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 11 - Bahn und Medien 

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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Guten Tag,

hier die ersten Buchbesprechungen (Rezensionen) der Novitäten,
weitere folgen in Kürze.

Wie immer gilt, nicht jeder Titel ist "an der jeder Ecke" erhältlich.

Gruß aus Köln
Rolf Hafke
hafke.koeln@t-online.de




*** Nahverkehr Deutschland ***
„Geschichte der Straßenbahn Augsburg“ von Martin Pabst, Thalhofen 2018, 256 Seiten im Format 21,5 x 21,5 cm, gebunden. Herausgeber: Bauer-Verlag; Preis: 28,00 €

Aus Anlass des 120jährigen Jubiläums der elektrischen Straßenbahn erschien in einem Regionalverlag, der bisher auf dem Sektor der Verkehrsliteratur noch nicht in Erscheinung getreten ist, diese Chronik. Zusammengestellt worden ist sie von Martin Pabst, einem in Sachen Veröffentlichungen über Straßenbahnen erfahrenen und mit der Materie bestens vertrauten Autor. Wie schon mehrfach bei anderen zu solchen Anlässen herausgegebenen Veröffentlichungen angemerkt, stellen Jubiläumsschriften immer eine Gratwanderung zwischen Selbstbeweihräucherung und sachlicher Information dar, die möglichst viele Leute ansprechen, aber auch „was her machen“ soll, ohne dabei aber allzu viele Kosten zu verursachen. Schon ein erster Blick in das Inhaltsverzeichnis und ein Durchblättern zeigt, dass dies mit dem vorliegenden Buch gut gelungen ist, wobei die Frage der Kosten allerdings unbekannt bleibt. Das Werk ist von Format und Stärke gut zu handhaben, besitzt ein „bodenständiges“ Layout und vom Inhalt die richtige Mischung aus Text und Illustrationen, welche es nicht nur für den Verkehrsfreund interessant macht, sondern auch für den Bewohner von Augsburg und Benutzer der Straßenbahn.

Das Buch zeigt anschaulich, welchen Aufschwung das Verkehrsmittel Straßenbahn in Augsburg gerade in den letzten Jahrzehnten genommen hat, nachdem das Netz zuvor auf drei Linien zusammengeschrumpft war. Die geschichtliche Entwicklung wird in sieben Zeiträume gegliedert dargestellt. Auch dem Wagenpark wird entsprechend Raum eingeräumt. Zahlreiche Fotos in Schwarz-weiß und Farbe, gut in der Qualität aber hin und wieder nach dem Empfinden des Rezensenten etwas zu dunkel geraten, ergänzen den flüssig geschriebenen Text. Auch etliche Netzpläne zur Verdeutlichung der Netzentwicklung fehlen nicht. Der Augsburger Straßenbahn wird mit diesem gut gestalteten und thematisch umfassenden Buch ein schönes Jubiläumsgeschenk bereitet, welches auch Straßenbahnfreunden Freude bereiten dürfte. (reu)



„Berliner U-Bahn-Linien - U 3“ von Alexander Seefeldt und Axel Mauruszat, Berlin 2018, 128 Seiten im Format 17,0 x 24,0 cm, broschiert. Herausgeber: Robert Schwandl Verlag; Preis: 19,50 €

In der Reihe der U-Bahn Hefte des Atlanten-Spezialisten Schwandl ist nun eine Abhandlung über die Kleinprofillinie U3 erschienen, welche mit ihrem heutigen Verlauf von der Warschauer Straße nach Krumme Lanke mehrere unabhängig voneinander in den Jahren 1902 bis 1929 entstandene Streckenäste der Berliner U-Bahn miteinander verbindet. Kernstück ist die als Wilmersdorf – Dahlemer Schnellbahn bezeichnete Strecke vom Wittenbergplatz nach Krumme Lanke. Mehr als die Hälfte der heutigen Strecke verläuft außerhalb von Tunneln, was die Fahrt sehr abwechslungsreich gestaltet.

Der Aufbau der Broschüre entspricht den bereits über andere Berliner U-Bahnstrecken erschienenen Veröffentlichungen und die Autoren dokumentieren erneut in großer Ausführlichkeit Planung, Bau, Betrieb und heutigen Zustand der Linie, wobei die hier eingesetzten Fahrzeuge nur am Rande abgehandelt werden. Ergänzt wird der Text durch eine Vielzahl von Fotos, Plänen und Tabellen, wobei es wieder faszinierend ist, was aus den Anfangsjahren alles noch vorhanden ist. Wer sich für die Berliner U-Bahn und ihre Strecken interessiert und auch tiefer in die Materie einsteigen möchte, der wird auch mit dieser Veröffentlichung bestens bedient. Auch das „Nutzen-Kosten-Verhältnis“ stimmt und liegt mit Sicherheit bei weit über der magischen „1“! (reu)



„Die Straßenbahn in Neunkirchen“ von Roland Priester und Stephan Lücke, Erfurt 2018, 120 Seiten im Format 17,0 x 24,0 cm, gebunden, Herausgeber: Sutton-Verlag; Preis: 20,00 €

In der Buchreihe Zeitreise des Erfurter Verlages ist aus Anlass des 40. Jahrestages der Stilllegung der letzten Straßenbahnlinie 1978 ein Band über die lange Jahre einzige Straßenbahn im Saarland erschienen. Wer hätte damals gedacht, dass dieses Verkehrsmittel in Form einer modernen Regionalstadtbahn im Raum Saarbrücken einmal neu entstehen würde? Wie üblich mit Schwerpunkt auf den Illustrationen hat es sich das Buch laut Vorwort zum Ziel gesetzt, besonders bei der Bevölkerung die Erinnerung an die Straßenbahn wieder erwachen zu lassen und zu festigen. Dies ist gut gelungen, wobei besonders hervorgehoben werden muss, dass aus den Zeiten der „alten Straßenbahn“, also vor der Anschaffung von acht Gelenktriebwagen des Typs GT 4 und späterer Reduzierung auf eine recht kurze Linie, zahlreiche sehr schöne Bilddokumente zusammengetragen worden sind. Die Besonderheit des Betriebes in Form einer über 11 Prozent starken Steigungsstrecke zwischen Ober- und Unterstadt, wird ausführlich in Word und Bild dokumentiert. Das Buch zeigt auch eindrucksvoll, wie sich die Geschäftswelt entlang der von der Straßenbahn befahrenen Straßen im Laufe der Jahre nicht unbedingt zum Vorteil für die Stadt und die dort lebenden Menschen verändert hat. Insofern bieten etliche Bilder viel mehr als „nur“ Straßenbahnen.

Die Qualität der Bilder, von denen die des Restbetriebes zumeist farbig sind, ist sehr gut, wobei allerdings die Häufung von Bildern, durch die der Seitenfalz störend verläuft unangenehm auffällt. Dies ist aber leider ein „verlagsübliches Ärgernis“ welches nicht nur dem Rezensenten missfällt. Jedem der fünf Kapitel, welche der zeitlichen Entwicklung folgen ist ein kurzer Text vorangestellt, welche die wichtigsten Daten enthalten. Weitere Informationen gibt es in den meist recht detaillierten Bildlegenden. Auch das kurzlebige Verkehrsmittel Obus wird mit einigen Bildern behandelt.

Alles in allem eine gelungene Erinnerung an die lange Zeit einzige Straßenbahn des Saarlandes, welche nicht nur dem an Heimatgeschichte, sondern auch dem Verkehrsfreund Vergnügen bereiten wird und zudem auch noch recht preiswert ist. (reu)



*** Nahverkehr Österreich ***
„Nach Mödling mit der Straßenbahn“ von Egbert Leister, Wien 2018, 112 Seiten im Format 21,0 x 29,5 cm, broschiert, Herausgeber: Verband der Eisenbahnfreunde (VEF); Preis: 24,90 €

Eine Besonderheit des Wiener Straßenbahnnetzes waren sowohl links als auch rechts der Donau zwei weit ins Umland führende Strecken, die ihren Ursprung in einer Dampfstraßenbahn hatten und mit der Elektrifizierung 1912 in das Straßenbahnnetz einbezogen wurden. Im Süden der Stadt war dies die Strecke von Mauer nach Mödling, die mit Ausnahme der Zeit des von den Nationalsozialisten geformten „Groß Wien“ (1938 – 1954) außerhalb des Gemeindegebietes verlief und auch tariflich gesondert behandelt wurde. Die im Wiener Nummernsystem als Verlängerungen der aus der Stadt kommenden Linie 60 als 260 (bis Perchtoldsdorf) bzw. 360 (bis Mödling) und damit sehr hohen Nummern bezeichneten Linien zeichneten sich durch eine reizvolle Streckenführung in einer vor allem vom Weinbau geprägten Region aus, was an schönen Sonntagen zu einem sehr hohen Ausflugsverkehr führte, die auf der eingleisigen Strecke eine sehr gut geplante Betriebsabwicklung voraussetzte.

Bei Verkehrsfreunden und Fotografen hatte die Strecke nach Mödling einen hohen Stellenwert, entsprechend gut ist sie fotografisch bearbeitet und auch immer wieder literarisch behandelt worden. Schon seit Jahren hält auch das Stadtverkehrsmuseum in Mödling engagiert die Erinnerung an die Strecke aufrecht.

Aus Anlass der Einstellung der Linie im November 1967 erschien nach 50 Jahren die Zeit reif, mit einem Sonderheft der Zeitschrift des Dachverbandes der österreichischen Verkehrsfreunde (VEF) an sie zu erinnern. Entstanden ist eine übersichtlich gestaltete Chronik von den Anfängen des Dampfbetriebes bis zur umstrittenen politisch bedingten Einstellung auf dem Boden des Bundeslandes Niederösterreich liegenden Streckenabschnitts. Vom Abschnitt Mauer – Rodaun hatten sich 260 und 360 schon im November 1963 verabschiedet, als hier eine große Schleifenanlage als Umsteigepunkt zwischen der Stadtlinie 60 und den Außenlinien entstand, welche auch die Tarifgrenze darstellte.

Übersichtlich und detailliert wird die Entwicklung, der Fahrzeugeinsatz, die Betriebsabwicklung und das Tarifwesen der Straßenbahn nach Mödling behandelt. Zahlreiche Fotos in Schwarz-weiß und Farbe in guter Qualität ergänzen den Text ebenso wie Karten, Fahrpläne und sonstige Dokumente. Auch wer die Situation nicht gekannt hat, kann sich an Hand dieser lesenswerten Veröffentlichung ein gutes Bild davon machen, was die Besonderheiten und den sich daraus später gebildeten Mythos der Strecke ausmacht. Aus dem Fundus der verfügbaren Bilder zumeist unveröffentlichtes Material zu sehen, erhöht den Anreiz zum Erwerb dieser Broschüre weiter. Für den Freund der Wiener Tramway ist die Neuerscheinung eine Anschaffung, die er nicht bereuen wird! (reu)



*** Nahverkehr international ***
„Trams 2019“ von B.A. Schenk und M.R. van den Toorn, Alkmaar 2018, 272 Seiten im Format 14,5 x 21,0 cm, broschiert, Herausgeber: Uitgeverij de Alk; Preis: 21,00 €

Eine der Konstanten bei den Neuerscheinungen zum Jahresende ist zuverlässig das Strassenbahn-Jahrbuch aus den Niederlanden. Nunmehr im 41. Jahr wird es für das Jahr 2019 mit der Rückschau auf die Ereignisse des ablaufenden Jahres vorgelegt. Das Autorenteam Schenk/van den Toorn bearbeitet die Bände nun bereits seit 1998, wobei Bas Schenk bereits einige Jahre früher eingestiegen ist und das Jahrbuch auch einige Zeit alleine betreut hat. Im Laufe der langen Zeit hat sich eine hohe Professionalität dabei herausgebildet, die wichtigsten Ereignisse der Straßenbahnbetriebe in Europa, aber auch auf anderen Kontinenten zu sammeln und punktgenau in Kürze darüber zu berichten. Ein großer und zuverlässiger Kreis von Informanten trägt dazu ebenso bei, wie zahlreiche Fotografen, die entsprechende Abbildungen dazu liefern. Auch die beiden Autoren sind hier als Weltreisende in Sachen Straßenbahn weiterhin aktiv. Zahlreiche Farbaufnahmen in guter Qualität ergänzen die Texte und helfen manchmal auch über ein eventuelles Sprachproblem gut hinweg. Heute gibt es hier aber ja auch zuverlässig arbeitende Übersetzungsprogramme Internet!

Seit vielen Jahren wird nach der Chronik der Ereignisse am Schluss des Buches auch immer ein Schwerpunktthema behandelt. Dieses Mal geht es um die Straßenbahnbetriebe in Japan, wobei die Berichterstattung des Umfanges wegen auf dieses und das nächste Jahrbuch aufgeteilt wird. Hier gefallen besonders die sehr guten Farbaufnahmen aus den 1970er Jahren aus der von Bas Schenk betreuten Sammlung von Hans Oerlemans.

Erneut ein Kompendium, an dem ein Chronist und Datensammler nicht vorbeikommt, denn etwas Vergleichbares gibt es in deutscher Sprache mit anderen Schwerpunkten nur ansatzweise mit dem Jahrbuch des Straßenbahn-Magazins, welches sich hinsichtlich seines Informationswertes sehr positiv entwickelt hat. (reu)