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Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Hallo!

das Buch „Kleinbahnreise durch die Prignitz“ ist ein wahrlich gewichtiges Buch (man ist ob des Umfangs versucht, von einem „Zuschlagewerk“ zu sprechen) zur Geschichte des Prignitzer Schmalspurnetzes im Norden der früheren Provinz Brandenburg.

Dieses Netz entstand, als im Herbst 1897 gleichzeitig die Ost- und die Westprignitzer Kreisbahnen die Kleinbahnstrecken Perleberg – Hoppenrade bzw. Kyritz – Hoppenrade / Breddin eröffneten, die bis 1912 um weitere Strecken (Viesecke – Glöwen, Lindenberg – Pritzwalk und Lindenberg – Kreuzweg) erweitert wurden und ein rund 100 Kilometer langes Streckennetz in 750 mm-Spur bildeten.
Man kämpfte sich durch gute und schlechte Zeiten, doch mit dem Verkehrsträgerwechsel im Zuge der Transportrationalisierung wurde dieses Netz bis 1971 komplett eingestellt.

Allein darüber wäre schon viel zu berichten, doch geht das Geschehen weiter: Ab 1993 schlossen sich Eisenbahnbegeisterte zusammen und begannen erst zu sammeln und zu sichern und dann wieder aufzubauen, so dass heute (unter Leitung des Prignitzer Kleinbahnmuseums Lindenberg e. V. (PKML) zumindest auf dem Teilstück Mesendorf – Lindenberg die Geschichte dieser Eisenbahn wieder (im Wortsinn) erfahren werden kann.
Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass das Werk keine Kleinbahnchronik im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine Bilderreise über das Netz zur DDR-Zeit sein soll.

Dem obligatorischen Vorwort folgen die zwölf Kapitel „Betriebsmittelpunkt Perleberg“, „Der Knotenbahnhof Lindenberg“, „Von Lindenberg nach Kyritz“, „Der Kleinbahnhof Kyritz“, „Vom Abzweig Rehfeld nach Breddin“, „Von Pritzwalk nach Lindenberg“, „Von Lindenberg nach Glöwen“, „Von Glöwen nach Havelberg“, „Die Fahrzeuge zur Reichsbahnzeit“, „Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e. V. (PKML) und die Museumsbahn Mesendorf – Lindenberg“ sowie „Normalspurig von Pritzwalk nach Putlitz“.
Diese Kapitel bestehen i. d. R. aus einem Abschnitt über die Streckengeschichte, dem dann Abschnitte über die einzelnen Stationen folgen.

Zu sehen gibt es viele, meist recht große Aufnahmen, die mit aussagekräftigen Bildunterschriften verbunden sind, sowie zahlreiche Strecken- und Gleisplanskizzen.
Letztere sind sämtlich unmaßstäblich, jedoch in Graustufen koloriert, so dass Gebäude, Bewuchs und Flächen etwas hervorgehoben werden und man versucht ist, diese in Modulbauweise modellbahnerisch umzusetzen. Hinzu kommen einzelner Fahrzeuge und Gebäude.

Überhaupt, die Fahrzeuge: Dieses Buch zählt Fahrzeuge nicht nur auf, sondern es findet sich z. B. ein Verzeichnis aller Dampfloks nach 1950, das neben den üblichen Angaben alle Einsatzorte und den Verbleib des Fahrzeuges angibt, danach folgen zu jedem Fahrzeug gesonderte Angaben, bestehend aus technischen Daten, einem Lebenslauf und mindestens einem Foto, mitunter aber auch mehreren sowie Zeichnungen.
Ähnlich (jedoch ohne Zeichnungen) ist es bei den Personen-, Gepäck- und Güterwagen. Dafür werden bei den Güterwagen umfangreiche Listen abgegebener Fahrzeuge präsentiert.

Auch das Kapitel über das Kleinbahnmuseum und seine Museumsbahn ist sehr umfangreich: Hier schließt sich einem Vorwort eine Chronik an, in der je Jahr eine Doppelseite die wichtigsten Ereignisse in Text und Bild dokumentiert. Insbesondere dieser Bilderbogen ist von besonderer Qualität, hier finden sich wunderbar stimmungsvolle Aufnahmen vom Regelbetrieb wie auch von Foto-Veranstaltungen. Es schliessen sich Listen aller eingesetzten Dampfloks, Motorfahrzeuge, Personenwagen, Gepäck-, Güter- und sonstiger Wagen an, jeweils gefolgt von Bildaufnahmen der in der jeweilgen Tabelle bezeichneten Fahrzeuge.

Ein Kapitel über die normalspurige Strecke von Pritzwalk über Putlitz nach Suckow, einst ebenfalls von der Ostprignitzer Kreiskleinbahn erstellt und betrieben, rundet das Buch ab. Auch hier finden sich Bilder und Gleisplanskizzen.

Gibt es Grund zur Klage? Sicher – die Karte des Gesamtnetzes (auf Seite 3) hätte sich im Vorsatz besser gemacht (da größer darstell- und infolge besser lesbar; das hat man auch bei Kenning früher schon gemacht), aber das ist jammern auf hohem Niveau. Dieser Band bietet einen guten Überblick zur Geschichte des alten wie des neuen „Pollo“, fasst das derzeit zur Verfügung stehende qualitativ gute Bildmaterial zusammen und düfte damit fast alle Interessenten begeistern.

Gegenüber der gleichnamigen Erstauflage von 2013 hat die grundlegend überarbeitete und zu 66% neu bebilderte Neuauflage um weit über 100 Seiten (insbesondere im Bereich der Farbaufnahmen) zugenommen.
Der Preis mag manchen Interessenten auf den ersten Blick schrecken, doch wenn man das Preis-/Leistungsverhältnis betrachtet und berücksichtigt, dass hier nicht zwei getrennte Bände zu je einem Thema (Historische Bahn, Museumsbahn) erscheinen, sondern ein Komplettband, dann ist er ob der Vielfalt des Gebotenen (umfangreicher und gut recherchierter Inhalt, der weit über einen reinen Bildband hinausgeht; Lektorat, das den Namen verdient; sauberes Layout mit gut bearbeiteten Bildern) durchaus gerechtfertigt.

Fazit: Ein rundum gelungenes kurzweiliges Buch, welches durch die reichhaltige Bebilderung zum Träumen einlädt, zugleich aber auch Lust auf einen Besuch bei der heutigen Museumsbahn macht.

(Kenning, Ludger: Kleinbahnreise durch die Prignitz – 1. Aufl. 2018. 480 S. 421 Farb- und 344 SW-Fotos, 53 Tabellen, 109 Skizzen, 25 x 21 cm. Gb. (Verlag Kenning, Nordhorn : ISBN 978-3-944390-09-3) € 58,95 inkl. MWSt.)


Ich bin wirklich sehr angetan davon und kann es nur empfehlen.
Und habe jetzt wieder eine Bahn auf meiner Liste, zu der ich unbedingt mal hin muss.

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind. Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Zudem biete ich Patenschaften fuer meine Fehler an.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2018:09:19:07:52:39.
Hallo!

Schnee von gestern, war aber von Thomas Splittgerber, berlin, schon lange besprochen worden !

Gruß
Ludger Wagner

Ach?

geschrieben von: Peter

Datum: 20.09.18 08:04

Hallo!

Ludger Wagner schrieb:
Schnee von gestern, war aber von Thomas Splittgerber, berlin, schon lange besprochen worden !
Falls Du auf diesen Beitrag [www.drehscheibe-online.de] anspielst, so ist das (zumindest in meinen Augen) keine Rezension, sondern die Mitteilung einer Neuerscheinung.
Nichts gegen Thomas (der sicher auch Rezensionen schreiben kann), aber fuer eine Rezension sollte da schon "etwas mehr Fleisch auf den Rippen" sein.

Gruss

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind. Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten. Zudem biete ich Patenschaften fuer meine Fehler an.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Re: Ach?

geschrieben von: EP 5

Datum: 20.09.18 10:42

Hallo Peter,

ich wollte mich für Deine ausführliche und lesenswerte Rezension bedanken. Es scheint sich um ein wirklich gutes Buch von Herrn Kenning zu handeln, das Du hier im Forum vorgestellt hast.

Auch die Negativdenker unter uns, könnten Dir jetzt ausnahmsweise auch mal eine positive Rückmeldung geben. Da sich der klassische Negativdenker aber nur für das in seinen Augen Negative interessiert, wird von ihm – wie bereits erwartet - hinsichtlich Deiner Rezension nichts zu erwarten sein.


Schöne Grüße,
Marc