DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 06 - Modellbahn-Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Alles zum Thema Modellbahn - Streitereien Märklin <-> Rest der Welt bitte woanders austragen! Unerwünscht sind auch Werbebeiträge von Händlern, sowie die Verbreitung nicht fundierter Gerüchte über die finanzielle Situation von Modellbahnherstellern.
Moderatoren: TCB - v100fan

Fleischmann H0 ICExperimental+ZIMO=komische Effekte

geschrieben von: manuelberlin

Datum: 02.06.21 23:31


Hallo zusammen!

Zuletzt habe ich meinen Fleischmann H0 ICExperimental (H0, 4460-4462) mit ZIMO-Decodern digitalisiert, im motorisierten Triebkopf ist ein Lokdecoder MX 630, im antriebslosen Triebkopf ein Funktionsdecoder MX 671.

Am Funktionsdecoder habe ich einen Pufferkondensator angeschlossen, was auch sehr sinnvoll ist, weil Fleischmann dort die Stromabnahme nur von einem Drehgestell vorgesehen hat (der Zug ist technisch unglaublich simpel, um nicht zu sagen primitiv und billig aufgebaut). Beim angetriebenen Triebkopf habe ich auf einen Decoder mit Kondensatoranschluss verzichtet.

Das ist soweit alles reibungslos verlaufen. Die originale Glühlampenbeleuchtung macht eine ordentliche Figur und so sind nun normale Spitzen- und Schlussbeleuchtung ebenso möglich wie ein Rangier- und ein Abstelllicht sowie eine Fernlichtschaltung (alles mittels "Schweizer Mapping" realisiert, beim Funktionsdecoder natürlich entsprechend umgekehrt).

Vom Motor habe ich bei der Digitalisierung alle dort vorhandenen Entstörelemente (Drossel, Kondensator) entfernt.


Bei der anschließenden Konfiguration der Motorregelung ist es allerdings zu sehr merkwürdigen Effekten gekommen.

Vielleicht hat jemand von Euch Ideen dazu, bevor ich mich an ZIMO wende.

Vorwegschicken möchte ich noch, dass ich den Antrieb nicht umbauen möchte - der Zug soll einfach nur gelegentlich mal fahren, sonst nichts.


- Testumgebung ist mein "Teppich-Testring" mit 600-mm-Radien und einem Umfang von rund 8 Metern. Ich kann ihn wahlweise mit einem konventionellen Fleischmann-'MSF'-Trafo oder einer weißen Roco z21 betreiben. Entstörelemente in der Zuleitung sind nicht vorhanden.


Der analoge Testlauf vor dem Decodereinbau hat folgende Erkenntnisse gebracht:

- Die Langsamfahreigenschaften sind sehr schlecht, die Mindestgeschwindigkeit ist ziemlich hoch (ich habe sie nicht gemessen) und der Zug fährt noch lange ruckelig.

- Umgekehrt ist die Höchstgeschwindigkeit extrem, sehr weit über dem Rekord des Vorbilds.

Und es ergibt sich ein Effekt, der später noch eine wichtige Rolle spielen wird:

- Bereits geringe Schwankungen im Fahrwiderstand (Gefälle, Steigung, Bögen) führen zu sehr starken und störenden Geschwindigkeitsänderungen. Solche Schwankungen blieben bei allen anderen Modellen auf dem Testring auch mit Zuglast bisher im Bereich "wahrnehmbar, aber nicht auffällig".

Hierzu ist zu sagen, dass der Fußboden nicht völlig waagerecht ist (Altbau, Holzbalkendecke), sodass sich entlang der Längsseiten des Testovals ein leichtes Gefälle beziehungsweise eine leichte Steigung ergibt. Dies muss man sich vom Ausmaß her so vorstellen, dass durchschnittlich rollende Wagen stehen bleiben, sehr leicht rollende Wagen sich aber in Bewegung setzen.


Nach der Digitalisierung habe ich folgendes gemacht:

Motorregelung:

- CV 9 = 89
- CV 56 = 91

Das sind die Werte, die ZIMO für den Fleischmann-Rundmotor empfiehlt. Bessere Werte habe ich auch nicht gefunden.

Auch habe ich gleich einmal die Anfahr- und Bremsverzögerung eingestellt:

CV 3 = 16
CV 4 = 16

Im Ergebnis hat sich gegenüber dem Analogbetrieb ohne Decoder eine sehr deutliche und beeindruckende Verbesserung des Anlauf- und Langsamfahrverhaltens ergeben. Toll ist es immer noch nicht, aber mehr dürfte bei der Kombination aus dem dreipoligen Rundmotor mit eher geringer Drehzahl sowie der extremen Getriebeübersetzung auch nicht drin sein.

Aber vom Ergebnis durchaus annehmbar. Der Zug läuft bereits bei Fahrstufe 1 an und lässt sich sehr viel langsamer (ruckfrei) fahren als zuvor analog. Bei kleinster Geschwindigkeit hat man ja schon deutlich dieses typische "nag-nag-nag"; zu einer gleichmäßigeren Drehung wird man den Motor da nicht bringen können. Aber es ist in diesem speziellen Fall für mich völlig okay.


Dann ging es daran, die Höchstgeschwindigkeit einzustellen. Aufgrund der oben beschriebenen starken Schwankungen bereits bei geringsten Änderungen des Fahrwiderstands war dies aber zunächst gar nicht sinnvoll möglich.


Unerklärliche Kapriolen:

Daher habe ich zunächst die m.W. dafür vorgesehene

CV 150 = 255 (Ausregelungswert für die höchste Fahrstufe)

gesetzt, um die Lastregelung bis zur höchsten Fahrstufe unverändert greifen zu lassen (standardmäßig geht die Lastregelung bei steigender Fahrstufe immer weiter zurück, bis sie bei höchster Fahrstufe Null ist).

Dreht man nun den Regler auf, beschleunigt der Zug von Anfang an auffällig verhalten, um dann ab einer bestimmten Geschwindigkeit und Reglerstellung wieder langsamer zu werden und am Ende stehen zu bleiben oder nur noch zu kriechen.

Auch sehr viel niedrigere Werte für CV 150 (bis hinab zu 40 probiert) haben keinen Erfolg gebracht und ließen den komischen Effekt nicht verschwinden.


Anschließend habe ich CV150 wieder auf Null gesetzt und es mit einem Trick versucht, um die Lastregelung bis zur Höchstgeschwindigkeit unverändert greifen zu lassen:

CV 10 = 252 (Mittelpunkt für die Dreipunktkurve der Lastregelung, hier auf die Maximalgeschwindigkeit verschoben)
CV 113 = 255 (Ausregelungswert für den Mittelpunkt)

Das hat tatsächlich funktioniert, der Zug fuhr nun gut regelbar und bei allen Geschwindigkeiten in gleichbleibender Geschwindigkeit über das Testoval. Warum es mit diesem Trick funktioniert und über CV 150 nicht, bleibt unerklärlich.


Sodann habe ich die Höchstgeschwindigkeit über CV 57 (Motor-Referenzspannung) justiert - auf 350 km/h. Wenn schon, denn schon. Mit der Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf "nur noch" 350 km/h hat sich auch das Anlauf- und Langsamfahrverhalten nochmals etwas verbessert.

Das hat also am Ende alles einwandfrei geklappt und war ein toller Etappenerfolg. Auch wenn es immer unbefriedigend ist, wenn man die Problemursache nicht versteht oder ermitteln kann. Denn das Problem kam später wieder ...


Nächster Punkt: Mittelgeschwindigkeit:

Wenn der Balken in der Z21-App auf 175 km/h steht, sollte der Zug auch in etwa so schnell fahren.

Ich habe daher die Mittelgeschwindigkeit über CV 6 entsprechend angepasst, was auch wie erwartet funktioniert hat.

Bei niedrigeren Geschwindigkeiten ergab sich aber (wie erwartet) weiterhin eine starke Abweichung der tatsächlichen Geschwindigkeit nach unten. Damit wäre der Regelbereich bei Geschwindigkeiten, die nicht nur auf dem Testring, sondern auch auf der Anlage verträglich sind, einfach arg klein. Die Mittelgeschwindigkeit ist in diesem Fall einfach schon extrem hoch. Daher wollte ich nun die 28-Punkt-Geschwindigkeitskurve verwenden.


28-Punkt-Kennlinie: Wiederkehr des bizarren Verhaltens

Ich habe daher CV 29 auf die freie Kennlinie eingestellt und zunächst mit einer linearen Kennlinie mit Werten von 0 bis 255 begonnen, die ich dann entsprechend anpassen wollte.

Große Überraschung: Der Zug zeigte sofort wieder das schon oben bei der Einstellung von CV 150 aufgetretene eigenartige Verhalten in etwas abgewandelter Form:

Dreht man den Regler voll auf, beschleunigt der Zug entsprechend der Anfahrverzögerung nun bis zur Höchstgeschwindigkeit (zuvor weit weniger). Dann jedoch beginnt erneut die Geschwindigkeit langsam wieder abzusinken, bis der Zug schließlich stehen bleibt. Nimmt man während dieses Absinkens der Geschwindigkeit den Regler einen Tick zurück, springt die Geschwindigkeit ohne Verzögerung wieder hoch auf den eingestellten Wert, dann beginnt jedoch das Absinken erneut.

Dreht man von vornherein nicht voll auf, sondern beispielsweise nur bis zur Hälfte, schwächt sich das seltsame Verhalten ab, es verschwindet aber nicht.

Sehr eigenartig.

Kehre ich zur Geschwindigkeitseinstellung über die Dreipunkt-Kennlinie (unverändert bei dem Trick mit dem durch CV 10 = 252 verschobenen Mittelpunkt der Motorregelung) zurück, ist dieses Verhalten wieder verschwunden.

Das ist jetzt mein letzter notfalls brauchbarer Stand.



Firmware-Update: Noch mehr Probleme

Bei Auslieferung (vor zwei Wochen) hatte der Decoder die Firmware-Version 37.x (Unterversion unbekannt). Ich hatte mir von einem Update auf die aktuelle Version 40.5 eine Abhilfe für das eigenartige Verhalten erhofft. Also, gesagt, getan, aufgespielt.

Damit bin ich aber vom Regen in die Traufe gekommen:

Der Zug fährt nun nicht mehr bei Fahrstufe 1 an, sondern erst irgendwo bei Fahrstufe 10 bis 15. Und das mit einem Bocksprung und anschließend bis zu einer Geschwindigkeit von umgerechnet rund 40 km/h stark ruckelnd. Eine Abhilfe dafür habe ich nicht gefunden.

Experimente mit den CV 9, 56, 145 (CV 145 = 1 "Spezialregelung für Fleischmann-Rundmotor") sowie 147-149 haben zwar teils eine geringfügige Verbesserung gebracht, aber nicht auch nur ansatzweise das gute Regelverhalten mit der Firmware-Version 37 zurückgebracht.


Das Problem mit der 28-Punkt-Kennlinie habe ich bei dieser Firmware-Version gar nicht mehr untersucht, weil die Anfahr- und Langsamfahreigenschaften völlig indiskutabel blieben.


Nun habe ich mir die Firmware-Version 37.x (37.16?) heruntergeladen und aufgespielt. Damit verhält sich der Decoder wieder wie ursprünglich, also immerhin mit in Anbetracht der Modell-Umstände respektablen Langsamfahreigenschaften.


Hat jemand von Euch Idee zu den angesprochenen seltsamen Effekten (mit der 28-Punkt-Kurve und mit dem Verhalten nach dem Firmware-Update)?

Danke und viele Grüße
Manuel
Thema
Angeklickt
geschrieben von
Datum/Zeit
 Fleischmann H0 ICExperimental+ZIMO=komische Effekte
(1197)
02.06.21 23:31