Stefan Carstens
Hinter den Kulissen Fünf Jahrzehnte Eisenbahn – vom Hobby zum Beruf
ISBN 978-3-9823 2226-1
Eisenbahn-Dokumentation 2026
256 Seiten, Format 21,8 × 29,7 cm Hardcover
ca. 260 Fotos sowie ca. 70 Zeichnungen und Faksimiles
49,95 €
„Fünf Jahrzehnte Eisenbahn – vom Hobby zum Beruf“ lautet der Untertitel dieses neuen Buches aus Stefan Carstens’ Bücherschmiede
Eisenbahndokumentation. Der Verlag steht seit Jahren für hochwertige Publikationen zu vermeintlichen Nischenthemen – stellvertretend seien nur die Bände über Bahndienstgüterwagen oder der jüngste Titel über Staubgut- und Granulatwagen genannt.
Der neueste Band überrascht jedoch, denn diesmal geht es um … Stefan Carstens selbst. Es sind gewissermaßen seine Memoiren – illustriert mit den schönsten Eisenbahnfotografien, die der Autor in fünf Jahrzehnten auf Negativ- und Diafilm sowie später auf digitalen Speichermedien festgehalten hat. Auf den ersten Blick mag dies wie ein Ausflug in die eigene Selbstinszenierung wirken. Tatsächlich bietet das Buch jedoch weit mehr: spannende Einblicke in die Fotografenszene der ausgehenden Dampfära beiderseits der deutschen Grenze, hochinteressante Hintergrundberichte aus der Welt der Eisenbahnliteratur und der Hobbyszene sowie zahlreiche kritische Selbstreflexionen über die Irrungen und Wendungen des eigenen Lebens.
Vor allem aber ist es ein Bildband voller herausragender Fotografien in exzellenter Wiedergabequalität, der die Atmosphäre der letzten Dampfparadiese der 1970er-Jahre eindrucksvoll einfängt. Neben der lebhaften Schilderung seiner Fototouren beweist Carstens immer wieder den Blick für die vielen kleinen Randaspekte unseres Hobbys, die den besonderen Reiz des Buches ausmachen.
Beim Lesen der zahlreichen Anekdoten wird schnell deutlich: Dieser Mann hat weit mehr zu erzählen als nur die Geschichten hinter seinen Eisenbahnfotos. Ohne epische Ausschmückungen und stets auf das Wesentliche konzentriert berichtet Carstens von den Anfängen seiner Begeisterung für „König Dampf“, vom Spannungsfeld zwischen Schulpflicht und langen Stunden an der Strecke, von den Tücken des analogen Filmmaterials, Fehlschlägen in der Dunkelkammer, ersten beruflichen Erfolgen und prägenden Freundschaften.
Dabei schont er sich selbst nicht. Bemerkenswert offen schreibt er über das Scheitern einer Ehe und über Erkrankungen, die ihn aus der Bahn warfen. Lange habe er überlegt, ob und in welchem Umfang er diese privaten Einblicke gewähren solle. Gerade diese Offenheit verleiht dem Buch jedoch eine besondere Authentizität. Mehr als einmal fragt man sich beim Lesen, wie viele vergleichbare Wendungen des Lebens jeder Einzelne erlebt hat, über die er wohl niemals öffentlich berichten würde.
Die Gestaltung entspricht dem hohen Standard, den Leser von Carstens' Büchern gewohnt sind: ein klar strukturiertes Layout, das den Bildern großzügig Raum gibt, informative Bildunterschriften sowie zahlreiche Einschübe mit spannenden Anekdoten. Immer wieder führen diese auch ins Private – etwa wenn der Autor seine Kameras vorstellt oder von der Modellbahn in der Studentenwohnung erzählt. Es folgen die ersten Schritte in die Welt der Eisenbahnliteratur: die Tätigkeit als Redakteur für MIBA und MIBA Report, das erste im Selbstverlag erschienene Buch und schließlich die Gründung des eigenen Verlages. All dies verbindet Carstens mit einem ebenso persönlichen wie lesenswerten Resümee.
Besonders reizvoll sind für den Rezensenten die vielen kleinen Erinnerungen, die das Buch beinahe beiläufig wachruft und die wohl nahezu jeder Eisenbahnfreund dieser Generation kennt: der Commodore-PC, die legendäre Zeitschrift Bahn & Modell – der der Rezensent lange nachgetrauert hat – oder der bewährte Epson V700-Scanner.
Kurzum: Ein tolles und außergewöhnliches, sehr persönliches Buch. Lesenswert!
– Malte Werning
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 31.07.26 22:52.