenn Bilder elektronisch/händisch in ein Archiv übernommen werden. Bilder, die für redaktionelle und wissenschaftliche Zwecke verwendet, verändert, vervielfältigt und/oder elektronisch verfremdet werden, müssen mit der Quellenangabe „Siemens Historical Institute“ versehen werden.

Wenn die damit Bilder wie die oben gezeigten meinen, dürfte das als Schutzrechtsberühmung schlichtweg nichtig sein.

Re: Wer ist denn der Rechteinhaber?

geschrieben von: ohneEisen

Datum: 29.06.20 23:07

Nach dem wiederholten Hinweis auf die Problematik der Rechteinhaberschaft werde ich nun doch etwas besorgt.

Bei allen Bildern der WUMAG-Sammlung des VM Dresden heißt es in der jeweiligen PDF:

Schenkung der Bombardier Transportation, Werk Görlitz
Eigentum/Sammlung der Verkehrsmuseum Dresden gGmbH

Und dieser jetzige Eigentümer hat die Scans der Fotos unter eine Lizenz gestellt, die nicht widerrufbar ist, und die das Herzeigen von Derivaten erlaubt.

Wer also könnte in diesem Fall außer dem VM Dresden Rechte für sich in Anspruch nehmen, auf den Plan treten und dagegen vorgehen?