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Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Liebe Forumsleser,

aufgrund der vorangegangeenen Diskussion nach der Ankündigung des Werks
"Städtischer Nahverkehr in der DDR" hatte ich überlegt die Buchbesprechung
DORT anzuschließen - ich habe es unterlassen, dafür jetzt hier die sehr
ausführliche Besprechung, unter Einbeziehung einer persönlichen Beurteilung
solcher möglichen Kritikpunkte.

Sie werden sehen, man kann und wird es differenziert betrachten müssen.
Dennoch wieder die Anmerkung, dass auch dieses Buch, wie auch der Bogestra-Band,
sichelrich nicht "an jeder Ecke" zu haben sind.

Gruß aus Köln
Rolf Hafke, TS: TramShop
hafke.koeln@t-online.de


*** Nahverkehr Deutschland ***
„Zeitreise durchs BOGESTRA-Land, Band 2: Die Geschichte der Linie 302 (Bochum – Gelsenkirchen)“ von Andreas Halwer, Hövelhof 2018, 132 Seiten im Format 24,0 x 22,5 cm, gebunden, Herausgeber: DGEG-Medien; Preis: 26,80 €

In der durch die Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft der BOGESTRA initiierten und der DGEG verwirklichten Buchreihe ist nach dem ersten Band über die Linie 310 (Höntrop – Witten) als zweites ein Werk über die Linie 302 erschienen. Als Linie 2 hatte die Verbindung zwischen den beiden namensgebenden Städten des Unternehmens stets eine besondere Bedeutung und auch heute noch ist sie auf ihrem Weg von Buer über Gelsenkirchen – Wattenscheid nach Bochum, Langendreer die wohl wichtigste Straßenbahnlinie, auf jeden Fall aber die längste. Ihre Anfänge reichen 120 Jahre zurück. So abwechslungsreich wie das Ruhrgebiet war und ist immer noch ihre Streckenführung als Städteverbindung mit auch ländlichen Partien dazwischen.
In verschiedene Zeitabschnitte gegliedert wird Entstehung, Entwicklung und Veränderung der Verbindung und der sie bedienten Region anschaulich an Hand zahlreicher Abbildungen und Plänen, aber auch einem sehr informativen Text dargestellt.

Dominieren bis in die 1970er Jahre gute Schwarz/weiß-Aufnahmen, so gewinnt danach die farbige Abbildung die Oberhand. Etliche Aufnahmen sind auch in größerem Format abgedruckt und können nicht zuletzt dank des nahezu rechteckigen Formates das Buches ihre Wirkung gut entfalten. Zahlreiche Karten erlauben auch Ortsunkundigen eine gute Orientierung.
Das Buch zeigt sehr schön, welche Veränderungen die Stadtlandschaft des Ruhrgebiets gerade in den letzten Jahrzehnten erfahren hat. Schon sehr zeitig ist aus der im wahrsten Sinne des Wortes „Straßenbahnlinie“ in vielen Bereichen eine moderne Stadtbahnlinie mit eigenem Bahnkörper an der Oberfläche und Tunnelanlagen in den beiden großen Städten geworden. Der abwechslungsreiche Fahrzeugpark wird mit seiner Typenvielfalt ebenfalls bildlich gut dokumentiert. Ein „unaufgeregtes“ Layout, gepaart mit guter Druckqualität und Verarbeitung sind weitere Pluspunkte dieses gelungenen Buches, bei dem man sich schon auf eine Fortsetzung freut. Für die Freunde der Straßenbahn im Revier ist auch der zweite Band eine lohnenswerte Anschaffung. (reu)


„Städtischer Nahverkehr in der DDR – einzigartige Momentaufnahmen von Peter Dönges“ von Andreas Riedel, Witzschdorf 2019, 480 Seiten im Format 23,0 x 29,5 cm, gebunden, Herausgeber: Bildverlag Böttger; Preis: 48,00 €

Schon im Vorfeld bei Ankündigung dieses Buches war in Foren darüber diskutiert worden, ob es gut gehen kann, angekündigte 1600 Fotos auf knapp 500 Seiten in vernünftiger Größe unterzubringen. Das dies grundsätzlich möglich ist, zeigt das fertige Werk, ob es aber wirklich sinnvoll war, steht auf einem anderen Blatt. Mit zunehmender Seitenzahl und Gewicht ist ein Buch irgendwann nur noch schwer zu handhaben und auch die Zahl der Abbildungen setzt der Aufnahmefähigkeit des Betrachters Grenzen. Obwohl der Preis für die gebotene Leistung sicher angemessen ist, dürfte er finanziell weniger gut ausgestattete Interessenten doch abschrecken. Auch gelten im Handel Dicke und teure Bücher als schlechter Absetzbar. Lange Rede kurzer Sinn: Man hätte dem Gesamtprojekt der Darstellung des fotografischen Schaffens des Fotografens bezogen auf den Nahverkehr in der DDR sicher eher einen Gefallen getan, wenn man dies auf mehrere, dünnere Bücher aufgeteilt hätte. Angesichts der inhaltlichen Aufteilung nach den heutigen fünf Bundesländern wäre dies sogar recht einfach zu handhaben gewesen.

Was bekommt der Käufer des dicken und schweren Komplettwerkes nun für sein Geld geboten? In der vorliegenden Form ist die Bearbeitung des Buches durch den Autor mit Bildauswahl, passender Anordnung und Betextung eine Mammutarbeit, vor der man den Hut ziehen muss. Das auf dem Buchrücken formulierte Vorhaben, ein möglichst lückenloses Alltagsbild des städtischen Nahverkehrs in der DDR über einen Zeitraum von 30 Jahren ab den frühen 1950er Jahren zu zeigen, ist gelungen.

Angesichts dieses Wertes der Dokumentation wäre es nach Ansicht des Rezensenten sinnvoll gewesen, etwas ausführlicher auf den Fotografen einzugehen und seine Intentionen bei der fotografischen Tätigkeit darzustellen. Angesichts der herrschenden Verhältnisse ist es doch ungewöhnlich, wenn ein Bewohner der DDR zum einen über die entsprechende, erkennbar hochwertige technische Ausrüstung samt Filmmaterial verfügte und auch die Möglichkeiten besaß im gesamten Land umherzureisen und dabei Dinge zu fotografieren, deren Ablichtung in verschiedenen Kreisen nicht immer positiv gesehen wurden. Anders als bei der Eisenbahn war das Fotografieren städtischer Verkehrsmittel zwar nicht verboten, es gab aber schnell andere Dinge, die mit ins Bild kamen, wo es dann kritisch wurde. Leider bleibt es bei dürftigen Angaben und zwei Abbildungen des Fotografen in den Vorbemerkungen, aus denen hervorgeht, dass er selbst bei einem Verkehrsbetrieb beschäftigt war. Mehr Angaben hätten gut dazu beigetragen, das Alltagsbild der DDR, fast 30 Jahre nach deren Ende zu vervollständigen und auch einer Generation näherzubringen, die diesen Staat auf deutschem Boden gar nicht mehr selbst kennen gelernt hat.

Die Aufteilung des Bildmaterials ist sehr übersichtlich erfolgt nach Bundesländern in deren alphabetischer Reihenfolge und hier dann wiederum nach Betrieben ebenfalls in dieser Form. Das Land Berlin umfasst auch den Betrieb der BVG West und damit ein „exterritoriales“ Gebiet außerhalb der DDR, es scheint aber durch die bis 1945 gemeinsame Entwicklung durchaus sinnvoll, auch hiervon Bilder zu zeigen. Dem Straßenbahnfreund sei gesagt, dass das Buch den städtischen Nahverkehr der DDR behandelt und somit auch Obusse und Autobusse einen angemessenen Raum bei den Abbildungen beanspruchen, wobei Autobusse ausschließlich von Orten gezeigt werden, die zusätzlich noch über ein elektrisches Verkehrsmittel verfügten. Busse in Städten ohne Straßenbahnen und Obusse mit aufzunehmen, wenn sie denn überhaupt Bestandteil des fotografischen Schaffens von Dönges waren, hätte den Rahmen des Vorhabens auch gesprengt. Auch sind nicht alle Bilder im Buch von Dönges selbst aufgenommen, sondern stammen von anderen Fotografen. Dieser etwas irritierende Sachverhalt, der zum Buchtitel im Widerspruch steht hätte sinnvollerweise in den Vorbemerkungen begründet werden sollen.

Jedem Betrieb ist eine kurze textliche Einführung vorangestellt mit den wichtigsten Daten zu Geschichte, Größe und Fahrzeugpark. Daran schließen sich die ausgewählten Aufnahmen an, von denen drei oder vier Stück auf einer Seite angeordnet und durch ausführliche Bildlegenden ergänzt werden. Die dadurch mögliche Größe der einzelnen Aufnahme, die meist 6 x 10 oder 9 x 12 cm beträgt, in wenigen Fällen auch mehr, ist nach Ansicht des Rezensenten durchaus akzeptabel und weit von den im Vorfeld befürchteten „Briefmarken“ entfernt. Für weniger gelungen hält er dagegen die ineinander verschachtelten Abbildungen, bei denen sich die Aufnahmen an den Ecken überlappen. Sie sind aber zum Glück in der Minderheit und daher ein im Gesamtbild zu verschmerzendes kleines Ärgernis. Mit Ausnahme der Aufnahmen auf den Umschlagseiten sind die Bilder nur in Schwarz-weiß abgedruckt.

Schön wäre es gewesen, wenn von den einzelnen Betrieben ein Übersichtplan des Streckennetzes mit aufgenommen worden wäre. Natürlich gibt es die an anderer Stelle, aber verteilt auf zahlreiche Veröffentlichungen und daher nicht immer präsent. Wer die Örtlichkeiten nicht kennt, dem helfen dann auch die akribisch erfassten Aufnahmeorte nicht viel weiter.

Die Qualität der Aufnahmen ist, sowohl vom Motiv als auch von der technischen Seite her, sehr gut. Der Schwerpunkt der Dokumentation durch den Fotografen lag aber eindeutig bei den Fahrzeugen, so dass diese Form der Aufnahmen auch den Hauptanteil der Abbildungen im Buch stellen. Die Fahrzeuge sind aber meist nicht so formatfüllend aufgenommen worden, dass von der Umgebung nicht mehr viel zu sehen ist. Es fällt aber auf, dass dabei so gut wie nie Personen auf den Fotos zu sehen sind, was für die Planung des Fotografen bei der Erstellung seiner Bilder spricht. Bei dem in späteren Jahren doch sehr monotonen Fahrpark vieler Betriebe wirken die vielen Fahrzeugaufnahmen identischer Typen mit der Zeit doch etwas monoton, so dass hier weniger wohl mehr gewesen wäre. Die starke Fixierung auf den Fahrzeugpark schränkt sicher auch den Käuferkreis ein, da der normale „Ostalgiker“ damit eher wenig anzufangen wissen dürfte.

Es gibt auch Aufnahmen, die meisten davon äußerst gelungen, bei denen das Verkehrsmittel eher das Beiwerk zu einer Szene darstellt und die am ehesten dem Anspruch gerecht werden, dass sie den Alltag in der DDR zeigen. Einen Einblick in Depots konnte sich wohl am besten jemand leisten, der selbst bei einem Verkehrsbetrieb beschäftigt war, handelte es sich hierbei doch um fotografische Tabuzonen. Die ausführlichen Unterschriften enthalten häufig wiederkehrende Formulierungen, was sich bei sich gleichenden Bildinhalten wohl auch kaum vermeiden lässt, insgesamt aber etwas ermüdend wirkt.

Die Druckqualität und die gesamte Verarbeitung ist gut, durch die gewählte matte Papiersorte kommen die Abbildungen aber nicht ganz an die Brillanz von solchen auf Glanzpapier heran, sind dafür aber auch unempfindlicher gegen Fingerabdrücke. Dies mag aber ein durchaus subjektiver Eindruck sein, der allerdings auch von anderen Betrachtern geäußert wurde. Er schmälert den Wert der einzelnen Aufnahmen aber nicht. Der Buchrücken scheint für das gewichtige Werk etwas zu schwach dimensioniert, denn zumindest im dem Rezensenten zur Verfügung stehenden Exemplar wölbte er sich leicht.

In dieser zusammenhängenden und umfassenden Form ist das Nahverkehrsgeschehen der DDR über einen so langen Zeitraum bislang noch nirgendwo dokumentiert worden. Insofern stellen die genannten kleinen Schwächen keine generelle Abwertung von Inhalt und Verwirklichung an sich dar. Was helfen solche Aufnahmen, wenn sie niemand zu Gesicht bekommt? Das durchaus gelungene Vorhaben des Verlages, dieses Kompendium zu schaffen ist daher sehr zu begrüßen. Bemerkenswert, dass gerade ein kleiner Spezialverlag das sicher aufgrund des Kostenaufwandes für die Produktion des Buches nicht unerhebliche finanzielle Risiko auf sich genommen hat. Möge es durch entsprechende Verkaufszahlen belohnt werden. Wer sich für das Thema interessiert, der bereut den Kauf sicher nicht. (reu)
Wird es noch eine Rezension zu dem Buch Otto Wagners Stadtbahn-Architektur geben? Bei dem Buch bin ich mir noch nicht sicher ob sich ein Kauf lohnt. Bei diesen beiden Bücher jetzt umso mehr, danke!

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Guten Morgen,

wie sicherlich neulich schon erkennbar, kann ich mich dieser Rezension nur in gewissen Teilen anschließen, finde es aber gut, dass Defizite klar benannt wurden. Insgesamt ist mir die Rezension Axel Reuters doch etwas zu positiv, das Layout zum Beispiel ist einfach nur abschreckend, sowohl Satz als auch Bildanordnung.
Ich wüsste nicht, ob mir nicht einzelne Bücher zu den Betrieben mehr hülfen als die bildliche Darstellung im Albumformat, ohne Orientierungsmöglichkeiten.

Viele Grüße
Martin
Otto Wagner-Nuchbesprechung siehe verspäteter Eintrag
Buchbesprechungen 12-18.....

Entschuldigung.

Rolf Hafke