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ČSD M152 "Brotbüchse" von Roco: Wirres Funktionsmapping, weitere Eindrücke (m7B)

geschrieben von: manuelberlin

Datum: 21.11.20 00:10


Hallo zusammen!

Im zweiten Anlauf habe ich heute Nachmittag eine funktionsfähige "Brotbüchse" von Roco (Art.-Nr. 70373 Digital mit Sound) erhalten. Danke an den Händler aus Wachau für den wirklich blitzschnellen Austausch. Beim ersten Exemplar war der Beiwagen komplett "tot", die Ursache war ohne Zerlegen nicht erkennbar, sodass ich dieses erste Exemplar zurückgeben musste. Eine wenigstens grundlegende Funktionskontrolle findet bei Roco also anscheinend nicht statt.

Hier ein paar Eindrücke:

Vorausschicken möchte ich, dass ich kein Experte für die damaligen tschechoslowakischen Fahrdienst- und Signalvorschriften bin und auch kein ausgewiesener Kenner des Vorbilds.


Geliefert wird das Modell in der aktuell üblichen Roco-Verpackung (Blister-Bodenplatte mit fahrzeugspezifischen Vertiefungen sowie Blister-Haube - mit Folienstreifen aus dem Schaumstoff zu heben). Beide Fahrzeuge sind darin zusammengefasst, was mich zuerst etwas erschreckt hat, aber doch zu handhaben ist. Man ziehe nur an den äußeren Folienstreifen. Etwas schwierig finde ich, dass die Blister-Haube auf den Fahrzeugen einrastet. Am besten bekommt man die Fahrzeuge heraus, indem man diese in der Haube auf den Kopf stellt und die Fahrzeuge dann herauszieht.


Gravur, Lackierung und Bedruckung machen auf mich im Großen und Ganzen einen sehr guten, einwandfreien Eindruck. Die Bedruckung ist mehrfarbig und umfasst die Fenstereinsätze (außen die Rahmen der Klappfenster, innen die "Nichts hinauswerfen"-Piktogramme) und zum Teil auch den Fahrwerksbereich. In starker Vergrößerung sieht man allerdings fransige Farbtrennkanten und teils nicht einwandfrei montierte Griffstangen.

Das Modell ist weitgehend zugerüstet, die geätzten Scheibenwischer und Trittbretter sind dankenswerterweise ebenso ab Werk eingesetzt wie die winzige Funkantenne auf dem Dach des Triebwagens, die im Profil etwas an den Berliner Fernsehturm erinnert. Bei der Antenne ist große Vorsicht bei der Handhabung des Modells geboten - man kann es nur in der Blister-Haube aufs Dach drehen. Im Inneren gibt es einen Triebfahrzeugführer.

Montiert sind sparsame zwei Bügelkupplungen (es liegen auch keine weiteren bei). Es liegen vier Roco-Kurzkupplungen (klassische Bauart, nicht die Universalkupplung), zwei feste Kuppelstangen für die NEM-Aufnahme sowie Zurüstteile für die Pufferbohlen bei. Schürzen ohne Schlitz gibt es leider nicht, stattdessen Füllstücke für die Kupplungsschlitze.

Darüber hinaus gibt es drei bedruckte Ätzplatinen mit Fahrzeugnummern, ČSD-Schildern usw. sowie drei mal vier geätzte Zuglaufschilder. Ob ich mir die Montage dieser teils nur 1x2 Millimeter großen Schilder zutraue, weiß ich noch nicht - die Anbringung ist mehr als heikel, wenn man das Modell nicht durch Klebstoff versauen will.


Nun zu den inneren Werten - ich habe Trieb- und Beiwagen heute Abend auf meinem Teppich-Testoval in Betrieb gesetzt und dabei doch Erstaunliches bemerkt:

Trieb- und Beiwagen verfügen in der Digital+Sound-Variante jeweils über einen eigenen Decoder und einen Kondensator als Energiespeicher, der jedoch bei weitem nicht so üppig dimensioniert ist wie beispielsweise beim Piko-VT 98. Auf dem aktuell nicht besonders gut geputzten Teppich-Testoval gab es dann auch geringfügige Aussetzer beim Licht.

• Der Modellantrieb ist nicht flüsterleise, das können andere Hersteller inzwischen besser. Er ist aber ausreichend dezent hinsichtlich Lautstärke und Klang.

• Der Sound klingt gut und ist dabei recht voluminös und laut - glücklicherweise kann man die Lautstärke aber für den Heimgebrauch über Funktionstasten stufenweise verringern.

• Die Beleuchtung ist insgesamt sehr hell. Ich habe inzwischen herausgefunden, dass man sie über CV 60 gesamthaft dimmen kann. Das hat nur einen entscheidenden Haken: Die Schlussbeleuchtung des Beiwagens ist umgekehrt schon im Auslieferungszustand sehr dunkel und wäre dann gar nicht mehr wahrnehmbar. Ob es möglich ist, die Ausgänge einzeln zu dimmen, habe ich noch nicht herausgefunden.

• Roco hat diesmal dankenswerterweise beiden Fahrzeugen (Trieb- und Beiwagen) dieselbe Basisadresse verpasst. Von dem absurden Pfusch mit der Consist-Adresse wie zum Beispiel beim Bundesbahn-515 ist man also wieder abgekommen.


So, und jetzt wird es spannend (Licht-Funktionen):

• F0 schaltet wie üblich bei Trieb- und Beiwagen die fahrtrichtungsabhängige Beleuchtung ein. Das schließt hier aber auch das obere Spitzenlicht am Triebwagen mit ein. Wenn ich Aufnahmen vom Betrieb in Tschechien bzw. der früheren ČSSR richtig interpretiere und entsprechende Beiträge lese (etwa zur "Laminatka"), besteht das Standard-Spitzenlicht dort aber nur aus den zwei unteren Leuchten, die obere ist lediglich ein "Fernlicht", das auch nur in entsprechenden Situationen genutzt wird. Bei schlechtem Wetter tagsüber oder in der Dämmerung bleibt es aus.

• Über F12 und F13 lässt sich am Triebwagen seitenspezifisch die Stirnbeleuchtung abschalten (wie bei anderen Roco-Fahrzeugen unter teils anderer Funktionsnummer üblich - keine Ahnung, warum man das nicht einheitlich machen kann). Bizarr: Ist F12 oder F13 aktiviert, reagiert der Triebwagen nicht mehr auf F0 - das heißt, die Beleuchtung lässt sich nicht mehr abschalten, bevor man nicht die seitenspezifische Lichtunterdrückung herausgenommen hat. Beim Funktionsdecoder im Beiwagen besteht dieses lästige Problem nicht.

• Zu einer vorbildgerechten normalen Zweilicht-Spitzenbeleuchtung kommt man über F9 - Roco nennt das "Stirnlicht in Stationen". Das ist nicht nur umständlicher, als über eine eigene Funktion das Fernlicht aufzurufen (wie bei der Piko-"Laminatka"), sondern hat noch zwei weitere Haken:

- Die seitenspezifische Lichtunterdrückung wird jedoch durch F9 überschrieben - man hat also bei vorbildgerechter Zweilicht-Spitzenbeleuchtung am Triebwagen zwangsweise auch auf dessen Beiwagenseite Schlussbeleuchtung. Das ist völlig indiskutabel.

- Der Beiwagen reagiert nicht auf F9. Um dort die Schlussbeleuchtung zu bekommen, muss zusätzlich F0 aktiviert sein.

• Der Beiwagen besitzt ebenfalls eine seitenspezifische Lichtunterdrückung auf F19 und F20 - beim Triebwagen sind diese beiden Funktionen aber mit Lautsprecherdurchsagen am Bahnsteig belegt ...

• Nimmt man ein Fahrzeug bei eingeschalteter Innenbeleuchtung vom Gleis oder schaltet die Spannung ab, bleibt die Innenbeleuchtung beim Wiederaufsetzen/Wiedereinschalten dunkel, bis man die Funktion einmal deaktiviert und anschließend wieder aktiviert hat.

• Die Garnitur besitzt eine schaltbare Rangierbeleuchtung. Ärgerlicherweise hat es aber trotz einer stattlichen UVP von 364,90 Euro nicht dafür gereicht, auch beim Beiwagen weiße LEDs für die Spitzenbeleuchtung zu installieren.

Möglicherweise gibt es noch mehr Merkwürdigkeiten in diesem völlig wirren Funktionsmapping - das ist es jedenfalls, was mir in der Kürze der Zeit aufgefallen ist. Teilweise muss man wohl tief recherchieren und in die CV-Programmierung einsteigen, um diesen Murks zu beheben.

So habe ich mir das für rund 356 Euro Straßenpreis definitiv nicht vorgestellt. Hier wäre eigentlich seitens Roco ein Rückruf zum Aufspielen sinnvoller Mapping-Einstellungen angebracht.

Viele Grüße
Manuel


Hier noch ein paar Handy-Bilder:

(1) In der Vergrößerung wirken die Farbtrennkanten nicht wirklich sauber, auch ist die Griffstange links der Einstiegstür unten nicht sauber eingedrückt.
http://wortundgestalt-webservices.de/foren/dso/modellbahn/roco-brotbuechse/IMG_9926.jpg

(2) Ähnliche Perspektive im weitgehend abgedunkelten Raum. Die Fernscheinwerfer sollten keinesfalls durch F0 aktiviert werden - siehe Text.
http://wortundgestalt-webservices.de/foren/dso/modellbahn/roco-brotbuechse/IMG_9920.jpg

(3) Hier mit eingeschalteter Führerstandsbeleuchtung. Schön gestaltete Inneneinrichtung des Führerstands.
http://wortundgestalt-webservices.de/foren/dso/modellbahn/roco-brotbuechse/IMG_9921.jpg

(4) Auf dieser Aufnahme wirkt die Schlussbeleuchtung des Beiwagens gut, während im Vergleich die Schlussbeleuchtung des Triebwagens so hell ist, dass die rote Farbe auf dem Bild kaum noch erkennbar ist. Die weißen Stirnleuchten am Beiwagen leuchten auf dem Foto etwas durch, aus dieser Perspektive ist das aber real nicht wahrnehmbar. Leider lassen sich diese trotz des hohen Preises nicht beleuchten - siehe Text. Real ist die Schlussbeleuchtung des Beiwagens aber viel zu dunkel, ein gesamthaftes Dimmen verbietet sich.
http://wortundgestalt-webservices.de/foren/dso/modellbahn/roco-brotbuechse/IMG_9919.jpg

(5) Schräg von oben betrachtet leuchten die ärgerlicherweise funktionslosen weißen Stirnleuchten des Beiwagens allerdings erheblich und auch mit dem Auge sofort wahrnehmbar mit.
http://wortundgestalt-webservices.de/foren/dso/modellbahn/roco-brotbuechse/IMG_9925.jpg

(6) Inneneinrichtung des Triebwagens. Trotz des sehr hohen Preises ist die Inneneinrichtung des Fahrgastraums allenfalls auf dem Niveau von Roco-Modellen der 1980er Jahre. Immerhin ist die Abdeckung des Modellantriebs völlig flach und die Knie der Preiserlein können dran bleiben.
http://wortundgestalt-webservices.de/foren/dso/modellbahn/roco-brotbuechse/IMG_9923.jpg

(7) Im Beiwagen liegt der Boden etwas niedriger. Leider sind die Toilettenfenster von innen kaum lichtdurchlässig lackiert. Umgekehrt scheint das Licht zwischen Fensteröffnungen und Rahmen durch, auch durch die Bedruckung der Klappfenster. Das Durchscheinen ist allerdings real nicht derart stark wahrnehmbar.
http://wortundgestalt-webservices.de/foren/dso/modellbahn/roco-brotbuechse/IMG_9924.jpg



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 2020:11:21:13:23:35.
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