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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
und hier nun die - sicher schon erwarteten - Buchrezensionen der beiden letzten Neuerscheinungen 2017:

Alles Gute für 2018,
Rolf Hafke
TS: TramShop
hafke.koeln@t-online.de


*** Nahverkehr Deutschland ***
„Obus-Atlas Deutschland“ von Peter Sohns und Uwe Wöhl, Stendal 2017, 400 Seiten im Format 21,5 x 28,5 cm, gebunden, Herausgeber: Verlag Dirk Endisch; Preis: 49,00 €

Die Dokumentation der Obusbetriebe und seiner Fahrzeuge in Deutschland ist eigentlich mit der vom Verlag Kenning vor einigen Jahren begonnenen Buchreihe besetzt, von denen Band 2 bereits 2011 erschien und die Fortsetzung von den Obusfreunden sehnlich erwartet wird.

So überrascht es, dass ein weiterer Verlag das Risiko aufnimmt, eine Zusammenstellung über diese Betriebe zu verlegen und dazu einen dicken und schweren „Wälzer“ herausbringt. Die Frage, warum zwei Verlage für ihre Buchumschläge genau die gleiche Farbe und Aufmachung verwenden soll hier nur am Rande gestellt werden (sinnvoller wäre es sicher mit abweichendem Farbton einen eigenen und unverwechselbaren Auftritt zu schaffen), wenn dann noch die Thematik gleich ist, dann wirkt irritiert das doch irgendwie.

Wenn zwei Publikationen das gleiche Thema aufgreifen, reizt dies aber natürlich auch zu Vergleichen. Die Endisch-Publikation trägt den Namen „Atlas“ im Titel und auch aus dem Vorwort wird deutlich, dass die Darstellung des Fahrleitungsverlaufs und der Strecken aller deutschen Obusbetriebe in einem einheitlichen und guten Kartenwerk die Hauptintention für diese Veröffentlichung waren. Der dortige Hinweis auf eine in englischen Büchern stets sehr gute kartographische Darstellung ist leider richtig, sie ist in Deutschland leider seit jeher ein Stiefkind und zählt auch in den Büchern von Kenning nicht unbedingt zu den Highlights, obwohl sie in ihrer vergleichsweise einfachen Art alle wichtigen Informationen geben und so ihrem Zweck genügen. Es ist sicher auch eine zu Diskutieren würdige Frage, ob es immer einer perfekten Kartographie bedarf um Sachverhalte darzustellen, denn ihre Erstellung ist aufwändig und damit teuer und auch das Handwerk einer leider im Zeitalter der rasant um sich greifenden „Trash-Kartographie a la Google“ aussterbenden Berufszunft.
Wie gut ein derartiges Kartenwerk aber wirken kann, das zeigt dieses Buch eindrucksvoll. Die anderen Bestandteile des stets alphabetisch und ohne Trennung nach „West“ und „Ost“ angelegten Buches sind für jeden Betrieb eine Linienchronik, eine Fahrzeugliste und zumeist mehrere Bilder. Mit Karte und Linienchronik ergänzt das neue Buch die Abhandlungen der Betriebe bei Kenning eigentlich ganz sinnvoll. Nicht glücklich ist die erneute Verwendung von Motiven, die sich auch bei Kenning finden. Bei den Tabellen ist der Rückgriff auf die Daten der beiden Kenning-Bände bei den dort bereits behandelten Betrieben offensichtlich, auch wenn sie bei Endisch zumeist eine größere Datenfülle bieten oder diese zumindest in einer zusammenhängenden Form veröffentlicht sind. Da die beiden Bände im Literaturverzeichnis genannt sind, ist dies nicht zu kritisieren, die Recherche zu den übrigen Daten wie z.B. den Fahrgestellnummern lässt aber auch eine umfangreiche eigene Erfassung und Prüfung der Daten erkennen. Dabei kommt es durchaus auch zu Abweichungen mit den Angaben bei Kenning oder zu Ergänzungen z.B. beim Verbleib der Wagen. Diese sind hier auch auf den neuesten Stand gebracht, denn in den Jahren sein Erscheinen der Kenning-Bände hat es natürlich auch noch Veränderungen ergeben.

Die Qualität der Bildwiedergabe ist ordentlich und es auch mit Bildbearbeitung wo nötig nachgeholfen worden. Der Rezensent vermag dies zu beurteilen, denn er hat die meisten Aufnahmen aus den von ihm betreuten Sammlungen Boehm und Waltking zur Verfügung gestellt. Durch die verwendete matte Papiersorte heben sie sich zwangsläufig in der Brillanz von auf glänzendem Papier gedruckten Bildern ab.
In das Buch Aufnahme gefunden haben auch einige Zeichnungen des Architekten Heinrich Kirchner, welche diese als „Notstandsarbeit“ Ende der 1940er Jahre von vielen Straßenbahn- und Obus-Fahrzeugen in maßstäblicher Form sehr exakt mit Tusche gezeichnet hat.

Dass sich der Kartenteil zusammenhängend am Ende des Buches findet, dürfte drucktechnische Gründe haben, denn eigentlich wäre es besser gewesen, direkt jeder Linien- und Fahrzeugübersicht die Karte des jeweiligen Betriebes beizugeben. Anderseits hat die Aneinanderreihung auch ihren Reiz, da sie direkte Vergleiche ohne viel blättern ermöglicht.

Die Bücher beider Verlage konkurrenzieren sich nicht, sondern sie ergänzen sich sinnvoll, was auch die Frage beantwortet, ob sich eine Anschaffung der Neuerscheinung auch für die Besitzer der ersten beiden Kenning-Bände lohnt. Auch der Wert der noch folgenden Bände wird dadurch sicher nicht geschmälert. (reu)



*** Privatbahnen Deutschland ***
„Die Rhein-Sieg Eisenbahn – Pionier der deutschen Schmalspurbahnen“ von Wolfgang Clößner und Carsten Gussmann, Berlin 2017, 280 Seiten im Format 21,0 x 29,5 cm, gebunden, Herausgeber: LOK Report Verlag; Preis: 39,90 €

Die RSE war unter den deutschen Schmalspurbahnen stets etwas Besonderes: So besaß sie die außergewöhnliche Spurweite von 785 mm (2 ½ rheinische Fuß), war mit einem Eröffnungsdatum der ersten Strecke mit Lokomotivbetrieb eine der ganz frühen Schmalspurbahnen und diente in erster Linie der Beförderung der zahlreichen in der Region abgebauten Bodenschätze. Mit einem Streckennetz von etwa 90 km hatte sie zudem eines der großen Schmalspurnetze und zeichnete sich stets durch Innovationsfreude aus, was sich sowohl bei der Streckenausrüstung als auch beim Fahrpark bemerkbar machte. Den Namen Rhein-Sieg Eisenbahn erhielt sie aber erst 1921, zuvor hieß sie nach ihrer Ursprungsstrecke benannt Brölthaler Eisenbahn AG. Als Inselbetrieb gehörte zum Unternehmen von 1903 bis 1937 auch die 1891 eröffnete Heisterbacher Talbahn auf 750mm Spurweite hinzu.

Das nun vorliegende Buch ist das Ergebnis einer über 30jährigen Forschung und Sammeltätigkeit, dessen Erscheinen sein Initiator und treibende Kraft Wolfgang Clößner nach seinem überraschenden Tod 2015 leider nicht mehr zu erleben vergönnt war. Es setzt daher nicht nur der Bahn, sondern auch seiner Leidenschaft für sie ein bleibendes Denkmal. Der „zweite Mann“ Carsten Gussmann hat die schwierige Aufgabe, dass zu diesem Zeitpunkt erst in Ansätzen fertig gestellt Buch zu vollenden übernommen und wie man sehen kann mit Bravour gemeistert.

Clößner war auch der Initiator für die Einrichtung eines Museums über den Betrieb im noch vorhandenen Bahnhofsareal in Asbach im Westerwald, wo mit tatkräftiger Unterstützung der Gemeinde seit der Jahrtausendwende wieder eine funktionsfähige Gleisanlage entstand, der Lokschuppen wieder Fahrzeuge der RSE beherbergt und im Bahnhofsgebäude eine Ausstellung über den Bahnbetrieb entstand. Auch sonst gibt es heute noch vergleichsweise viele Baulichkeiten, die an den ursprünglichen Bahnbetrieb erinnern, dessen Ende auf den meisten Strecken bereits in den 1950er Jahre kam mit dem endgültigen Abschied von der Schiene 1967. Der Name RSE lebte noch bis 1972 beim Busbetrieb weiter.

Einige Zahlen mögen für die Vielfalt des Inhaltes stehen: 382 S/w-Fotos, 53 Farbaufnahmen, 108 Gleispläne, 98 Fahrzeug- und 56 sonstige Zeichnungen sowie 36 Faksimiles von Fahrplänen, Fahrscheinen, Urkunden und sonstigen Dokumenten.
Das Buch gliedert sich nach Vorwort/Einleitung und einem Blick auf Geologie und Bodenschätzen als Gründen für den Bahnbau in vier große Kapitel. Im Kapitel „Strecken“ werden die einzelnen Strecken in der Reihenfolge ihrer Entstehung dokumentiert. Eine große doppelseitige und farbig angelegte Übersichtskarte im Vorsatz mit allen Bahnhöfen und allen Bahnstrecken anderer Betreiber ermöglicht dazu eine hervorragende Übersicht. Auch die Beschreibung des Bus- und Speditionsbetriebes fällt in dieses Kapitel, welches vom Busexperten Volkhard Stern erstellt wurde. Abweichend von der Kapitelabteilung findet sich hier auch die komplette Fahrzeugstatistik. Ein in vielen Büchern über Bahnbetriebe weitgehend ausgeblendeten Aspekt, nämlich wie er organisiert war und abgewickelt wurde, wird im Kapitel „Betrieb“ dargestellt. Dort finden sich auch Abschnitte zum Gleisbau, zu den Tarifen und entsprechenden Belegen, dem Personal und zu den Betriebsergebnissen. Auf 68 Seiten wird im Abschnitt „Die Fahrzeuge“ das Rollmaterial auf der Schiene vorgestellt. Bilder, Zeichnungen sowie technische Daten und Lebensläufe finden sich von fast allen Fahrzeugen, also auch von den zahlreichen interessanten Güterwagen. Allein dieses Kapitel ist schon eine wahre Fundgrube für den Fahrzeugfreund. Ein kleiner Absatz zum Schluss zeigt das heutige Museum in Asbach und seine Fahrzeuge.

Die Schrift des dreispaltig angelegten Layouts ist recht klein, auch hätte man sich manches nur klein abgedruckte Bild angesichts des darauf Gebotenen größer abgedruckt gewünscht, aber aus Platz- und Kostengründen sind bei einem derartigen Projekt immer Kompromisse notwendig, die aber den Wert der Publikation nicht schmälern. Hier dürfte wirklich alles erreichbare Material verarbeitet worden sein und es erstaunt angesichts des Zeitraumes nach Einstellung des Bahnbetriebes, dass es überhaupt so viel ist!

Das Buch dokumentiert ein bisher nur in Ansätzen in der Literatur dargestelltes Kapitel rheinischer Eisenbahngeschichte umfassend und der Freund von Schmalspurbahnen bekommt viel für den Kaufpreis geboten. (reu)
Rolf Hafke schrieb:
Die Frage, warum zwei Verlage für ihre Buchumschläge genau die gleiche Farbe und Aufmachung verwenden soll hier nur am Rande gestellt werden (sinnvoller wäre es sicher mit abweichendem Farbton einen eigenen und unverwechselbaren Auftritt zu schaffen), ...
Dieses Blau – neben dem Dunkelgrün seit über drei Jahrzehnten ein Markenzeichen meiner Bücher – verwende ich bereits seit 1985. Neben dem Prellbock-Verlag (Schweiz) sprang leider auch Endisch um 2003 auf das Trittbrett auf (zuerst mit Halberstadt) und gibt seither Bücher mit fast identischer Umschlaggestaltung und -farbe heraus. Auf die Frage, warum das unbedingt so sein muß, habe ich nie eine Antwort erhalten. Ich hätte es sehr begrüßt, wenn er seinen eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt hätte. Die RAL-Farbpalette bietet Möglichkeiten in Hülle und Fülle, während sich mit ein wenig Kreativität gewiß noch Alternativen bzgl. Coveraufteilung finden ließen. Man muß sich nur Mühe geben.