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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
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In dem Film wird mehrere Minuten der Bahnhof Cottbus gezeigt, insbesondere wie zu DDR-Zeiten das neu gebaute Empfangsgebäude aussah. Allerdings war die große Halle dort nie so leer wie im Film. Auch die Toilettenanlage, wo der Trapo-Polizist erschossen wird, sah damals wirklich so aus. Es war eine Pachttoilette, man zahlte 10 Pf für das kleine und 20 Pf für das große "Geschäft". Auch die Gleisaufnahmen mit dem Flucht über die Gleise und das rauf klettern auf den Güterwagen stammen von dem Bahnhof. Bei der Verfolgungsfahrt in Cottbus sieht man dann auch noch eine alte Eisenbahnbrücke an der Strecke nach FFO, die erst im letzten Jahr saniert wurde. Und lange vorher gibt es auch einige Sekunden Aufnahmen aus der Halle vom HBf Dresden.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.02.20 10:42.
Einer der besten - wenn nicht der beste - Polizeirufe aus DDR-Zeit. Die schauspielerischen Leistungen von Dieter Mann und Volkmar Kleinert waren grandios, der Spannungsbogen deutlich besser als sonst. Aber ob der - ziemlich arglos / naiv dargestellte - Trappist erschossen oder "nur" niedergeschossen wurde, ging meiner Erinnerung nach nicht deutlich aus dem Film heraus vor. Überhaupt musste als Kompromiss (gegenüber dem beratenden MdI?) die Schlussszene eingeführt werden, in dem das ganze als Alptraum dargestellt wurde und nicht als konterkarierende Realität in einem sozialistischen Staat erscheinen durfte, der sich wesensgemäß als von Gewaltkriminalität weitgehend befreit darstellte.

Gruß
Detlev
Quadratschädel schrieb:
Einer der besten - wenn nicht der beste - Polizeirufe aus DDR-Zeit. Die schauspielerischen Leistungen von Dieter Mann und Volkmar Kleinert waren grandios, der Spannungsbogen deutlich besser als sonst. Aber ob der - ziemlich arglos / naiv dargestellte - Trappist erschossen oder "nur" niedergeschossen wurde, ging meiner Erinnerung nach nicht deutlich aus dem Film heraus vor. Überhaupt musste als Kompromiss (gegenüber dem beratenden MdI?) die Schlussszene eingeführt werden, in dem das ganze als Alptraum dargestellt wurde und nicht als konterkarierende Realität in einem sozialistischen Staat erscheinen durfte, der sich wesensgemäß als von Gewaltkriminalität weitgehend befreit darstellte.

Gruß
Detlev
Sei bitte so nett und nenne uns bitte mal 3 Kriminalfälle aus der DDR der Zeit 09/1961 bis 10/1989, bei denen der Täter eine Schusswaffe einsetzte - aber bitte ohne die Taten fahnenflüchtiger Angehöriger der NVA, Grenztruppen, DVP und GSSD. Gewaltkriminalität mit Nutzung von Schusswaffen kannst Du in der Zeit in der DDR mit der Lupe suchen und wirst kaum Glück beim Finden haben. Deshalb hat in der Zeit auch kein Angehöriger der DVP mit einer Schusswaffe bei einem Täter gerechnet - es sei denn es gab wieder mal eine Fahndung nach Fahnenflüchtigen. Und der Staat hat sich nicht als von Gewaltkriminalität befreit dargestellt, sondern Gewaltkriminalität als etwas der sozialistischen Gesellschaft wesensfremdes bezeichnet und es auch so geahndet.
Ich habe ja nicht behauptet, dass es in der DDR nennenswerte Gewaltkriminalität mit Schusswaffen gab. I.d.R. wurde sich mit dem "beholfen", was da war, vor allem Messer - was in der BRD auch nicht anders war. Einfache Kriminelle sind meist nicht besonders intelligent und vermögend genug, um sich eine Schusswaffe kaufen zu können. Auch wenn es für die ganz schweren Jungs im Westen sicherlich möglich war und im Osten eher nicht, so wurden und werden die meisten Tötungsdelikte doch eher mit stumpfer Gewalt begangen.

Aber eine Anmerkung zu Gewaltdelikten an Sicherheitsorgane in der DDR: ein Krimineller lockte einen Volkspolizisten in einen Hinterhalt und erschoss diesen und versuchte anschliessend mit dem Funkstreifenwagen gen Westen zu fliehen - was natürlich zum Scheitern verurteilt war (Quelle war meiner Erinnerung nach eine MDR Doku). 1976 soll es bei den sogenannten "Alexanderplatzunruhen" zu einem Tötungsdelikt an einem Volkspolizisten gekommen sein (Quelle war nach meiner Erinnerung der Spiegel).

Jedenfalls gab es mehr Gewaltdelikte, als der Polizeiruf seinerzeit darstellte - Tötungsdelikte waren da ja die absolute Ausnahme und wenn dann war es grob fahrlässige Tötung (Suff im Verkehr), Notwehr oder Totschlag. Der Diebstahl irgendwelcher Kunstschätze, Unterschlagung zu Lasten des VEB, bei dem der Täter beschäftigt war, serienmäßiger Diebstahl usw. war eher das täglich Brot der Serie.


Gruß
Detlev
Gehe mal für die DDR von 09/1961 bis 09/1981 von maximal einem Mord pro Kreis innerhalb 5 Jahren aus, einer in 10 Jahren ist aber zutreffender. Bei 217 Kreisen sind das maximal 43 Morde im Jahr. Bei der BRD waren es im gleichen Zeitraum jährlich zwischen knapp 400 und über 925 - laut PKS. Und dann vergleiche mal schweren Raub wie Banküberfall - ja, ja - die Wartezeit auf das Fluchtauto :-). Auch das Thema Terroristen gab es nicht und extrem wenig das Thema Rauschgift und zugehörige Beschaffungskriminalität. Dadurch gab es real wirklich keinen richtig fetten Stoff für die Serie Polizeiruf 110. Da war Alptraum schon gefüllt mit "Action".
*
Schusswaffen waren in der DDR viele verfügbar: die vielen Jagdgewehre bei den Jagdkollektiven - fast ungesichert, die massiven Waffenfunde nach dem WKII (der Opa eines Mitschülers in Steinitz hortete zeitweilig 40 MPi/SG/Pistolen - funktionstüchtig) und z.B. wurde 1981 auf einem Markt in Wernigerode eine aktuelle Pistole der US-Armee für 15 000 DM (West) angeboten (die sorgte damals für viel Aufregung).



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.02.20 22:01.
Ich bin ja grundsätzlich bei Dir. Aber die geringere Kriminalität lag ja nicht unbedingt daran, dass der "sozialistische Mensch" edler, hilfreicher und gut war (frei nach Goethe) sondern oft am Mangel an Möglichkeiten. Warum sollte man sich z.B. eines Risikos einer deutlich rigoroseren Strafhaft als im Westen für Delikte wie Drogenhandel aussetzen, wenn der finanzielle Ertrag - in nicht-konvertiblen MDN oder Mark der DDR - doch eher lächerlich war. Man kann wohl auch davon ausgehen, dass die Anzeigequote bei typischer DDR-Vermögenskriminalität zu Lasten des Volkseigentums ("Klau am Bau") eher geringer war als im Westen.

Aber zurück zum Ursprungsthema: Am DDR-Polizeiruf gefiel mir immer, dass die Deutsche Reichsbahn oftmals als Szenerie vorkam - deutlich mehr als im Westen die Deutsche Bundesbahn (von "Tatort" Essen mit Hans-Jörg Felmy alias Kommissar Haferkamp und von "Tatort" Köln mit Sieghart Rupp alias Zollfahnder Kressin einmal abgesehen).

Beste Grüße
Detlev

Re: Bf Cottbus im Polizeiruf "Alptraum" - ARD Mediathek

geschrieben von: Peter

Datum: 14.02.20 11:48

Hallo!

Bei der Anzahl der Toetungen waere ich mir nicht so sicher.

Denn gerade weil Todesfaelle nicht natuerlicher Art nicht ins Bild der heilen solzialistischen Gesellschaft passten, wurde auch weniger darueber berichtet (mal ganz abgesehen davon, dass damals in Ost und West mangels vorhandener Moeglichkeiten auch nicht "jeder Furz" von Flensburg bis Garmisch berichtet wurde, wie das heute im Netz-Zeitalter der Fall ist).

Aber aus der Familie und dem Freundeskreis weiss ich von mehreren Faellen von Toetungen (Sexualstraftaten), wo es zwar sehr umfangreiche Untersuchungen in der Gegend, jedoch quasi keine oeffentliche Berichterstattun gab). Es schien eine "Es-kann-nicht-sein, was-nicht-sein-darf"-Haltung zu sein.

Dessen ungeachtet stimmt es natuerlich, dass es (auch mangels Anreiz, es waren ja alle mehr oder weniger gleich) weniger Toetungsdelikte (ausser Suff) gab.

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.
(Merke: Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer)

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind: Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen - und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Seit einiger Zeit biete ich sogar (gegen einen kleinen Obolus) auch Patenschaften fuer meine Fehler an.
Banküberfall: War in der DDR nicht sonderlich attraktiv, weil es in einer Bank nichts wirklich lukratives zu erbeuten gab. Denn was sollte man mit großen Mengen MDN anfangen?

Rauschgift: Auch da wieder das Problem der Währung. Für "die internationale Drogenmafia" waren Einnahmen in MDN nicht lukrativ genug, um in diesen Markt einzusteigen. Daher war ja in der DDR auch die Nachfrage nach der "Ersatzdroge" Ethanol so hoch und an der verdiente der Staat als "Dealer".

Tötungsdelikte: Da dürfte es in der DDR wie in allen anderen Ländern gewesen sein, dass die Dunkelziffer sehr viel höher als die offizielle Zahl war.