DREHSCHEIBE-Online 

Anzeige

HIER KLICKEN!

 06 - Modellbahn-Forum 

  Neu bei Drehscheibe Online? Hier registrieren! Zum Ausprobieren und Üben bitte das Testforum aufsuchen!
Alles zum Thema Modellbahn - Streitereien Märklin <-> Rest der Welt bitte woanders austragen! Unerwünscht sind auch Werbebeiträge von Händlern, sowie die Verbreitung nicht fundierter Gerüchte über die finanzielle Situation von Modellbahnherstellern.
Moderatoren: Schieberkasten - TCB - v100fan

Re: Was ist denn nun die konkrete Empfehlung?

geschrieben von: Lutz K

Datum: 19.04.14 16:59


Meine Bemerkung richtete sich an Rickenharp.
Trotzdem will ich versuchen Dir zu antworten, das sind aber meine persönlichen Erfahrungen.

Dass Elektronik Löten und mechanisch Löten zwei verschiedene Paar Schuhe sind weißt Du.
Worauf ich hier hinaus will ist die Wärmekapazität. Als Theoriekeule: [de.wikipedia.org]

Diese geregelten Lötstationen sind primär für das Löten kleiner und kleinster elektronischer Bauteile entwickelt. Hier hast Du nur einen sehr begrenzen Wärmefluß und auch die zu lötenden Komponenten und Bauteile haben eine nur sehr begrenze Wärmespeicherkapazität. Hier fließt Dir die Wärme des Kolbens praktisch nicht ab und man kann rel. kleine Lötkolben mit kleiner Spitze, die wiederum eine geringe Wärmespeicherkapazität haben, nehmen.

Anders sieht es dagegen aus wenn Du Messing oder Neusilber mir so einer Lötstation löten willst. Diese kupferhaltigen Legierungen haben eine hohe Wärmespeicherkapazität da Kupfer ein sehr guter Wärmeleiter ist. Wenn Du hier mit einem kleinen Kolben heran gehst, zieht Dir das Material augenblicklich alle Wärme aus dem Lötkolben und es kommt zu den schon vor Dir beschriebenen Effekt, daß Du schier endlos "brutzelst" und nichts passiert. Hier heizt Du nur die Bauteile auf und das das Material auf Grund seiner guten Wärmeleitfähigkeit auch viel Wärme abführt, erreicht Du u.U. auch nicht die erforderliche Löttemperatur. Die Lötstation regelt zwar nach, kann aber gar nicht so schnell so viel Wärmemenge erzeugen wie erforderlich ist. Du heizt nur langsam den gesamten Baukörper auf. Erst wenn nach schier fast endlos langer Zeit der gesamte Baukörper aufgeheizt ist, schmiltzt auch das Lötzinn. Aber dann gehen die anderen Lötstellen auch alle gleichzeitig wieder auf ...

Jetzt der konventionelle ungeregelte Lötkolben, vulgo Brateisen, betrachtet. Hier gibt es schon bei einem 25W Eisen eine rel. dicke Kupferspitze die auch eine ensprechende Wärmekapazität hat. Hält man diese aufgeheizte dicke Kupferspitze an die zu lötenden Bauteile, so passiert im Prinzip das Gleiche w.o. geschildert. Jedoch schaffen es die Bauteile nicht der Lötspitze sofort alle Wärme zu entziehen, sondern heizen sich örtlich begrenzt (wie gewünscht genau an der Lötstelle) auf. Vorraussetzung ist allerdings die richtige Größe der Lötspitze. Daneben ist die Zeit der entscheidende Faktor. Ehe die Wärme durch die Bauteile abgeführt und im Baukörper verteilt werden kann, überhitzen sie bildlich gesprochen örtlich und die erforderliche Lötetmperatur wird erreicht. Man hat hier also im Baukörper selber ein rel. großen Temperaturgefälle. Das erklärt auch den Verzug der u.U. dabei entstehen kann.
So weit die Theorie und die Erklärungen warum es manchmal nicht klappen will mit dem Löten.

Selber habe ich 4 verschieden große Elektrolötkolben im Einsatz; dazu kommen noch 2 verschieden große Flammlötgeräte:

10W mit Mikrospitze (rund und spitz) für Elektronikbauteile wie z.B. eine 0603er LED bedrahten. Dieser kleine Lötkolben wird mit 12V betrieben und hängt an einem alten Trix Express Trafo.

25W als Universaleisen für Elektrolötungen und kleinere mechanische Lötungen wenn man z.B. nur kleine Bauteile wie die Querholme einer Leiter an die Seitenteile aus dünnen Blechen zusammenlöten will. Hier hat sich meiner Erfahrung nach eine pyramidenförmige Spitze besser bewährt als eine runde Spitze. Man hat bei der Pyramide eine größere Auflagefläche wenn man eine Seite flach auflegt und damit einen besseren Wärmeübergang.

80W mit sog. Schraubendreherspitze für größere Lötungen wie z.B. Halteklammern an eine gegossene Rauchkammertür zu löten. Die Leistung und die Wärmekapazität der dicke Spitze reichen aus um das Gußteil ausreichend zu erwärmen und so eien einwandfreie Lötung hinzubekommen.

180W mit Hammerspitze, ein Vorkriegsmodell für große Leitungsquerschnitte bei KFZ gedacht. In der Regel aber zu unhandlich.

Und dann hilft manchmal nur noch die Flamme weiter:
http://abload.de/img/dsc06806hgx77.jpg

http://abload.de/img/dsc06817fjknw.jpg
Das ging nur noch mit der Flamme zu bewerkstelligen.
Solche Reparaturlötungen sind fies.

Eine Herausforderung sind auch Lötungen wo ein oder mehrere Bleche an an Gußteil gelötet werden müssen. Mit einem Elektroeisen hast Du hier keine Chance. Hier verzinne ich die kleinen Bauteile mit einem Elektroeisen vor und. Mit dusig Klammern werden sie dann alle Bauteile gleichzeitig provisorisch fixiert und die Berührunggsflächen dann mit reichlich Lötfett eingestrichen. Mit der Flamme wird dann auf das Teil mit der größten Wärmekapazität darauf gehalten und zwar nicht direkt auf die Lötstellen, sondern irgendwo daneben und macht sich so die Wärmeleitfähigkeit des Messinguß zu Nutze. Irgendwann schmelzen dann alle Lötstellen gleichzeitig, dann Flamme weg und abkühlen lassen.

Ich hoffe geholfen zu haben.

Lutz K
Thema
Angeklickt
geschrieben von
Datum/Zeit
(2609)
18.04.14 16:49
(995)
18.04.14 17:23
(1331)
18.04.14 17:38
(364)
19.04.14 18:25
(756)
18.04.14 19:41
(569)
18.04.14 19:48
(452)
18.04.14 20:56
(363)
19.04.14 10:53
(393)
19.04.14 14:34
 Re: Was ist denn nun die konkrete Empfehlung?
(515)
19.04.14 16:59
(378)
19.04.14 18:22
(220)
20.04.14 12:14
(218)
20.04.14 14:17
(521)
20.04.14 14:40
(288)
20.04.14 15:41
(273)
20.04.14 17:12
(358)
21.04.14 02:12
(526)
20.04.14 17:10
(191)
ehemaliger Teilnehmer
19.04.14 22:52
(262)
20.04.14 00:16
(237)
ehemaliger Teilnehmer
20.04.14 10:30
(205)
20.04.14 14:04
(403)
ehemaliger Teilnehmer
21.04.14 05:11
(165)
ehemaliger Teilnehmer
21.04.14 05:11
(315)
22.04.14 05:40