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 05 - Straßenbahn-Forum 

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Hallo,

bei einer kleinen Wanderung entlang des Wiesen- und Kappelbaches kam mir die Idee, die wenigen schon auf Vorrat erstellten Bauten für eine Verlängerung der Linie 1 nach Siegmar zu dokumentieren. Die meisten davon exisitieren schon in zweiter Generation, werden aber dennoch voraussichtlich niemals für ihren vorgesehenen Zweck genutzt werden. Aktuelle Planungen sehen ja eine Verlängerung der Straßenbahn im Verlauf der Zwickauer Straße und nicht mehr im "Hinterland" vor. Erwartet nichts spektakuläres, Vorratsbauten wie bei der Berliner U-Bahn haben wir nicht :-)

(1) Los geht es in Siegmar mit der Brücke unter der DW - so das urspüngliche Sächsische Kürzel der Eisanbahnstrecke Dresden - Werdau. Der Vorgänger dieser Brücke wurde als Zugang zum Kistenlager des VEB Elite Diamant "missbraucht", die bei der Streckensanierung neu erstellte Brücke führt nur noch zu einer Hundewiese. Weg gibt es keinen unter der Brücke - der wird durch den nächsten Durchlass geführt.

https://s18.directupload.net/images/user/210501/fkg4tgs7.jpg


(2) Die nächste Stelle, die den geplanten Trassenverlauf erkennen lässt, befindet sich kurz vor der Autobahnbrücke. Hier verschwindet die Heiztrasse (rechts und links sichtbar) kurz "im Keller" um die Straßenbahn kreuzen zu lassen.

https://s18.directupload.net/images/user/210501/avu9onma.jpg


(3) Wir nähern uns nun der schon erwähnten nächsten Brücke. Bereits der Vorgänger ließ Platz für die Straßenbahn - beim Ausbau der darüberführenden A72 wurde die Brücke nochmals verbreitert

https://s8.directupload.net/images/user/210501/fkcr7jyd.jpg


(4) Hier nun die Brücke im Detail. Der rechte sichtbare Weg führt ins Nichts - vielleicht sollte er einmal eine Haltestelle anbinden? In der Mitte wäre die Straßenbahn gefahren.

https://s18.directupload.net/images/user/210501/w8umwitq.jpg


(5) Ansicht von der anderen Seite

https://s12.directupload.net/images/user/210501/w6mqhzfd.jpg


(6) Hier auf dem freien Feld lässt sich gut erkennen, dass eine Führung der Strecke auf der Straße deutlich sinnvoller ist, als diese im zugegebenermaßen schönen Grün zu verstecken. Die Strecke wäre dem Radweg gefolgt

https://s16.directupload.net/images/user/210501/ba7lxxpi.jpg


(7) Wir nähern uns nun schon der derzeitigen Endstelle Schönau. Rechts die stillgelegte Abstellanlage - auf dem Grünstreifen in der Mitte hätte die neue Trasse sein sollen. Über den Stelzendorfer Bach hatte man noch keine Brücke gebaut

https://s12.directupload.net/images/user/210501/u7yophus.jpg


(8) Noch ein paar Schritte weiter erkennt man in gerader Verlängerung der Sichtachse die bestehende Trasse der Linie 1. Der Fotograf steht also "mitten im stadtwärtigen Gleis"

https://s16.directupload.net/images/user/210501/xdnccfyz.jpg


(9) Und hier erkennt man die letzte - und unbedeutendste - Vorbereitung. Während die Straßenbahn nach links in die Wendeschleife abbiegt erkennt man im Vordergrund die gerade durchgeführte Bordsteinkante - bereit für ein geradeaus führendes Gleis

https://s16.directupload.net/images/user/210501/2wjaqy7o.jpg


(10) Zum Abschluss noch eine Übersichtskarte zu den Fotostandorten (OpenStreetMap)

https://s18.directupload.net/images/user/210501/lcdgggob.jpg

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

Die echte Seite über die Chemnitzer Straßenbahn: [www.strassenbahn-chemnitz.de]
Sehr interessaant und dazu eine Frage vom Grünen Tisch des Büroplaners:
Warum wird die Führung via Zwickauer Straße bevorzugt?

Der Einzugsbereich östlich der BAB mag zwar auf den ersten Blick etwas größer ausfallen bzw. die Weg zur Hst. kürzer,
aber westlich der BAB liegt die Trasse doch gar nicht so ungünstig.
Die Erreichtung der Gleisanlagen im Zuge der Zwickauer Straße erscheint aufwändiger zu realisieren zu sein.
Oder gibt es dort schon Vorarbeiten, wie z.B. keine (Wasser-/Fernwärme-)kanäle oder dergl.?

Im Hinterland wäre Schallschutz allenfalls marginal neu zu einzurichten.
Der Bau könnte völlig unbeeinflusst von notwendigen Baustellenerschließungsprovosrien erfolgen.
Die 1 verläuft meiner Erinnerung nach weiter östlich doch auch schon hinterländisch.
Ist das dort problematisch für die ÖPNV-Akzeptanz bzw. -Nachfrage?
_20210502_031008~2.JPG
Hier sieht man den Bau der Strecke nach Gablenz 1976. Damals hatte man auf eine Streckenführung auf der kurvenreichen Augustusburger Straße verzichtet. Die Strecke hatte schon Stadtbahn ähnlichen Charakter und war damit ziemlich modern.
Tw15 schrieb:
Sehr interessaant und dazu eine Frage vom Grünen Tisch des Büroplaners:
Warum wird die Führung via Zwickauer Straße bevorzugt?

Der Einzugsbereich östlich der BAB mag zwar auf den ersten Blick etwas größer ausfallen bzw. die Weg zur Hst. kürzer,
aber westlich der BAB liegt die Trasse doch gar nicht so ungünstig.
Die Erreichtung der Gleisanlagen im Zuge der Zwickauer Straße erscheint aufwändiger zu realisieren zu sein.
Oder gibt es dort schon Vorarbeiten, wie z.B. keine (Wasser-/Fernwärme-)kanäle oder dergl.?

Im Hinterland wäre Schallschutz allenfalls marginal neu zu einzurichten.
Der Bau könnte völlig unbeeinflusst von notwendigen Baustellenerschließungsprovosrien erfolgen.
Die 1 verläuft meiner Erinnerung nach weiter östlich doch auch schon hinterländisch.
Ist das dort problematisch für die ÖPNV-Akzeptanz bzw. -Nachfrage?


Das dürfte kein Problem sein, da die Wege zur Zwickauer Straße ziemlich kurz sind. Die Planungen sind ja auch schon sehr alt. Man wollte in den fünfziger Jahren die Strecke damals noch schmalspurig entlang der Kappelbach neu bauen. Zu diesem Zweck wurden schon die im Weg stehenden Häuser geräumt. Später nachdem die Strecke doch nicht gebaut wurde erhielten die Eigentümer ihre Häuser zurück. Der Grund für die geplante Verlegung der Strecke war wohl die recht schmale Zwickauer Straße auf welcher die Straßenbahn eingleisig in wechselnder Seitenlage entlang führte.
Für eine Seitenlage ist erst nach der Babarossastraße ausreichend Platz und nach dem Industriemuseum hätte man die Gleise verschwenken müssen. Daher geht es vom Falkeplatz bis Schönau geradeaus.

Liebe Leute,

Bleibt gesund und wenn es geht daheim!
Hallo,

ich bin keiner der Planer - von daher kann ich naturgemäß nur meine Ansichten dazu teilen. Im aktuellen Nahverkehrsplan ist die Führung ab Guerickestraße über die Zwickauer Straße vorgesehen: [www.vms.de] (Seite 71/72). Im Nahverkehrsplan 2013 wird erstmals die "Verlagerung der Planungs-und Umsetzungsabsicht vom Kappelbach zur Lage in Zwickauer Straße" erwähnt; er kann hier [docplayer.org] heruntergeladen werden.

Die derzeitige Breite der Zwickauer Straße wird spätestens seit der Verlagerung der Bundesstraße B173 von der Zwickauer auf die Neefestraße nicht mehr benötigt. Derzeit wird unter Bürgerbeteiligung [buergerbeteiligung.sachsen.de] ein Rahmenplan zur Entwicklung der Zwickauer Straße erarbeitet. Dabei soll die Attraktivität des Stadtteiles deutlich erhöht werden. Eine Straßenbahn in der Straße ist dabei jederzeit "sichtbar" und wird daher auch besser angenommen. Auch könnten Vandalismus und geringeres Sicherheitsgefühl an abgelegenen Haltestellen eine Rolle spielen. Gerade die Haltestellen an der Linie 1 (von Kappler Drehe bis Guerickestraße), aber auch die "neben" der Augustusburger Straße sind wahrlich keine Wohlfühlräume... Nebenbei wird damit auch die Anbindung der Messe verbessert. Einige interessante Darstellungen dazu gibt es hier ab Seite 48: [www.chemnitz.de].

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

Die echte Seite über die Chemnitzer Straßenbahn: [www.strassenbahn-chemnitz.de]
Warum hat man die Strecke nicht gebaut. Man hat doch ûberall gebaut.
Nils Carl Aspenberg schrieb:
Warum hat man die Strecke nicht gebaut. Man hat doch ûberall gebaut.
Die Strecke bis Schönau wurde 1988 eröffnet, der Weiterbau sollte eigentlich nicht lange auf sich warten lassen. Doch der ursprünglichen Planung kam die politische Wende in der DDR dazwischen. Entlang der Zwickauer Straße gab es mehrere Großbetriebe, die in den 90er Jahren zum Großteil verschwanden oder sich deutlich verkleinerten. Dadurch war der Bedarf vorerst weggebrochen. In Schönau entstand eine Umsteigestation zu mehreren Buslinien - nicht nur im Verlauf der Zwickauer Straße. Inzwischen ist der Bedarf wieder angestiegen: es gibt neue Wohngebiete, die Industrie hat sich erholt (natürlich weit unter dem alten Niveau) und mittlerweile setzt auch ein Umdenken hin zu umweltfreundlicher Mobilität ein. Allerdings war (und ist) die Strecke für eine Einbindung ins "Chemnitzer Modell" trotz ihrer Nähe zur Eisenbahn nicht interessant.

Die Trassenfreihaltung besteht aber schon recht lange, schon die Brücken aus den 70er Jahren ließen Platz für die Straßenbahn. Damals dachte man an eine Schnellstraßenbahn (im Westen hätte man Stadtbahn gesagt).

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

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T3R.PV schrieb:
Die Strecke bis Schönau wurde 1988 eröffnet, der Weiterbau sollte eigentlich nicht lange auf sich warten lassen. Doch der ursprünglichen Planung kam die politische Wende in der DDR dazwischen.

Mit solchen Schuldzuweisungen an die veränderten Bedingungen sollte man vorsichtig sein. Noch bis 1991 konnten angefangene bzw. baureife Pläne ohne neue Hindernisse umgesetzt werden. Wenn man 1988 den Bau unter DDR-Bedingungen ernsthaft in Planung und Finanzierung aufgenommen hätte, wäre die Strecke auch noch gebaut worden. So richtig wollte man also auch in der DDR nicht.

Formulierungen

geschrieben von: 217 055

Datum: 02.05.21 11:52

kaufhalle schrieb:T3R.PV schrieb:
T3R.PV schrieb:
Die Strecke bis Schönau wurde 1988 eröffnet, der Weiterbau sollte eigentlich nicht lange auf sich warten lassen. Doch der ursprünglichen Planung kam die politische Wende in der DDR dazwischen.
Mit solchen Schuldzuweisungen an die veränderten Bedingungen sollte man vorsichtig sein. Noch bis 1991 konnten angefangene bzw. baureife Pläne ohne neue Hindernisse umgesetzt werden. Wenn man 1988 den Bau unter DDR-Bedingungen ernsthaft in Planung und Finanzierung aufgenommen hätte, wäre die Strecke auch noch gebaut worden. So richtig wollte man also auch in der DDR nicht.
Wenn Du schon so schlau sein möchtest, dan nutze doch wenigstens die richtigen Worte.
"So richtig wollte konnte man also auch in der DDR nicht."
Denn was nützt alles Wollen ohne Material und Arbeitskräfte und vor allem Aufnahme in "den Plan" - es hieß ja nicht umsonst Planwirtschaft, mit allen Vor- und Nachteilen.
Sinnvolle Projekte und Gedanken gab es genügend, leider blieb doch zu vielen die Realisierung verwehrt - das ist gar nicht so viel anders als heute. Nur ist heute in aller Regel das Problem die Finanzierung - und speziell im öffentlichen Verkehr auch das Mehrheitswollen, wenn es um die Verteilung der Finanzmittel geht. Und dann gibt es noch den Rechtstaat, der einzelnen Personen die langjährige Torpedierung von insgesamt sinnvollen Projekten aus egoistischen Motiven ermöglicht. Die Ergebnisse am Ende gleichen sich doch ziemlich deutlich.


Gruß
217 055
T3R.PV schrieb:
Nils Carl Aspenberg schrieb:
Warum hat man die Strecke nicht gebaut. Man hat doch ûberall gebaut.
Die Strecke bis Schönau wurde 1988 eröffnet, der Weiterbau sollte eigentlich nicht lange auf sich warten lassen. Doch der ursprünglichen Planung kam die politische Wende in der DDR dazwischen. Entlang der Zwickauer Straße gab es mehrere Großbetriebe, die in den 90er Jahren zum Großteil verschwanden oder sich deutlich verkleinerten. Dadurch war der Bedarf vorerst weggebrochen. In Schönau entstand eine Umsteigestation zu mehreren Buslinien - nicht nur im Verlauf der Zwickauer Straße. Inzwischen ist der Bedarf wieder angestiegen: es gibt neue Wohngebiete, die Industrie hat sich erholt (natürlich weit unter dem alten Niveau) und mittlerweile setzt auch ein Umdenken hin zu umweltfreundlicher Mobilität ein. Allerdings war (und ist) die Strecke für eine Einbindung ins "Chemnitzer Modell" trotz ihrer Nähe zur Eisenbahn nicht interessant.

Die Trassenfreihaltung besteht aber schon recht lange, schon die Brücken aus den 70er Jahren ließen Platz für die Straßenbahn. Damals dachte man an eine Schnellstraßenbahn (im Westen hätte man Stadtbahn gesagt).
Ergänzen muss man an dieser Stelle aber unbedingt, dass es eher dem Zufall zu verdanken ist, dass die ehemals angedachte Linienführung entlang des Kappelbachs bis heute nur punktuell bebaut ist. Die vor einigen Jahren seitens Stadt und CVAG beauftragte Machbarkeitsstudie, welche schließlich in der favorisierten straßenbündigen Linienführung auf der Zwickauer Straße mündete, förderte sehr schnell zutage, dass es entgegen der landläufigen Meinung eben genau keine freigehaltene Trasse gibt. Als Anfang der 90er Jahre die Planungen zum Weiterbau in Richtung Reichenbrand konkretisiert wurden, erließ der Stadtrat einen Beschluss zur Aufstellung eines die Straßenbahnstrecke berücksichtigenden Bebauungsplans, die jedoch nie umgesetzt wurde. Somit gibt es kein auch nur ansatzweise rechtskräftiges Dokument zur Streckenführung. Bis zum heutigen Tag stoßen Dutzende links und rechts des Kappelbachs gelegene Grundstücke auf der Trasse oder über dem Bach zusammen. Man müsste sich also mit jedem Grundstückseigentümer über den Ankauf von ein paar Quadratmetern seines "Handtuchs" einigen.

Für die Wiederherstellung der "klassischen" Linienführung spricht außerdem die bessere Erschließung der Gebiete zwischen Zwickauer Straße und Eisenbahn, während die Variante "am Fluß" auf weiten Abschnitten große Teile ihres möglichen Einzugsbereichs verschenkt. Unter städtebaulichen Gesichtspunkten kann eine generelle Umgestaltung des Straßenraums von Hauswand bis Hauswand der Entwicklung gesamten Korridors von Schönau bis Reichenbrand nur guttun, sofern man entsprechendes gestalterisches Engagement an den Tag legt und keine Schneise mit beidseitigen Peiner Masten dort durchprügelt.

Einen schönen Sonntag wünscht die

Variobahn

Re: Formulierungen

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 02.05.21 12:07

217 055 schrieb:
kaufhalle schrieb:T3R.PV schrieb:
T3R.PV schrieb:
Die Strecke bis Schönau wurde 1988 eröffnet, der Weiterbau sollte eigentlich nicht lange auf sich warten lassen. Doch der ursprünglichen Planung kam die politische Wende in der DDR dazwischen.
Mit solchen Schuldzuweisungen an die veränderten Bedingungen sollte man vorsichtig sein. Noch bis 1991 konnten angefangene bzw. baureife Pläne ohne neue Hindernisse umgesetzt werden. Wenn man 1988 den Bau unter DDR-Bedingungen ernsthaft in Planung und Finanzierung aufgenommen hätte, wäre die Strecke auch noch gebaut worden. So richtig wollte man also auch in der DDR nicht.
Wenn Du schon so schlau sein möchtest, dan nutze doch wenigstens die richtigen Worte.
"So richtig wollte konnte man also auch in der DDR nicht."
Denn was nützt alles Wollen ohne Material und Arbeitskräfte und vor allem Aufnahme in "den Plan" - es hieß ja nicht umsonst Planwirtschaft, mit allen Vor- und Nachteilen.

Das ist systemimmanent. Wenn es wirklich gewollt gewesen wäre, hätte man es auch durchgezogen. Also war es nicht wirklich gewollt, sondern nur aufgehoben für irgendwannmal. Daher ist es auch nicht legitim, die Wende dafür verantwortlich zu machen, dass die Strecke letztlich nicht gebaut wurde.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.05.21 12:07.

Re: Formulierungen

geschrieben von: 217 055

Datum: 02.05.21 12:15

kaufhalle schrieb:Zitat:
Das ist systemimmanent. Wenn es wirklich gewollt gewesen wäre, hätte man es auch durchgezogen. Also war es nicht wirklich gewollt, sondern nur aufgehoben für irgendwannmal. Daher ist es auch nicht legitim, die Wende dafür verantwortlich zu machen, dass die Strecke letztlich nicht gebaut wurde.
Wer die Zeit nach 1989 (und wirksam bis mindestens 1995) bewußt und reflektiert miterlebt hat, der weiß, daß man den Umbruch für fast alles "verantwortlich" machen kann. Es wurde fast jede Entwicklung und Kontinuität unterbrochen, aus Gewißheiten wurden Fragezeichen, nahezu alle "Macher" wurden (mindestens) ausgetauscht, dazu fast das gesamte Rechts-, Sozial- und Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Wenn solche Umstände nicht ein plausibler Grund sind, dann gibt es keine Gründe wie Strukturwandel o. ä.. Nur wenn diese Maßnahme schon in Umsetzung gewesen wäre, hättest Du recht damit, daß es bis 1991 wohl nicht unterbrochen worden wäre.

Polemik

geschrieben von: Ronald Kretzschmar

Datum: 02.05.21 12:28

217 055 schrieb:
kaufhalle schrieb:Zitat:
Das ist systemimmanent. Wenn es wirklich gewollt gewesen wäre, hätte man es auch durchgezogen. Also war es nicht wirklich gewollt, sondern nur aufgehoben für irgendwannmal. Daher ist es auch nicht legitim, die Wende dafür verantwortlich zu machen, dass die Strecke letztlich nicht gebaut wurde.
Wer die Zeit nach 1989 (und wirksam bis mindestens 1995) bewußt und reflektiert miterlebt hat, der weiß, daß man den Umbruch für fast alles "verantwortlich" machen kann. Es wurde fast jede Entwicklung und Kontinuität unterbrochen, aus Gewißheiten wurden Fragezeichen, nahezu alle "Macher" wurden (mindestens) ausgetauscht, dazu fast das gesamte Rechts-, Sozial- und Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Wenn solche Umstände nicht ein plausibler Grund sind, dann gibt es keine Gründe wie Strukturwandel o. ä.. Nur wenn diese Maßnahme schon in Umsetzung gewesen wäre, hättest Du recht damit, daß es bis 1991 wohl nicht unterbrochen worden wäre.
Das werden Jungspunde, Wessis und DDR-Außenseiter nicht verstehen und nachvollziehen können.

Wieviele Kilometer Regelspurdoppelgleis wurde in der Stadt von 1960 bis 1990 neugebaut und wieviel von 1990 bis 2020, jeweils 30 Jahre?

Und natürlich war die Umsteigerei in Schönau nur als Provisoriem gedacht, so wie man auch Bernsdorf, Gablenz und WG "Fritz Heckert" abschnittsweise eröffnet hat (Beachte die entsprechenden Zwischenschleifen!).

MfG RK



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.05.21 12:32.

Re: Formulierungen

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 02.05.21 12:33

217 055 schrieb:
kaufhalle schrieb:Zitat:
Das ist systemimmanent. Wenn es wirklich gewollt gewesen wäre, hätte man es auch durchgezogen. Also war es nicht wirklich gewollt, sondern nur aufgehoben für irgendwannmal. Daher ist es auch nicht legitim, die Wende dafür verantwortlich zu machen, dass die Strecke letztlich nicht gebaut wurde.
Wer die Zeit nach 1989 (und wirksam bis mindestens 1995) bewußt und reflektiert miterlebt hat, der weiß, daß man den Umbruch für fast alles "verantwortlich" machen kann. Es wurde fast jede Entwicklung und Kontinuität unterbrochen, aus Gewißheiten wurden Fragezeichen, nahezu alle "Macher" wurden (mindestens) ausgetauscht, dazu fast das gesamte Rechts-, Sozial- und Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Wenn solche Umstände nicht ein plausibler Grund sind, dann gibt es keine Gründe wie Strukturwandel o. ä.. Nur wenn diese Maßnahme schon in Umsetzung gewesen wäre, hättest Du recht damit, daß es bis 1991 wohl nicht unterbrochen worden wäre.

Natürlich gab es den Umbruch, und natürlich hatte er schwerwiegende Auswirkungen auf Projekte. Aber was 1990 baureif war, wurde auch noch gebaut, wenn es nicht gerade Anlagen an der innerdeutschen Grenze waren.

Re: Formulierungen

geschrieben von: T3R.PV

Datum: 02.05.21 12:40

kaufhalle schrieb:
217 055 schrieb:
kaufhalle schrieb:Zitat:
Das ist systemimmanent. Wenn es wirklich gewollt gewesen wäre, hätte man es auch durchgezogen. Also war es nicht wirklich gewollt, sondern nur aufgehoben für irgendwannmal. Daher ist es auch nicht legitim, die Wende dafür verantwortlich zu machen, dass die Strecke letztlich nicht gebaut wurde.
Wer die Zeit nach 1989 (und wirksam bis mindestens 1995) bewußt und reflektiert miterlebt hat, der weiß, daß man den Umbruch für fast alles "verantwortlich" machen kann. Es wurde fast jede Entwicklung und Kontinuität unterbrochen, aus Gewißheiten wurden Fragezeichen, nahezu alle "Macher" wurden (mindestens) ausgetauscht, dazu fast das gesamte Rechts-, Sozial- und Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Wenn solche Umstände nicht ein plausibler Grund sind, dann gibt es keine Gründe wie Strukturwandel o. ä.. Nur wenn diese Maßnahme schon in Umsetzung gewesen wäre, hättest Du recht damit, daß es bis 1991 wohl nicht unterbrochen worden wäre.
Natürlich gab es den Umbruch, und natürlich hatte er schwerwiegende Auswirkungen auf Projekte. Aber was 1990 baureif war, wurde auch noch gebaut, wenn es nicht gerade Anlagen an der innerdeutschen Grenze waren.
Grundsätzlich ist diese Aussage sicher nicht falsch - so wurde zum Beispiel die Anbindung des Betriebshofs in Kappel auch erst ab Herbst 1989 bis ins Jahr 1990 hinein fertiggestellt. Aber wo habe ich geschrieben, dass die Verlängerung nach Siegmar zu diesem Zeitpunkt schon baureif gewesen wäre? Man war noch in den Planungen - und diese wurden aus wirtschaftlichen Gründen, die ihre Ursache im politischen Umbruch hatten, in diesem Zeitraum eingestellt. Die flapsige Bemerkung "man habe es nicht gewollt" ist daher für dieses konkrete Projekt fehl am Platze. Demzufolge könnte man diese Nebendiskussion hier gern beenden. Danke!

EDIT: Die Brücken unter Autobahn und Eisenbahn wurden (in erster Generation) schon vor der politischen Wende gebaut - das spricht wohl für den politischen Willen, diese Strecke zu bauen.

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.05.21 12:48.

Re: Formulierungen

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 02.05.21 12:47

T3R.PV schrieb:
kaufhalle schrieb:
Natürlich gab es den Umbruch, und natürlich hatte er schwerwiegende Auswirkungen auf Projekte. Aber was 1990 baureif war, wurde auch noch gebaut, wenn es nicht gerade Anlagen an der innerdeutschen Grenze waren.
Grundsätzlich ist diese Aussage sicher nicht falsch - so wurde zum Beispiel die Anbindung des Betriebshofs in Kappel auch erst ab Herbst 1989 bis ins Jahr 1990 hinein fertiggestellt. Aber wo habe ich geschrieben, dass die Verlängerung nach Siegmar zu diesem Zeitpunkt schon baureif gewesen wäre? Man war noch in den Planungen - und diese wurden aus wirtschaftlichen Gründen, die ihre Ursache im politischen Umbruch hatten, in diesem Zeitraum eingestellt. Die flapsige Bemerkung "man habe es nicht gewollt" ist daher für dieses konkrete Projekt fehl am Platze. Demzufolge könnte man diese Nebendiskussion hier gern beenden. Danke!

Du hast geschrieben, dass es nach 1988 eigentlich gleich hätte weitergehen sollen. Dass Projekte, die 1990 noch nicht mal fertig geplant waren, den neuen Voraussetzungen unterlagen, sollte wohl klar sein. Hier wäre eben dann doch die Frage, wie ernsthaft das Vorhaben zu DDR-Zeiten überhaupt gewollt. Es war wohl doch eher was für "später mal". Und dieses Versäumnis ist dann sehr wohl noch der DDR zuzurechnen.

Re: Formulierungen

geschrieben von: T3R.PV

Datum: 02.05.21 12:51

kaufhalle schrieb:
T3R.PV schrieb:
kaufhalle schrieb:
Natürlich gab es den Umbruch, und natürlich hatte er schwerwiegende Auswirkungen auf Projekte. Aber was 1990 baureif war, wurde auch noch gebaut, wenn es nicht gerade Anlagen an der innerdeutschen Grenze waren.
Grundsätzlich ist diese Aussage sicher nicht falsch - so wurde zum Beispiel die Anbindung des Betriebshofs in Kappel auch erst ab Herbst 1989 bis ins Jahr 1990 hinein fertiggestellt. Aber wo habe ich geschrieben, dass die Verlängerung nach Siegmar zu diesem Zeitpunkt schon baureif gewesen wäre? Man war noch in den Planungen - und diese wurden aus wirtschaftlichen Gründen, die ihre Ursache im politischen Umbruch hatten, in diesem Zeitraum eingestellt. Die flapsige Bemerkung "man habe es nicht gewollt" ist daher für dieses konkrete Projekt fehl am Platze. Demzufolge könnte man diese Nebendiskussion hier gern beenden. Danke!
Du hast geschrieben, dass es nach 1988 eigentlich gleich hätte weitergehen sollen. Dass Projekte, die 1990 noch nicht mal fertig geplant waren, den neuen Voraussetzungen unterlagen, sollte wohl klar sein. Hier wäre eben dann doch die Frage, wie ernsthaft das Vorhaben zu DDR-Zeiten überhaupt gewollt. Es war wohl doch eher was für "später mal". Und dieses Versäumnis ist dann sehr wohl noch der DDR zuzurechnen.
Da ich deine "Meinungsstabilität" kenne mein letzter Beitrag in diesem Nebenstrang: Die Brücken unter Autobahn und Eisenbahn wurden (in erster Generation) schon vor der politischen Wende gebaut - das spricht wohl für den politischen Willen, diese Strecke zu bauen - auch und gerade unter den Mangelbedingungen in der DDR. Wenn ich schrieb "sollte nicht lange auf sich warten lassen" (was übrigens etwas anderes ist als das von dir geschriebene "gleich weitergehen") dann bezog ich mich auf die seinerzeit laufenden Planungen.

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Re: Bauplanungen Chemnitz/KMSt

geschrieben von: Jan Bochmann

Datum: 02.05.21 13:12

Guten Tag,

kaufhalle schrieb:
Natürlich gab es den Umbruch, und natürlich hatte er schwerwiegende Auswirkungen auf Projekte. Aber was 1990 baureif war, wurde auch noch gebaut...
Die Verlängerung war damals nicht baureif. Schon der Bau bis Schönau war ein Kraftakt gewesen, der nur durch zusätzliche Mittelbereitstellung anläßlich des Zentralen Pioniertreffens im August 1988 gestemmt werden konnte. Noch im Frühjahr 1988 suchte man per Inserat in der regionalen Presse ("FP") z.B. Leute mit Schweißerpaß, die in Feierabendtätigkeit als Zuverdienst zum Bau der Strecke beitragen konnten - man hatte einfach keine Leute. Unter den damaligen normalen Bedingungen hätte sich der Bau vermutlich bis nach 1990 hingezogen, und danach wäre es so gekommen wie von Dir erwähnt, so wie z.B. in Zwickau (Eckersbach), Görlitz (Weinhübel) und Nordhausen (Ost), wo die schon begonnenen Strecken schließlich vollendet wurden.

Die Geschichte ist aber komplizierter. Die Verlängerung nach Siegmar war zwar vorgesehen, aber höhere Priorität hatte die Abzweigstrecke Stollberger Straße ins Wohngebiet "Fritz Heckert". Diese sollte als nächstes gebaut werden. An diese Reihenfolge hat man sich auch nach 1990 gehalten. Allerdings waren zu dieser Strecke etliche Details noch nicht geklärt, z.B. die Führung des inneren Abschnitts via Goethestraße oder Stollberger Straße. Daher konnten die Bedingungen unmittelbar nach der deutschen Einheit auch für diese Strecke nicht genutzt werden (relativ unbürokratische verkürzte Planungszeiten, reichlich sprudelnde Mittel als "Aufschwung Ost" usw.). Um davon wenigstens einen Teil mitzunehmen, hat man um 1993/94 den ersten Abschnitt gebaut, nämlich den, bei dem die Planung stand. Das war dann eine Insel im Wohngebiet, ohne Anschluß ans restliche Netz und ohne Fahrleitung. Schließlich hat man die Strecke in 3 Abschnitten von außen nach innen gebaut, und das zog sich bis 2004 hin. Parallel liefen dann auch noch Planung und Bau der Citybahn nach Stollberg, ein Projekt, das gegenüber den Planungen aus DDR-Zeiten völlig neu war.
Da sich abzeichnete, daß der Bau Stollberger Straße lange dauern würde, gab es tatsächlich auch die Idee, stattdessen erstmal Siegmar zu bauen, also die Reihenfolge umzukehren. Das konnte aber nicht durchgesetzt werden. Wahrscheinlich wären Planung und Bau dieser Strecke schneller gegangen, aber wie gesagt - eine komplette Detailplanung und eine komplette Freihaltetrasse gab es dafür noch nicht, trotz Bauvorleistungen und trotz freigehaltener Grundstücke, z.B. für eine Wendeschleife in Siegmar (heute Parkplatz, weiter im Eigentum der Stadt).
Von ca. 2000-2010 unter dem OB Seifert (SPD) wurden nur noch angefangene Projekte vollendet, ansonsten lag die Priorität der Stadt nur noch beim Straßenbau (Südring, Überflieger Neefestraße usw.).

Im Grunde ist das ganze viel älter und auch 1988 war schon ein großer Verzug: Mindestens seit Anfang der 1950er Jahre gab es das Projekt einer "Schnellbahn" entlang des Kappelbachs - meines Wissens immer in Regelspur. Diese diffusen Planungen gingen dann in den Plänen zum kompletten Umbau des Straßenbahnnetzes auf Regelspur mit vielen Neutrassierungen auf. Das wurde 1956 beschlossen und sollte in 7 Jahren von 1958 bis 1965 durchgezogen werden. Begonnen wurde mit den beiden wichtigsten Strecken nach Altchemnitz und Siegmar. Diese Pläne erwiesen sich aber schon nach wenigen Monaten als unhaltbar, und so brach man die Arbeiten an der Siegmarer Strecke ab und konzentrierte sich auf Altchemnitz, schon alleine weil der Betriebshof dort lag. Diese Strecke erreichte dann 1961 die Innenstadt und erst 1967 den Hbf. Erst danach ging es langsam und mit geänderten Plänen weiter. An der Siegmarer Strecke waren um 1960 immerhin schon einige Gebäude leergezogen und abgetragen worden, andere wurden dagegen wieder belegt und erst nach 1980 wieder beräumt. Das betraf vor allem den inneren Abschnitt zwischen Reichsstraße und Kappler Drehe. Dort ist die heutige landwärtige Fahrbahn in etwa der alte Straßenquerschnitt. Die Straßenbahngleise und die stadtwärtige Fahrbahn wurden auf zuvor bebauten Flächen errichtet. Ebenfalls um 1960 entstand bereits der Durchbruch durch die Eisenbahn in Siegmar, der dann nach reichlich 40 Jahren bei der Modernisierung der Eisenbahnstrecke um 2003 erneuert wurde. Nun steht er schon wieder fast 20 Jahre für die Katz.

Grüße,
Jan B.

ps: Danke für den Ursprungsbeitrag. Ich hatte den selben Spaziergang vor einigen Jahren auch gemacht. Dabei entstanden auch nahezu identische Fotos, ich habe das aber nie veröffentlicht.

Re: Formulierungen

geschrieben von: kaufhalle

Datum: 02.05.21 13:13

T3R.PV schrieb:
Die Brücken unter Autobahn und Eisenbahn wurden (in erster Generation) schon vor der politischen Wende gebaut - das spricht wohl für den politischen Willen, diese Strecke zu bauen - auch und gerade unter den Mangelbedingungen in der DDR. Wenn ich schrieb "sollte nicht lange auf sich warten lassen" (was übrigens etwas anderes ist als das von dir geschriebene "gleich weitergehen") dann bezog ich mich auf die seinerzeit laufenden Planungen.

Die Berücksichtigung von Durchlässen beim Bau von Brücken über potenzielle Strecken ist nur eine Form von Trassenfreihaltung. Solche Bauwerke gibts in Deutschland bergeweise, so wird beim Überqueren von Bahnstrecken in aller Regel Platz für ein zweites Gleis gelassen, selbst wenn es eigentlich keinerlei Perspektive gibt, dass das zweite Gleis jemals gebaut werden könnte. Aus solchen Durchlässen ist also nicht wirklich eine Absicht abzuleiten, die über "da könnte noch mal was kommen" hinausgeht. Dies nur zu dieser eher untauglichen Argumentation. Das Vorhaben an sich gab es sehr wohl, nur war es zu DDR-Zeiten mangels Priorisierung nicht mehr weit genug entwickelt und konkretisiert worden. Daher trifft dein Kommentar "Doch der ursprünglichen Planung kam die politische Wende in der DDR dazwischen." die Realität nur ansatzweise.
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