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Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Im Film führt immer wieder ein Dampfzug vom fiktiven Handlungsort im Sauerland ins Rheinland. Die Aufnahmen stammen m.E. aus Österreich. Weiß jemand, wo sie aufgenommen wurden?
Mein erster Eindruck war: tschechische 423! Ich muss aber noch genauer schauen. Wie immer ist so eine Verfilmung ansonsten die ganz große Auto-Oldtimer-Vorführung. Kurios nur, dass es zwischen 1914 und 1989 nie ein dreckiges oder leicht lädiertes Auto gab. Auch in wildester Kriegs- und Nachkriegszeit fahren alle im gepflegtesten Lack durch die Ruinenlandschaften. Lustig vorliegend auch, dass der sich ins Sauerländer Unternehmen hineindrängende Kriegsgewinnler ausgerechnet einen EMW aus der Sowjetzone fährt. Möglich war dessen Erwerb durchaus, aber wohl in den Westzonen sehr selten.
Zu der Lok kann ich leider nichts sagen. Aber bei den Wagen, in denen die Innenaufnahmen gemacht wurden, handelt es sich um die Rheingold-Wagen vom Freundeskreis Eisenbahn Köln (FEK).
In der dritten Folge alles klar: Die CSD 423.009 fährt durchs Nachkriegswestfalen! In einer damals nicht ganz fernen Zeit hatte sie die Nummer 93 1503 getragen. Wie schon bei unzähligen Kino- und Fernsehfilmen von Geschwister Scholl bis zur Erfindung des Steiff-Teddybären und von Erstem Weltkrieg bis Berliner Mauer schon komisch: Für die millionenschweren Produktionen lässt man sich wegen jeder Schreibtischlampe, wegen jeder Uniformjacke und wegen jeder Tanzmusik mit kompromissloser Sorgfalt beraten. Ganz zu schweigen von dem unendlichen Fuhrpark an herausgeputzten Pkw und Nutzfahrzeugen aller Art. Aber in Sachen Eisenbahn, einem für die Alltagsgeschichte doch nicht ganz unbedeutenden Element, nimmt man dann "irgendwas". Siehe auch "Babylon", wo ja dann unbedingt eine 52.80 mit EDV-Nummer ihre Gegenwarts-Kesselwagen durchs Bild ziehen musste. Vorliegend wäre jede 01, 03, 23, 38, 41, 44, 50, 64, 74, 78, 86 oder 94 (alle betriebsfähig vorhanden) weitestgehend plausibel gewesen. Aber nein, es ist ja egal.
Hallo,

daß es auch anders geht bzw. gegangen ist zeigt sich für mich
bei den französischen Verfilmungen des "Kommissar Maigret" mit
Guido Cremer.
Leider gibt es nur wenige auf Deutsch synchronisierte Fassungen
aber die Autos aus den 50er Jahren werden ganz überwiegend
so gezeigt wie die damals auch ausgesehen haben.
Also Fahrzeuge mit Dellen, teillackiert, schlecht lackiert, Fahrzeuge
mit Straßendreck auf der Karosserie usw.
Bei den Szenen mit Eisenbahnbezug kamen Dampfloks zum Einsatz
welche zumindest mir als "zeittypisch" erschienen.
Da hat man sich in Sachen Requisite wirklich sehr große Mühe
gegeben.

Sicher würden sich die Vereine freuen, wenn für einen Film mal
die passende Dampflok geordert würde, da wird offensichtlich
gespart aber am falschen Ende.
Jeder Film ist nach einer gewissen Zeit ein "Zeitdokument".
Wäre es deshalb nicht wünschenswert wenn man da so gut
als möglich auch die zeittypischen Gerätschaften darstellt?

Herzliche Grüße

Karl Heinz
Ob man da "gespart" hat, weiß ich gar nicht. Ist eine einheimische 38 oder 64 mit ein paar Donnerbüchsen wirklich teurer als die Exkursion nach Tschechien?
Genau das habe ich mir auch gedacht. Es gäbe hier in Deutschland doch genug betriebsfähige Fahrzeuge, die man hätte nutzen können. Offenbar scheint es aber bei der Eisenbahn egal zu sein. "Hauptsache es ist eine Dampflok. Hat doch eh keiner Ahnung von!" Schade eigentlich, dass man sich da nicht bemüht hat eine deutsche Dampflok zu organisieren. Es hätte hier in Deutschland sicher die ein oder andere Museumsbahn gegeben, auf der man die Bahnhofszenen hätte drehen können.
Interessanter Weise wurden ja Innenaufnahmen im Rheingold gemacht, dies muss ja im Raum Köln passiert sein.

Unterm Strich fand ich den Dreiteiler aber sehr gelungen. Mein einziger Kritikpunkt ist eben nur, dass man sich bei der Eisenbahn etwas mehr Mühe hätte geben können. Trotzdem wäre es schön, wenn diese Serie fortgesetzt würde, endete der dritte Teil doch so, dass es durchaus nach einer Fortsetzung schreit. Die Bücher, die hier verfilmt wurden, gehen jedenfalls noch weiter...
Andreas Knipping schrieb:
Ob man da "gespart" hat, weiß ich gar nicht. Ist eine einheimische 38 oder 64 mit ein paar Donnerbüchsen wirklich teurer als die Exkursion nach Tschechien?
Ich denke mal, die Exkursion nach Tschechien fand nicht nur wegen der Eisenbahnszenen statt. Unser östlicher Nachbar ist bei derartigen Filmproduktionen, vor allem wenn sie in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts spielen, sehr oft erste Wahl bei den Filmleuten. Und wenn man schon mal dort ist, dann werden eben die Eisenbahnszenen auch gleich mit gedreht. Fahrzeuge und das Umfeld dazu ist reichlich vorhanden und kann dementsprechend genutzt werden.

Grüße
Karlheinz
Moin Andreas,

ich denke, es ist mehr das "Umfeld", welches die Filmemacher nach Tschechien führt - einen Bahnhof im annähernden Zustand der 1940er Jahre dürfte man hierzulande kaum noch - nein: überhaupt nicht mehr - finden. Und einen Bahnhof als Kulisse aufbauen ist ein wenig teuer...

Die Briten nutzen schon seit Jahrzehnten diverse Museumseisenbahnen, wenn es historische Bahnszenen zu drehen gilt (ich habe zuletzt etliche Serien gesehen, die in den 1930er, 1940er oder 1950er Jahren spielten). Das fällt aber nur deshalb nicht so auf, weil die meisten dieser Szenen irgendwo "in the middle of nowhere" (also im ländlichen England) angesiedelt sind und die Bahnhöfe der Museumseisenbahnen meist perfekt im alten Zustand erhalten wurden - einen Großstadtbahnhof habe ich in derartigen Verfilmungen noch nicht gesehen. Und manchmal wirkt es auch grotesk (wenn etwa David Suchet als Hercule Poirot mit einem Expresszug zu seinem neuesten Fall reist und sich der Zug bei Außenaufnahmen - die Briten lieben so etwas - als offenbarer Lokalzug auf einer eingleisigen Nebenstrecke bewegt...).

Das gilt im Übrigen auch für die gezeigten Kraftfahrzeuge - die dürften ebefalls aus Museen und Sammlungen stammen, deshalb sehen sie immer so gepflegt aus (die Eigentümer würden sich vermutlich nicht freuen, wenn jemand nur um des Filmeffektes "Dellen" hineinklopft.

Andreas Knipping schrieb:
Siehe auch "Babylon", wo ja dann unbedingt eine 52.80 mit EDV-Nummer ihre Gegenwarts-Kesselwagen durchs Bild ziehen musste. Vorliegend wäre jede 01, 03, 23, 38, 41, 44, 50, 64, 74, 78, 86 oder 94 (alle betriebsfähig vorhanden) weitestgehend plausibel gewesen. Aber nein, es ist ja egal.
Hallo,

die Szenen mit der 52 8168 (und einer im Film nicht sichtbaren V100) wurden unter anderem auf der Hespertalbahn in Essen gedreht, die Loks kamen aus dem 500 km entfernten Nördlingen. Hat hier keiner verstanden, bis die Filmgesellschaft über die lokale Presse erklärte: entscheidend war, dass die Nördlinger ihre Loks samt Personalen für 4 (!) Wochen am Stück stellen konnten. Bei solchen Anforderungen dürfte es für viele ehrenamtlich betriebene Museumsbahnen und -vereine schwer sein.

Dass man zumindest mal die Lokschilder hätte ändern können, ist natürlich unstreitig.

Wer es noch mal ansehen will: hier ist die Folge mit dem Überfall auf den Zug noch bis 16.6.20 verfügbar: [www.daserste.de]

Viele Grüße
KBS435



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.03.20 23:38.