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Rezension: KBE-Buch über die Rheinuferbahn (Herdam)

geschrieben von: Rolf Hafke

Datum: 14.10.17 16:33

und hier die versprochene Buchbesprechung:

erhältlich u.a. bei Donat in Duisburg, im Versand beim TramShop in Köln (hafke.koeln@t-online.de) und im gut sortieren Eisenbahn-Buchhandel.

Gruß
Rolf Hafke


*** Privatbahnen Deutschland ***
„Köln-Bonner Eisenbahnen - Erinnerungen an die Rheinuferbahn“ von Wolfgang Herdam, Quedlinburg-Gernrode 2017, 136 Seiten im Format 29,5 x 21,5 cm, gebunden, Herausgeber: Herdam Verlag; Preis: 39,80 €

Fast 40 Jahre ist es her, dass im August 1978 der 1906 eröffnete Eisenbahnbetrieb auf der Rheinuferbahn Köln - Wesseling - Bonn durch einen Stadtbahnbetrieb abgelöst wurde. Vor 25 Jahren verschwanden im Jahre 1992 die Köln-Bonner Eisenbahnen, auch bekannt unter ihrem Kürzel KBE, durch Löschung im Handelsregister endgültig von der Bildfläche verschwand. Dabei sind auch heute alle Strecken noch vorhanden, befahren entweder mit Stadtbahnen oder im Güterverkehr durch die Nachfolgegesellschaft Häfen- und Güterverkehr Köln (HGK), die auch der Infrastrukturbetreiber ist. War die KBE als größte deutsche Privatbahn schon ein interessantes und vielfältiges Unternehmen, so war deren Rheinuferbahn quasi das „Sahnehäubchen“ in Form der ersten und auch einzigen vollbahnmäßig betriebenen städteverbindenden Schnellbahn in Deutschland. Der hohe Ausbaustandard fand jedoch bei der Einfahrt in die Bonner Innenstadt am Ellerbahnhof ein apruptes Ende mit eingleisiger Strecke und sehr engen Kurven. Auch das war die Rheinuferbahn!

Während der Zeit des „Ablebens“ in den 1980er und 1990er Jahren sind etliche Bücher über sie erschienen, darunter auch vom Autor und Verleger der jetzigen Neuerscheinung - danach wurde es literarisch recht still um die KBE. Insofern war es an der Zeit, die Erinnerung an diesen Betrieb in Form einer Buchreihe wieder aufleben zu lassen. Herdam als Verleger hat sich mit seinen zahlreichen Eisenbahn-Bildbänden der vergangenen Jahre einen guten Ruf für hohe Qualität erworben. Herdam als Autor bürgt als guter Kenner der Materie für eine sachgerechte Umsetzung des Themas.

Als erster Band der geplanten Triologie von reinen Bildbänden liegt nun das Buch über die Rheinuferbahn vor. Der ausführliche Text beschränkt sich in diesem Buch auf die Beschreibung der zumeist großformatigen Fotos in Schwarz-weiß und in Farbe. Die Abbildungen sind chronologisch nach Zeitepochen angeordnet. Ergänzt werden sie durch Fahr- und Streckenpläne, Abbildung von Fahrplanheften und als Auflockerung sehr gelungen Abdrucken von Fahrkarten. Die verwendeten Aufnahmen, zum Teil von professionellen Fotografen, zum Teil von Eisenbahnfreunden, vermögen nicht nur in der Qualität der Wiedergabe zu überzeugen, sondern auch von der Motivwahl. Ein Eisenbahnbetrieb beschränkt sich eben nicht nur auf Fahrzeuge, sondern besteht aus ein ganzes Bündel von Dingen, welches sein „Ambiente“ ausmachen. Diese sind in diesem Buch sehr gut berücksichtigt. Auch das gewähnte Querformat erweist sich für den Abdruck der im Original ja überwiegend rechteckigen Negative oder Glasplatten als sehr geeignet. Der Großteil der Aufnahmen ist in Büchern bisher nicht veröffentlicht worden. Besonders erwähnenswert sind die frühen Farbaufnahmen der 1950er Jahre.
Der Bildband zeigt eindrucksvoll, wie die KBE Fortschritt und Tradition miteinander verband und Reisekomfort und Behaglichkeit sowohl an den Bahnhöfen als auch in den Fahrzeugen bot. Eben so ganz anders als heute, wo schnöde, rein zweckmäßig gestaltete rollende Gefäße ohne viel Komfort dem reinen Transport von A nach B dienen! War schon die Inbetriebnahme 1906 ein in der Fachwelt viel beachteter Paukenschlag, so folgte der zweite mit der Inbetriebnahme der Leichttriebwagen für den Schnellzugverkehr in den 1960er Jahren. Eine mit dem Brand einer Halle im Bw Wesseling 1975 begonnene Pechphase leitete den langsamen Untergang des Vollbahnbetriebes auf der Rheinuferbahn ein. Auch dieses Kapitel kommt nicht zu kurz.

Die KBE hat Bahnfotografen immer gereizt, weshalb es von diesem Betrieb eine Unmenge von Bildern gibt. Hier eine Auswahl für ein Buch von 136 Seiten zu treffen war sicherlich nicht einfach. Das Buch kann und will kein vollständiges Bild der Rheinuferbahn geben, dies ist textlich und zum Teil auch mit kleinen Abbildungen bereits in den vorangegangenen Veröffentlichungen geschehen. Es will Erinnerungen wachrufen an die große Zeit einer großen deutschen Privatbahn. Das ist voll und ganz gelungen und dem KBE-Freund und Liebhaber guter Bahnbilder sei geraten hier zuzugreifen! Mit Spannung und Vorfreude können die beiden anderen Bände erwartet werden, von denen sich der zweite mit der Vorgebirgsbahn und der dritte mit Querbahn und so genannter „Schwarzer Bahn“ nach Knapsack beschäftigt, auf denen der Schwerpunkt auf dem Güterverkehr lag. (reu).