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(Frankreich) Poma 2000, ex. Standseilbahn Laon

geschrieben von: der Letmather

Datum: 06.06.21 15:39

Durch Zufall bin ich vorhin auf dieses Video gestoßen:

Quelle: YouTube

Es zeigt die ehemalige Stadtseilbahn vom Bahnhof der Stadt Laon in Frankreich hinauf zum Rathaus in der Altstadt.
Diese recht eigenartige Konstruktion der Bahn war nur von 1989 bis 2016 in Betrieb und wurde dann aus Kostengründen stillgelegt, aber wohl bisher (lt. [www.google.de] noch nicht abgebaut.

Weitere Informationen zur Bahn: [de.wikipedia.org]


Am Rande des Bahnhofsgeländes [www.google.de] befindet sich zudem noch ein fast geschlossener Ringlokschuppen, sowie eine große Rechthalle (Wagenhalle?).
Beides ist nicht mehr in Funktion und ist dem Verfall preisgegeben.



Gruß aus Letmathe


Markus


Edit: Länderkennung im Titel geändert



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 06.06.21 22:13.

Sehr interessant ! Vielen Dank ! (o.w.T)

geschrieben von: DGS-Fotograf

Datum: 06.06.21 19:59

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)
http://paul-zimmer.de/pzsites/ban6.jpg

Re: Sehr interessant ! Vielen Dank !

geschrieben von: abde44

Datum: 07.06.21 16:40

Kleine Ergänzung und Korrektur:

Bin selber 2014 noch mitgefahren und damals stand noch auf dem Bahnhofsparkplatz ein Zahnradtriebwagen als Denkmal abgestellt. Vieleicht steht er da ja noch immer...
Die Bahn selber wurde als Ersatz für eine Zahnradstrassenbahn und nicht für eine Standseilbahn gebaut und wurde dann vom Bus abgelöst.

ähnlich in Perugia

geschrieben von: Rainer [S]

Datum: 08.06.21 11:24

Im italienischen Perugia gibt es ein ähnliches Bahnsystem, ebenfalls als Verbindung zur hochgelegenen Altstadt: Minimetro genannt

Re: (Frankreich) Poma 2000, ex. Standseilbahn Laon

geschrieben von: Tramubus

Datum: 08.06.21 11:58

Danke, auch, sehr interessant. Das Lichtraumprofil auf der alten Trasse ist ja nichts für schwache Nerven, da passt(e) ja offensichtlich kein Blatt Papier zur Einschnitt- und Tunnelwand.

Gruß,
Tramubus

Fahrer- und fahrgastloser Betrieb

geschrieben von: Früherwarallesbesser

Datum: 08.06.21 15:17

Die Bahn krankte von Anfang an unter schwacher Auslastung, die Fahrgastzahlen waren zum Sterben zu viel, aber zum Leben zu wenig. Als dann die Erneuerung größerer Teile des Fahrwegs und verschlissener Teile der Antriebsanlage fällig wurden, war das der Todesstoß für die Anlage. Traurig ist dabei for allem, dass bis zum Bau des POMA-Schrägaufzugs der überwiegende Teil der Strecke einschließlich Fahrleitung noch erhalten war, und bis heute drei der vier Triebwagen der ehemaligen Straßenbahn erhalten sind. Es wäre also mit vergleichsweise gerigem Aufwand möglich gewesen, eine vermutlich weltweit einmalige Museumsstraßenbahn einzurichten. Es gab sogar die Idee, die beiden relativ modernen Zahnradbahntriebwagen aus Lyon, die durch den Umbau der dortigen Zahnradbahn zu einer Metrolinie überflüssig geworden, für die Bahn zu adaptieren, um damit den Alltagsverkehr durchzuführen. Aber der damalige Bürgermeister wollte sich in Form der „lnnovativen“ POMA 2000 ein Denkmal setzen. Heute stehen die Ruinen dieses Verkehrsmittels als Denkmal für die Verschwendung von Steuergeldern. Eine Wiederinbetriebnahme ist aber faktisch unmöglich, da bereits die Antriebsanlage und sämtliche Kommunikationsleitungen (Buntmetall!) entfernt wurden. Übrigens diente die Zahnstange immer nur zum Bremsen, da sich schon während der Bauzeit der Bahn herausstellte, dass die Steigung auch im Reibungsbetrieb überwunden werden konnte. Nur beim Bremsen war man sich nicht sicher, so dass man die Zahnstange als zusätzliche Bremsmöglichkeit nutzte. Die zur selben Zeit entstandene Pöstlingbergbahn in Linz wollte sich auch nicht auf die Adhäsionsbremse verlassen, und verwendete Bremszangen, die am keilförmigen Schienenkopf angriffen, was dann besondere Weichen erforderte. Die Magnetschienenbremse war eben noch nicht erfunden.

Reportage sur la construction du Poma à Laon

geschrieben von: Der Bahns

Datum: 09.06.21 13:11

Vielen Dank für den Eröffnungsbeitrag und den wesentlichen Ergänzungen.
Man muss nicht unbedingt Französisch sprechen/lesen können, ich finde, das Video spricht für sich:

Reportage sur la construction du Poma à Laon

Gruß von Wolfgang

Re: Reportage sur la construction du Poma à Laon

geschrieben von: Gundi

Datum: 09.06.21 14:09

...schade, dass diese hochinteressante Bahn nicht mehr läuft. Wobei sich mir der Sinn nicht so recht erschließen mag, was die über recht lange Abschnitte verschlungenen Doppeltrassen sollen (?). Hätten "einfache Ausweichen", dort wo die Richtungstrassen auch nur tatsächlich gänzlich getrennt voneinander verlaufen, zwischen den Stationen nicht genügt? Da wäre materialtechnisch doch reichlich Einsparpotential gewesen. Auf jeden Fall schon mal Danke für diesen außergewöhnlichen und interessanten Thread. Michael
Nun, schade erscheint mir, dass diese Bahnstrecke, also Strassenbahn sowie People Mover, bereits zwei mal wegen eines bahntypischen Investitionsstaues eingegangen ist.

Das "Systéme Pomagalski" (Grenoble, jetzt zu Leitner gehörend) wurde hier m.E. nicht richtig genutzt - zu geringe Kapazität bei zu hohen Fixkosten. Frage, da in dem Video zum Bau vor 43 Jahren kurz ein dritter Wagen zu sehen ist: War mal angedacht oder wurde gar praktiziert, einzelne Kurse mit 2 Wagen als Zug oder im Konvoi (in der Mittel- und Endstation jeweils aufschliessend zum vorderen Kurs, da Begegnung auf offener Strecke nicht möglich) zu fahren? Das hätte der Kapazität gut getan. Offen bleibt, ob der Bedarf vorhanden war, und die Steuerung der "Grips" darauf ausgelegt war.

Die Ausführung eines Grossteils der Strecke als "Gleisverschlingung" scheint auch dem Umstand geschuldet, in dem engen Profil einen Rettungsweg unterbringen zu müssen; hierzu dient der jeweils seitlich freibleibende Teil der Trasse. Das System weist zudem zwei sich an der Mittelstation überlappende Seilumläufe auf; die Fahrzeuge klemmen dort um. Damit muss man die beiden Rollensätze eh seitlich getrennt führen. Das hätte für die Zweigleisigkeit gesprochen, für die aber kein Platz vorhanden ist.

Die Ausweichen lassen sich mit Gleisverschlingungen einfacher gestalten als mit vollen Weichen. Abt'sche Ausweiche hätte nicht funktioniert, da einseitige Querführung (= Radsatz aus Walze und Doppelspurkranz-Rolle) hier nicht realisiert wurde.

Das System in Perugia unterscheidet sich beträchtlich von dem in Laon. Ich würde Laon als Praxistest für POMA und Perugia als "Vollversion" ansehen. In Perugia wird die Kabine durch eine lokale Beschleunigungsanlage (Rollen) auf die Geschwindigkeit des permanent mit konstanter Geschwindigkeit umlaufenden Seils beschleunigt, und dann (Gegensatz zu San Francisco!) ohne Längsreibung mit dem "Grip" des Fahrzeuges an dieses angeklemmt. Das Hauptseil übernimmt also keine Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgänge; diese erfolgen alle in den Stationen.

Ich hatte auf der Seite von Leitner mal eine Animation dieses Vorganges gesehen; finde ich grad nicht.
Grusz

Der Unglaeubige Thomas




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.06.21 17:44.
Die Bahn ist vor allem an den sich wandelnden Verkehrsgewohnheiten und dem Wachstum der Stadt in Bereichen weitab der Bahn „eingegangen“. Die Bahn stellt die Verbindung zwischen Bahnhof und Altstadt dar, die Gegend um den Zwischenhalt Vaux ist auch nur mit recht kleinen Häusern bebaut. Die Bahn endet darüberhinaus am Rand der Altstadt, große Teile sind nur durch längere Fußwege zu erreichen. Gebaut wurde die Bahn in einer Zeit, als tatsächlich der Großteil der Bevölkerung entlang der Strecke wohnte, und auch die Eisenbahn noch das Hauptverkehrsmittel im überörtlichen Verkehr war. Spätestens mit der allgemeinen Massenmotorisierung der Sechzigerjahre hatte die Bahn keine Chance mehr, zumal die Stadt nicht mehr oben auf dem Berg, sondern unten im Tal weiterwuchs, und diese neuen Quartiere gar nicht mehr an die Straßenbahn angebunden wurden. Dementsprechend wurde in die Bahn nichts mehr investiert, lediglich Tw 1 bekam nach einem Unfall einen teilmodernisierten Wagenkasten, der das Fahrzeug aber eher unförmig als modern erscheinen ließ. Auch soll der umgebaute Wagenkasten viel zu schwer ausgefallen sein, so dass der Wagen schon vor dem Ende der Bahn wieder abgebrochen wurde. Das Fahrgestell des Tw 1 existiert heute noch bei einer Schweizer Museumsbahn, und erstaunlicherweise blieben die übrigen drei Tw (2-4) ebenfalls museal erhalten.
Nun, dann hätte in Kenntnis dieser Situation die POMA2000-Strecke nicht entlang der alten Trasse gebaut werden dürfen. Ich bezog mich nicht auf die alten rollenden Schrotthaufen, sondern primär auf das POMA-System.
Wenn die Entwicklung sich bereits zu "Lebzeiten" der alten Bahn so abgezeichnet hatte, warum hat man dann die POMA auf genau derselben Relation gebaut?
Und mehr als nur 2 Wagen beschafft?

Der Unglaeubige Thomas

Re: Reportage sur la construction du Poma à Laon

geschrieben von: Patrick Rudin

Datum: 14.06.21 19:08

Früherwarallesbesser schrieb:
Das Fahrgestell des Tw 1 existiert heute noch bei einer Schweizer Museumsbahn, und erstaunlicherweise blieben die übrigen drei Tw (2-4) ebenfalls museal erhalten.
Hallo,

hast Du die Information, wo das Fahrgestell heute ust, und wo die Triebwagen? Mir ist nur der eine bekannt, der in Laon beim Bahnhof steht.
Leider habe ich den Poma auch verpasst, aber vielleicht wird es ja azf dem Trassee irgendwann ein drittes Verkehrsmittel geben ;)
Ich hab lange gesucht, aber die Seite, auf der ich das gelesen habe, habe ich nicht mehr wiedergefunden. Ich weiß auch nicht mehr wie die hieß, ich habe allerdings einen Hinweis gefunden, dass zwischenzeitlich ein Nachbau des Tw4 der Straßenbahn St. Quentin auf dem Fahrgestell des Laoner Tw1 aufgebaut worden sein soll, aber auch da findet sich im Netz nichts näheres. [www.patrimoine-ferroviaire.fr]