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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Ludger Kenning - Wolfgang Löckel:

"Mosbach - Mudau
Mit der Schmalspurbahn in den Odenwald"

360 Seiten 25/21 cm gebunden, 193 Farb- und 257 SW-Fotos, 20 Tabellen und 84 Skizzen
mit DVD (55 Min.) – ISBN 978-3-944390-11-6 – Preis: 54,95 €

Rund 25 Jahre nachdem im selben Verlag unter dem Titel "Schmalspurbahn Mosbach - Mudau" bereits ein brauchbares Buch zum Thema erschien, gibt es jetzt eines,
das aus meiner Sicht das Zeug hat, zum Standardwerk über diese vor mehr als 45 Jahren stillgelegte Bahn zu werden.

Die 27,5 km lange meterspurige Strecke von Mosbach nach Mudau wurde am 31.Mai 1905 eröffnet.
Ungewöhnlich war schon die Entstehungsgeschichte: Einerseits hatte die Großherzogliche Badische Regierung den Bau der Bahn beschlossen, andererseits hatte die Badische Staatsbahn kein Interesse an Bau und Betrieb der Schmalspurbahn. Das führte dazu, dass die Bahn von der privaten "Eisenbahn-Bau und Betriebsgesellschaft Vering & Waechter" gebaut und betrieben wurde, aber eine Staatsbahnstrecke mit privater Betriebsführung war (ab 1917 DEBG). Schon ab 1922 musste die Reichsbahn als Rechtsnachfolger der Badischen Staaatsbahn die Betriebskosten bezuschussen, 1931 übernahm sie den Betrieb dann auch.

Die Begeisterung der Bevölkerung hielt sich nach der Eröffnung in Grenzen - die Preise wurden als zu hoch empfunden, der Verkehr als zu langsam.
Im Laufe der Zeit änderte sich das dahin gehend, dass es in den 1950er Jahren für den Berufsverkehr keine echten Alternativen zu den mit 150 bis 200 Fahrgästen ordentlich besetzten morgendlichen und abendlichen Zügen gab. Vor diesem Hintergrund investierte das Land noch einmal kräftig in die Bahn.
Zwei neue Diesellokomotiven (V52 901 und 902) und neue Wagen wurden beschafft, um den Betrieb zumindest so lange zu ermöglichen, bis der Straßenausbau nachgezogen hatte. Die DB torpedierte allerdings einen halbwegs sinnvollen Weiterbetrieb alsbald mit den auch anderswo erfolgreichen Methoden des Kundenvergraulens, so daß am 2.6.1973 der Betrieb eingestellt wurde.

Die Gliederung des Buches folgt der üblichen Kleinbahnmonographie: Vorgeschichte - Betriebsgeschichte - Fahrzeuge - Streckenbeschreibung.
Alle Kapitel gehen sehr in die Tiefe, beispielsweise ist jedem zweiachsigen Personenwagen mindestens eine Doppelseite gewidmet.
Alle vier ursprünglich für Mosbach-Mudau gebauten Dampflokomotiven sind übrigens erhalten geblieben, eine davon (99 7202) sogar im Eigentum der DB AG.
Auch die nur leihweise an 26 Tagen zwischen 1939 und 1941 eingesetzte Fairlie-Lok 99 162 existiert noch. Lediglich die von 1952 bis 1955 eingesetzte 99 291 wurde verschrottet.

Nett ist die Geschichte der modernen Personenwagen 122 - 125 und 150, die 1965 in Dienst gestellt wurden. Der Personenverkehr konnte zu Beginn der 1960er Jahre wegen der geänderten Gesetzgebung nicht mehr mit Wagen mit Einfachverglasung und Holzaufbau durchgeführt werden. Deshalb wurden im Aw Neuaubing vier Sitz- und ein Halbgepäckwagen neu gebaut, wobei viele Teile aus dem parallel laufenden Umbauprogramm für normalspurige Personenwagen verwendet werden konnten.
Offiziell wurden diese Wagen als "Umbau" deklariert. Die Geschichte, wie diese Wagen auf dem sehr kleinen Dienstweg eine Woche nach der Betriebseinstellung nach Wangerooge gelangten, ist sehr lesenswert. Nach knapp 20 Jahren auf Wangerooge wiederholte sich die Geschichte: Das Aw Wittenberge baute neue Wagen für Wangerooge, die wiederum offiziell als "Umbau" galten. Originellerweise sind aber drei der Spenderwagen als Museumsfahrzeuge in Hüinghausen und Brohl erhalten geblieben ...

Das letzte Kapitel nimmt mehr als ein Drittel des Buches ein: Üppig bebildert mit umfangreichen Bildtexten sowie eingestreuten Bahnhofsbeschreibungen und Gleisplänen erweckte es bei mir der Eindruck, die ganze Strecke abgefahren oder abgewandert zu haben. Das zeitgenössische "Drumrum" der meist großformatigen Bilder wie Straßenfahrzeuge, Kleidung, Werbung etc. lädt oft zum genauen Betrachten ein.

Gegenüber dem Vorgänger hat sich der Umfang des Buches allein schon qua Seitenzahl und Abmessungen vervielfacht.
Erfreulicherweise liegen die Produktionskosten für einen durchgängigen Farbdruck nicht mehr wesentlich über denen für Schwarz-Weiß.
Davon profitiert dieses Werk sehr. Beispielsweise sind Fahrkarten oder die Entwurfszeichnungen der Gleispläne von 1901 farbig gedruckt, die reichlich eingestreuten Zeitungsartikel und persönlichen Erinnerungen farbig hinterlegt und der hohe Anteil an Farbfotos gleichmäßig über das Buch verteilt. Selten ist mir in einem Kenning-Buch das aufgelockerte und abwechslungsreiche Layout so aufgefallen wie hier.
Ob es allerdings sinnvoll ist, Fotos auf mehr als Seitenbreite und damit über den Falz zu drucken, bezweifle ich.
Die technische Aufbereitung der Fotos und die Druckqualität sind wie üblich hoch.

Die beiliegende DVD enthält die Rio Grande-Produktion "Schmalspuridylle im Odenwald Mosbach-Mudau" von 1995 in der bei VGB erschienenen DVD-Version von 2007.
Abwechslungsreich wird mit historischen nachvertonten Filmszenen, Standbildern, Interviews mit ehemaligen Eisenbahnern und seinerzeit aktuellen Aufnahmen
ein "bewegtes Bild" der Bahn gezeichnet. Die technische Bildqualität der historischen Aufnahmen kann naturgemäß mit der des Buchs nicht mithalten.
Interessant wäre es gewesen, wenn in irgendeiner Form die inhaltlichen Widersprüche zwischen Buch und Film aufgegriffen worden wären.
Beispielsweise wird im Film behauptet, zum Dampfabschied 1964 wäre eine zweite Garnitur mit den erst 1965 gelieferten Neubauwagen unterwegs gewesen.
Da die DVD übrigens weitgehend von der VGB "gesponsort" wurde, wirkt sie sich nicht kostensteigernd auf das Buch aus. Im Gegenteil: gemessen an ihrem Einzelverkaufspreis macht sie das Buch nahezu zum "Schnäppchen".

Mein Eindruck ist, dass mit dem Kenning-Buch eine mit viel Liebe zum Detail erstellte Ausgabe mit einer enormen Detailfülle in handwerklich hoher Qualität vorliegt.
Wer Schmalspurbahnen liebt und noch einen Weihnachtswunsch frei hat, sollte sich für dieses Buch entscheiden.



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.12.18 16:52.
Hallo!

Danke fuer diesen ausfuehrlichen und informativen Bericht.
Da hoffe ich doch einfach mal auf Weihnachten... ;-)

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind. Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Zudem biete ich Patenschaften fuer meine Fehler an.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.
Grundsätzlich kann ich mich den Ausführungen von Dampfhappi anschießen.
Bestimmt hätte sich eine bessere Lösung für die DVD finden lassen, ohne dass man den Einband beschädigen muss. Das haben andere Verlage schon besser gelöst.
Mir persönlich fehlt auch eine Aufnahme vom jetzigen Zustand der ehemaligen V52 902, welche ja nach einer Modernisierung wieder im Einsatz ist. Hier scheint auch etwas mit heißer Nadel gestrickt geworden zu sein. Man hatte wohl das Weihnachtsgeschäft im Blick. Es sind Fotos enthalten, die gerade mal vor sechs Wochen entstanden sind. Auch wurde ein Fehler wohl völlig übersehen. Die im Text erwähnten weiteren Lebensläufe der beiden Diesellokomotiven wurden leider komplett vertauscht, während sie an den Bildunterschriften wieder stimmen. Wirklich Schade für so ein Werk, das wirklich zu vermeiden gewesen wäre.
Trotzdem ist das Buch lesenswert.
Gruß Regio-Shuttle