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EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: Meise

Datum: 27.11.18 11:47

Moin!

In der scheinbaren Fließbandproduktion des Eisenbahn Journals ist kürzlich ein Heft mit dem Titel "Hafen-Bahn" und dem Untertitel "Güterumschlag in deutschen Seehäfen" erschienen. Zum Inhalt sagt der Untertitel eigentlich alles, wobei es natürlich vornehmlich um den Güterumschlag und -verkehr geht, an dem die Eisenbahn beteiligt ist. Um das Thema umfassend darzustellen, wird der eine oder andere Blick in Richtung Schifffahrt geworfen, was durchaus zum Problem wird, aber dazu später mehr.

Der erste Eindruck wurde durch die Fotos bestimmt. Es gibt viele sehenswerte ältere Fotos, wobei mir die aus dem Archiv der LHG besonders aufgefallen sind. Daneben finden sich viele neuere Aufnahmen, die in Sachen Lichtsituation und Motiv aus meiner Sicht nicht durchgehend überzeugen können. Aber aktuelle Aufnahmen vom Rangierbetrieb findet man andernorts genug, dafür braucht man dieses Heft nicht.

Mit diesem Eindruck habe ich dann mal etwas gelesen. Aus persönlichem Interesse habe ich mit dem Kapitel über die Ostseehäfen (S. 58 ff.) begonnen. Dabei änderte sich der Eindruck dann leider schnell und deutlich. Es wurden diverse Aussagen und Daten zu den Ostseehäfen niedergeschrieben. Einiges ist falsch, anderes ist vielleicht sachlich richtig, steht aber in einem merkwürdigen Zusammenhang. Und insgesamt fehlt die Einordnung in das große Ganze. Mehrfach wird geschrieben, dass die Ostseehäfen viel kleiner sind als die großen Nordseehäfen in Hamburg und Bremen/Bremerhaven. Ja, das ist so, aber für die Erkenntnis hätte es nicht dieses Heftes bedurft. Interessant wäre gewesen, neben den Umschlagzahlen auch die dazugehörigen Warenströme darzustellen. Und das hätte sogar das Thema getroffen, denn diese Warenströme sind die Basis für den Hinterlandverkehr, das Einsatzgebiet der Eisenbahn. So bleiben es ein paar Zahlen und die nicht wirklich neue Erkenntnis, dass die Häfen in Lübeck und Rostock weniger Waren umschlagen als die in Bremen und Hamburg und weniger Container sowieso.

Aber selbst innerhalb der auf niedrigem Niveau gezogenen Schlüsse bleibt es fragwürdig. Erst ist Rostock der größte Hafen an der deutschen Ostseeküste, kurz danach ist Lübeck der drittgrößte deutsche Universalhafen nach Hamburg und Bremen. Nun ist Universalhafen kein genormter Begriff, aber langläufig meint er einen Hafen, in dem nicht nur ein Produkt umgeladen wird. In Rostock wird mehr Fracht umgeladen als in Lübeck und die Mischung an verschiedenen Gütern ist auch bunter. Wie der Autor zu seinem Schluss kommt, bleibt sein Geheimnis.

Gleich zu Anfang des Kapitels taucht eine weitere interessante Aussage auf: "Anders als bei den Nordseehäfen fällt dem Containerumschlag in den Ostseehäfen eine eher marginale Rolle zu. Entsprechend bewegt sich der bahngestützte Seehafenhinterlandverkehr in diesem Bereich in eher bescheidenem Umfang, vorrangig wird er vom Massenguttransport bestimmt." Wer kennt sie nicht, die beeindruckenden Kohle- und Erzzüge, die von Kiel und Lübeck aus tief in das Hinterland rollen? Oder gibt es sie vielleicht doch nicht? Im Vorwort steht, dass die Häfen Lübeck und Rostock einen hohen Anteil im Kombiverkehr aufweisen. Was rollt denn da nun wirklich durch die Lande?

Die merkwürdigen Aussagen betreffen aber auch andere Aspekte der Eisenbahn. Im Zusammenhang mit den Häfen in Kiel heißt es: "Die verschiedenen Hafenteile mit ihren Gleisanlagen sind über das DB-Netz miteinander verknüpft. Von der DB-Strecke Kiel Flensburg in Suchsdorf abzweigend, werden die am Nord- Ostsee-Kanal gelegenen Häfen (Nordhafen und Scheerhafen) erschlossen. Über den Rangierbahnhof Kiel-Meimersdorf sind der Bollhörnkai, der Norwegenkai sowie der Ostuferhafen an das Schienennetz angebunden." Mal abgesehen davon, dass die Verknüpfung der Häfen untereinander für die Verkehre eher unwichtig ist, ist die Aussage zum Scheerhafen mindestens missverständlich, denn der liegt zwar neben der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal, aber an der Förde und ist per Schiff von dort erreichbar. Das Anschlussgleis, das von Meimersdorf aus parallel zur Schönberger Strecke den Ostuferhafen anbindet, ist mir bisher nicht aufgefallen. Oder ist er doch von Oppendorf aus angebunden? Und der wechselweise Gebrauch der Namen Bollhörnkai und Schwedenkai im Heft wird den nicht regional ansässigen Leser auch eher verwirren.

Das Steckenpferd Container taucht hier auch wieder auf. Beim Ostuferhafen ist im Text von dem dort ansässigen KV-Termninal Die Rede. "An den Eisenbahnterminals" wurden laut Aussage im nächsten Satz 2015 insgesamt 28.000 Trailer und Container auf die Bahn verladen. Es gibt also wohl ein zweites KV-Terminal, möglicherweise das weiter unten im Text erwähnte am Schwedenkai. Und weiter heißt es "Folglich ist dieser Bereich im Geflecht des Hafenbetriebs nur ein Nebenschauplatz, von Bedeutung ist dagegen der Stückgut- und RoRo-Verkehr mit den Fährlinien nach Skandinavien, Russland und in die baltischen Länder." Bisher dachte ich immer, die an den Terminals auf die Bahn umgeschlagenen Trailer wären ein nennenswerte Bestandteil dieser RoRo-Verkehre. Neben unsauberen Formulierungen entsteht an solchen Stellen der Eindruck, dass der Autor das Thema nicht wirklich durchdrungen hat.

Das war irgendwie nichts. Einen weiteren Versuch habe ich bei dem Kapitel über das interessante Thema Eisenbahnfähren unternommen (S. 38 ff.). "Lässt man jene mit rein lokaler Prägung beiseite, waren es immer nur wenige international ausgerichtete Eisenbahnfährverbindungen, die von den Ostseehäfen aus betrieben wurden. Etliche kamen überhaupt nur zustande, weil es der Lauf der Geschichte so wollte. Die Folgen des zweiten Weltkriegs mit der innerdeutschen Grenzziehung hatten massive Auswirkungen auf die Eisenbahnfährverbindungen." heißt es da. Die Breitspurfähren ab Mukran betrifft diese Aussage ganz sicher, hier wird als Beispiel aber die Vogelfluglinie genannt. Für ihre unmittelbare Entstehung ist das sicher zutreffend, aber die weitere Entwicklung der Warenströme in Europa begründet ihre Existenz aber auch, denn auch viele Fährlinien nach Skandinavien, die keine Eisenbahnwagen befördern, sind erst lange nach dem Krieg entstanden. Und die schon vor dem Krieg existierenden Linien kamen ganz sicher nicht als Folge des Krieges zustande. Der Begriff etliche scheint hier etwas unpassend.

Auf den spurweitenübergreifenden Verkehr über Mukran wird recht intensiv eingegangen. Dort wurde der Verkehr nach Klaipeda dann aber laut Text im Jahr 2013 eingestellt. Gefahrguttransporte werden aber scheinbar auch heute noch mittels Drehgestelltauschs abgewickelt. Fährt da doch noch was? oder nicht? Man erfährt es nicht. Hier wird das Heft aber scheinbar Opfer seiner Aktualität. Die genannten Kennzahlen stammen in der Regel aus den Jahren 2013 bis 2015, obwohl angesichts des Erscheinungstermins auch aktuellere Zahlen verfügbar gewesen sein müssten. Die Aussage, dass hier ursprünglich Güterwagen nach Schweden, Russland und den baltischen Ländern trajektiert wurden, irritiert ebenfalls. Dass die Wagen nach Schweden ursprünglich in einem anderen Hafen verschifft wurden, kommt dann später auch noch. Und die Aussage zu den anderen ursprünglichen Zielen erscheint ebenfalls zweifelhaft.

Etwas kurz kommen die Fährverbindungen ab Travemünde. Railship wird im Text nicht erwähnt, es wird aber ein sehr sehenswertes Bild (aus dem Archiv der LHG) von der Verladung in Travemünde gezeigt. Dass auch hier umspurbare Wagen im Einsatz waren, erfährt man aber erst an einer ganz anderen Stelle im Heft in einer Bildunterschrift. Zur Abrundung des Kapitels gibt es eine tabellarische Übersicht der Eisenbahnfährverbindungen, auch der mit eher regionalem verkehr, die im Text nicht vorkommen. Die Verbindung von Travemünde nach Malmö aber fehlt in dieser Tabelle.

Das war also auch nichts. Ein letzter Versuch folgte im Kapitel über die speziellen Güterwagenbauarten (S. 54). Der Text dümpelt mit bekannten Dingen vor sich hin, aber dann folgt eine interessante Feststellung: "Für den kombinierten Verkehr (KV) verfügt die Deutsche Bahn über zwei-, vier oder sechsachsige Tragwagen, die für den Verkehr mit Containern, Wechselbehältern und Sattelaufliegern gleichermaßen geeignet sind." Hier fällt dem Autor seine Gratwanderung zwischen Containern und Trailern sowie deren Zusammenfassung unter dem Begriff KV-Verkehr so richtig auf die Füße. Führte diese in dem Kapitel über die Ostseehäfen zu einigen Ungenauigkeiten, folgt daraus jetzt eine interessanten Erkenntnis über die eingesetzten Güterwagen. Mir sind die zweiachsigen Wagen für den Transport von Trailern in den ab Lübeck fahrenden Zügen allerdings noch nie aufgefallen.

Danach hatte ich dann keine Lust mehr, weitere Texte zu lesen. Wer gerne Bilder von der Eisenbahn in den deutschen Seehäfen anschauen möchte, der ist mit dem Heft sicher gut bedient, denn davon gibt es einige sehenswerte. Wer sich informative Texte über das Thema erhofft, der sollte nach den obigen Bespielen selber überlegen, ob er es auf einen Selbstversuch ankommen lassen möchte.

Falls jemand den Selbstversuch unternehmen möchte: [shop.vgbahn.info]

Gruß
Gunnar



Edit: Schreibfehler korrigiert





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.11.18 17:33.
Meise schrieb:
...Wer kennt sie nicht, die beeindruckenden Kohle- und Erzzüge, die von Kiel und Lübeck aus tief in das Hinterland rollen?
you made my day. vielleicht sind die Seerüben Verkehre ab Kappeln und Neustadt/H gemeint?

Auch deinen Eindruck bezgl. der Bilder teilen ich. alt=hui neu=eher pfui. Ist in vielen anderen Publikationen aber leider auch so.
Die LHG und die Bilder aus Glückstadt waren aber für mich den Heftpreis bereits wert. vorher noch nie gesehen.
Der Autor publiziert offensichtlich hauptberuflich und das mit einem enormen Output. Da bleibt sowas vermutlich nicht aus.

Grüße, Björn

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: ludger K

Datum: 27.11.18 16:34

Das nenne ich mal eine Rezension, die diese Bezeichnung wirklich verdient.

Mir ging es ähnlich. Zu den großen Überseehäfen habe ich keinen Bezug, vielmehr hatte ich mir von dem Heft einiges über die kleineren Seehäfen erhofft, wie z.B. Leer, Norddeich, Bensersiel, Harlesiel (stattdessen gibt es nur ein Bild von Wangerooge), Wilhelmshaven (alt), Elsfleth, Brake, Blexen, Farge, Schleswig, Kappeln, Eckernförde, Großenbrode, Barth, Wittower Fähre (nur ein knapper Bildtext), Greifswald, Wiek-Eldena, Peenemünde oder Lassan, aber leider allesamt Fehlanzeige. Vom wichtigen Wismarer Hafen wird nur lapidar mit wenigen Sätzen die (für mich uninteressante) Neuzeit angesprochen, der nicht minder wichtige Emder Hafen wird nur beiläufig erwähnt und außerdem gab es bis 1945 noch weitaus mehr deutsche Seehäfen, die hier völlig totgeschwiegen werden. Dagegen ist mir nicht klar, warum es sich beim Rbf Maschen um einen Hafenbahnhof handeln soll und was in einem solchen Heft Fotos eines Culemeyers mit einem G-Wagen in München oder einer 44er mit Güterzug bei Nienburg zu suchen haben. Einerseits macht vieles den Eindruck wie mit der heißen Nadel gestrickt, andererseits soll sich das Projekt (wie ich hörte) sehr lange hingezogen haben. Kann man bei einer derart langen Vorlaufzeit nicht mehr erwarten?


http://666kb.com/i/dz1etoazcuy5ahb7e.jpg


Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: WHA

Datum: 28.11.18 12:03

Moin zusammen,

ich hatte vor einigen Tagen die Gelegenheit, das Heft bei einem Bekannten in Ruhe durchblättern zu können und war danach kuriert. Schon das Konzept muß scheitern: So ein umfangreiches Thema kann man nicht auf 100 Seiten abhandeln (eigentlich noch nicht einmal anreißen). Auch der Autor ist keiner der kompetentesten: Gestern habe ich seinen Namen "gegoogelt". Bei der Anzeige der Bilder bin ich dann fast vom Stuhl gefallen, denn es gibt offensichtlich kein Eisenbahnthema zu dem er nicht schreiben kann. Das Repertoire reicht von der Streckengeschichte (quer durch ganz Deutschland) über Fahrzeuge (von Vorkriegsbauarten bis zu modernen Triebwagen) bis hin zu historischen Themen aus der Zeit vor und nach dem Krieg. Er lebt offenbar davon, daß er aus wenig Material 100-Seiten-Hefte zusammenkloppt.

Ein qualitativ ganz besonders gelungenes Machwerk ist übrigens sein Buch über den Gleisbau, das vor zwei Jahren beim EK erschienen ist. Es ist von einer ausgesuchten Oberflächlichkeit und zeugt nicht zuletzt aufgrund der fehlenden (oder zumindest nicht erkennbaren) inhaltlichen Systematik sowie sachlichen Fehlern von einer derartigen Unkenntnis der Materie, die es seriösen Autoren unmöglichen machen würde, so ein Buch zu schreiben.

In dem speziellen Falle allerdings hätte auch ein anderer Autor unter dem jetzigen Titel kaum etwas vernünftiges produzieren können. Der ist einfach viel zu umfassend, als daß man auf 100 Seiten etwas Brauchbares produzieren könnte. Herausgekommen ist nun die klassische Bahnhofs-Mitnahme-Lektüre, bei der man sich zuhause fragt, warum man zugegriffen hat.


Beste Grüße
Wolfgang
Hallo,

ich hatte vor rund 1,5 Wochen auf der Kölner Modelleisenbahnmesse die ausführliche Gelegenheit, dieses Heft zu studieren. Während einige interessante hist. Aufnahmen zunächst mein Interesse weckten, stellte sich beim Studieren des Textes sehr schnell heraus, das dieser ziemlich oberflächlich und fehlerbehaftet ist. Zudem stellte sich auch mir die Frage, wie man alle heutigen Häfen zwischen Emden und Uckermünde (die ehem. dt. Häfen vor 1945 hatte ich aus Platzgründen schon gar nicht erwartet) in einem Sonderheft (sic!) abhandeln wollte - herauskommen konnte nur ein unvollständiges Stückwerk, eine Art Steinbruch, der die Themen nur anreißt - aber eine gar nur minimale Tiefe völlig vermissen ließ.

Meine Ergebnisse decken sich in vielen Teilen mit dem User Meise - das Heft taugt nur als Bilderbuch, aber nicht als Informationslektüre zum Thema Eisenbahn & Häfen.
Ich habe das Heft wieder ins Regal zurückgelegt - ein Schnellschuss in solcher frag- und kritikwürdiger Qualität war mir im Bereich der mich interessierenden Themen aus Fürstenfeldbruck bzw. Essen noch nicht untergekommen. Das Geld für dieses Sonderheft ist wahrlich woanders besser angelegt.

Beim Studieren des neuen EK-Prospektes fällt auf, dass der Autor Udo Kandler nicht nur bei VGB omnipräsent ist, er hat seine Schlagzahl offenbar noch deutlich erhöht und ist jetzt als Vielschreiber auch beim EK angelangt. Ob diese offenbare Fließbandschreiberei den entstehenden Abhandlungen guttut oder es sich nur um das Verdienen eines "schnellen Euro" handelt, möge jeder interessierte Leser für sich selbst beurteilen. Mich überzeugen diese Art von Hefte jedenfalls immer weniger.

Archivator
Archivator schrieb:

Beim Studieren des neuen EK-Prospektes fällt auf, dass der Autor Udo Kandler nicht nur bei VGB omnipräsent ist, er hat seine Schlagzahl offenbar noch deutlich erhöht und ist jetzt als Vielschreiber auch beim EK angelangt. Ob diese offenbare Fließbandschreiberei den entstehenden Abhandlungen guttut oder es sich nur um das Verdienen eines "schnellen Euro" handelt, möge jeder interessierte Leser für sich selbst beurteilen.


Lieber Archivator,

wann kommen endlich Deine glanzvollen Publikationen auf den Markt??? Wie lange müssen wir noch warten, 5 Jahre, 20 Jahre oder 50 Jahre???

Bei so viel Expertise, die Du als allwissender Mensch uns hier vorgibst zu haben, müsstest Du doch aus dem ff wissen, wie man „gute“ und qualitativ besonders hochwertige Bücher verfasst, oder irre ich mich da? Man muss ja nicht gleich ganze Bücher schreiben, ein kleiner Artikel über den Begriff „Rußkübel“ wäre doch mal ein lohnenswerter Anfang... :-)

Lieber Herr Kandler, ich bin Ihnen großen Dank verpflichtet, Sie haben in der Vergangenheit in meinen Augen mit Ihren sehr lesenswerten und informativen Heften zum Beispiel über die Moselstrecke (Standartwerke!) mir und anderen viel Gutes getan und mit Ihren Themen den Markt an Eisenbahnliteratur in den letzten 30 Jahren bereichert!


Viele Grüße,
Marc
Hallo Marc,

schön, dass Dir das Hafen-Heft gefällt, Du entspricht offensichtlich exakt der Zielgruppe, die seitens der Verlagsgruppe Bahn mit diesem Heft angepeilt wurde. Aber eine Bemerkung muss sein: Ein Sonderheft - egal von wem - kann niemals ein Standardwerk (Standard bitte mit "d", oder meinst Du "Standarte", das ist was anderes) sein, auch kein Heft über die Moselstrecke. Gerade dieses Thema ist etwas für ein nicht zu dünnes Buch.

Und was die Kritik am Archivator angeht: man muss nicht selbst Buchautor sein, um neue Literatur zu besprechen und zu bewerten - dafür reicht profundes Wissen bezüglich des Themas. Ich selbst schreibe nebenbei Rezensionen fürs em, aber nur zu Büchern, bei deren Inhalt ich bewandert bin.

Viele Grüße

Martin
Hallo Martin,


schön, dass Dir das Hafen-Heft gefällt,

Entschuldigung, wo bitte schön habe ich behauptet, dass mir das Hafen-Heft gefällt?



Aber eine Bemerkung muss sein: Ein Sonderheft - egal von wem - kann niemals ein Standardwerk sein, auch kein Heft über die Moselstrecke. Gerade dieses Thema ist etwas für ein nicht zu dünnes Buch.



Die beiden 1991 erschienen Hefte „Eisenbahnen im Moseltal I und II“, die schwerpunktmäßig von der Moselstrecke handeln, bilden für mich insofern Standardwerke, weil sie meines Erachtens die einzigen Publikationen darstellen, die bis heute die wichtigsten Aspekte (Entstehungsgeschichte, Bahnbetriebswerke, Stichstrecken, Kaiser-Wilhelm-Tunnel etc.) zu dieser Thematik bringen. Wenn man die Inhalte (Zahlen, Daten, Fakten) beider Hefte in und auswendig kennt, hat man meiner Meinung nach durchaus schon mal ein gutes Grundlagenwissen zur Geschichte der Eisenbahnen im Moseltal.



Und was die Kritik am Archivator angeht: man muss nicht selbst Buchautor sein, um neue Literatur zu besprechen und zu bewerten - dafür reicht profundes Wissen bezüglich des Themas.



Mit meiner Kritik an Archivator kritisiere ich, das mir manchmal recht einseitig erscheinende Wesen des Kritikers. Wobei ich hier noch einmal zwischen dem konstruktiven und destruktiven Kritiker differenzieren möchte. Jemand, der einen schon seit Jahrzehnten erfolgreichen und guten Autor in Frage stellt, möge es bitte besser machen.




Viele Grüße
Marc
Hallo Marc,

unabhängig von den Werken des Herrn Kandlers oder dieses Hafen-Heftes scheint es mir, dass Du auf Berichte des Archivators mit einem gewissen Beißreflex reagierst. Kann es sein, dass es Dir hier nicht um die Sache, sondern um die Person geht?

Nichts für ungut, aber das ist mein Eindruck auf Deine Einlassung oben.

Mit freundlichem Gruß
Stefan P.

Spur 0 - was sonst?

Meine Beiträge im HiFo: [www.drehscheibe-foren.de]

Bitte Fokus auf das Heft!

geschrieben von: MWD (Mod)

Datum: 29.11.18 09:29

An dieser Stelle meine ausdrückliche Bitte an alle, zurück zum Kernthema zu kommen - das "Hafen-Heft". Wie einzelne User untereinander zueinander stehen, soll hier nicht Thema sein, und führt nur wieder zu dem altbekannten Hauen & Stechen...

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: Harald Sydow

Datum: 29.11.18 11:33

Was will man denn erwarten, als oberflächlich schnell zusammen geraffte schnell konsuierbare Hefte.
Das Kohle Heft war doch nicht anders.
Die wollen doch keine langfristige recherchierte Abhandlung, Verlag und Autor wollen doch schnelles Geld.
VGH gehört doch die Funke Medien Gruppe und die wollen verdienen.
Es lebe der schnelle Konsum, leider.

Glückauf
Sydow



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.11.18 12:27.

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: 614 005

Datum: 29.11.18 12:16

Harald Sydow schrieb:
Die wollen noch keine langfristige recherchierte Abhandlung, Verlag und Autor wollen doch schnelles Geld.
VGH gehört doch die Funke Medien Gruppe und die wollen verdienen.
Es lebe der schnelle Konsum, leider.

Glückauf
Sydow
Da gebe ich dir vollkommen recht. Aber bei anderen Verlagen und Verlegern ist das nicht anders!
614 005

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: ludger K

Datum: 29.11.18 12:56

Harald Sydow schrieb:
Was will man denn erwarten, als oberflächlich schnell zusammen geraffte schnell konsuierbare Hefte.
Das Kohle Heft war doch nicht anders.
Die wollen doch keine langfristige recherchierte Abhandlung, Verlag und Autor wollen doch schnelles Geld.
VGH gehört doch die Funke Medien Gruppe und die wollen verdienen.
Es lebe der schnelle Konsum, leider.

Glückauf
Sydow
Bei den leidigen Kellerheften ist das durchaus der Fall, aber aus Fürstenfeldbruck kommen durchaus auch anspruchsvolle Bücher, wie z.B. Plettenberg oder Gera, hinter denen autoren- und verlagsseitig sehr viel Arbeit steckt. Das ist also keine Frage des Verlages.

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: L-B-E

Datum: 29.11.18 14:33

Hallo Gunnar,

Zitat:
...Wer gerne Bilder von der Eisenbahn in den deutschen Seehäfen anschauen möchte, der ist mit dem Heft sicher gut bedient, denn davon gibt es einige sehenswerte. Wer sich informative Texte über das Thema erhofft, der sollte nach den obigen Bespielen selber überlegen, ob er es auf einen Selbstversuch ankommen lassen möchte.

vielen Dank für Deinen ausführlichen Einblick in diese Neuerscheinung.
Aus gutem Grund kann ich Deine Ausführungen nicht ergänzen.

Über die Gründe des Ergebnisses möchte ich keine Mutmaßungen anstellen,
da fehlt mir das Hintergrundwissen.

Aber, kann man bei einem Verkaufspreis von 15,00 € ernsthaft fundierte und gehobene Fachliteratur erwarten?
Oder ist es nicht fairer gegenüber Verlag und Autor solche Produkte grundsätzlich als Unterhaltungsliteratur einzuordnen?
Die Frage ist doch, welche Erwartungshaltung hat der Käufer und was ist er bereit dafür auszugeben?
Und gerade letzteres ist speziell in Deutschland ein immer wiederkehrendes Thema.

Ich finde es gut, wie Du diesen Titel angesprochen hast.
Man kann nur hoffen, das alle Beteiligten (Käufer/Verlag/Autor) die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

VG Frank

Ein echtes Foto muß nicht erklärt werden; noch kann es mit Worten beschrieben werden - Anselm Adams

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: claus_pusch

Datum: 30.11.18 12:48

Hallo allerseits,
Über das Hafen-Heft kann ich nichts sagen, ich kenne es nicht. Den Autor Udo Kandler kannte ich vor allem von seinen regional-streckenbezogenen EJ-Sonderheften aus den späten 1980er und 90er Jahren (Moselstrecke, Lahntalbahn, Eifelbahn Köln-Ehrang, Westerwald), und ich möchte Marc zustimmen, dass diese Publikationen sehr gut waren und schon als Referenzen gelten dürfen. Neben historischem Bildmaterial und Fotos anderer Fotographen fanden sich in diesen EJ-Sonderheften viele m.E. ausgezeichnete Fotos von Herrn Kandler selbst, oft von wenig bekannten (bzw. mir unbekannten) Foto-Standpunkten. Das gilt vor allem für die Lahntalbahn, und auch der kleine Bildband "Dieselbetrieb im Lahntal", den Herr Kandler 2007 beim EK-Verlag veröffentlicht hat, hat mir deswegen gut gefallen. Das letzte Kandler-Produkt, das ich erworben habe, war ein 2017 erschienenes EJ-Sonderheft zur Moselstrecke, sozusagen ein Follow-up zu den Sonderheften aus den 90er Jahren, die ich aber deutlich besser und informativer fand. Dass mich das 2017er-Heft nicht wirklich überzeugt hat, liegt aber auch an der Aufmachung der heutigen EJ-Sonderhefte im Vergleich zu denen der "1. Generation": das Layout ist 'luftiger', es wird viel Weiß um die Bilder und den Text belassen, und das geht natürlich auf Kosten der Informationsdichte. Zudem waren die aktuellen Bilder im Heft von 2017 weniger beeindruckend als Herrn Kandlers Foto in den früheren Publikation, was daran liegen mag, dass er inzwischen eben mehr schreibt als fotographiert. Dass die Sonderheft-Flut von allen Seiten ein Ärgernis ist, steht außer Frage; ich für meinen Teil kaufe deswegen praktisch keine mehr...
Viele Grüße, Claus

Liste meiner Forenbeiträge auf DSO: [www.claus-pusch.de]

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: EP 5

Datum: 30.11.18 12:56

Hallo,

ich finde es schade, wenn das Heft tatsächlich die genannten Fehler und Mängel aufweisen würde. Das kann weder im Sinner des Autors, noch im Sinne des Verlages sein.

Vielleicht besteht in Zukunft die Möglichkeit, dass eine solche Publikation noch einmal vor der Veröffentlichung von einem Fachmann von außerhalb korrekturgelesen wird? Das dürfte für einen namhaften Verlag eigentlich kein Problem darstellen.


Gruß,
Marc

Re: EJ-Exklusiv 1/2018 - Hafen-Bahn von Udo Kandler

geschrieben von: ludger K

Datum: 30.11.18 13:38

EP 5 schrieb:
Vielleicht besteht in Zukunft die Möglichkeit, dass eine solche Publikation noch einmal vor der Veröffentlichung von einem Fachmann von außerhalb korrekturgelesen wird? Das dürfte für einen namhaften Verlag eigentlich kein Problem darstellen.
Für einen "namhaften", ausschließlich kommerziell denkenden Verlag sind solche Korrekturgänge sehr wohl ein Problem, denn sie kosten Zeit und Geld. Auch für einen Lektor mit dem üblichen, äußerst knapp bemessenen Honorar sind solche Umstände unzumutbar (welcher "namhafte Verlag" schaltet heutzutage noch einen Lektor ein?). In den letzten Jahren ergab es sich bei mir mehr und mehr, daß das Layout schon lange vor der Drucklegung innerhalb eines fünf- bis zehnköpfigen Korrekturkreises unzählige Male hin und her geht, immer wieder fallen dem einen oder anderen Mitarbeiter diverse Details auf oder ihm fallen weiteren Quellen ein, die sich noch ausschöpfen ließen, immer wieder gibt es Meinungsverschiedenheiten, die oftmals sehr kontrovers ausdiskutiert werden, bis wir uns dann auf eine publikationsreife Version einigen. Wenn das Buch dann erscheint, gibt es für niemandem in der Gruppe noch Überraschungen, weil sie alle bis zur Drucklegung über jede Änderung auf dem Laufenden gehalten werden. Das alles erfordert sehr viel Idealismus, aber wie gesagt: Für einen "namhaften" Verlag wären solche Korrekturabläufe ein echtes Problem. Andererseits verschwinden die Kellerhefte schon bald im Keller in großen Stapeln ähnlicher Hefte, da kratzt es in einem Jahr niemandem mehr, ob sie inhaltlich Hand und Fuß haben oder nicht. Anders sieht es bei Büchern aus: Sie haben einen festen Einband mit Rückenbeschriftung, stehen gut sortiert und wieder auffindbar im Bücherschrank und müssen auch noch in einigen Jahrzehnten inhaltlich "ihren Mann stehen".
Hallo Ludger,

auch wenn dort nicht alles optimal läuft, muss ich für die VGB eine Lanze brechen, was das Thema "Korrekturgänge" betrifft. Anlässlich der Vorbereitung des Kalenders Bahn und Hafen Hamburg 2019 hatten Thomas Hilge und ich sehr viel Zeit investiert, um die historischen Aufnahme genau zu verorten, damit die Bildtexte korrekt sind. Es wäre wohl nicht vielen aufgefallen, wenn wir dass nicht gemacht hätten.

Ansonsten hast du schon Recht, das Kommerzielle steht bei der Geschäftsleitung im Vordergrund. Da wird ein Themenvorschlag schon mal abgelehnt z.B. mit der Begründung "Ausland geht gar nicht".

Grüße von der Alster
Rainer
Moin zusammen,
das fragliche Heft kenne ich nicht. Aber, wie schon erwähnt, kann es inhaltlich ja auch nur ein "Überflieger" sein. Daher ist es sicherlich Geschmacksache. Spannend finde ich hingegen in diesem Zusammenhang Ludgers Hinweise auf die kleineren Seehäfen. Einmal die Weser hinunter, von Elsfleth über Brake nach Nordenham und Blexen. Nicht minder spannend erscheinen da vielleicht auch Glückstadt, Büsum und Husum. Neustadt/Holstein nicht minder. Mit "Themenheftchen" ist es da aber wohl nicht getan. Eine Buchserie? Die "kleinen" Seehäfen an Nord- und Ostsee, Hafenbahn und Zufuhr- und Anschlussstrecken?
Und bevor wieder einer nicht auf seinen Fingern sitzenbleiben kann, ich machs nicht.
Gruß HG

PS.: Das Haus auf Ludgers eingestellter Ansichtskarte, links im Bild, existiert übrigens noch. Aber außer einem Kreuzungsgleis im Bahnhof ist in Elsfleth von Werftanschlüssen und den Gleisen an Ladestraße und Kaimauer nichts übriggeblieben.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.12.18 11:11.