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1) Ob früher einsetzen der beiden Räumfahrzeuge in Magdeburg so viel gebracht hätte, wenn das Problem Schneeverwehungen sind, bin ich mir nicht so sicher. Ich erlaube mir die Aussage der Fahrerin durchaus anzuzweifeln.
2) Der Innsbrucker Bürgermeister sagte, das ÖPNV oberste Priorität haben muss. Genau das war in Magdeburg ein Teil des Problems: Teilweise war es so, dass der Schnee von der Straße aufs Gleis geschoben wurde. Der ÖPNV hat seitens der Stadtverwaltung nicht die Priorität die ich mir wünschen würde. Das zeigt sich nicht nur beim Winterdienst.
3) Das bemängelt wird, dass keine Nebenstraßen geräumt wurde, ist eine typisch deutsche Haltung. Wenn alle Fußwege und Radwege, für die die Stadt zuständig ist geräumt sind, kann man den Anfängen die Nebenstraßen zu räumen. Aber auch erst dann. Eine Aussage "Wir räumen die Radwege nicht, die Leute sollen bei dem Wetter doch bitteschön nicht mit dem Rad fahren", wie sie konkret in Magdeburg getätigt wurde finde ich unangemessen. Auch wenn ich selbst, bei den Temperaturen nicht aufs Rad steige...
4) Das der Chef der Winterdienstfahrzeugelobby sagt, die Städte kaufen zu wenig Winterdienstfahrzeuge, ist jetzt keine Erkenntnis, die mich vom Hocker haut.
5) Das man im vorfeld Züge absagt, verbuche ich unter dem Sprichwort "Wie man's macht man macht es verkehrt." Bei in der Pampa liegengeblieben Zügen, gäbe es auch negative Berichterstattung. Wahrscheinlich sogar in noch größerem Umfang.
6) Das erstmal die alten Stecken räumt, auf denen auch Regionalzüge fahren finde ich richtig. Es wird immer eine Priorisierung geben müssen, bei einem plötzlichen Wintereinbruch.
7) Die bei den Aufnahmen vom Schneepflug auf der SFS (wie gesagt, ich finde es richtig, dass die nicht ganz oben in der Prioritätenliste ist) ist sowohl hinten als auch vorn kein Schnee. Daher hätte man sich die polemische Frage warum der nicht schon vorher gefahren ist, sparen können.
8) Der Bericht nennt als positivbeispiel Länder grundsätzlich strengere Winter/mehr Schnee oder beides haben. Natürlich läuft es da besser, weil die auch einfach mehr Routine haben. Meine persönliche Erinnerung an den Winter 2009/2010 ist nur noch minimal vorhanden, wenn überhaupt. Das mag natürlich bei Unternehmen anders sein, dennoch macht es aber schon etwas aus, ob man einmal in 10 Jahren oder 10x in einem Jahr 40 cm Neuschnee hat. Eine Routine kann bei ersterem kaum bis gar nicht entstehen.
9) Mag ja sein, dass die DR in der DDR 20000 Leute im Winterdienst hatte, aber auch die konnten 1978 nichts ausrichten, darauf wurde nicht mal mit einem Halbsatz erinnert.

Fazit: Mir ist da zu viel zu viel Polemik in dem Bericht.

Ich bin mir sogar sicher das es durchaus Verbesserungspotenzial - im Winterdienst für Schniengebundene Verkehrsmittel - gibt. Der Bericht hat mich aber mal so gar nicht abgeholt...

Kassel kann das bestätigen...

geschrieben von: Tw666

Datum: 17.02.21 01:09

Punkte 1-3 können uneingeschränkt aus Kasseler Sicht übernommen werden.

Bei den anderen Punkten stimme ich persönlich zu. Zu Punkt 4: Ja, klar ist zu erwarten, dass bemängelt wird, dass zu wenig Kommunalfahrzeuge gekauft werden. Allerdings spricht er von sinkendem Absatz und das ist dann doch ein klares Statement.

Re: Kassel kann das bestätigen...

geschrieben von: ex-Magdeburger

Datum: 17.02.21 01:29

Die Aussage vom sinkenden Absatz sagt aber nur bedingt etwas aus. Zugeben ich bin ein Laie in dem Thema, mir sind aber zwei Dinge spontan eingefallen. W obei das zweite tatsächlich nur eine "Spinnerei" von mir ist, von der ich nicht weiß ob es durch die Realität abgebildet wird.
1) Wenn die Städte ihre Winterdienstfahrzeuge besser warten, muss nicht nach 12, sondern nach 15 Jahren ein neues Fahrzeug gekauft werden. Der Absatz sinkt (und zwar sogar um mehr als 15%, in dem Beispiel, rein statistisch)
2) Wenn eine Stadt in den 90ern eine Kehrmaschine und ein Räumfahrzeug hatte, heute aber ein Kombifahrzeug, dass vornehmlich zum Kehren genutzt wird, aber mit einigen Handgriffen umrüstbar ist, finde ich das durchaus richtig. Es führt aber dazu, dass der Absatz sinkt.
Ich denke, dass wir in den letzten Jahren zu milde Winter hatten und somit wurde Personal beim Winterdienst der Stadt eingespart. Anders kann ich mir aktuell das Versagen der Städte beim räumen der Schneemassen nicht erklären.

OT: Kann Deutschland nicht mit dem Winter umgehen?

geschrieben von: matzehbs

Datum: 17.02.21 07:59

Malte65 schrieb:
Die Grammatik ist doch komplett falsch. Richtig muss es doch z.B. heißen: Können Kommunen in Deutschland keinen ausreichenden Winterdienst leisten?

Was sollen immer diese falschen Formulierungen?

"Kann Scholz Kanzler?"
"Kann Magdeburg Elbbrücken?"
"Kann Berlin Flughafen"?
"Kann Stuttgart Tiefbahnhof"?
ex-Magdeburger schrieb:
3) Das bemängelt wird, dass keine Nebenstraßen geräumt wurde, ist eine typisch deutsche Haltung. Wenn alle Fußwege und Radwege, für die die Stadt zuständig ist geräumt sind, kann man den Anfängen die Nebenstraßen zu räumen. Aber auch erst dann. Eine Aussage "Wir räumen die Radwege nicht, die Leute sollen bei dem Wetter doch bitteschön nicht mit dem Rad fahren", wie sie konkret in Magdeburg getätigt wurde finde ich unangemessen. Auch wenn ich selbst, bei den Temperaturen nicht aufs Rad steige...

In Berlin schaffte es man mal wieder nicht die "unwichtigeren" Haltestellen zu räumen (einfach vergessen?). Radfaher können nur eins: Jammern was das Zeug hält.

MfG die Nordsüd S-Bahn
Wer jammert denn? Also ich nicht, da ich kein Radfahrer bin. Also jetzt sowieso nicht und im Sommer nur gelegentlich...
Ich sehe übrigens das Rad als Partner des ÖPNV, nicht als Gegner. Aber wir sollten keinen Nebenkriegsschauplatz aufmachen.

Ich habe nur angemerkt, dass die Forderung nach Räumung der Nebenstraßen meiner Meinung nach völliger Quatsch ist. Übrigens genau aus dem Grund den du genannt hast. Es war tatsächlich auch in Magdeburg so, dass die Haltestellen im Straßenraum oft nur unzureichend geräumt wurden. Teilweise war es sogar so das nur das Wartehäuschen geräumt wurde und der Rest der Haltestelle von Räumfahrzeugen zugeschoben wurde. Ich finde, Haltestellen haben auf länge der längst möglichen Fahrzeuge (in Magdeburg 45 m) geräumt geräumt zu sein nicht nur auf 2 Meter. Wobei ich sogar noch bereit bin zu akzeptieren, wenn in Magdeburg nur auf 30 Meter (Länge eines NGT8D) geräumt wird.

Also nochmal: Ja, es gibt Verbesserungspotenzial beim Winterdienst. Die Forderung nach Räumung aller Nebenstraßen ist allerdings absurd, solange nicht alles andere läuft. Dabei bleibe ich.

Re: Kassel kann das bestätigen...

geschrieben von: Tw666

Datum: 17.02.21 12:07

ex-Magdeburger schrieb:
Die Aussage vom sinkenden Absatz sagt aber nur bedingt etwas aus. Zugeben ich bin ein Laie in dem Thema, mir sind aber zwei Dinge spontan eingefallen. W obei das zweite tatsächlich nur eine "Spinnerei" von mir ist, von der ich nicht weiß ob es durch die Realität abgebildet wird.
1) Wenn die Städte ihre Winterdienstfahrzeuge besser warten, muss nicht nach 12, sondern nach 15 Jahren ein neues Fahrzeug gekauft werden. Der Absatz sinkt (und zwar sogar um mehr als 15%, in dem Beispiel, rein statistisch)
2) Wenn eine Stadt in den 90ern eine Kehrmaschine und ein Räumfahrzeug hatte, heute aber ein Kombifahrzeug, dass vornehmlich zum Kehren genutzt wird, aber mit einigen Handgriffen umrüstbar ist, finde ich das durchaus richtig. Es führt aber dazu, dass der Absatz sinkt.
Das habe ich auch bedacht, betrachtet man aber bspw. die Stadtreiniger Kassel, so fallen mehrere Arten von Fahrzeugen auf:

Müll-LKW groß
Müll-LKW klein
Kehrmaschine groß
Kehrmaschine klein (Gehwege)
Winterdienstfahrzeuge
Kleintraktoren

Tatsächlich sind Kehrmaschinen und Winterdienstfahrzeuge nicht die gleichen. Zwar könnte man die LKW des Umwelt- und Gartenamtes für den Winterdienst nutzen und sicher auch deren Rasenmäher/Traktoren, wird aber nicht gemacht (was ich tatsächlich dämlich finde...). Allerdings gibt es auch nur 11 Räumfahrzeuge für Straßen in Kassel und diverse kleine Fahrzeuge (für Haltestellen, Gehwege, Parks).

Unimogs konnte man schon in dien 70ern umrüsten, wird wohl aber nicht unbedingt gemacht...warscheinlich wären Fahrzeuge teurer und die Umrüstung kurzfristig kaum schaffbar zzgl. den hohen Personalkosten -> unwirtschaftlich...

Was allerdings möglich ist: an die kleinen Traktoren und Müllfahrzeuge werden im Herbst große Sauger für das viele Laub der Stadt angebracht.
Darauf freue ich mich schon wieder, wenn die riesigen Platanen in meiner Straße ihr Laub abwerfen und Horden von Stadtreinigern diese in drei Prozessen (jeweils übrigens mehrere Tage) wegschaffen *_*

Freundliche Grüße

666
ex-Magdeburger schrieb:
Wer jammert denn? Also ich nicht, da ich kein Radfahrer bin. Also jetzt sowieso nicht und im Sommer nur gelegentlich...
Ich sehe übrigens das Rad als Partner des ÖPNV, nicht als Gegner. Aber wir sollten keinen Nebenkriegsschauplatz aufmachen.

Ich habe nur angemerkt, dass die Forderung nach Räumung der Nebenstraßen meiner Meinung nach völliger Quatsch ist. Übrigens genau aus dem Grund den du genannt hast. Es war tatsächlich auch in Magdeburg so, dass die Haltestellen im Straßenraum oft nur unzureichend geräumt wurden. Teilweise war es sogar so das nur das Wartehäuschen geräumt wurde und der Rest der Haltestelle von Räumfahrzeugen zugeschoben wurde. Ich finde, Haltestellen haben auf länge der längst möglichen Fahrzeuge (in Magdeburg 45 m) geräumt geräumt zu sein nicht nur auf 2 Meter. Wobei ich sogar noch bereit bin zu akzeptieren, wenn in Magdeburg nur auf 30 Meter (Länge eines NGT8D) geräumt wird.

Also nochmal: Ja, es gibt Verbesserungspotenzial beim Winterdienst. Die Forderung nach Räumung aller Nebenstraßen ist allerdings absurd, solange nicht alles andere läuft. Dabei bleibe ich.
Sehe ich genauso.

Radfahrwege halte ich auch für wichtiger als Nebenstraßen. Als Autofahrer habe ich Winterreifen, mit denen ich auf plattem Schnee super zurechtkomme. Der Rettungsdienst fährt eh mit Daimler und hat damit Schneeketten drauf.
Einziges Problem ist die Müllabfuhr, die mit ihren Fahrzeugen da einfach nicht durchkommt, selbst mit den kleinen nicht.

Re: Kassel kann das bestätigen...

geschrieben von: jmh67

Datum: 17.02.21 13:26

ex-Magdeburger schrieb:
Die Aussage vom sinkenden Absatz sagt aber nur bedingt etwas aus. Zugeben ich bin ein Laie in dem Thema, mir sind aber zwei Dinge spontan eingefallen. W obei das zweite tatsächlich nur eine "Spinnerei" von mir ist, von der ich nicht weiß ob es durch die Realität abgebildet wird.
1) Wenn die Städte ihre Winterdienstfahrzeuge besser warten, muss nicht nach 12, sondern nach 15 Jahren ein neues Fahrzeug gekauft werden. Der Absatz sinkt (und zwar sogar um mehr als 15%, in dem Beispiel, rein statistisch)
2) Wenn eine Stadt in den 90ern eine Kehrmaschine und ein Räumfahrzeug hatte, heute aber ein Kombifahrzeug, dass vornehmlich zum Kehren genutzt wird, aber mit einigen Handgriffen umrüstbar ist, finde ich das durchaus richtig. Es führt aber dazu, dass der Absatz sinkt.
Trifft IMHO beides zu, hat aber mit der Situation neulich wenig zu tun. Ich vermute, dass der zurückgegangene Umsatz auch auf die zahlreichen milden Winter der letzten Jahre zurückzuführen ist. Da sind zum einen vorhandene Geräte weniger (ab)genutzt worden, und zum anderen mag manch Kämmerer geglaubt haben, im Durchschnitt bräuchte man nichts Neues, und dabei die mögliche (statistische) Streubreite vergessen haben. Wenn aber die nicht beschaffte Ausrüstung doch gebraucht wird, ist das Geschrei groß.

Nur: deswegen gleich mit Umsatz oder Absatz, also den eigenen betrieblichen Kennziffern, zu argumentieren finde ich in diesem Zusammenhang etwas befremdlich, ja sogar fehl am Platz. Nicht dass ich den Herstellerfirmen ihre Einnahmen nicht gönne, sie tun ja auch was für den allgemeinen Nutzen. Aber ein Geschmäckle hat's doch.

Eine Patentlösung fällt mir aber auch nicht ein. Kombigeräte sind sicher gut, z. B. Anbauschneepflüge und -kehrgeräte. Auf alten Bilder sieht man sogar, wie in ländlichen Gegenden der Schneepflug vor den Postbus montiert wurde, weil der ohnehin durch musste und regelmäßig verkehrte. Also eine Art Amtshilfe. Oder man hat die Armee zu Hilfe geholt, schwere Technik hat sie ja nebst etlichen handfesten Leuten, für die es am Ende noch eine Abwechslung vom Dienst ist. Das hebt auch die Moral. Für spezielle Wintertechnik lohnt sich vielleicht ein zentraler Pool, aus dem die Kommunen Geräte leihen können, mit Wartung durch Herstellerpersonal. Die Hersteller wiederum könnten sich ein "zweites Standbein" suchen, denn Spezialisierung ist zwar zunächst ganz gut, aber wenn sie zu eng wird, dann gibt das auch Probleme.

Nur so'n paar Gedanken.

-jmh
Nord_süd_bahn schrieb:
ex-Magdeburger schrieb:
3) Das bemängelt wird, dass keine Nebenstraßen geräumt wurde, ist eine typisch deutsche Haltung. Wenn alle Fußwege und Radwege, für die die Stadt zuständig ist geräumt sind, kann man den Anfängen die Nebenstraßen zu räumen. Aber auch erst dann. Eine Aussage "Wir räumen die Radwege nicht, die Leute sollen bei dem Wetter doch bitteschön nicht mit dem Rad fahren", wie sie konkret in Magdeburg getätigt wurde finde ich unangemessen. Auch wenn ich selbst, bei den Temperaturen nicht aufs Rad steige...

In Berlin schaffte es man mal wieder nicht die "unwichtigeren" Haltestellen zu räumen (einfach vergessen?). Radfaher können nur eins: Jammern was das Zeug hält.

Die Nebenstraßen werden nicht einmal geräumt,wenn man mit den Hauptstraßen fertig ist.Zumindest ist das in meiner Heimatstadt Chemnitz so. Die kommunalen Straßen sind in Kategorien eingeteilt. Hat eine Straße in Chemnitz die Kategorie V wird sie weder gekehrt noch schneegeräumt. Der Bürger ist völlig sich selbst überlassen.Vor ein paar Jahren ging das soweit,daß die städtische Müllabfuhr sich weigerte die Mülltonnen zu leeren,da die Straßen nicht schneegeräumt waren und durch Vereisung unbefahrbar wurden. Bei der städtischen Müllabfuhr handelt es sich um dasselbe Unternehmen,welches auch für den Winterdiendst auf den Chemnitzer Straßen zuständig ist...

Alles in allem eine groteske Situation,die sehr deutlich zeigt,wie die Kommunen in Deutschland kaputtgespart wurden.
Schaffner77 schrieb:
Nord_süd_bahn schrieb:
ex-Magdeburger schrieb:
3) Das bemängelt wird, dass keine Nebenstraßen geräumt wurde, ist eine typisch deutsche Haltung. Wenn alle Fußwege und Radwege, für die die Stadt zuständig ist geräumt sind, kann man den Anfängen die Nebenstraßen zu räumen. Aber auch erst dann. Eine Aussage "Wir räumen die Radwege nicht, die Leute sollen bei dem Wetter doch bitteschön nicht mit dem Rad fahren", wie sie konkret in Magdeburg getätigt wurde finde ich unangemessen. Auch wenn ich selbst, bei den Temperaturen nicht aufs Rad steige...

In Berlin schaffte es man mal wieder nicht die "unwichtigeren" Haltestellen zu räumen (einfach vergessen?). Radfaher können nur eins: Jammern was das Zeug hält.
Die Nebenstraßen werden nicht einmal geräumt,wenn man mit den Hauptstraßen fertig ist.Zumindest ist das in meiner Heimatstadt Chemnitz so. Die kommunalen Straßen sind in Kategorien eingeteilt. Hat eine Straße in Chemnitz die Kategorie V wird sie weder gekehrt noch schneegeräumt. Der Bürger ist völlig sich selbst überlassen.Vor ein paar Jahren ging das soweit,daß die städtische Müllabfuhr sich weigerte die Mülltonnen zu leeren,da die Straßen nicht schneegeräumt waren und durch Vereisung unbefahrbar wurden. Bei der städtischen Müllabfuhr handelt es sich um dasselbe Unternehmen,welches auch für den Winterdiendst auf den Chemnitzer Straßen zuständig ist...

Alles in allem eine groteske Situation,die sehr deutlich zeigt,wie die Kommunen in Deutschland kaputtgespart wurden.
Das kann ich aus Halle nur bestätigen. Die Städte arbeiten nach Dringlichkeit. Hier in Halle hat man den Marktplatz frei geräumt und sich durch die Altstadt geschlagen. Aussenäste wie Trotha, Kröllwitz, Giebichenstein wurden nur spärlich frei geräumt. Priorität hatten die stadtzentren, die Hauptstraßen, die wichtigen Plätze in der Stadt. Den Rest macht man dann so nebenbei.

Erst seit gestern fuhren wieder Bahnen durch Giebichenstein. Und dies auch mit umleitungen. Bis heute hat die Stadt die Schneemassen nicht im Griff.

In erster Linie fehlt es am Personal. Man hat sich den Winterdienst eingespart in den letzten Jahren, weil kaum Schnee da war. Die Folge, wenn solche Schneemassen herunter kommen, kommen die Städte nicht nach.
Ich denke mit der und für die Müllabfuhr finden sich Lösungen.

Und letzendlich war es in den letzten Jahren bis Jahrzehnten gesellschaftlicher Konsens, in den Haushalten zu sparen. Ob nun bei Zuschüssen zum ÖPNV, oder beim Winterdienst, oder beim Unterhalt der Infrastruktur, oder, oder, oder. Es ist ja nicht so das nach den Hauptstraßen 1000 andere Sachen geräumt wurden. Nee. Es wurde nach den Hauptstraßen gar nichts mehr gemacht. Nicht mal Busbuchten oder Haltestellen im Straßenraum wurden geräumt.

Letzendlich gibt es für viele (aber sicher nicht alle) Probleme vor allem eine Lösung: Die Städte besser ausstatten. Letzendlich - wenn man nicht woanders kürzen will - sehe ich da nur eine Lösung: Mehr/höhere Steuern. Da da aber selbst beim Thema Steuererhöhungen für die Obersicht selbst die 95% dagegen sind, die es nicht betrifft, müssen wir eben alle 10 Jahre mit einem nicht leistungsfähigen Winterdienst leben.
ex-Magdeburger schrieb:
Letzendlich gibt es für viele (aber sicher nicht alle) Probleme vor allem eine Lösung: Die Städte besser ausstatten. Letzendlich - wenn man nicht woanders kürzen will - sehe ich da nur eine Lösung: Mehr/höhere Steuern. Da da aber selbst beim Thema Steuererhöhungen für die Obersicht selbst die 95% dagegen sind, die es nicht betrifft, müssen wir eben alle 10 Jahre mit einem nicht leistungsfähigen Winterdienst leben.
Das ist in der Tat ein politisches Problem. Ob eine Reichensteuer wirklich was bringt, weiß ich nicht. Die Gefahr der Abwanderung ins Ausland ist immer gegeben und da ist auch keinem geholfen. Ich habe mich aber noch nicht so genau damit beschäftigt.
Was sicher was bringt, sind Steuern auf Aktienhandel und Digitalsteuern. Ebenfalls sollten Großkonzerne zur Rechenschaft gezogen werden. Und ich meine hier nicht Dr. Oetker oder VW, die sich sicherlich auch schön rechnen, sondern eher Amazon, Facebook und Co.

Schaut man sich aber mal den Bundeshaushalt an, bekommt man als Mittzwanziger das große Kotzen! 2/3 des Haushaltes fließen in Arbeit und Soziales, Allgemeine Finanzverwaltung und Verteidigung.
Allein 80 Milliarden werden den Rentnern bzw. der Rentenkasse überwiesen, ob ein BGE hier hilfreich wäre statt dem ganzen Hartz IV, Grundrente, Mütterrente bei bla blub Gedöns, insbesondere wenn man mal mit dem Ressort Bildung vergleicht.

Am Rentensystem muss dringend was geändert werden. Deutschland hat einen unglaublich hohe Steuerlast, erhöhen ist eigentlich nicht mehr drin und die Renten sind wirklich niedrig. Und nein, nur Beamte hinzufügen bringt halt nichts. Es muss viel mehr auf private Altersvorsorge gesetzt werden. Wer im Leben zu wenig Verdient hätte am Ende wohl "nur" das BGE, was ja noch deutlich höher als bspw. die Grundrente wäre.

Insgesamt muss sich einfach mal was ändern. Bundeswehr/Verteidigung muss Effizient und günstig werden, das 2%-Ziel muss anders gerechnet werden (bspw. Verkehrsprojekte, Verkehrswegebau/unterhaltung, Flughäfen und Häfen sollten mit eingerechnet werden, dann wird es günstiger ;) )...

Aber wenn die Leute weiter Fleißig CDU und SPD wählen wird sich nie was ändern...AfD ist aber selbstverständlich KEINE Lösung!
Tw666 schrieb:
[...]

Insgesamt muss sich einfach mal was ändern. Bundeswehr/Verteidigung muss Effizient und günstig werden, das 2%-Ziel muss anders gerechnet werden (bspw. Verkehrsprojekte, Verkehrswegebau/unterhaltung, Flughäfen und Häfen sollten mit eingerechnet werden, dann wird es günstiger ;) )...

[...]
Ben Hodges, seines Zeichens Generalleutnant a. D. der United States Army und ehemaliger Commanding General der US Army Europe, ist voll dafür. Auch wenn er selber das nicht so plakativ gesagt hat, läuft es auf eines hinaus: Über kaputte Brücken kannst du keine Panzer transportieren.

Apropos 2%-Ziel: Der Bundeswehr geht es letztlich genauso wie dem Winterdienst - sie wurde kaputt gespart. Mit ein wenig mehr Geld könnte man die abgestellten Panzer, Hubschrauber und Flugzeuge wieder flottmachen. Und nein, wie brauchen ein funktionierendes Militär. Wir sind eingebunden in NATO und EDA, und wir können nun wirklich von keinem unserer Verbündeten verlangen, Kräfte zu unserer Verteidigung bereit zu halten, wenn wir nicht ebenfalls unseren Beitrag zu leisten imstande sind.

Oder um auf einen historischen Fall zu verweisen: Es ist ja in Ordnung, wenn belgische Fallschirmjäger deutsche Zivilisten aus einem Krisengebiet holen, nur sollte Deutschland grundsätzlich in der Lage sein, es auch selber zu tun. Das war seinerzeit (1994 in Ruanda) nicht der Fall gewesen.

M.E. kann das anders gehen...

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 18.02.21 15:40

...für so seltene Ereignisse (Jena hatte z.B. die höchste Schneedecke seit Messbeginn vor über 150 Jahren) müssen Alarmkräfte her, die sonst anderes machen. JETZT (über 1 Woche nach dem Zusammenbruch) baggert in J eine stadtbekannte Baufirma Straßenränder frei. (Es geht darum, die letzte eingeschränkte Buslinie von VW-Kleinbussen wieder auf normale umzustellen.) Die hätten schon am Tag nach dem Schneefall antreten können, deren Ressourcen sind ja erheblich, und ihre eigentliche Arbeit fällt ohnehin solange flach. Auf Katastrophenalarm-Basis hätte man ihnen das befehlen können, aber natürlich macht es sich besser, vorher schon mal miteinander zu reden, damit es im Ernstfall schnell geht. Man muss die Leute ja auch zum Einsatzort bekommen, in dem Fall wohl ggf. mit dem Hubschrauber.

Im absoluten Notfall können Einsatzkräfte (auch zivile) auch mal 15 Stunden oder so am Stück arbeiten, kurze Nachtruhe halten und dann nochmal das gleiche. Länger wird es dann schon schwieriger und sehr teuer. Ich denke, dass die Lage von neulich auch in der Richtung ausgewertet wird. Soviel permanente Winterdienstkräfte gab es früher auch nicht; im Falle des Falles wurden Leute und Maschinen umdirigiert und eine Zeitlang bis zur Erschöpfung beansprucht. Erholung gabs, wenn die Arbeit fertig war.

Gruß Thomas
ex-Magdeburger schrieb:
Ich denke mit der und für die Müllabfuhr finden sich Lösungen.

Und letzendlich war es in den letzten Jahren bis Jahrzehnten gesellschaftlicher Konsens, in den Haushalten zu sparen. Ob nun bei Zuschüssen zum ÖPNV, oder beim Winterdienst, oder beim Unterhalt der Infrastruktur, oder, oder, oder. Es ist ja nicht so das nach den Hauptstraßen 1000 andere Sachen geräumt wurden. Nee. Es wurde nach den Hauptstraßen gar nichts mehr gemacht. Nicht mal Busbuchten oder Haltestellen im Straßenraum wurden geräumt.



Das ist ja genau das was ich hier schon beschrieben habe.Ausser Hauptstraßen wurde hier nirgendwo Schnee geräumt.Bushaltestellen sahen katastrophal aus. Unsere Straßenbahn war zum Glück gut aufgestellt und hatte keine Ausfälle,ausser eine Entgleisung auf einer Weiche.Die Kommunen haben ihren Etat für Winterdienst in den letzten zehn Jahren total eingedampft. Ich glaube auch nicht,daßdas in den nächsten Jahren besser wird.Wenn aber der Entsorgungsbetrieb (der gleichzeitig für Straßenreinigung und Winterdienst verantwortlich ist) die Müllabfuhr verweigert weil die Straße nicht geräumt ist,das ist ein Zustand der nicht hinzunehmen ist und ein großes Armutszeugnis der Kommune darstellt.

Re: M.E. kann das anders gehen...

geschrieben von: Schaffner77

Datum: 18.02.21 23:45

Thomas Wedekind schrieb:
...für so seltene Ereignisse (Jena hatte z.B. die höchste Schneedecke seit Messbeginn vor über 150 Jahren) müssen Alarmkräfte her, die sonst anderes machen. JETZT (über 1 Woche nach dem Zusammenbruch) baggert in J eine stadtbekannte Baufirma Straßenränder frei. (Es geht darum, die letzte eingeschränkte Buslinie von VW-Kleinbussen wieder auf normale umzustellen.) Die hätten schon am Tag nach dem Schneefall antreten können, deren Ressourcen sind ja erheblich, und ihre eigentliche Arbeit fällt ohnehin solange flach. Auf Katastrophenalarm-Basis hätte man ihnen das befehlen können, aber natürlich macht es sich besser, vorher schon mal miteinander zu reden, damit es im Ernstfall schnell geht. Man muss die Leute ja auch zum Einsatzort bekommen, in dem Fall wohl ggf. mit dem Hubschrauber.

Im absoluten Notfall können Einsatzkräfte (auch zivile) auch mal 15 Stunden oder so am Stück arbeiten, kurze Nachtruhe halten und dann nochmal das gleiche. Länger wird es dann schon schwieriger und sehr teuer. Ich denke, dass die Lage von neulich auch in der Richtung ausgewertet wird. Soviel permanente Winterdienstkräfte gab es früher auch nicht; im Falle des Falles wurden Leute und Maschinen umdirigiert und eine Zeitlang bis zur Erschöpfung beansprucht. Erholung gabs, wenn die Arbeit fertig war.

Aber es wurde im Gegensatz zu jetzt Winterdienststufen ausgerufen und danach gehandelt.Ich selbst habe 1986 bei -28°C in Karl-Marx-Stadt Hilbersdorf auf dem Rangierbahnhof Weichen frei geschaufelt,damit der Rangierbetrieb gewährleistet war. Kann mich nicht erinnern,dass auf dem Hauptbahnhof in Leipzig irgend einer Weichen ausgeschaufelt hat,als bei dem letzten Schneefall wieder mal keine Weiche ging.Ein Zustand über den man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Naja es ist wohl billiger den Verkehr einzustellen...
Ruhri schrieb:
Tw666 schrieb:
[...]

Insgesamt muss sich einfach mal was ändern. Bundeswehr/Verteidigung muss Effizient und günstig werden, das 2%-Ziel muss anders gerechnet werden (bspw. Verkehrsprojekte, Verkehrswegebau/unterhaltung, Flughäfen und Häfen sollten mit eingerechnet werden, dann wird es günstiger ;) )...

[...]
Ben Hodges, seines Zeichens Generalleutnant a. D. der United States Army und ehemaliger Commanding General der US Army Europe, ist voll dafür. Auch wenn er selber das nicht so plakativ gesagt hat, läuft es auf eines hinaus: Über kaputte Brücken kannst du keine Panzer transportieren.

Apropos 2%-Ziel: Der Bundeswehr geht es letztlich genauso wie dem Winterdienst - sie wurde kaputt gespart. Mit ein wenig mehr Geld könnte man die abgestellten Panzer, Hubschrauber und Flugzeuge wieder flottmachen. Und nein, wie brauchen ein funktionierendes Militär. Wir sind eingebunden in NATO und EDA, und wir können nun wirklich von keinem unserer Verbündeten verlangen, Kräfte zu unserer Verteidigung bereit zu halten, wenn wir nicht ebenfalls unseren Beitrag zu leisten imstande sind.

Oder um auf einen historischen Fall zu verweisen: Es ist ja in Ordnung, wenn belgische Fallschirmjäger deutsche Zivilisten aus einem Krisengebiet holen, nur sollte Deutschland grundsätzlich in der Lage sein, es auch selber zu tun. Das war seinerzeit (1994 in Ruanda) nicht der Fall gewesen.
Nein, da hast du mich jetzt falsch verstanden :)

Ich fordere nicht die Bundeswehr abzuschaffen, sondern günstiger zu machen und kritisiere dabei das 2%-Ziel. Ich denke dazu europäisch, sprich ein 2%-Ziel der EU wäre deutlich sinnvoller und tragbarer.
Dazu müsste die Bundeswehr effizienter sein, eine desolate Bundeswehr wie aktuell verschlingt Unmengen Geld ohne so richtig was zu leiste. Nein, ich rede nicht von der Gorch-Forck-Misere sondern bspw. von nicht einsatzbereitem echtem Equipment. Einem Segelschulschiff sollte schon aus Prestigegründen ein "Blankoscheck" ausgestellt werden (Plakativ gesprochen).

Wie du richtig schreibst, ist es vollkommen sinnvoll die Infrastrukturkosten mit einzubeziehen - über defekte Brücken rollt kein Panzer, auch ein Militärzug ist langsam, wenn es dauernd BÜ-Störungen oder Rotausleuchtungen gibt (nicht das das ein Problem wäre) oder (um beim Thema Winter zu bleiben) im Krisenfall Strecken tagelang nicht passierbar sind...
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