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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD

Rezension: Eisenbahnreise durch Nordkorea

geschrieben von: Martin Junge

Datum: 29.07.19 13:00

Thomas Franke
Eisenbahnreise durch Nordkorea
Festeinband DIN A4 quer, 96 Seiten,
144 Farbfotos + 1 Übersichtskarte + 2 Abbildungen ISBN 978-3-933178-43-5
Verlag Herdam, Quedlinburg (Gernrode)
34,80 €

Nordkorea – wohl kaum ein Staat auf unserem Planeten gibt sich so geheimnisvoll, verschlossen und ist gerade deshalb Gegenstand einer Vielzahl von Mythen und Rätsel. Nun liegt ein Buch vor, das eine Eisenbahnreise durch eben jenes Land zeigen und darstellen will. Der Autor ist Thomas Franke, seines Zeichens Lokomotivführer und Teilnehmer einer mehrtägigen Reise durch das ostasiatische Land.

Was will dieses Buch sein? Auf diese Frage fand der Rezensent während seiner Lektüre keine Antwort. Ein Fachbuch ist es nicht, dafür fehlen zu viele Daten und Fakten, ein Reiseführer kann es nicht sein, da Hinweise fehlen. Am ehesten ist es wohl ein kommentiertes Fotobuch. So erhält der Leser einen illustr(iert)en Einblick in den nordkoreanischen Bahnalltag, wobei viele Bilder aus dem Zug heraus entstanden sind. Der Autor ist sich dabei der Tatsache bewusst, dass es die Eindrücke nicht nach hiesigem Ermessen in "wirklich" und "gestellt" einzuteilen sind. Reisende bekommen in der DVRK bisweilen Obskuritäten zu sehen, die eine Erklärung des Gesehenen verunmöglichen. Im Buch gibt es aus dem vorgenannten Grunde keine klassischen Streckenbilder, sondern vielmehr Augenblicke, die festgehalten wurden. Die Druckqualität ist durchweg gut bis sehr gut, allerdings sieht man den Bildern teils auch an, dass sie aus dem Zuge heraus gemacht wurden. Die Beurteilung dessen, was der Leser sieht, sollte des Rezensenten Ansicht nach gerade bei einem Land, über das kaum gesichertes Wissen besteht – ihmselbst überlassen sein. In dieser Hinsicht ist das Buch in geradezu vorbildlicher Weise neutral gehalten und enthält sich nahezu jeder Bewertung. Da steht die Ellok, die nur noch von Rost und Lackresten zusammengehalten wird in einem sauber gefegten Bahnhof, da stehen Personenzüge auf einer Schmalspurbahn, währenddessen die Eisenbahner Reis auslesen, da lesen Fahrgäste die Arbeiterzeitung (Rodong Sinmun) in der Metrostation, obwohl die Arbeit ruft und die Züge zur Abfahrt bereit stehen.

Alle Bilder sind aber lediglich Eindrücke einer einzigen Reise, was der Rezensent insofern bedauert, als dass es doch einige Fotografen gibt, die Nordkorea besucht haben und sich dortselbst auch den Zügen und dem Nahverkehr widmeten. Ein mehr an Bildern aus verschiedenen Jahren hätte das Land noch etwas umfänglicher zeigen können – im Hinblick auf allgemeine Veränderungen oder Modernisierungen des öffentlichen Verkehrs in Nordkorea.

Zu bemängeln sind insbesondere zweierlei Dinge: 1. Der Verlag hätte gut daran getan, die (spärlichen) Texte noch einmal gegenzulesen (Kim’s, Korea’s) und 2. sind Autor und Verlag der Versuchung erlegen, längst widerlegte Daten und Fakten noch einmal unkritisch aufzugreifen und sich nicht mit aktueller Literatur vertraut gemacht zu haben. Auch sind einige Beschreibungen ungenau und kleinere Fehler haben sich eingeschlichen (S. 82, S. 85 oder S. 89), die sich gut hätten vermeiden lassen.

Insgesamt bestätigt sich so der Eindruck eines interessanten und erstaunlichen Fotobuches, dem man ja als Privatperson auch selten einen umfassenden Fließtext anbei stellt und für das man jeweils nur die besten Bilder heraussucht. Dem Verlag Herdam gebührt Lob für das Wagnis, dieses Thema aufgegriffen zu haben, dem Autor Dank, uns an dieser Fahrt teilnehmen zu lassen – wenngleich etwas mehr an Umfang sicher noch interessanter gewesen wären, auch für einen umfassenderen Einblick in dieses faszinierende, in mehrerlei Hinsicht unerklärliche Land – Nordkorea.






1-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.07.19 13:36.

Re: Rezension: Eisenbahnreise durch Nordkorea

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 29.07.19 22:57

Vielen Dank für Deinen Beitrag; schön, dass das Thema noch mal aufgegriffen wird. Ich hatte mich mit meinem Kommentar, der schon der Form nach keine Rezension hatte sein sollen (und aufgrund gewisser Befangenheit auch nie hätte sein können), an die Ankündigung drangehängt:
[www.drehscheibe-online.de]

Martin Junge schrieb:
Alle Bilder sind aber lediglich Eindrücke einer einzigen Reise, was der Rezensent insofern bedauert, als dass es doch einige Fotografen gibt, die Nordkorea besucht haben und sich dortselbst auch den Zügen und dem Nahverkehr widmeten. Ein mehr an Bildern aus verschiedenen Jahren hätte das Land noch etwas umfänglicher zeigen können – im Hinblick auf allgemeine Veränderungen oder Modernisierungen des öffentlichen Verkehrs in Nordkorea.

Hier scheinen die Interessen auseinanderzugehen, Deine und die des Autors. Bei Dir habe ich nach den DSO-Beiträgen den Eindruck, dass Dir der Nahverkehr wichtiger ist, beim Autor ist es wohl eher die Eisenbahn. Entsprechend dem damaligen Reiseprogramm war das Stadtprogramm Pjöngjang nur ein kleiner Teil zum Schluss (höchstens 3 Tage, bin mir nicht mehr ganz sicher). Im wesentlichen war das eine Eisenbahnreise. So präsentiert sich das Buch auch, der Rücktitel lässt keinen Schwerpunkt beim Nahverkehr vermuten. Passt soweit alles, und ist bis hierhin auch nicht Dein Kritikpunkt. Aber die Voraussetzungen sind andere.

Nahverkehrsreisen nach Pjöngjang (und in aller Regel auch kein bisschen mehr) haben immer wieder von etlichen Veranstaltern stattgefunden, wenn auch vielleicht mit rückläufiger Tendenz. Ist ja auch kein großer Aufwand, man schnippelt Standardtouristenreisen (bei denen die U-Bahn üblicherweise schon drin ist, und die sowieso schon Fotomöglichkeiten für Straßenbahn und Obus bieten) mit ein paar Sonderfahrten von der Stange zusammen. Wirkliches Engagement findet man bei sehr viel weniger Reisen. Wie auch immer, davon gibts Fotos. Sicher auch ältere. Ein informativer Bildband über den elektrischen Nahverkehr von Pjöngjang dürfte im Prinzip machbar sein, wenn Zugang zu genug Reisebildern hat.

Der Schwerpunkt von Reise und Buch war bzw. ist aber die Eisenbahn. Reisen dieser Art sind keine Massenware. Ich weiß nicht genau, wann die Reisen wie von Bernd Seiler abgebildet zum Erliegen gekommen sind, mein Kenntnisstand ist, dass dann ziemlich lange gar nichts ging. Auch wenn ich von außerhalb Europas angebotenen Reisen keine Kenntnis habe, dürfte die Anzahl solcher Eisenbahnrundreisen seit Wiederaufnahme wohl bis heute einstellig sein. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um An- und Abreise mit der Bahn über Sinuiju/Dandong, sondern um Eisenbahnrundreisen. Ja man hätte vielleicht die Ergebnisse von zwei oder drei Reisen verschneiden können. Mehr aber auch nicht. Als Forderung ist das daher etwas unrealistisch.

Martin Junge schrieb:
Zu bemängeln sind insbesondere zweierlei Dinge: 1. Der Verlag hätte gut daran getan, die (spärlichen) Texte noch einmal gegenzulesen (Kim’s, Korea’s) und 2. sind Autor und Verlag der Versuchung erlegen, längst widerlegte Daten und Fakten noch einmal unkritisch aufzugreifen und sich nicht mit aktueller Literatur vertraut gemacht zu haben. Auch sind einige Beschreibungen ungenau und kleinere Fehler haben sich eingeschlichen (S. 82, S. 85 oder S. 89), die sich gut hätten vermeiden lassen.

Da Du die konkreten Seiten hintenanstellst und mit "auch" anschließt, müssen die "längst widerlegten Daten und Fakten" und die fehlende Berücksichtigung aktueller Literatur anderswo sein. Und das täte mich jetzt wirklich mal interessieren. Es geht ja nicht nur darum, ob das Buch was taugt oder nicht. Mit einer Benennung der aktuellen Literatur, mit Nachweis konkreter Fehler hätten jetzt alle was davon. Es wäre schön, wenn Du da noch konkreter werden könntest.

Nun zu den konkret benannten Seiten: Seite 85 zeigt den Fahrerplatz des Obusses 903 mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz, der Kommentar weist auf die Benutzung durch Kim Il Sung hin und die Hinweisschilder. Der Fehler muss dann wohl irgendwo in der nordkoreanischen Geschichte liegen.

Bei den Seiten 82 und 89 störst Du Dich vermutlich daran, dass die vorn an der Bahn angebrachten Nummern als Liniennummern bezeichnet wurden. Inzwischen (!) ist gefestigter Kenntnisstand, dass die Linien keine Nummern haben, sämtliche Liniennummern in (außerkoreanischen) Netzplänen ausgewürfelt wurden und fiktiv sind (wenn auch mit durchaus übereinstimmender Verwendung) und dass an den Fahrzeugen das Halteschema angezeigt wird, weil nicht alle Haltestellen bedient werden. Du weißt es, ich weiß es, aber ich vermute mal, dass die Mehrzahl der Pjöngjang besucht habenden Nahverkehrsfreunden es nicht weiß. Ich wusste es bei meinem ersten Besuch 2014 auch nicht. Wenn man mit der Erwartungshaltung herangeht, dass die Nummer vorn an einem ÖPNV-Fahrzeug die Liniennummer ist, dann stößt man irgendwann auf Widersprüche, wenn man genau hinsieht, aber die lösen sich nicht auf. Ich weiß nicht mehr genau, ob das noch die vorherrschende Meinung unter den Teilnehmern der gezeigten Reise war. Wenn Du hier meinst, dass aktuellere Kenntnisse hätten einfließen sollen, muss ich dir recht geben. Ähnlich sieht es mit der Straßenbahn in Chongjin aus. Bis dahin war überall zu lesen, dass da Gebrauchtwagen aus Pjöngjang führen, bevorzugt KT4-Nachbauten. Dieses Gerücht war schon etwas zerbröselt, und da passte ja auch nichts. Also T6. Ich erinnere mich noch, dass mich irgendwas am Erscheinungsbild des Wagens störte. Erst mit Verzögerung ging mir auf, dass das überhaupt nicht sein konnte, weil es dann ein T6B5 gewesen wäre, der Wagen aber wesentlich näher am T6A2 ist. Hier ist die Aussage im Buch vorsichtiger als nötig.

Meine Anmerkungen: Buch "Eisenbahnreise durch Nordkorea"

geschrieben von: TRO

Datum: 31.07.19 11:49

Hallo,

um dieses Buch geht es:

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vom Verlag Herdam aus Gernrode

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Ich finde das Buch gut gelungen, ich muss mich aber dem Rezinsenten anschließen, das etwas mehr Text und Erklärungen
Drumherum dem Buch gut getan hätten. So zum Beispiel wer die Reise organisiert hat, wie lange sie dauerte oder warum
viele Dieselfahrzeuge aus Oberleitungs- Elektrischen Betrieb umgebaut wurden.

Für Politische Diskussionen halte ich das Buch und auch dieses Forum hier für nicht besonders geeignet. Es soll
uns ja nur den Eisenbahntrieb in einem für Normalreisende sehr abgeschotteten Land zeigen und das tut es auch
auchgezeichnet. Die besagten "Fehler" auf Seite 85 usw. halte ich für entschuldbar. Gut finde ich auch, das das Buch komplett
in deutsch und englisch geschrieben wurde, denn es gibt sicher auch Interessenten zu dem Thema aus dem Ausland
die mit Englisch besser klarkommen als mit deutsch.

Ein besonderes Lob finde ich verdient die " kleine bebilderte nordkoreanische Baureihenkunde" auf den Seiten 8 bis 16.
So was gab es bisher nirgends zu sehen. Im Vergleich dazu ist der komplette Artikel zur Nordkoreanischen Eisenbahn bei Wiki auch schon SEHR dürftig:[de.m.wikipedia.org]

Schön finde ich auch das Kapitel zum Nahverkehr in Pjöngjang auf den Seiten 68 bis 93, mit interessanten Alltagsaufnahmen wie ich finde.

Fazit: Kaufempfehlung.

[www.herdam.net]

Mfg TRO.

Verkauf von diversen Eisenbahnbüchern, Heften (EK, EJ), Sammelwerken und anderem:
[www.ebay-kleinanzeigen.de]

"Die Erzgebirgische Aussichtsbahn" Schwarzenberg-Annaberg- Ausflugsfahrten mit Dampflok und Dieseltriebwagen
[www.erzgebirgische-aussichtsbahn.de]

Die Such- und Angebotsliste für Eisenbahnfahrzeuge &- Teile des VDMT [www.vdmt.de]



Kleine Ergänzung

geschrieben von: Der Zeuge Desiros

Datum: 01.08.19 11:51

Hallo Martin,

im großen und ganzen kann ich dir zustimmen. Das Prädikat "bebildertes Fotobuch" trifft es sehr gut. Wobei diese Fotos oftmals den ganz normalen Alltag zeigen, was sie auch weit über die Eisenbahn hnaus interessant machen. Eben deshalb, weil man sonst von diesem Land nur recht wenig zu sehen bekommt und dann oft auch nicht weiß, ob das arrangiert oder "echt" ist.

Ergänzend sei jedoch angemerkt, dass die Bilder der Franke-Reise noch durch zahlreiche Fotos anderer Reisen ergänzt sind. Dadurch wird das ganze abgerundet und auch thematisch-inhaltlich zusammen gehalten, was durch eine simple Aneinanderreihung von Fotos einer einzigen wohl Reise kaum möglich wäre. Schwerpunkt des Autors war aber tatsächlich die Eisenbahn mit ihren Fahrzeugen. Es wird darin versucht, eine nordkoreanische Baureihenkunde vorzunehmen. Dies nur als "Warnung", falls jemand in seiner Naivität erwartet, hier einen Bildband mit 100% sonnigen Panorama-Landschaftsaufnahmen wie in irgendwelchen "Die Eisenbahn am Gotthard" anzutreffen. Aber dennoch: in großformatigen Bildern waren hochinteressante Einblicke in dieses geheimnisvolle Land möglich, die vom Fotografen in dieser Form vielleicht beim Auslösen gar nicht beabsichtigt waren. Gerade die Details links und rechts der Gleise machen dieses Buch so betrachtenswert. Die Exklusivität dieser Bilder spiegeln sich dann auch ein wenig in dem vergleichsweise hohen Preis von 35 Euro für rund 100 Seiten wieder.

Viele Grüße

Heiko

http://www.desiro.net/Signatur-Wichtig2.jpg




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 01.08.19 11:55.