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Klaus Kemp: Eisenbahnchronik Eifel

geschrieben von: Michael Heinzel

Datum: 29.09.19 09:47

Klaus Kemp Eisenbahnchronik Eifel. Band 1:
Die Eifelbahn Köln – Trier und die Vennbahn
EK-Verlag, 2019, DIN A4, 224 Seiten, 270 sw-Abbildungen,
ISBN 978-3-8446-6410-2, 39,90€

Nun ist endlich (fast) vollbracht, was vor Klaus Kemp noch keiner gewagt hat: Der erste Band der Eisenbahnchronik Eifel liegt vor. Die schiere Größe des Themas hatte bisher noch jeden potenziellen Autor abgeschreckt. Zu einzelnen Teilstrecken des Gebietes gibt es aber seit Jahren Monographien, nicht zuletzt vom Autor selbst. Auch sind immer wieder mal Fotosammlungen meist aus jüngerer Zeit erschienen. Nur Kurt Hoppstädter hatte sich 1963 als Erster und bisher Einziger an die Beschreibung der Entstehung des Eisenbahnnetzes im Moseltal und in der Eifel gemacht, aber dabei die betrieblichen Aspekte und historischen Entwicklungen komplett ausgeblendet. Trotz kleinster Schriftgröße (9) lies sich das Ganze aber nicht mehr in einem Buch unterbringen und der Verlag sah sich letztlich genötigt, zwei Bücher daraus zu machen. Der zweite Band erscheint nun aber absehbar.

Trotzdem ergab sich für den Autor noch die Notwendigkeit der Beschränkung, die er geographisch ansetzt. Deshalb sind leider die Voreifelbahn, die Erfttal-Bahn und weitgehend auch die Bördebahn weggefallen, weil sie bereits in der niederrheinischen Bucht und nicht im rheinischen Schiefergebirge liegen. Der Abschnitt der Eifelbahn von Köln bis Euskirchen ist aber enthalten, obwohl dieses Ausschlußkriterium hier auch zutreffen würde. Man kann sicherlich unterschiedlicher Meinung sein, ob man für ein Eisenbahnbuch einer solchen geographischen Limitation folgen sollte – viele Leser werden darüber wohl enttäuscht sein.

Wer die Bücher von Klaus Kemp kennt, der weiß, dass er großen Wert auf eine ausführliche Historiographie seines Sujets legt. Ich halte das in der heutigen Zeit, wo man bei den Jüngeren kein historisches Bewusstsein mehr voraussetzen kann, für durchaus wichtig zum besseren Verständnis. Diejenigen, die einfach nur Bildchen blättern wollen, müssen die entsprechenden Seiten halt überspringen. Hier nimmt die detailreiche Schilderung der Vorgeschichte und Entwicklung der Randbedingungen aber einen überproportionalen Teil ein und betriebliche Aspekte werden vergleichsweise kurz behandelt. Dadurch kommt es zu Längen. Ich habe aber selbst als einer, der sich seit Jahrzehnten mit dieser Thematik befasst, auf diesen Hintergrundseiten immer wieder gestaunt, was der „Klaus aus Peru“ da in seiner fernen Wahlheimat alles zusammengetragen hat. Natürlich umfasste das Gebiet rund 30 Betriebswerke und Lokstationen, von denen exemplarisch nur Jünkerath und Mayen dargestellt werden. Die übrigen hätte man aber wenigsten in Form von Loklisten darstellen können, denn die Daten sind ja weitgehend verfügbar. Bei den Streckenmonographien in den Kapiteln 6-8 illustriert der Autor ihre Entwicklungsgeschichte mit zahlreichen Bildern, die dem betrieblichen Alltag entnommen sind. Wohltuend dabei die Tatsache, dass auf gestellte Betriebsaufnahmen von Sonderfahrten weitgehend verzichtet wird. Erfreulicherweise sind die Abbildungen meistens mit den Urhebern gekennzeichnet und nur noch selten mit „Slg. d. Verf.“. Gerade am Anfang hatte ich den Eindruck, dass der Text nicht „aus einem Guss“, sondern aus Versatzstücken zusammengefügt ist, die an den „Stoßkanten“ dann manchmal zu irritierenden, anscheinend widersprüchlichen Aussagen führen. Der Autor hat mit 227 Fußnoten seine Informationen mit Quellenzitaten hinterlegt – nur fehlen die Quellenangaben. Die gibt’s dann im 2. Band? Viele Informationen, vor allem die selbst für Kenner überraschenden, bleiben allerdings auch immer noch ohne Beleg. Während die Vennbahn inklusive ihrer Nebenstrecken auf deutschem wie auf heute belgischem Gebiet dargestellt wird – also auch die von der Eifelstrecke ausgehende Vennquerbahn und die Westeifelbahnen – werden die übrigen Nebenbahnen der Eifelstrecke dann erst im zweiten Band behandelt. Der Band schließt mit einer tabellarischen Übersicht über die Eröffnungs- und Stilllegungsdaten der einzelnen Strecken(abschnitte). Informationen zu zwischenzeitlichen Betriebsstilllegungen, etwa 1944 oder im Falle der Vennquerbahn auch 1981, findet man aber in den Texten. Wann endet eigentlich die Chronologie einer Eisenbahnstrecke – mit dem letzten Zug, dem Abräumen der Gleise oder wenn sich die Natur die Trasse zurückgeholt hat? Immerhin erleben viele der Strecken hier in der Eifel als Bahnradwege derzeit eine ungeahnte Renaissance und locken jährlich zehntausende Touristen an. Die zwölf Jahre der Vennbahn V.o.E. werden zumindest in einem kleinen Absatz kurz erwähnt. Es bleiben also noch Wünsche offen, die wohl den Restriktionen des Verlages geopfert wurden.

Insgesamt halte ich den ersten Band – und der zweite wird vergleichbar sein – für ein must-have, das als Standardwerk in keiner Eisenbahnbibliothek fehlen sollte. An keiner Stelle sind diese umfangreichen Daten bisher zusammengetragen worden, nicht nur eine enorme Fleiß-, sondern vor allem Recherchearbeit. Bei der Auswahl der Fotos lässt es sich nicht vermeiden, dass man bei historischen Aufnahmen auch auf solche zurückgreifen muss, die schon mal publiziert wurden; vielleicht sind sie aber doch so manchem Leser bisher entgangen. Trotzdem finden sich auch in den älteren Jahrgängen noch manche Überraschungen und ich sagte schon, dass bei den neueren Aufnahmen auf Sonderzugszenen weitgehend verzichtet wurde.
Scannen0003.jpg
Danke für die aussagekräftige Vorstellung des ersten Bandes.

Michael Heinzel schrieb:
Deshalb sind leider die Voreifelbahn, die Erfttal-Bahn und weitgehend auch die Bördebahn weggefallen, weil sie bereits in der niederrheinischen Bucht und nicht im rheinischen Schiefergebirge liegen.
Wenn auch das Streckenstück von Euskirchen bis Köln selbstverständlich zum Thema "Eifelbahn" dazu gehört, müsste das gleichsam für die drei von Dir genannten Strecken gelten.
Ohne diese Strecken ist das Thema nicht vollständig; insbesondere die Erfttalbahn gehört direkt dazu, erstreckt sich doch die Niederrheinische Bucht im unteren Teil mit dem oberen Mittelerfttal "bogenförmig von Euskirchen bis Kerpen"...
Sehr schade, aber immerhin gab es zu diesem Themenbereich das Buch "Eisenbahnen in Euskirchen".

Grüße

Wilfried

Re: Klaus Kemp: Eisenbahnchronik Eifel

geschrieben von: claus_pusch

Datum: 06.10.19 11:59

Hallo Michael, danke für die detaillierte Buchvorstellung. Ich hatte dieses zweibändige Werk bei Ankündigung auf meine virtuelle "Einkaufsliste" gesetzt, aber nicht subskribiert, weil ich es erst einmal fertig sehen wollte. Was mich nunmehr abschreckt oder zumindest skeptisch macht, ist, dass - wie du schreibst - der Fließtext in 9 Punkt gesetzt worden ist. Am Ende auch noch mit etwas reduziertem Zeilenabstand, damit man mehr Text auf die Seiten bekommt? Für die Gestaltung von Fachpublikationen, mit denen ich immer mal wieder beschäftigt bin, habe ich gelernt, dass 11 Punkt für Fließtext das absolute Minimum ist; 9 Punkt geht bestenfalls für Fußnoten. Ich würde für ein "entspannteres" Layout und ein oder zwei zusätzlichen Druckbögen auch gerne ein paar Euro mehr anlegen - oder aber die Verlage ermuntern, ihre Eisenbahnbücher auch als E-books anzubieten, so dass man am Bildschirm oder auf dem Tablet die Schriftgröße selbst skalieren kann.
Viele Grüße, Claus

Liste meiner Forenbeiträge auf DSO: [www.claus-pusch.de]

Re: Klaus Kemp: Eisenbahnchronik Eifel

geschrieben von: Michael Heinzel

Datum: 06.10.19 12:14

Ich bin kein Schriftsetzer und kann letztendlich nicht sicher beurteilen, ob das Schriftgröße 9 oder 10 ist. Das Buch ist aber sehr klein geschrieben. Trotzdem bleibe ich dabei, dass man dieses Standardwerk haben sollte. Diese Vielzahl an Informationen findet man bisher nirgendwo - und schließlich gibt's ja auch Lesehilfen.