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Re: Aktuelle Erfahrungen mit Kurierdiensten und Verkäufern wegen Beschädigungen

geschrieben von: AS78

Datum: 01.05.21 13:21


Ein „Unboxing“ Video kann in der Tat nützlich sein, den Ursprung eines Schadens zu belegen. Ich hatte seinerzeit das Glück, die beschädigte P8 vor einer Reihe unverdächtiger Zeugen ausgepackt zu haben. Allerdings habe ich bei der Rechtsauskunft gelernt, daß bei „gewerblichen“ Käufen der Verkäufer und nicht der Käufer beweisen muß, daß die Ware bei Versand in Ordnung war. Im vorliegenden Fall war die Lok im Gegensatz zur makellosen GFN Umverpackung so beschädigt, daß eine Beschädigung auf dem Transport praktisch ausgeschlossen war. Wichtig war den konsultierten Anwälten: Nach drei sechs Monaten (soweit ich erinnere) kehrt sich die Beweislast um, Stichwort „Beweislastumkehr“. Danach ist der Käufer beweispflichtig, daß der Mangel der Ware schon bei Erhalt bestand. Bei Privatverkäufen gilt dies meines Wissens schon von Anfang an. Ob ein „Unboxing“ Video im Zweifelsfall gerichtsfest ist, wird vermutlich im Einzelfall entschieden. Aus diesen Gründen sind Privatverkäufe für den Käufer meines Erachtens immer mit einem höheren Risiko behaftet. Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich weiterhin davon aus, daß auch bei Privatverkäufen die Erstattung in Fällen unzulänglicher Verpackung oder bei Transportschäden nicht per se unmöglich ist, wenngleich schwieriger.

Auch wenn man eindeutig im Recht ist, ist dessen Durchsetzung mit erheblichem Aufwand und der Klärung von Fragen verbunden, von deren Existenz man sonst nie erfahren hätte: Was sind Haupt- und Nebenforderungen? Wie sind diese zu verzinsen? Was passiert, wenn die Gegenseite nach Erhalt des Mahnbescheids die Hauptforderung begleicht, das Begleichen der Nebenforderung aber verweigert? Was passiert, wenn sich Mahnung und Zahlung auf dem Postweg überkreuzen? Ich habe seinerzeit die vergleichsweise günstige Rechtsberatung der Verbraucherzentrale in Anspruch genommen und weitere sehr nette Hilfe telefonisch von der Richterin des Falles erhalten. Daß aber auch meine Rechtsberatungskosten von der Gegenseite zu erstatten waren, hatten selbst die für die Verbraucherzentrale tätigen RAe im Vorwege nicht geglaubt. Man hat also auf jeden Fall neben dem Kostenrisiko erheblichen zeitlichen und mentalen Aufwand — die Gegenseite hatte natürlich sofort gefordert, ihre Anwaltskosten von mir finanzieren zu lassen — evtl. allerdings auch ein paar schöne Momente. Bestenfalls erhöht man für die Gegenseite das Wiederholungsrisiko.

Zu den Transportdiensten habe ich den Verdacht, daß die Zustelldienste von findigen „Controllern“ optimiert worden sind. So wie man herausgefunden hat, daß es (für den Dienstleister) billiger ist, Züge komplett ausfallen zu lassen und die paar Beschwerden der bedröppelten Kundschaft auszusitzen, statt einen aufwendigen Reservepark vorzuhalten, wie in alten Zeiten, als die DB auch noch bei Schnee fuhr, ist es finanziell lukarativer das Zustellfahrzeug bis zum Anschlag vollzustopfen, um das letzte aufwendigste Stück der Zustellung je nach Bedarf auf den Kunden selbst abzuwälzen, der noch billiger, nämlich umsonst, arbeitet, als die schlecht bezahlten eigenen Kräfte. Bei uns ist es ein bestimmtes DHL Zustellzentrum, dessen Zusteller uns mit schöner Regelmäßigkeit leider „nicht antreffen“, immer gegen 15 Uhr oder kurz danach. Die Zustellnachricht wird durch die Kollegen mit der Briefpost am nächsten Zustelltag überbracht, denn die Paketzusteller haben nicht nur uns, sondern unser komplettes Haus nicht angetroffen. Das passiert auch, wenn die Zusteller der Konkurrenz (Hermes, DPD) und der Briefpost zum gleichen Zeitpunkt keinerlei Zustellprobleme bei uns haben. Ich gehe von einer Touraufteilung aus, bei der nach 15 Uhr noch im Zustellfahrzeug liegende Sendungen regelhaft an die nächste Filiale zur Selbstabholung durch den Kunden gehen.

Die offiziellen Beschwerdewege bei DHL sind auf geringsten Aufwand für das Unternehmen bei größtmöglicher Kundenabschreckung optimiert. Vor einigen Monaten war es allerdings noch möglich, eine funktionale Kontaktadresse und Telefonnummer herauszufinden. Nachdem wir uns geweigert hatten, offiziell eine Zweitzustellung zu beantragen, nachdem die Erstzustellung nachweislich noch ausstand, ging das Ganze eine Woche hin und her. Knapp 24 Stunden, bevor die Sendung an den Absender zurückgeschickt worden wäre, war ein Mitarbeiter plötzlich doch bereit, die Erstzustellung zu veranlassen. Das Paket kam am nächsten Tag morgens um 9 Uhr, während wir normalerweise nie vormittags „dran“ sind. Wir müssen von einer „Sonderzustellung“ ausgehen. Hinter den Kulissen müssen Fahrer in derartigen Fällen allerdings ein Berichtsformular ausfüllen, wenn man Presseberichten glauben darf. Ob auch die Controller und Disponenten, die das Ganze organisieren, in diesen Fällen Berichte schreiben müssen, wurde nicht berichtet.

Beschwerden sind ansonsten bei der Bundesnetzagentur einzureichen. Mehr Aussicht auf Beachtung hat man dort ggf., wenn man sich mit Nachbarn zusammentut, die in der Regel von ähnlichen „tourbedingten“ Zustellmängeln betroffen sind. Daß sich etwas ändern wird, mag man bezweifeln. Das gilt allerdings umso mehr bei Wahl von DSO als Beschwerdeinstitution. Und letztlich ist es auch eine Frage des Preises, den man für die Dienstleistung zu zahlen bereit ist.

Einen schöne Maifeiertag

Ediert: Angaben zur Beweislastumkehr korrigiert und ergänzt

http://www.drehscheibe-foren.de/foren/file.php?99,file=80544      AS78




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