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Software, Medien aller Art und Literatur zum Themengebiet Eisenbahn
Moderatoren: Klaus Habermann - MWD
Guten Tag,

hier die Buchbesprechungen der in den letzten Wochen neu eingetroffenen Straßenbahn- und Überlandbahnen-Bücher. Wie immer muss gesagt werden, vieles davon bekommen man ja nicht an jeder "Ecke", da der Buchhändler des Vertrauens häufig keine ausländischen Titel führt (problematische Kontaktpflege, teurer Vorversand nach D, keine Rückgaben möglich und vieles mehr).
Im Versand erhältlich u.a. auch bei hafke.koeln@t-online.de

Frohe Festtage allerseits
Rolf Hafke, TS: TramShop


*** Strassenbahnen Deutschland ***
„Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland – Band 17: Thüringen“ von Michael Kochems, Freiburg 2016, 328 Seiten im Format 16,5 x 23,5 cm, gebunden, Herausgeber: EK-Verlag; Preis: 45,00 €

In der Buchreihe des EK-Verlages erschien der zweite Band über die Betriebe in der ehemaligen DDR, der das Land Thüringen zum Inhalt hat. Wie im Vorwort zu lesen, konnte der Autor sich wieder auf zahlreiche Helfer „vor Ort“ stützen, so dass auch mit diesem Buch wieder ein verlässliches und weitgehend fehlerfreies Kompendium garantiert ist. Interessant auch die Mitteilung, dass alle kontaktierten Verkehrsbetriebe ebenfalls Unterstützung geleistet haben und zum Teil sogar selbst Mitarbeiter damit betraut haben. Ein kleines aber erfreuliches Detail in einer Zeit, in der man als Verkehrsfreund zunehmend den Eindruck hat, den Betrieben lästig zu sein!

In bewährter Manier werden die Betriebe von Erfurt, Gera, Gotha mit Thüringerwaldbahn, Jena und Nordhausen behandelt. Auch die schon früh eingestellten elektrischen Betriebe von Altenburg und Weimar sowie die in den 1960er und 1970er Jahren aufgegebenen Betriebe in Eisenbach und Mühlhausen werden in entsprechender Ausführlichkeit dargestellt. Vergessen sind auch nicht die Obusbetriebe in Erfurt und Weimar. Der Zeit bezogen und blockartig aufgebaute, gut strukturierte Text wird durch ausführliche Wagenparklisten ergänzt, welche über den Lebenslauf jedes Fahrzeuges Auskunft geben. Die wichtigsten Betriebsdaten sind zu Beginn und Ende eines jeden Kapitels in Tabellen erfasst. Ergänzt werden die Betriebsbeschreibungen durch gute Schwarz/weiß-Fotos mit ausführlicher Beschreibung. Im Anhang gibt es zusätzlich einen Farbteil von 16 Seiten auf denen sich zusätzlich noch Aufnahmen zu den meisten der behandelten Betrieben finden.

Die Grundlagen, welche noch zu DDR-Zeiten vom Straßenbahn-Archiv des Transpress-Verlags gelegt worden sind, werden mit dem neuen EK-Band in eine stark verbesserte und erweiterte aktuelle Form gebracht. Die Buchreihe gehört einfach in die Bibliothek eines Straßenbahnfreundes, wenn er sich nicht nur für den Betrieb seiner Heimatstadt interessiert. (reu)


„Mit der Straßenbahn durch das Berlin der 60er Jahre, Band 6: Die Linien 44, 47 und 49“, von Reinhard Schulz und Sigurd Hilkenbach, Berlin 2016, 96 Seiten im Format 24 x 21,5 cm, gebunden, Herausgeber: Lok Report-Verlag; Preis: 22,80 €

Mit seinen Bildbänden über die Berliner Straßenbahn der 1960er Jahre scheint der Verlag einen Volltreffer gelandet zu haben. Die Nachfrage ist erfreulich hoch und die „Fangemeinde“ lechzt stetig nach weiteren Ausgaben. Gut Ding will aber Weile haben, denn für die Autoren bedeutet die Auswahl der Fotos und das Verfassen der Bildbeschreibungen immer ein gutes Stück Arbeit.

Band 6 ist noch rechtzeitig vor Weihnachten erschienen und er behandelt, mit den Linien 44 und 47 zwei Linien im Südwesten von West-Berlin sowie mit der Linie 49 eine langjährige Verbindung im Osten zwischen der Stadtmitte und Buchholz. Während die beiden West-Linien 44 von der Sandkrugbrücke nach Steglitz und 47 vom Neuköllner Hermannplatz nach Rudow der verfehlten Verkehrspolitik des West-Berliner Senats in den 1960er Jahren zum Opfer fielen, besteht die Verbindung nach Buchholz in veränderter Form als Linie 50 heute noch. Sie ist nicht nur in Buchholz verlängert worden, sondern erreicht mit dem Virchow-Klinikum auch den Westteil der einst geteilten Stadt. Eine Besonderheit der Linie 47 war ihr Pendelverkehr zwischen Rudow und der Stadtgrenze mit einem Triebwagen im Einmannbetrieb. Bis 1950 fuhr die Linie sogar bis nach Schönefeld in die DDR hinein, war aber auch da ein getrennter Betriebsteil mit Umstieg in Rudow, Bahnhofstraße. Eine Besonderheit bot die Linie 47 auch durch das verwendete Fahrzeugmaterial in Form von Kriegs- und Nachkriegswagen, die unter den sonst verwendeten Fahrzeugen der 1920er und 1930er Jahre für Abwechslung sorgten Stoff genug also für eine kurzweilige Reise in Form großformatiger Fotos, überwiegend in Schwarz/weiß, in wenigen Fällen auch in Farbe. Die Bildbeschreibungen sind wieder sehr detailliert und kenntnisreich und verraten auch zahlreiche Details über die durchfahrenen Straßenzüge und deren Bebauung. Dies sollte für den Freund der Berliner Straßenbahn erneut Grund genug sein, sich dieses Buch für die Sammlung zuzulegen und schon gespannt auf die Fortsetzung zu warten. (reu)


*** Strassen- und Privatbahnen Schweden ***
„Tvärbanan & Nockebybanan“ von Hans Harlén, Stockholm 2016; 48 Seiten im Format 21 x 21 cm, broschiert, Herausgeber: Trafik-Nostalgiska Förlaget; Preis: 15,00 €

„Lidingöbanan“ von Hans Harlén, Stockholm 2016; 40 Seiten im Format 21 x 21 cm, broschiert, Herausgeber: Trafik-Nostalgiska Förlaget; Preis: 15,00 €

„Roslagsbanan“ von Hans Harlén, Stockholm 2016; 48 Seiten im Format 21 x 21 cm, broschiert, Herausgeber: Trafik-Nostalgiska Förlaget; Preis: 15,00 €

„Saltsjöbanan“ von Hans Harlén, Stockholm 2016; 40 Seiten im Format 21 x 21 cm, broschiert, Herausgeber: Trafik-Nostalgiska Förlaget; Preis: 15,00 €

Vier nett gestaltete Hefte bringen dem Leser die Vorortbahnen der schwedischen Hauptstadt Stockholm näher. Während die neue Tvärbahn eine großzügig ausgebaute und mit Niederflurwagen betriebene Straßenbahn im Randbereich der Stadt darstellt, ist die Nockebybahn der letzte Rest des einstigen großen Vorortstraßenbahnnetzes der alten Stockholmer Straßenbahnnetzes. Ähnlich sieht es mit der Lidingöbahn aus, die aber eine selbstständige Gesellschaft war, was auch in einer abweichender Lackierung äußerte. Beide Normalspurbahnen werden heute mit modernen Niederflurwagen bedient. Roslagsbahn und Saltsjöbahn sind S-Bahn ähnliche Vorortbahnen, wobei erstere auf Schmalspur von 891 mm fährt.

Die Hefte bieten einen Blick in die Historie mit schönen Schwarz/weiß-Aufnahmen und zeigen etwa gleichgewichtig den aktuellen Betrieb mit Farbbildern. In komprimierter Form erhält der Leser in schwedischer Sprache, aber doch recht gut verständlich wenn man diese nicht beherrscht, einen guten Überblick über die genannten Bahnen. Die Hefte sind auch einzeln erhältlich. (reu)


*** Eisenbahnen Europa ***
„Spoorwegen 2017“ von Richard Latten, Alkmaar 2016; 768 Seiten im Format 15 x 21 cm, broschiert, Herausgeber: Uitgeverij de Alk; Preis: 31,00 €

Was „Trams“ für den Straßenbahnfreund, das ist das zumindest genau so lange parallel erscheinende „Spoorwegen“ für den Freund der Eisenbahn. Mehr als doppelt so dick wie das Straßenbahn-Jahrbuch erreicht es seit einigen Jahren die Stärke eines Versandhaus-kataloges. Dieses Mal sind weitere 24 Seiten im Vergleich zum Vorjahr hinzugekommen, und es wird zunehmen schwierig, diesen „Brocken“ noch als Reisebegleiter zu nutzen. Aber nicht nur vom Gewicht her sondern auch mit seiner unheimlichen Datenfülle, aufgeteilt nach Ländern, „erschlägt“ es den Leser. Dem langjährigen Herausgeber Richard Latten gelingt es ausgezeichnet in das seit der Freigabe der Staatsbahnnetze für private Betreiber immer größer werdende Durcheinander von kommenden, gehenden und fusionierenden Betreibern Ordnung zu bringen. Nur mit Hilfe einer Vielzahl von Korrespondenten ist es überhaupt möglich, alle Daten zu erfassen. Enthalten ist auch ein interessantes Kapitel über die Entwicklungen der Fahrzeugindustrie.

Das Buch „lebt“, wie auch „Trams“ von seinen zahlreichen halbseitigen Fotos. Die Farbaufnahmen zeichnen sich allesamt durch eine gute Motivwahl und Bildqualität aus. Einziges „Manko“, was aber nicht Autor und Verlag angelastet werden kann, ist die seit einigen Jahren alleinige Existenz der niederländischen Originalausgabe. Es bleibt unverständlich, dass trotz des erheblich größeren Kreises potentieller Interessenten in Deutschland (auch beim Straßenbahnbuch) es angeblich nicht möglich war, der deutschsprachigen Version eine wirtschaftlich akzeptable Zahl verkaufter Exemplare zu sichern. So bleibt dem „Chronisten“ nur übrig, sich mit den (durchaus beherrschbaren) Eigenheiten der niederländischen Sprache anzufreunden um sich über die aktuelle Entwicklung bei den Eisenbahnen Europas auf dem Laufenden zu halten. (reu)