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Moderatoren: Klaus Habermann - MWD

Bei der Verlagsgruppe Bahn erschien diese Tage ein neuer Bildband.
 
Autor ist Stefan Carstens, der Titel: Richard Krauss Der Berufs-Fotograf. Näheres bei:
[shop.vgbahn.info]
 
Ich wusste von dem Vorhaben, weil Stefan Carstens mich bei der Recherche zu einigen Bildern angesprochen hatte, die er so recht nicht einordnen konnte.
 
Was Stefan beabsichtige, konnte man erahnen, wenn man seinen Bericht
„Vier Bilder aus dem Altmühltal (?) 1964/65– wer kann sagen wo?“
[www.drehscheibe-online.de]
 
gesehen hatte.
 
Noch ein Bildband also. Mit Bildern eines Berufsfotografen, der im Auftrage der Fa. Fleischmann offenbar gezielt unterwegs war. Als Bildautor kein ausgesprochener Eisenbahnenthusiast, wie etwa der ebenfalls gelernte Fotograf Ludwig Rotthowe.
 
Was ist daraus nun geworden?
In Kürze vorweg: Ein hervorragendes Buch, es gibt viel zu entdecken auf den Bildern, eben so viel zu lesen auch im erläuternden Text.
 
Dass Richard Krauss als gelernter Fotograf mit hochwertiger Ausrüstung unterwegs war, kommt der Qualität der Bilder entscheidend zugute. Die Bilder zeichnen sich durch ausgesprochen hohe Perfektion in der Auswahl des Motivs und seiner Gestaltung aus, technisch durchweg einwandfrei. Besonders erfreulich ist, dass Stefan Carstens die Restauration der Farbbilder – die typisch für das Filmmaterial der sechziger Jahre offenbar heftig verfärbt waren – ganz ausgezeichnet gelungen ist. So sind insbesondere die zahlreichen Farbabbildungen durchweg eine Augenweide, wobei mir persönlich sehr gefällt, dass ein eher leicht warmer (aber natürlicher) Grundfarbton entstanden ist. Überhaupt: Reine Lok- oder Wagenaufnahmen sind in der absoluten Minderzahl. Dafür geben fast alle Bilder einen nachhaltigen Einblick in die damalige Zeit, wobei es eine Fülle interessanter Details zu entdecken gilt. Wer kennt aus jüngerer Zeit schon noch die an sich triviale Szenerie, dass auf dem Bahnsteig Wagenmeister, Auskunft und Aufsicht beieinander stehen? Fehlt eigentlich nur noch der Gepäckträger möchte man dazu sagen. Anderes Beispiel: Das gelungene Bild vom Freischaufeln einer vereisten Weiche mit Spitzhacke und Schaufel.
 
Das Tätigkeitsfeld von Richard Krauss bringt es allerdings auch mit sich, dass es keinen repräsentativen Querschnitt des Betriebsgeschehens im (fränkischen/bayerischen) Süddeutschland der sechziger Jahre im eigentlichen Sinne gibt. Das Buch trägt zwar den durchaus zutreffenden Untertitel „Eisenbahn-Motive aus Nürnberg, Franken und Bayern“, und entsprechend dieser Reihenfolge sind auch die Gewichtungen.
Wer also eingehend dokumentiert Ellok-Oldtimer aus München und Umgebung oder Bilder der Dampflok-Baureihe 18.5/18.6 auf ihren landschaftlich reizvollen Strecken erwartet, wird enttäuscht. Auf der anderen Seite (sozusagen als Entschädigung) werden etliche bayerische Länderbahnfahrzeuge, insbesondere der verschiedenen Bauarten der Reihe 98, in obendrein äußerst reizvoller Umgebung eingehend gezeigt. Zum Thema „Züge in reizvoller Landschaft“ gibt es außerdem ausgesprochen schöne Motive aus dem Altmühltal. Schließlich gibt es im Fundus von Richard Krauss auch keine Aufnahme da, wo ich persönlich als Leser gerne ein schönes Bild gesehen hätte. Auf Seiten 27/28 gibt es zwar aussagekräftige Bahnsteig-Schnappschüsse aus Treuchtlingen vom D 90 Kärnten-Express von Hamburg nach München (–Klagenfurt/Zagreb), aber leider kein Bild mit Zuglok. Das wäre sehr reizvoll gewesen, wurde dieser Zug doch noch bis Ende 1964 zwischen Würzburg und Treuchtlingen von 01 des Bw Treuchtlingen befördert und auf E 17/E 18 umgespannt.
 
Gleichwohl, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es ist beachtlich, was nicht nur mit Dampf-, sondern auch Diesel- und Ellok-Traktion abgebildet wird – und wen wundert's bei Stefans Schwerpunktthema – auch zahlreiche Güterwagen und Güterverkehrsszenen.
 
Die sehr ausführlichen Bildkommentare sind ersichtlich bestens recherchiert und verständlich dargestellt. Welche besondere Mühe sich Stefan Carstens offenbar bei jedem einzelnen Bild gegeben hat, habe ich selbst bei einigen Beispielen (insbesondere den schwierig näher einzuordnenden Bildern aus Goslar) selbst erlebt.
 
Das in jeder Hinsicht gelungene Buch ist eindeutig eine Bereicherung. Der Preis mit 29,95 € ist – wenn ich mir die Preisgestaltung anderer Verlage anschaue – ausgesprochen moderat und als günstig zu bezeichnen.
Ich kann dem, der grundsätzlich Interesse für die Thematik hat, eine Anschaffung uneingeschränkt empfehlen. Dieses Buch wird man wiederholt zur Hand nehmen und in den Bildern und Texten herumstöbern. Das Bildarchiv Richard Krauss verdient es, in einer eigenständigen Abhandlung vorgestellt zu werden.
 
 
uk-old (Uwe)
 
 
 



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.11.17 23:47.
Als Besitzer dieses schönen Buches kann ich mich dem zuvor Gesagten uneingeschränkt anschließen!

meint Andreas Be.
uk-old schrieb:
Als Bildautor kein ausgesprochener Eisenbahnenthusiast, wie etwa der ebenfalls gelernte Fotograf Ludwig Rotthowe.
Das ist falsch. Rotthowe war schon als Kind ein ausgesprochener Eisenbahnenthusiast. Was hat das damit zu tun, daß er gelernter Fotograf war?

Versuch einer Antwort

geschrieben von: Peter

Datum: 21.11.17 14:19

Hallo!

Ich versuche mal eine Antwort.

Vapor schrieb:
uk-old schrieb:
Als Bildautor kein ausgesprochener Eisenbahnenthusiast, wie etwa der ebenfalls gelernte Fotograf Ludwig Rotthowe.
Das ist falsch. Rotthowe war schon als Kind ein ausgesprochener Eisenbahnenthusiast. Was hat das damit zu tun, daß er gelernter Fotograf war?
Erstens schreib der Faden-Ersteller das, was Du auch schreibst:
"Noch ein Bildband also. Mit Bildern eines Berufsfotografen, der im Auftrage der Fa. Fleischmann offenbar gezielt unterwegs war. Als Bildautor kein ausgesprochener Eisenbahnenthusiast, wie etwa der ebenfalls gelernte Fotograf Ludwig Rotthowe."

Soll heissen: Beide sind gelernte Fotografen, doch Ludwig Rotthowe war (im Gegensatz zu Krauss) zudem auch noch Eisenbahnenthusiast.
Der Faden-Ersteller hat also nichts gegenteiliges behauptet.  :-)

Zweitens hat ein gelernter Fotograf sicher eine andere Art, Motive zu erkennen und auch umzusetzen als es i. d. R. ein Amateur hat - denn deswegen dauert die Ausbildung ja recht lange und man wird nicht an einem Wochenende "schnellbesohlt"... Dass es auch versierte Amateure wie auch dilettantische Profis gibt, kommt vor, ist aber sicher die Ausnahme.

Also waren beide gelernte Fotografen mit dem notwendigen fachlichen Ruestzeug, doch hatte Rotthowe zusaetzlich eine Affinitaet zur Eisenbahn, die Krauss evtl. nicht hatte.
Das muss kein Nachteil sein - veraendert aber mit Sicherheit die Art und Weise, wie er die Eisenbahn wahrnahm - und in Folge dann bildlich umsetzte.

Insofern ist die Aussage fuer die Rezension schon relevant, weil man eben keinen zweiten Rotthowe erwarten soll, sondern einen anderen Fotografen mit einer anderen Herangehensweise kennenlernen wird.

Gruss

Peter

 

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind.
Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Re: Versuch einer Antwort

geschrieben von: Vapor

Datum: 21.11.17 14:34

Danke Peter. Recht hast Du! Da habe ich einfach zu schnell gelesen und den Sinn falsch erfasst.

Re: Versuch einer Antwort

geschrieben von: Peter

Datum: 21.11.17 19:46

Alles gut - so etwas kommt vor.  ;-)

Peter

Ich will gar nicht, dass mich jeder mag - im Gegenteil: Die Sympathie oder Zuneigung gewisser Menschen waere mir hochgradig peinlich.

Wenn Sie Rechtschreibfehler finden, so beachten Sie bitte, dass diese beabsichtigt sind.
Es gibt immer Menschen, die nach Fehlern suchen. Und ich versuche, allen Lesern etwas zu bieten.

Fuer manche Menschen gehe ich bis ans Ende der Welt, fuer manche nicht mal bis zur Tuer.

Goslar

geschrieben von: Seku

Datum: 22.11.17 13:55

uk-old schrieb:
habe ich selbst bei einigen Beispielen (insbesondere den schwierig näher einzuordnenden Bildern aus Goslar) selbst erlebt.
 
 „Eisenbahn-Motive aus Nürnberg, Franken und Bayern“ ... und dem Harz ??

Re: Goslar

geschrieben von: uk-old

Datum: 22.11.17 23:07

Moin,

in der Tat kann meine Bemerkung zu Bildern aus Goslar zu Fragen Anlass geben - passt sie doch nicht zu dem zitierten Untertitel.
Tatsächlich ist es so, dass das Buch ein kleines Kapitel "Hoch im Norden - Richard Krauss auf Reisen" von vier Seiten enthält. Dort finden sich einige Bilder aus dem Norden, unter anderem eben aus Goslar.

Beste Grüße
uk-old (Uwe)

Re: Goslar

geschrieben von: Seku

Datum: 23.11.17 05:39

uk-old schrieb:
 ein kleines Kapitel "Hoch im Norden - Richard Krauss auf Reisen" von vier Seiten enthält.

Danke für die Aufklärung - der Harz im hohen Norden ....