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Manches war mir und vielleicht anderen Straßenbahnfreunden auch, bisher unbekannt, so das die im allgemeinen als Gothawagen, nach ihrem Herstellungsort benannt, auch in der Tschechoslowakei gefertigt wurden.

Ich zitiere aus dieser Quelle: [www.tram2000.com]
Zitat
Nachdem die DDR im Rahmen des RGW-Vertrages (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe) die eigene Straßenbahnproduktion einstellen musste, konnten Neufahrzeuge offiziell nur noch aus der CSSR beschafft werden. Bis zum Beginn der Auslieferung der ersten KT4D-Fahrzeuge wurde CKD Prag mit Bau der Zweiachser Bauart Gotha in Lizenz beauftragt. So entstand der Typ T2D. Zwickau erhielt von diesem Typ die größte Anzahl.
Zitat
Mit dem T2-62 war die Entwicklung der zweiachsigen Straßenbahnwagen des VEB Waggonbau Gotha beendet. 1965 wurde die Entscheidung gefällt, dass nur noch Tatra-Wagen aus der Tschechoslowakei beschafft werden. Durch die RGW-Beschlüsse kam es zur offiziellen Einstellung des Straßenbahnbaus in Gotha. Da der speziell für die DDR entwickelte Tatra-Typ T4D/B4D erst ab 1969 zur Verfügung stand, wurden die T2-62 und B2-62 bis 1968 in der Tschechoslowakei als T2D bzw. B2D weitergebaut. Allerdings wurden diese ausschließlich in Meterspur-Ausführung gebaut. 1969 wurden in Gotha aus Restbaugruppen weitere 65 Beiwagen gebaut, nun auch wieder für Normalspur.
Dabei stellen sich für mich einige Fragen, die hier hoffentlich kompetent beantwortet werden.

1. Waren die bei CKD PRAHA gefertigten Fahrzeuge des Typs T2D / B2D absolut baugleich mit den bisher in Gotha gefertigten Fahrzeuge?

2. Wurden alle bisher beim Waggonbau Gotha verwendeten Zurüstteile ( alle aus DDR Produktion ?) dann an CKD PRAHA geliefert oder kam es Einbau von Bauteilen, insbesondere der elektrischen Ausrüstung wie Relais, Schütze, Motoren auch von weitgehend baugleichen Komponenten aus Tschechoslowakischer Produktion.

3. Wie war die Fertigungsqualität? Waren Trieb- und Beiwagen des Typs T2D/B2D den Fahrzeugen aus DDR Produktion gleichwertig? Die Frage gilt auch für eventuelle Zurüstteile auf tschechoslowakischer Produktion.

4. Waren die Verdrahtung und Schaltpläne absolut identisch? - was die Wartung und Fehlersuche erheblich erleichtert.

5. Wie wurden die fertigen CKD Gothawagen aus Prag in die DDR transportiert, wahrscheinlich per Bahn, gibt es ein Foto von so einem Straßenbahn-Transport-Eisenbahnwaggon?

6. Gab es damals Gothawagen, wo eventuell kurzfristig der Hersteller CKD PRAHA innen oder außen am Fahrzeug kenntlich gemacht wurde? Gibt es ein Fotos davon?

7. Frage bezugnehmend auf Frage 3, wie war die Ersatzteilversogung gewährleistet wenn nun die Produktion der Fahrzeuge nicht mehr in der DDR war und dann Zurüstteile aus der Tschechoslowakei geliefert werden mußten?

8. Wann fiel die Entscheidung dann auch wieder Straßenbahnen in Schöneweide zu bauen? „Da die von CKD PRAHA gelieferten Anzahl an Fahrzeugen nicht ausreichten und auch Zweirichtungswagen gebraucht wurden, wurden in der Folge die für Berlin entwickelten Rekowagen des Reichsbahnausbesserungswerks Berlin-Schöneweide auch an andere Straßenbahnbetriebe der DDR geliefert.”

9. Nachfrage zur 8. - ist es korrekt das CKD PRAHA ausschließlich Einrichtungs-Meterspurfahrzeuge gebaut hat? Warum konnte CKD nicht auch Zweirichtungsfahrzeuge bauen? Wie war die Reaktion der Tschechen auf den Bau der Straßenbahnen in Berlin-Schöneweide?
Ich kann mir gut vorstellen, das in Anbetracht des Anlaufs der Serienproduktion der Tatra T4D/B4D man in Prag froh war, durch den Fahrzeugbau in Berlin mehr Fertigungskapazität dazu gewonnen hatte.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.21 07:54.
Moin Fliegender Berliner,

als Kieler bin ich gerade nicht prädestiniert, um Dir Deine interessanten Fragen zu beantworten.
Ich kann aber Dir das Buch vom Endisch-Verlag empfehlen:

Henry Peters
Die Tatra-Straßenbahnwagen des Typs T2D/B2D


Sollte wohl noch im gut sortierten Buchhandel erhältlich sein.

Gruß vom vierachser
Moin,

kennst Du [www.gothawagen.de]? Wenn nicht, da werden ein paar Fragen teilweise beantwortet.

Ich gebe mal die Antwort da, wo ich es aus dem Kopf weis direkt:

1. Ja, bis auf eine etwas andere Form der Regenrinne vorne und Entfallen der Liniennummernkästen an der Seite.

2. Motoren und Fahrschalter waren aus DDR-Produktion. Bei anderen Teilen weiß ich es nicht.

5. Per Bahn, auf üblichen Flachwagen bzw. Rungenwagen.

6. Die Frage verstehe ich nicht ganz. Es war das Fabrikschild des jeweiligen Herstellers am Wagen. Falls eine "Umetikettierung" gemeint ist: Nein, die gab es nicht.

8. Die Rekowagen wurden für Berlin schon seit 1959 gebaut, und zwar durchgehend. Die Entscheidung, Rekowagen auch in die DDR-Provinz zu liefern muss so um 1969 gefallen sein. Die ersten nicht-Berliner Wagen wurden 1970 gebaut.

9. Ja, es wurde nur der Typ T2-62 des Waggonbau Gotha in der Version 1965 mit Pressblechtüren nachgebaut. Das war ein Einrichter. Der Waggonbau Gotha hatte, mit Ausnahme eines Nachzüglers, 1961 die letzten Zweirichter gebaut. Für Betriebe in Normalspur (oder ähnlich Normalspur) war m.W. damals schon generell der T3D/T4D vorgesehen., bzw. in Berlin die Umstellung auf U-Bahn + Bus.

Viele Grüße

Christoph

Meine Homepages im Retro-Look (seit 2004 bzw. 2002 unverändert)

Die Straßenbahnwagen des VEB Waggonbau Gotha

Die Straßenbahnwagen des RAW Schöneweide
Die Schalter in der Fahrerkabine waren aus CSSR-Produktion, ebenso die Innenverkleidung. Diese war in Sprelacart ausgeführt und wies die gleiche Musterung auf wie die zeitgleich gefertigten T3 - allerdings in beige statt hellgrau. Auch die Fenster in der Kabinenrückwand waren in Tatra-üblicher Bauweise mit abgerundeten Ecken und in beigefarbenem Gummi gefasst.

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

Die echte Seite über die Chemnitzer Straßenbahn: [www.strassenbahn-chemnitz.de]

Herstellerschild innen (mB)...

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 13.09.21 09:34

p7260282.jpg

(Jenaer B2D Nr. 270, ursprünglich in Halle, später Fahrschulbeiwagen, Bild vom Juli 2008)

Gruß Thomas

Re: Herstellerschild innen (mB)...

geschrieben von: BJ1964

Datum: 13.09.21 15:54

Die größte Anzahl T2D/B2D erhielt übrigens Hallle/S. und nicht Zwickau, wie es bei "Tram 2000" steht.
1966 ein T2D als Prototyp, sowie 1967/68 76 T2D und 97 B2D aus der Serienproduktion.

+++Freundliche Grüße aus der Straßenbahnstadt Leipzig vom ehemaligen "Bimmelkutscher" Frank/Baujahr 1964+++

bitte löschen! (o.w.T)

geschrieben von: Nordstrecke

Datum: 13.09.21 16:49

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.21 17:31.

Herstellerschild

geschrieben von: Ringbahner4

Datum: 13.09.21 17:37

Hallo Thomas,
da hast du ja ein schönes Beispielfoto,
leider mußte der spätere Bw 197 in die CKD-Sammlung nach Liberec gerettet werden.
Leider wurde die hervorragende Sammlung vom Doktor G. durch den Westimport zerstört.
Sind wir froh, das noch einige Zweiachser in Jena bleiben dürfen...
Die kulturhistorisch wertvollsten Wagen hatten wir nach Naumburg gerettet und den Rest ausgeschlachtet.

JNG-114-010.jpg

Nun mal der direkte Vergleich, links Gotha 1967, rechts B2D 1968.

JNG-197-02.jpg

Ich habe auch eine Postkarte mit Bw 270, kann diese aber aus rechtlichen Gründen nicht zeigen.

Gruß vom Ringbahner

B2D 270 Jena

geschrieben von: BJ1964

Datum: 13.09.21 18:13

Beiwagen 270: > [ringbahn-naumburg.de]

+++Freundliche Grüße aus der Straßenbahnstadt Leipzig vom ehemaligen "Bimmelkutscher" Frank/Baujahr 1964+++





1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.21 18:15.

Re: B2D 270 Jena

geschrieben von: Ringbahner4

Datum: 13.09.21 19:09

Hallo BJ1964,
diese Bilder sind mir bestens bekannt.
Meine Postkarte ist von Klaus und nicht von Wolfgang, die Rechte währen damals nicht das Problem gewesen.
Gruß vom Ringbahner
Christoph Heuer schrieb:
Ich gebe mal die Antwort da, wo ich es aus dem Kopf weis direkt:

1. Ja, bis auf eine etwas andere Form der Regenrinne vorne und Entfallen der Liniennummernkästen an der Seite.

2. Motoren und Fahrschalter waren aus DDR-Produktion. Bei anderen Teilen weiß ich es nicht.

5. Per Bahn, auf üblichen Flachwagen bzw. Rungenwagen.

6. Die Frage verstehe ich nicht ganz. Es war das Fabrikschild des jeweiligen Herstellers am Wagen. Falls eine "Umetikettierung" gemeint ist: Nein, die gab es nicht.

8. Die Rekowagen wurden für Berlin schon seit 1959 gebaut, und zwar durchgehend. Die Entscheidung, Rekowagen auch in die DDR-Provinz zu liefern muss so um 1969 gefallen sein. Die ersten nicht-Berliner Wagen wurden 1970 gebaut.

9. Ja, es wurde nur der Typ T2-62 des Waggonbau Gotha in der Version 1965 mit Pressblechtüren nachgebaut. Das war ein Einrichter. Der Waggonbau Gotha hatte, mit Ausnahme eines Nachzüglers, 1961 die letzten Zweirichter gebaut. Für Betriebe in Normalspur (oder ähnlich Normalspur) war m.W. damals schon generell der T3D/T4D vorgesehen., bzw. in Berlin die Umstellung auf U-Bahn + Bus.

Christoph
Ich ergänze mal Christophs Antworten auf die interessanten Fragen des "Fliegender Berliner" aus der Sicht des Fahrgastes und des Fahrers beider Typen.

1. Waren die bei CKD PRAHA gefertigten Fahrzeuge des Typs T2D / B2D absolut baugleich mit den bisher in Gotha gefertigten Fahrzeuge?

Ja, sie wurden nach dem gleichen Zeichnungssatz gefertigt. Der Prototyp von 1966 (Halle 569) hatte noch die seitlichen Liniennummernkästen, die fielen in der Serie weg. Unterschiede im Innenraum bedingt durch die Verwendung etwas anderer Materialien und Farben wurden schon genannt.

2. Wurden alle bisher beim Waggonbau Gotha verwendeten Zurüstteile ( alle aus DDR Produktion ?) dann an CKD PRAHA geliefert oder kam es Einbau von Bauteilen, insbesondere der elektrischen Ausrüstung wie Relais, Schütze, Motoren auch von weitgehend baugleichen Komponenten aus Tschechoslowakischer Produktion?

Standardteile aus der Industrie wie Schalter, Kabel, Glühlampen kamen aus der CSSR-Produktion. Die meisten bahntypischen Zulieferteile wie Motoren, Fahrschalter, Überstromautomat, Stromabnehmer, Kupplungen, Scheinwerfer, Blinker, Rücklichter, Solenoide, Handbremsen, Radsätze, Schienenbremsen, Sitze, Fensterrahmen, Türen mit Antrieben, Innenleuchten, Haltestangen, Sandkästen, Türschwellen und vieles andere kamen aus der DDR-Fertigung. Im wesentlichen fand die Finalproduktion der Wagenkästen und Fahrgestelle bei CKD statt.

3. Wie war die Fertigungsqualität? Waren Trieb- und Beiwagen des Typs T2D/B2D den Fahrzeugen aus DDR Produktion gleichwertig? Die Frage gilt auch für eventuelle Zurüstteile auf tschechoslowakischer Produktion.

Die Qualität war die gleiche. Die meisten T2D/B2D waren jedoch einige Jahre in Halle, kamen dann in andere Betriebe und korrodierten stark. Das lag jedoch vor allem an der Industrieluft in Halle und Umgebung.
Vom Fahr- und Bremsverhalten gab es nicht den geringsten Unterschied - bis auf die Eigenheiten einzelner Wagen, die bei allen Typen auftreten. Natürlich passten die Betriebe ihre tschechischen Gothawagen dem übrigen Fahrpark an, vor allen Lackierung, Türöffner, Abfertigungseinrichtungen, Zahlboxen/Entwerter.

4. Waren die Verdrahtung und Schaltpläne absolut identisch? - was die Wartung und Fehlersuche erheblich erleichtert.

Die Schaltpläne waren die gleichen. T2/B2 aus Gotha und T2D/B2D aus Prag wurden überall gemischt im Zugverband eingesetzt.

5. Wie wurden die fertigen CKD Gothawagen aus Prag in die DDR transportiert, wahrscheinlich per Bahn, gibt es ein Foto von so einem Straßenbahn-Transport-Eisenbahnwaggon?

Der Bahntransport war gesetzlich, zumindest als generelle Weisung vorgeschrieben.

6. Gab es damals Gothawagen, wo eventuell kurzfristig der Hersteller CKD PRAHA innen oder außen am Fahrzeug kenntlich gemacht wurde? Gibt es ein Fotos davon?

Alle Fahrzeuge trugen CKD-Fabrikschilder an der vorderen Einstiegstufe, außen am Fahrgestell und innen das übliche Aluschild wie bei echten Tatras.

7. Frage bezugnehmend auf Frage 3, wie war die Ersatzteilversogung gewährleistet wenn nun die Produktion der Fahrzeuge nicht mehr in der DDR war und dann Zurüstteile aus der Tschechoslowakei geliefert werden mußten?

Ersatzteile kamen natürlich aus der DDR-Fertigung, war ja mit Gothawagen alles tauschbar.

8. Wann fiel die Entscheidung dann auch wieder Straßenbahnen in Schöneweide zu bauen? „Da die von CKD PRAHA gelieferten Anzahl an Fahrzeugen nicht ausreichten und auch Zweirichtungswagen gebraucht wurden, wurden in der Folge die für Berlin entwickelten Rekowagen des Reichsbahnausbesserungswerks Berlin-Schöneweide auch an andere Straßenbahnbetriebe der DDR geliefert.”

Die Produktion von Zweiachsern für Meterspurbetriebe bei CKD war nur eine Verlegenheits-Übergangslösung, um die Kapazitäten in Gotha schnell auf die Kühlwagen-Exportfertigung umzustellen. 1968 mit den letzten T2D/B2D liefen bei CKD bereits die ersten T4D vom "Band".
Das RAW Schöneweide baute seit 1959 systematisch den BVG-Ost/BVB-Straßenbahnwagenpark als Rekowagen mit vielen Normteilen der DDR-Industrie neu auf. Nach dem Ende der T2D/B2D-Herstellung gab es 1969 nochmals 65 B2-62 aus Gotha für DDR-Straßenbahnbetriebe. Ab 1970 konnten dann aus Schöneweide sechs Jahre lang Rekowagen an daran interessierte DDR-Betriebe geliefert werden. Zusätzlich wurden noch bis 1976 viele ältere Gothawagen (und einige LOWA-Wagen) im RAW Schöneweide hauptuntersucht und dabei neu aufgebaut, was ihr Leben stark verlängerte.
Damit konnte der dringendste Bedarf bis zur Einführung der KT4D auch in kleineren Betrieben halbwegs gedeckt werden.

9. Nachfrage zur 8. - ist es korrekt das CKD PRAHA ausschließlich Einrichtungs-Meterspurfahrzeuge gebaut hat? Warum konnte CKD nicht auch Zweirichtungsfahrzeuge bauen? Wie war die Reaktion der Tschechen auf den Bau der Straßenbahnen in Berlin-Schöneweide?

Bestellt waren nur je 116 Trieb- und Beiwagen in der letzten Gotha-Ausführung. Schöneweide interessierte die CKD-Leute doch nicht. Beim RGW-Spezialisierungsabkommen ging es ausschließlich um Exporte für andere RGW-Länder. Die Deckung nationalen Bedarfs durch Eigenproduktion war nicht Gegenstand der Abkommen. So konnten RAW Schöneweide, Waggonbau Königshütte, Riga, Ust-Katawsk, Ganz, Timis-Wagen in Rumänien oder die Hauptwerkstatt Strab Sofia weiter für den nationalen Bedarf produzieren. CKD hätte das nie geschafft.

So long

Mario