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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Guten Tag,

hier der erste Teil der Buchbesprechungen der letzten Neuerscheinungen
im Straßenbahn- und Nahverkehrs-Sektor
(Teil 2 folgt morgen).

Sollte der "Händler an der Ecke" spezielle Titel nicht führen,
gern zu Diensten.

Gruß aus Köln
Rolf Hafke, TS: TramSjop
hafke.koeln@t-online.de


*** Nahverkehr Deutschland ***
„Straßenbahnen im Saarland“ von Roland Priester und Stephan Lücke , Erfurt 2019, 154 Seiten im Format 16,5 x 24,0 cm, gebunden, Herausgeber: Sutton-Verlag; Preis: 25,00 €

Bereits im letzten Jahr erschien in der Serie Zeitreisen von Sutton ein Band der beiden Autoren über die Straßenbahn in Neunkirchen. In ähnlicher Aufmachung folgt nun vom gleichen Autorenduo eine Veröffentlichung über alle Straßenbahnen des Saarlandes. Auch auf 154 Seiten ist es sicher nicht möglich, die komplette Geschichte und Entwicklung der Betriebe in Neunkirchen, Saarbrücken, Saarlouis und Völklingen darzustellen. Das ist aber auch gar nicht die Intension des Buches, welches das Reihenthema wörtlich nimmt und zu einer Zeitreise mit Bildern über die Netze der einzelnen Betriebe zwischen den Anfangsjahren und der Einstellung einlädt. Dazu dienen etwa 160 zumeist unveröffentlichte Aufnahmen in Schwarz/weiß und Farbe, von denen zahlreiche auch den Betrieb vor dem zweiten Weltkrieg zeigen. Hierzu dienen hauptsächlich alte Ansichtskarten, welche das Verkehrsmittel in seinem Umfeld zeigen. Die Qualität der Aufnahmen ist überwiegend gut, wenn auch bei einigen größeren Wiedergaben der Seitenfalz erneut störend wirkt.

Neben ausführlichen Bildunterschriften gibt es für jedes Unternehmen auch Textblöcke, welche die wichtigsten Informationen aus der Geschichte der Straßenbahn liefern. Erfreulich ist, dass es auch zu jedem Betrieb einen Netzplan gibt, der als Besonderheit auch alle Haltestellen im Streckenverlauf nennt und damit eine Lokalisierung der einzelnen Aufnahmen sehr gut möglich macht. Farblich abgesetzt ist dort auch die Verknüpfung zu Nachbarbahnen dargestellt, welche Fahrten von einem Netz ins andere von Saarbrücken, Völklingen und Neunkirchen aus ermöglichte, bei den erstgenannten auf gleicher Spurweite auch durchgehend. Im Kapitel Neunkirchen sind Dopplungen zu den bereits im Band über diesen Betrieb veröffentlichten Bildern vermieden worden.

Auch der 1997 neu entstandenen Saarbahn als Stadtbahnsystem mit Benutzung von bestehenden und ehemaligen Eisenbahnstrecken ist ein eigener Abschnitt gewidmet. Hier gibt es ebenfalls einen Übersichtsplan mit allen Haltestellen.
Im Rahmen der Möglichkeiten von Format und Umfang ist hier eine abwechslungsreiche Darstellung der Straßenbahn an der Saar in guter Form gelungen. (reu)



„Die Naumburger Straßenbahn – Mit der Wilden Zicke durch die Domstadt“ von Mike Ewald, Erfurt 2019, 120 Seiten im Format 16,5 x 24,0 cm, gebunden, Herausgeber: Sutton-Verlag; Preis: 20,00 €

Schon die vierte Veröffentlichung über eine der kleinsten Straßenbahnbetriebe nach 1991, 2003 und 2012, gibt es da überhaupt noch viel Neues um 120 Buchseiten zu füllen? Erstaunlicherweise ja, denn trotz der geringen Größe ändern sich Streckenführung und Fahrzeugpark immer wieder. Die Chronik am Schluss des neuen Buches weist für die Jahre 2014 bis 2019 bereits wieder neun erwähnenswerte Ereignisse auf. Da es auch immer wieder Interessenten an dem Kleinbetrieb gibt, welche die älteren und zumeist vergriffenen Veröffentlichungen nicht kennen, ist der Zeitpunkt für ein neues Buch, welches zwar auch die geschichtliche Entwicklung nicht außer Acht lässt, den Schwerpunkt aber auf die neuere Zeit setzt, sicher gut gewählt. Auch ist es dem Autor gelungen, bei der Betrachtung der Vergangenheit andere Schwerpunkte zu setzen, als die früheren Veröffentlichungen. Auch wenn die Sutton-Bände der Serie „Zeitreise“ in erster Linie als Bildbände konzipiert sind, liefern die (Ergänzung: jeweiligen) Textabschnitte aber auch die Bildunterschriften zahlreiche interessante Informationen. Auch ist die Mehrzahl der Bilder erstmalig in einer Veröffentlichung zu finden, selbst aus den Anfangsjahren des Betriebes gibt es noch nicht gezeigte Bilder.

Die Geschichte der Naumburger Straßenbahn in den vergangenen fast 30 Jahren ist so ungewöhnlich verlaufen, dass sie gerade für diesen Zeitraum reichlich Stoff für eine Chronik bietet. Schon zu DDR-Zeiten immer am Rande der Einstellung lavierend, kam das Ende nach der Wende nicht unerwartet sehr schnell im Sommer 1991. Doch es gab starke Kräfte für eine Wiederinbetriebnahme und vorwiegend durch private Initiative und gegen eine zunächst gleichgültige oder gar ablehnende Haltung von Kommunal- und Landespolitik schaffte man es, drei Jahre später im Juni 1994 einen ersten Teil der Strecke zumindest im Gelegenheitsverkehr wieder in Betrieb zu nehmen. Zehn Jahre später erreichte die Straßenbahn wieder den Hauptbahnhof und 2007 konnte schließlich der tägliche Linienbetrieb wieder aufgenommen werden. Heute ist etwas mehr als die Hälfte der ursprünglichen Ringstrecke wieder in Betrieb und auch die Schließung des Ringes scheint keine völlige Utopie mehr.

Das Auf und Ab der letzten 30 Jahre beschreibt der Autor, der schon lange Jahre mit dabei ist, sehr anschaulich und angereichert mit vielen Detailinformationen eines Insiders. Illustriert ist das Buch mit zahlreichen Schwarz/weiß- und Farbfotos (Erg.: 47 s/w-, 99 Farbabb., 11 Faksimilie und 1 Netzplan) in guter Qualität. Auch wenn die eingesetzten Fahrzeugtypen mit ihren technischen Daten beschrieben sind, so vermisst der Rezensent eine aktualisierte Komplettübersicht. Eine Streckenkarte ermöglicht eine gute Orientierung und eine Lokalisierung der Bilder. Entstanden ist ein aktuelles Kompendium des liebenswerten Kleinbetriebes, welches jedem Interessenten zur Beschaffung empfohlen werden kann. Er erhält für einen sehr günstigen Preis einen ausgezeichneten Gegenwert. (reu)



„Die Fahrzeuge der Berliner U-Bahn Typ C“ von Florian Schwuttke und Norbert Walter, Berlin 2019, 108 Seiten im Format 16,5 x 24,5 cm, gebunden, Herausgeber: Lok Report; Preis: 22,80 €

In den Jahren 2008 und 2005 erschienen bereits über die Typen A und B von Norbert Walter Darstellungen beim Verlag Bernd Neddermeyer. Für die Beschreibung der Type C zeichnet nun der Lok Report als neuer Herausgeber verantwortlich. Auf die Art und Weise einer ausführlichen Beschreibung der Fahrzeugtype von den ersten Planungen bis zu den Museumswagen der heutigen Zeit hat dies kaum Einfluss. Übersichtlich in Kapitel gegliedert und mit zahlreichen Fotos, mehreren Zeichnungen und detaillierten Tabellen ergänzt, erfährt der Interessent am Wagenpark der Berliner U-Bahn in diesem Büchlein wieder wohl Alles, was dazu gesagt und geschrieben werden kann. Ein sehr interessanter Abschnitt widmet sich dem Einsatz der Type bei der U-Bahn in Moskau, wohin der Großteil der 1927 bis 1931 entstandenen Großprofilwagen als Reparations-forderungen der sowjetischen Siegermacht gebracht worden ist. Die 48 in Berlin verbliebenen Fahrzeuge liefen nur im Westteil der Stadt. Im Vor- und Nachsatz geben Netzpläne von 1930 und 1968 einen Eindruck vom Einsatzgebiet der Wagen, die bis 1975 im Liniendienst standen. Entstanden ist mit dieser Veröffentlichung ein weiterer Mosaikstein in der Dokumentation der Berliner U-Bahn. Für Interessenten an diesem Verkehrsmittel unverzichtbar! (reu)



*** Straßenbahnen Niederlande ***
„Düwag tramstellen in Rotterdam“ von Kees Dessens, Rotterdam 2018, 132 Seiten im Format 25,0 x 20,5 cm, gebunden, Herausgeber: Selbstverlag des Autors; Preis: 38,00 €

Bereits im letzten Jahr ist in den Niederlanden im Selbstverlag des Autors ein Buch über die von der Düsseldorfer Waggonfabrik für Rotterdam gebauten „klassischen“ Gelenkwagen herausgekommen. Sie unterscheiden sich in zahlreichen Dingen von den für deutsche Betriebe gebauten Fahrzeuge, auch sind sie von einem niederländischen Hersteller elektrisch ausgerüstet worden. Die Sech- und Achtachser sind im Laufe ihres Lebens vielfältig umgebaut worden und etliche existieren noch heute als Sonderfahrzeuge oder im musealen Bestand.

Entstanden ist aber kein reines „Bilderbuch“, sondern es wird auch der Technik der Fahrzeuge auf den ersten 50 Seiten viel Raum eingeräumt. Die einzelnen Komponenten werden nicht nur beschrieben, sondern auch mit zahlreichen Schaubildern erläutert, so dass auch der technische Laie einen guten Eindruck von der Ausstattung der Fahrzeuge erhält. Auch Zeichnungen der Fahrzeuge fehlen nicht. Im Anschluss daran wird jede der drei Lieferungen von der Lieferung bis zur Ausmusterung eingehend beschrieben. Die Bebilderung ist eher sparsam aber mit aussagekräftigen und ausreichend großen Bildern in Schwarz/weiß und Farbe sehr ansprechend und ergänzt den Text. Ein umfangreicher Tabellenanhang mit dem ausführlichen Lebenslauf eines jeden Wagens steht am Ende. Von der eventuell für ihn ungewohnten Sprache sollte sich kein Interessent an den Düwag-Gelenkwagen abschrecken lassen, vieles ist direkt verständlich und zur Not hilft ein Wörterbuch oder Übersetzungsprogramm weiter. Ein hübsches mit hoher Sachkunde geschriebenes Buch über ein auch für Verkehrsfreunde in Deutschland interessantes Buch. (reu)



„Schindler trams in Rotterdam“ von Kees Dessens, Rotterdam 2019, 132 Seiten im Format 25,0 x 20,5 cm, gebunden, Herausgeber: Selbstverlag des Autors; Preis: 38,00 €

In einer zweiten Veröffentlichung nach den DÜWAG-Gelenkwagen beschreibt der Autor die ebenfalls ungewöhnliche Anschaffung von zwei Fahrzeugtypen eines Herstellers aus der Schweiz durch die Rotterdamer Straßenbahn im Jahre 1957. Neben 15 vierachsigen Großraumtriebwagen nach Vorbild des Schweizer Standardwagens kamen auch 14 sechsachsige Gelenkwagen zur Ablieferung. Die damals viel beachtete Besonderheit der Wagen bestand in einem zum Heck hin stark abgesenkten Fahrzeugboden, welche durch die Verwendung antriebsloser, kleinrädriger Drehgestelle im hinteren Bereich erreicht wurde. Der Sechsachser verwendete für die Verbindung beider Fahrzeughälften eine Gelenkverbindung italienischen Ursprungs. Diese wahrhaft internationalen Fahrzeuge prägten trotz ihrer recht geringen Stückzahl das Bild der Rotterdamer Straßenbahn über lange Jahre. Nach dem Vorbild des Buches über die Düsseldorfer Gelenkwagen besteht auch diese Veröffentlichung aus einer umfangreichen technischen Dokumentation und einer Einsatzbeschreibung. Zahlreiche Zeichnungen, vor allem technischer Details, ergänzen den Text ebenso wie die auch hier wohldosierte Anzahl interessanter Fotos von Bau, Anlieferung und Einsatz in Schwarz/weiß und in Farbe. Ein ausführlicher Lebenslauf aller Wagen, von denen jeweils einer auch museal erhalten ist, rundet auch dieses wieder sehr gelungene Fahrzeugportrait ab. (reu)