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Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Hallo zusammen,

kürzlich ist beim Sutton-Verlag dieses Buch über eine in der Eisenbahnliteratur wenig beachtete Gegend erschienen. Sein Autor, ein Aktivist in Sachen Eisenbahn im Hunsrück, hat darin seine gesammelten Dokumente zum Thema veröffentlicht. Dazu zählen Fotos ebenso wie Zeitungsartikel und vielerlei bahnrelevante Unterlagen. Schon die Beschränkung auf den Altkreis Simmern sorgt hier für Nostalgie, denn er ging schon 1969 im Rhein-Hunsrück-Kreis auf. Gleichzeitig dient diese Beschränkung dazu, den früheren Knotenbahnhof Simmern ins Zentrum zu rücken. Denn hier mündete einst die von Boppard kommende Hunsrückbahn in die Strecke Langenlonsheim-Hermeskeil, auch als Hunsrückquerbahn bekannt. Dazu kam bis 1963 die Stichbahn nach Gemünden (Hunsrück).

Drehscheibe-online Simmern_2017_S.jpg
Der Einband zeigt eine 798-Sonderfahrt von 1990 auf der Kyrbachbrücke bei Nieder Kostenz. Der Buchtitel wurde anscheinend noch geändert (Bild vom Verlag).

Kurze Texte leiten die Kapitel ein: Vorgeschichte, erster Bahnanschluss, Weiterführung, Entwicklung bis 1969, Einstellung des Personenverkehrs, Güterverkehr im Zeichen von Windwurfholz- und Munitionstransporten. Ansonsten sprechen die Fotos (in Sepia und Farbe) und Dokumente wie Kartenausschnitte, Fahrpläne, Fahrkarten, Frachtbriefe, Bahnhofsaushänge und die dazugehörenden Bildunterschriften. Dem auf dem Abschnitt Emmelshausen-Simmern entstandenen „Schinderhannes-Radweg“ und seiner Historie ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie diversen Sonderzügen und den Hochbauten in Simmern. Als Exkurs ist das letzte Kapitel zu verstehen, ist sein Thema doch eng mit dem Schicksal der Eisenbahnen im Hunsrück verknüpft. Es geht um die „Bahn zum Flughafen Frankfurt-Hahn“, die seit nunmehr 16 Jahren im Gespräch ist. Im Danksagungstext am Anfang des Buches lässt der Autor keinen Zweifel an seiner Haltung. Er sieht gegenwärtig keine Zukunft für die Eisenbahn in der Region und befürwortet zum Trassenerhalt den Bau eines weiteren Radweges auf den verbliebenen (und aktuell gesperrten) Streckenabschnitten im Hunsrück.

Insgesamt betrachtet gibt das Buch sicherlich einen guten Eindruck der vergangenen Eisenbahnwelt dieser ländlich und forstwirtschaftlich geprägten Gegend. Zusammenhänge müssen allerdings meist selbst hergestellt werden, es handelt sich eben um einen Bildband. Ein wenig vermisst man Aufnahmen vom Alltagsbetrieb; die meisten Bilder entstanden bei letzten Fahrten oder Sonderverkehren. Obwohl 50er-Dampfloks bis in die 1970er Jahre in den Hunsrück kamen, ist hiervon keine einzige Aufnahme zu finden. Das Bw Simmern – die Stadt steht immerhin im Mittelpunkt des Buches – wird allenfalls am Rande gestreift, Hinweise auf Lokeinsätze sucht man vergebens. Und der Exkurs auf den „Hahn“ zeigt, dass eine Darstellung nur übergreifend sinnvoll ist, mithin die bahnbezogene Bedeutung Simmerns allein im Gesamtzusammenhang aller Strecken des Hunsrücks verstanden werden kann. So ist das Buch eher für an der Eisenbahn interessierte Hunsrücker denn für nach fundierter Bahngeschichte Suchende geeignet.

Buchinformationen: Hans Dunger, Die Eisenbahnen durch den Altkreis Simmern im Hunsrück
128 Seiten, ca. 200 Abbildungen, Format 17,0 x 24,0 cm, Hardcover, ISBN-13: 978-3-95400-804-9

Viele Grüße aus der Vorderpfalz
Jochen

Edit: Text wurde an einer Stelle stilistisch geglättet.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:12:29:10:47:56.
Ganz ehrlich - ich lese inzwischen nur "Sutton" und sämtliche Haare richten sich auf... :-( (Schade um die Bäume...)

MfG

"Die gebremste Ausführung hatte eine Handbremse, ob die Bremsklötze infolge Betätigung der Handbremse an den Rädern anlegt, kann wohl heute nicht so eindeutig geklärt werden. Der ungebremste Wagen verfügt auch über keine Bremsklötze."
Aus: [www.kleinbahnsammler.at]
(Muss man zweimal lesen, ist aber irgendwie genial... ;-))
meine aktuelle Hymne: [www.youtube.com]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:12:29:08:46:39.
'N Tag allerseits


Matthias Muschke schrieb:Zitat:
Ganz ehrlich - ich lese inzwischen nur "Sutton" und sämtliche Haare richten sich auf... :-( (Schade um die Bäume...)
wohl wahr, aber leider ist dieser Trend auch nicht mehr umkehrbar. Erst war es nur das Internet, wo jeder Heiopei seine Gedanken loswerden konnte - nun haben die Verlage nachgezogen. Diese Sutton-Bilderbücher für 20 Euro (ist ja kein Geld mehr) werden im Bahnhofsbuchhandel wahrscheinlich gerne mitgenommen. Wie schon von Jochen oben beschrieben ist der Inhalt eher dürftig, scheint andererseits für die Masse der Eisenbahnfreunde völlig ausreichend: Ein paar Fotos mit minimaler Texterläuterung, sonst wird es ja anstrengend. Die meisten wollen es auch gar nicht "so genau" wissen. Eine gesunde Halbbildung reicht ihnen völlig (s. auch die DSO-Foren). Es ist wirklich traurig.

Verglichen mit anderen Büchern sind diese "Heftchen" übrigens richtiggehend teuer. Zum Vergleich: Das EK-Buch über die Ahrtalbahn hat 50% Prozent mehr Seiten, ist mit dem A4-Format 50% größer (man bekommt also insgesamt 200% mehr Buch) und das für einen nur 75% höheren Preis. Leider hat sich noch kein Autor gefunden, der sich in diesem Umfang mit der Eisenbahn an der Saar, im Hunsrück und an der Nahe befaßt...

Beste Grüße
Wolfgang
Hallo Wolfgang,

ich weiß nicht, ob man die Publikation – wegen anscheinender Qualitätsmängel - von vornherein aburteilen sollte. Das Gleiche gilt für Beiträge im DSO von sogenannten „Laien“. Ich finde am DSO gerade gut, dass jeder in diesem Forum die Möglichkeit hat, zu seiner Eisenbahnsache etwas zu schreiben. Das nenne ich wahre Demokratie.

Ich finde es nicht schlecht, dass der Sutton-Verlag eine Broschüre über die Eisenbahn im Hunsrück herausbringt. Das ist doch schon mal ein guter Anfang in Anbetracht, dass dem Thema so wenig Beachtung beigemessen wird. Übrigens war der Hunsrück, als er statt Fahrradwege noch echte Eisenbahnstrecken aufwies, eine richtig bezaubernde Gegend, so mit hübschen Bahnhöfen in Fachwerkbauweise mitten im Wald, kleinen Brücken, Dörfern etc. Mir sind sogar mal im Sommer vor zwanzig Jahren bei einer Wanderung entlang der Ruwertalbahn Schneewittchen und die sieben Zwerge begegnet, aber es war ganz schön heiß an diesem denkwürdigen Tag.

Der oft kritisierte Sutton-Verlag ist übrigens der einzige Verlag, der Broschüren über den alten Berliner Wedding herausbringt. Das verdient meine vollste Anerkennung!


Schöne Grüße,
Marc



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:12:29:15:09:32.

Markt verbrannt

geschrieben von: Nagercoil

Datum: 29.12.17 14:32

Das Problem ist doch, dass schlechte Bücher zu Nischenthemen erst einmal "den Markt verbrennen". Zur 103 oder der Rheinstrecke kann man ständig etwas auf den Markt werfen. Zur Eisenbahn in Simmern aber nicht. Dafür ist die Zahl potentieller Abnehmer hier einfach zu klein.

Umso wichtiger, dass die "Nischenthemen"-Bücher auch die Heimatfreunde und nicht nur die Fuzzies ansprechen. Aber gerade die Heimatfreunde sind schnell mit so Machwerken à la Sutton zufrieden und diese Käufer sind dann erstmal versorgt :-(
Hallo,

es gibt noch eine Alternative:

"Eisenbahnknoten Simmern"

siehe link [www.forum.hunsrueckquerbahn.de]
Das Buch:

Eisenbahnknoten Simmern

Kostet 25 € und hat 248 Seiten, fest gebunden.

Der Verkauf erfolgt im Hunsrückbahn-Museum Emmelshausen

mit freundlichen Grüßen
Jürgen



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 2017:12:29:20:22:37.
Hallo Marc,

Du hast leider zwei Aspekte nicht bedacht: 1. ist ein Nischen-Thema durch solche Veröffentlichungen zumindest teilweise verbrannt (wie Nagercoil schon schrieb) und 2. verdient nicht das bloße Machen schon Lob. Jochen schrieb in seiner Rezension des Hunsrück-Buches, daß die Betriebsbilder überwiegend von Sonderfahrten der letzten Jahre stammen. Damit ist der Informationsgehalt zumindest für mich extrem gering, weil der interessante Regelbetrieb ("wie es damals wirklich war") fehlt und dieser "Folklore-Betrieb" absolut uninteressant ist.

Was ist mit den Büchern über den "alten Berliner Wedding"? Sind die Bilder in dem Buch auch alt? Dann ist es wahrscheinlich brauchbar. Nur behandelt das Hunsrück-Buch zwar den Altkreis Simmern, aber mit modernen Bildern...

Beste Grüße
Wolfgang
Lieber Sutton Verlag,

bei der zweiten Auflage über die Eisenbahn in Simmern bitte für Wolfgang unbedingt auch ein paar ältere Betriebsaufnahmen (Epoche I, II, III, IV) mit reinnehmen!

Und bitte versetzen sich auch ein wenig mal in die Lage all derjenigen, die sich ernsthaft zum Ziel gesetzt haben, eine umfangreichere Publikation über das umstrittene Nischenthema in etwa zehn Jahren zu veröffentlichen. Sie können denen doch mit ihrem Büchlein nicht einfach den Wind aus den Segeln - „teilweise verbrannt“ - nehmen, bitte ein wenig mehr Rücksichtnahme.


Närrische Grüße und Prosit Neujahr,
Marc


P.S. Was macht eigentlich Schneewittchen, wie geht es den sieben Zwergen?

Zahlenvergleich

geschrieben von: Schwellenleger

Datum: 01.01.18 10:20

WHA schrieb:

Verglichen mit anderen Büchern sind diese "Heftchen" übrigens richtiggehend teuer. Zum Vergleich: Das EK-Buch über die Ahrtalbahn hat 50% Prozent mehr Seiten, ist mit dem A4-Format 50% größer (man bekommt also insgesamt 200% mehr Buch) und das für einen nur 75% höheren Preis. Leider hat sich noch kein Autor gefunden, der sich in diesem Umfang mit der Eisenbahn an der Saar, im Hunsrück und an der Nahe befaßt...

Beste Grüße
Wolfgang

Hallo Wolfgang,
nicht so schnell mit den jungen Pferden.. ..beim Rechnen.
Du hast 100 % Buch im Kleinformat;
jetzt bekommst man 50 % mehr Seitenanzahl = gesamt : 150 % ;
diese werden dann noch im doppelt so groß = gesamt : 225 % ( vom Ausgangs-Prozentsatz.. :-) )

Und dies "für einen nur 75 % höheren Preis" - vom Ausgangs-Prozentsatz 100 + 75 = 175 % beim Preis .

Welche Erkenntnis können wir daraus ziehen ? für (rechnerisch) 125 mehr "Leistung" nur 75 % mehr Preis.. ( :-) )

Ein Anlageberater würde nun sagen, eine "lohnende Investition unter Berücksichtigung des Kosten / Nutzen - Verhältnisses";
der Ästhet würde sagen, kaufen da tolle Bilder und gutes Seiten-Layout;
der Purist würde sagen, bei dem (offensichtlich) etwas dürftigen Sachbeogenen Inhalt "kein unbedingtes Muss"... ;-) .

So, und nun wird mal schnell noch im Lexikon nachgeschaut, was "nickelig sein" bedeutet - kann ich mir gar nichts d´runter vorstellen.. :-)


jetzt aber mal ernst gemeint: Dir und allen anderen von der (mit-)schreibenden Zunft ein gutes und gesundes neues Jahr
und hoffentlich auch hier und da wieder eine Gelegenheit für einen kleinen Spaß.

Mit freundlichen Grüßen
aus der Schreibstube

Uwe, der Schwellenleger

( und Danke für Deine gelegentlichen Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten beim Abfassen von Beiträgen hier )

( Achtung, Beitrag könnte Spuren von Ironie enthalten )

Re: kein Markt verbrannt

geschrieben von: QJ 7002

Datum: 02.01.18 11:03

...und die Heimatfreunde kaufen keinen EK-Wälzer zum Thema für das doppelte Geld und brauchen auch keine Bestandslisten vom Bw Simmern - der Markt ist somit keineswegs verbrannt.

Grüße

Martin
Hallo Marc,

Dein pseudo-ironisches Gelaber ist leider totaler Bullshit - und leider völlig kontraproduktiv! Willst Du Qualität oder billig zusammengeschusterten Ramsch?

Für jemanden, der sich tatsächlich für die Eisenbahn interessiert, sind Aufnahmen von Sonderfahrten aus den 1990er oder 2000er Jahren leider völlig uninteressant. (Falls es noch keiner gemerkt hat: DAS IST FOLKLORE! Eine DR-50.40 mit 3yg-Wagen oder bunten Donnerbüchsen vor DB-Lichtsignal sieht einfach bescheiden aus!) Überwiegend Bilder von Sonderfahrten und das Fehlen von Bildern aus früheren Jahren muß als Kritik an einer Veröffentlichung erlaubt sein. Das erspart mir beispielsweise den Gang zur Buchhandlung bzw. den Blick in dieses Buch.

Der Sutton-Verlag (und auch Du) muß meine Kritik und die Gleichgesinnter aushalten. Einerseits wird er vermutlich trotzdem genug Bände absetzen, andererseits könnte er sich die Kritik zu Herzen nehmen und die Qualität seiner Veröffentlichungen erhöhen. Das verbietet ihm niemand. Darüberhinaus besteht die Hoffnung, daß der eine oder andere Eisenbahnfreund "aufgerüttelt" wird und sich vielleicht nicht mit ein paar bunten Bildchen abspeisen läßt, sondern etwas mehr Information verlangt - und das Buch stehen läßt. Das Argument "Besser als gar nichts!" lasse ich nicht gelten: nur weil es nichts Besseres gibt, werde ich keinen Schrott kaufen. Dafür ist mir mein Geld zu schade.

Beste Grüße
Wolfgang
Hallo,

Wolfgangs Anmerkungen zur Qualität von Erzeugnissen aus dem Sutton-Verlagsprogramm im allgemeinen kann ich grundsätzlich bestätigen. Als ich für mein erstes Sachbuch nach einem geeigneten Verlag Ausschau hielt wurde mir hier und da auch der Verlag empfohlen, jedesmal mit dem Hinweis, das er beim Lektorat von Sachbüchern zu historischen Themen nicht so gut mit fachlichem Hintergrund aufgestellt ist. Auch allgemein wird er empfohlen, wenn das Budget eher schmal ist...

Selber habe ich nach einer ersten Anfrage damals den Kontakt nicht weiter verfolgt.. Von den Bekannten, die zu irgend welchen Themen mit diesem Verlag veröffentlicht hatten, haben alle bei weiteren Projekten bewußt mit einem anderen Verlag zusammengearbeitet. ( Sicher nicht repräsentativ ).

Mit freundlichen Grüßen

Schwellenleger

Re: es geht auch anders

geschrieben von: EP 5

Datum: 04.01.18 13:53

Hallo Norbert,

ich habe vorhin ein Exemplar von „Durch Tunnel und über Viadukte“ (Autor Reiner Rhefus) erhalten, nachdem Du bei Deinem Beitrag hier im Forum darauf hingewiesen hast.

Hier ist alles drin, was das Herz eines Eisenbahnfreundes und –fans, Heimat- und Kulturinteressierten begehrt: alte Betriebsaufnahmen (Loks, Züge Triebwagen), Gleispläne, Stadtpläne, Karten, Bilder von Bahnhöfen, Viadukten und historischen Industrieanlagen etc. Dazu ein gut verständlicher mit Hintergrundinformationen versehener Text, 139 Seiten, keine Werbung.

Das Ganze für nur 3 Euro wirklich ein Geschenk. Bestellen kann man das Exemplar bei historisches-zentrum@stadt.wuppertal.de. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums hinterließen bei mir einen kompetenten, sehr entgegenkommenden Eindruck.

Ich muss auch hier mal dem Bundesland Nordrhein-Westfalen für die Broschüre und das sehr gute Preisleistungsverhältnis mein Lob aussprechen. Ähnliche Publikationen erhoffe ich mir auch für andere Regionen und Städte.



Noch einmal vielen Dank für den Tip.


Viele Grüße,
Marc



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 05.01.18 00:30.