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? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: teile

Datum: 16.02.21 21:30

Hallo miteindander,

seit dem Winter 2010 haben viele Verkehrsbetriebe in Schneeräumtechnik investiert, in der Regel in Schneepflüge, teiweise wie in Erfurt auch in Technik zum Schutz vor dem Vereisen der Fahrleitung. Im Wintereinbruch der letzten Woche erwiesen sich jedoch in allen betroffenen Städten vereiste Schienenrillen als die Achillesferse.
Frage: Gibt es für die Rillen bessere Räumtechnik als Mann und Spitzhacke? In der Vergangenheit gab es Schneekehreinrichtungen mit rotierender Bürste oder auch Schneekratzeinrichtungen, aber wären diese in der Lage gewesen, das Problem besser zu lösen? In die Rillen reichen auch diese nicht.

Es grüßt
der Thomas

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: Stefan3872

Datum: 16.02.21 23:59

Eine Lösung wäre direkte Wärmeeinstrahlung in Verbindung mit Druckluft, so schmilzt das Eis und wird direkt aus dem Schienenprofil herausgeblasen. Ob das jemand einsetzt weiß ich nicht.

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: teile

Datum: 17.02.21 00:15

Ich hatte auch schon Strahltechniken im Kopf. Aber Wasserstrahlen bildet am Ende warscheinlich nur zusätzliches Eis, Sandstrahlen womöglich zu viel Schweinerei.oder könnte das gleich als Streugut dienen? Evtl. Trockeneisstrahlen. Aber wie weit käme man damit?

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: der weiße bim

Datum: 17.02.21 00:33

teile schrieb:
Frage: Gibt es für die Rillen bessere Räumtechnik als Mann und Spitzhacke?
Klassiker wäre ein Bahnbediensteter mit einer Schippe, der aus einer in Weichennähe aufgestellten Kiste ein paar Schippen Tausalz über den Weichenbereich verteilt.
Ohne Personal kein Winterdienst.

So long

Mario

Sole ("Lauge") ...

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 17.02.21 00:47

... automatisiert aus Tankfahrzeug verteilbar, aber bei großer Kälte nicht mit Kochsalz (wird unter -10 Grad trotzdem fest). Aber umweltschädlich.

Gruß Thomas

Heißdampf/Metallecken/Kehrmaschinen

geschrieben von: Tw666

Datum: 17.02.21 00:53

Da hast du recht. Viele Betriebe haben Schneepflüge, andere Zweiwegfahrzeuge mit Räumschilden.
Gegen vereiste Oberleitungen wird ja in vielen Betrieben Glycerin aufgebracht, teils im laufenden Betrieb, teils durch Schienenpflegezüge.

An Rillen dachte ich entweder an Heißdampfstrahlen in Verbindung mit Eisenkanten im Gleis und ordentlich Gewicht oder aber nur an Eiskanten, welche knapp über der Unterkante der Rille entlanglaufen, direkt vor einem Drehgestell/Radsatz angebracht sind und daher auch im Bogen laufen können. Hierbei müsste natürlich ebenfalls viel Gewicht auf dem Gestell sein, damit kein Aufklettern stattfinden kann.

Vorbeugend wäre natürlich schlicht Kehrmaschinen mit rotierenden Walzen schlau, die den Schnee aus den Rillen holen. Bei großen Netze ist hier aber die schiere Masse des Schnees ein Problem. Mehr als zwei Geräte wird sich kein großer Betrieb auf die Gleise stellen. Wenn man Pech hat vereist es hinter einem direkt wieder. Vorrangstrecken müssen ausgewiesen werden.

Freundliche Grüße

666

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: 1418

Datum: 17.02.21 01:17

Moin,
Zitat:
Im Wintereinbruch der letzten Woche erwiesen sich jedoch in allen betroffenen Städten vereiste Schienenrillen als die Achillesferse.
Die vereisten Spurrillen sind nur ein kleines Segment in einem Teufelskreis.

Früher: STraßenbahnen sind bauartbedingt auch zum Fahren bei größerer Schneehöhe geeignet, vor den Drehgestellen befinden sich brettartige Bahnräumer, die den meisten Schnee wegräumen können, den Rest schaffen die Spurkränze/Räder. Der Winterdienst arbeitete nicht gegen die Straßenbahn, an ein betriebsbehinderndes Zuschieben von quer zur Straße verlaufenden Straba-Gleisen kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Wo es in kleineren Mengen doch passierte, fuhren sich die Bahnen ihre Trassen frei, siehe oben. Auf den Abschnitten mit straßenbündigen Gleisen wurde zuerst die Spur mit den Schienen vom Schnee geräumt, da hatte es die Straßenbahn entsprechend leichter.

Heute: Straßenwinterdienst und Straßenbahn/Omnibus mögen zwar beide der Stadt gehören, sind aber soweit unabhängig, daß jeder sein Süppchen kocht und nicht mit dem jeweils anderen zusammenarbeitet (eher gefühlt gegeneinander). Unabhängige Bahnkörper begünstigen diese Trennung. Die NF-Fahrzeuge haben bauartbedingt einen sehr niedrig liegenden Wagenboden. Für einen gescheiten Bahnräumer mit Möglichkeit des seitlichen Schnee"auswurfs" ist keinerlei Platz. An der erstbesten Kreuzung, wo der bahnblinde Schneepflugkutscher einen 30-cm-Wall quer übers Gleis geschoben hat, bleibt ein NF-Wagen stecken (bzw. läuft Gefahr zu entgleisen). Ein Winterdienstwagen der Straßenbahn würde hier vielleicht noch durchkommen, doch nicht überall sind diese Fahrzeuge (in ausreichender) Anzahl vorhanden oder kommen zu spät zum Einsatz. Inzwischen haben die Straßenfahrzeuge reichlich Zeit, den Schnee zu einer tatsächlich für Straßenbahnen jeder Art unpassierbaren Eisplatte zu verdichten. Und ab jetzt dauert der Stillstand entsprechend länger.
Meine Vorschläge: Schulung der Straßen-Schneepflug-Fahrer, wo sie ihren Schnee besser nicht stapeln sollten sowie häufigeres Spurfahren mit dafür geeigneten Straßenbahn-Fahrzeugen, die dafür in ausreichender Anzahl vorzuhalten sind. Die Man-Power kann sich derweil um Haltestellen kümmern.

Probleme wie kürzlich in Hannover sind natürlich eine andere Liga. Hier kamen die Abdeckplatten der Überwege "hoch", so daß selbst die eigentlich schneetauglichen schweren Stadtbahnfahrzeuge daran nicht vorbei kamen. Ähnliches gab es übrigens vor etwa 10 Jahren schon mal in Leipzig, als sich in der Zschocherschen Straße (nördlich der Lützner Straße) die Betonplatten zwischen dien Schienen anhoben und daran ein NB4 entgleist ist, nachdem die beiden führenden T4DM die Stelle noch schadlos passiert hatten. Bis zur vollständigen Entfernung der Platten in diesem Bereich blieb die Straße für KFZ und Straßenbahn gesperrt, dann nach Entfernung der Platten nur noch der KFZ-Verkehr, die Bahn durfte wieder fahren. Irgendwann im Frühjahr wurde die Sache wieder "gerichtet".

1418

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: Christoph Zimmermann

Datum: 17.02.21 06:17

der weiße bim schrieb:
teile schrieb:
Frage: Gibt es für die Rillen bessere Räumtechnik als Mann und Spitzhacke?
Klassiker wäre ein Bahnbediensteter mit einer Schippe, der aus einer in Weichennähe aufgestellten Kiste ein paar Schippen Tausalz über den Weichenbereich verteilt.
Ohne Personal kein Winterdienst.
Thema verfehlt: Es geht nicht um eingefrorene Weichen, denn da haben die Weichenheizungen ihren Dienst verrichtet.

Grüße

-chriz

--
Rückfragen ersparst du dir oft viel, nennst du sofort dein Reiseziel.

Dazu notwendige Wärmemenge

geschrieben von: sukram01

Datum: 17.02.21 06:53

Stefan3872 schrieb:
Eine Lösung wäre direkte Wärmeeinstrahlung in Verbindung mit Druckluft, so schmilzt das Eis und wird direkt aus dem Schienenprofil herausgeblasen. Ob das jemand einsetzt weiß ich nicht.
Die dazu notwendige Wärmemenge wäre geradezu irrwitzig. Ich habe es einmal nachgerechnet, um mir eine Vorstellung davon zu machen: 1 kg Eis von 0° C in flüssiges Wasser von 0°C zu verwandeln bedarf der gleichen Wärmemenge wie dieses eine Kilogramm flüssigen Wassers danach von 0°C auf circa 80°C zu erwärmen.

--
Markus

Museumsbahnhof Lette im Netz:
[www.bahnhof-lette.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.21 06:54.
sollte bekannt sein oder?

Warmes/heißes Wasser neigt deutlich schneller dazu zu gefrieren und das würde automatisch Eisplatten nach sich ziehen. Könnte für den ein oder anderen zusätzlichen Ausrutscher bei glatten Verhältnissen sorgen. Deshalb halte ich diese Idee für nicht zielführend, es sei denn man möchte als Benefit der Aktion neben freien Spurrillen die ein oder andere Anzeige wegen (grober) Fahrlässigkeit haben.

Das beste Mittel in meinen Augen ist immer noch Kratzen wenn die Eisschicht in den Rillen schon vorhanden ist.

Meine Bilder bei Flickr:
Christian G. on Flickr

Re: Salz und Lauge

geschrieben von: Mahuli4

Datum: 17.02.21 09:30

Als der Umweltgedanke noch nicht so eine Rolle spielte, besaß die Leipziger Straßenbahn zur Eisfreimachung der Schienenrillen eine Reihe von Salzstreu-Beiwagen und die Weichenspülwagen 5021-5025 konnten im Winter als Laugewagen eingesetzt werden. Hat funktioniert.
Gruß Jens-Peter

Re: Heißdampf/Metallecken/Kehrmaschinen

geschrieben von: Christoph Zimmermann

Datum: 17.02.21 09:30

Tw666 schrieb:
An Rillen dachte ich entweder an Heißdampfstrahlen in Verbindung mit Eisenkanten im Gleis und ordentlich Gewicht oder aber nur an Eiskanten, welche knapp über der Unterkante der Rille entlanglaufen, direkt vor einem Drehgestell/Radsatz angebracht sind und daher auch im Bogen laufen können. Hierbei müsste natürlich ebenfalls viel Gewicht auf dem Gestell sein, damit kein Aufklettern stattfinden kann.

Vorbeugend wäre natürlich schlicht Kehrmaschinen mit rotierenden Walzen schlau, die den Schnee aus den Rillen holen. Bei großen Netze ist hier aber die schiere Masse des Schnees ein Problem. Mehr als zwei Geräte wird sich kein großer Betrieb auf die Gleise stellen. Wenn man Pech hat vereist es hinter einem direkt wieder. Vorrangstrecken müssen ausgewiesen werden.
Schnee in den Rillen ist im Normalfall ja kein Problem, sofern er nicht schon hoch verdichtet ist. Aber dann reden wir in der Regel ja schon über Eis.

Ein großes Problem dabei (außer aktuell der vorhergehende Eisregen, da hilft vermutlich alles nichts) ist, dass der MIV dir den Matsch da immer wieder rein fährt und wenn es kalt genug ist, dieser bei der guten Wärmeleitfähigkeit von Stahl dann auch fix wieder vereist. Und gegen eine gut gefüllt und verdichtet gefüllte Rille hilft auch kein Gewicht mehr.

Grüße

-chriz

--
Rückfragen ersparst du dir oft viel, nennst du sofort dein Reiseziel.

Re: Salz und Lauge

geschrieben von: Christoph Zimmermann

Datum: 17.02.21 09:34

Mahuli4 schrieb:
Hat funktioniert.
Bis zu welcher Temperatur?

Grüße

-chriz

--
Rückfragen ersparst du dir oft viel, nennst du sofort dein Reiseziel.
... da müsste man den Bus umleiten, damit er die Schienen nicht zufährt. Also am besten sauber räumen.

Gruß Thomas

Re: Heißdampf/Metallecken/Kehrmaschinen

geschrieben von: Tw666

Datum: 17.02.21 11:53

Christoph Zimmermann schrieb:
Tw666 schrieb:
An Rillen dachte ich entweder an Heißdampfstrahlen in Verbindung mit Eisenkanten im Gleis und ordentlich Gewicht oder aber nur an Eiskanten, welche knapp über der Unterkante der Rille entlanglaufen, direkt vor einem Drehgestell/Radsatz angebracht sind und daher auch im Bogen laufen können. Hierbei müsste natürlich ebenfalls viel Gewicht auf dem Gestell sein, damit kein Aufklettern stattfinden kann.

Vorbeugend wäre natürlich schlicht Kehrmaschinen mit rotierenden Walzen schlau, die den Schnee aus den Rillen holen. Bei großen Netze ist hier aber die schiere Masse des Schnees ein Problem. Mehr als zwei Geräte wird sich kein großer Betrieb auf die Gleise stellen. Wenn man Pech hat vereist es hinter einem direkt wieder. Vorrangstrecken müssen ausgewiesen werden.
Schnee in den Rillen ist im Normalfall ja kein Problem, sofern er nicht schon hoch verdichtet ist. Aber dann reden wir in der Regel ja schon über Eis.

Ein großes Problem dabei (außer aktuell der vorhergehende Eisregen, da hilft vermutlich alles nichts) ist, dass der MIV dir den Matsch da immer wieder rein fährt und wenn es kalt genug ist, dieser bei der guten Wärmeleitfähigkeit von Stahl dann auch fix wieder vereist. Und gegen eine gut gefüllt und verdichtet gefüllte Rille hilft auch kein Gewicht mehr.
Das ist ja das Problem. Deshalb ist es bei großen Netze in der Tat fast nicht zu schaffen, siehe Kassel. Und hier ist ja schon der Anteil an Rillenschienen ziemlich gering.

Was ich meinte, dass ein Eisenkeil praktisch in der Rille aufliegt, unter den Eiskanal greift und ihn aushebelt. Dafür braucht es einiges an Gewicht, damit dieser Keil nicht aufklettert, was ja bei Straßenbahnen ein Problem ist.
Obwohl man natürlich auch mit sehr hohem Gewicht das Eis zum Brechen bringen kann - im EBO-Bereich wurde mit 90-Tonnen-Loks das Eis auf BÜs gebrochen, wo Straßenbahnen entgleist wären (Strecke nach Hess. Lichtenau). Solch eine hohe Achslast ist natürlich im BOStrab-Bereich nicht praktikabel...

Daher wäre bei solch einem Wetter das Sperren von kleineren BÜ eine vorbeugende Lösungsmöglichkeit, wo kein MIV, da zumindest kein zusammengepresstes Eis im Gleis.

In Kassel gab es ja zusätzlich das Problem des warmen Bodens zu Beginn, der den Schnee geschmolzen hat und dann durch stark fallende Temperaturen zu Eis geworden ist.

Re: das Ergebnis von heißem Wasser und Minusgraden ...

geschrieben von: Tw666

Datum: 17.02.21 11:59

Schi-Stra Bus schrieb:
sollte bekannt sein oder?

Warmes/heißes Wasser neigt deutlich schneller dazu zu gefrieren und das würde automatisch Eisplatten nach sich ziehen. Könnte für den ein oder anderen zusätzlichen Ausrutscher bei glatten Verhältnissen sorgen. Deshalb halte ich diese Idee für nicht zielführend, es sei denn man möchte als Benefit der Aktion neben freien Spurrillen die ein oder andere Anzeige wegen (grober) Fahrlässigkeit haben.

Das beste Mittel in meinen Augen ist immer noch Kratzen wenn die Eisschicht in den Rillen schon vorhanden ist.
Mir ist das Verhalten von Wasser und Dampf bei Minusgraden schon bekannt, ich habe aber kein Erfahrungen mit Heißdampfstrahlern im Winter ;) Daher der Einwurf. Dampfloks sind ja auch nicht von einem Dicken Eispanzer umschlossen und nicht jedes Teil hat hohe Temperaturen...

In der Tat ist aber ein Strahler keine schlechte Idee z. B. mit Heißluft (ohne Wasser). Ich teile aber deine Sorgen des Schmelzenden Eises, es müsste wohl noch Salz aufgebracht werden um ein wiederanfrieren zu verhindern. Würde aber nur das unmittelbare Gleis mit Eis überzogen werden, wäre dies nicht schlimm. Das können Schienenfahrzeuge recht gut ab.
Vielleicht ist ein Heißdampf/luft-Strahler in Verbindung mit Kehrwalzen eine einfache Lösung, das anfrierende Wasser wird durch die Bürste stark verteilt und bildet keine Eisplatten, die für MIV, Radfahrende und zu Fuß Gehende gefährlich werden können.

Ich halte daher wie du eine mechanische Beseitigung des Problems mit Eiskratzern, wie von mir beschrieben, für recht praktikabel. Problematisch könnten hier sehr enge Bögen werden.

Re: das Ergebnis von heißem Wasser und Minusgraden ...

geschrieben von: T3R.PV

Datum: 17.02.21 12:43

Tw666 schrieb:
Schi-Stra Bus schrieb:
sollte bekannt sein oder?

Warmes/heißes Wasser neigt deutlich schneller dazu zu gefrieren und das würde automatisch Eisplatten nach sich ziehen. Könnte für den ein oder anderen zusätzlichen Ausrutscher bei glatten Verhältnissen sorgen. Deshalb halte ich diese Idee für nicht zielführend, es sei denn man möchte als Benefit der Aktion neben freien Spurrillen die ein oder andere Anzeige wegen (grober) Fahrlässigkeit haben.

Das beste Mittel in meinen Augen ist immer noch Kratzen wenn die Eisschicht in den Rillen schon vorhanden ist.
Mir ist das Verhalten von Wasser und Dampf bei Minusgraden schon bekannt, ich habe aber kein Erfahrungen mit Heißdampfstrahlern im Winter ;) Daher der Einwurf. Dampfloks sind ja auch nicht von einem Dicken Eispanzer umschlossen und nicht jedes Teil hat hohe Temperaturen...

In der Tat ist aber ein Strahler keine schlechte Idee z. B. mit Heißluft (ohne Wasser). Ich teile aber deine Sorgen des Schmelzenden Eises, es müsste wohl noch Salz aufgebracht werden um ein wiederanfrieren zu verhindern. Würde aber nur das unmittelbare Gleis mit Eis überzogen werden, wäre dies nicht schlimm. Das können Schienenfahrzeuge recht gut ab.
Vielleicht ist ein Heißdampf/luft-Strahler in Verbindung mit Kehrwalzen eine einfache Lösung, das anfrierende Wasser wird durch die Bürste stark verteilt und bildet keine Eisplatten, die für MIV, Radfahrende und zu Fuß Gehende gefährlich werden können.

Ich halte daher wie du eine mechanische Beseitigung des Problems mit Eiskratzern, wie von mir beschrieben, für recht praktikabel. Problematisch könnten hier sehr enge Bögen werden.
Also ein bisschen schnapsig kommt mir die Idee ja schon vor. Mit einem Kärcher kriegst du das nicht hin, und so ein Gerät wie unten kann ich mir schlecht im Stadtbild vorstellen... Aufgabe des ATG1 Auftaugerätes war u. a. das Eisfreimachen von Bahnübergängen: [www.fotocommunity.de]

Während meiner Armeezeit "durfte" ich u. a. in Berlin Rummelsburg Reisezugwagen auftauen. Wenn ich vergleiche wie lange der Dampfstrahl gebraucht hat um ein paar cm Toilettenfallrohr aufzutauen weiß ich, dass ein paar km Schienennetz keine triviale Aufgabe sind.

Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß.

Die echte Seite über die Chemnitzer Straßenbahn: [www.strassenbahn-chemnitz.de]

+1 (o.w.T)

geschrieben von: Tw666

Datum: 17.02.21 12:51

(Dieser Beitrag enthält keinen Text)

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: jmh67

Datum: 17.02.21 13:37

Meine bescheidene Idee für den Anfang: Fleißig fahren (wenn es sein muss, auch während der Betriebspause), damit die Gleise frei bleiben. Bei einem zünftigen Schneesturm hilft das wahrscheinlich aber auch nicht viel, wobei Pulverschnee noch ziemlich leicht weggeschoben werden kann. Wenn schon mal Dreck und Schnee in den Rillenschienen ist: früher hatten manche Straßenbahnbetriebe sogar spezielle Arbeitswagen zum Reinigen derselben, in Sachsen hießen die "Zutschwagen". Kenne die Technik dahinter leider nicht und möchte behaupten, dass man auch damit in jedem Falle schnell bei der Sache sein müsste, bevor die Pampe gefriert.

Re: Sole ("Lauge") ...

geschrieben von: Früherwarallesbesser

Datum: 17.02.21 14:08

...ist anscheinend nur bei der Straßenbahn umweltschädlich. Die Autobahnen hier in Rhein-Main wurden, trotz lächerlicher Schneehöhen, kräftig „gepökelt“, da spielt die Umweltverträglichkeit offenbar keine Rolle.

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: Tramfreak

Datum: 17.02.21 14:42

Die Rillen mit einem 'Inlay' aus Kunststoff auslegen. Dann muss bei Eisbildung am frühen Morgen nur eine kleine Stelle freigekratzt werden, um das Inlay mit dem Eis drauf längs nach oben und damit rausziehen zu können. Eventuell muss man stellenweise die obere Schicht bis zum Schienenkopf abkratzen, aber ich stell' mir das machbar vor. Und dann muss natürlich ein neues rein.

Re: Sole ("Lauge") ...

geschrieben von: Ruhri

Datum: 17.02.21 15:33

Früherwarallesbesser schrieb:
...ist anscheinend nur bei der Straßenbahn umweltschädlich. Die Autobahnen hier in Rhein-Main wurden, trotz lächerlicher Schneehöhen, kräftig „gepökelt“, da spielt die Umweltverträglichkeit offenbar keine Rolle.
Das ist ja auch der Grund, warum etliche Pflanzen an den Autobahnen von der Nordsee stammen. Die Samen werden durch die Autoreifen heimkehrender Nordseeurlauber verbreitet, und die Winterdienste sorgen für ein angenehm salziges Ambiente.

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: 298 329-4

Datum: 17.02.21 15:53

Tramfreak schrieb:
Die Rillen mit einem 'Inlay' aus Kunststoff auslegen. Dann muss bei Eisbildung am frühen Morgen nur eine kleine Stelle freigekratzt werden, um das Inlay mit dem Eis drauf längs nach oben und damit rausziehen zu können. Eventuell muss man stellenweise die obere Schicht bis zum Schienenkopf abkratzen, aber ich stell' mir das machbar vor. Und dann muss natürlich ein neues rein.
Die Idee ist nicht neu. Nennt sich velosicheres Gleis.

98 80 3298 329-4 D-DB

Fleißig fahren ...

geschrieben von: MissFitz

Datum: 17.02.21 16:09

Das war in den hier heftig angegangenen Betrieben doch das Ziel, es gibt entsprechende Fahrten in der Betriebspause; aber wenn es so schnell geht, dass Oberleitung und vor allem die Rillen vereisen, keine Chance ... Es sind ja in einigen Betrieben Wagen gestrandet.

Vielleicht müssen wir uns damit abfinden, dass nicht jedes (Extrem-)Wetter (Eisregen, Dauerfrost über eine Woche!) innerhalb weniger Stunden beherrschbar ist. Wegen ein paar Tagen im Jahrzehnt will wohl keiner die alten Hochflurwagen zurück.

Ein funktionierender SEV - meinetwegen mit Taxen wäre eine Lösung. Düsseldorf ist eine der wenigen Städte, die mit den Taxi-Unternehmen entsprechende Verträge haben. So wäre den Kunden geholfen, sie kämen an ihr Ziel. Wenn der SEV-Bus im Graben liegt, hilft das ja auch niemandem.

Re: Heißdampf/Metallecken/Kehrmaschinen

geschrieben von: Alexander Bolz

Datum: 17.02.21 21:06

Hallo,

also die Idee mit diesem Kratzer/Anheber hat eine weitere Schwachstelle: die Rillen sind unterschiedlich tief, zum einen durch Abnutzung, und dann auch durch die Herzstücke, womöglich noch mit Flachrillen. Du müßtest, wenn man das verstellbar machen würde, immer noch von jeder Stelle die genaue Rillentiefe kennen, damit du unter das Eis greifen kannst.
Weichenheizungen nutzen bei starkem Schneefall auch irgendwann nichts mehr, ist auch bei der Eisenbahn so. Übrigens hat die 90-Tonnen-Lok dann 4 oder gar 6 Achsen, das relativiert die Achslast dann doch ;-)

Was ich nur überhaupt nicht verstehe, und das gilt auch in vielen weiteren Städten und Gemeinden, ist, daß man wie hier bereits beschrieben eher gegeneinander arbeitet, und die Bürger machen da eifrig mit. Wenn auf dem privaten Grundstück genügend Flächen vorhanden sind, darf der Schnee gar nicht auf die Straße geschoben werden. Da wird aber genauso wenig durchgegriffen wie bei gar-nicht-räumen. Der Straßenschneepflug schiebt dann schön wieder alles auf den Bürgersteig, oder die Grundstückseinfahrten zu, und/oder auch noch auf die Gleise. Die muß ja ein anderer machen...

Was Kassel und z.B. auch Bielefeld angeht, klingt bei dem Netz ein einzelner Schienenschneepflug zwar wenig, hätte aber im größten Teil der Wilhelmshöher Allee schon etwas gebracht. Aber der mußte ja unbedingt ins Museum, und mir kann keiner erzählen, daß ein zweiachsiges, ungebremstes Fahrzeug mit wenig Laufleistung hohe Instandhaltungskosten hätte.

Viele Grüße,
Alexander
Verzeihung, "Lauge" wirds wohl kaum gewesen sein, der hohe pH-Wert würde alles glibberig machen und wäre für Lebewesen gefährlich. Allenfalls als Jargonbegriff für eine konzentrierte Salzlösung (aka "Lake") in Wasser.

Auch bei dem "Salz" gibts Unterschiede: Wir hatten bei massiven (d.h. bis zum Grund 7 cm tief durchgefrorenen) Eispfützen auf dem Werkshof unseren Vorrat an Calciumchlorid-Pellets (CaCl2) angezapft. Das säckeweis rumliegende Koch-/Vieh-/Steinsalz aka NaCl für den Winterdienst haben wir nicht mal mit dem A.... angekuckt (im Frühjahr war die Delle im Hof-Belag dann maschinell ausgebügelt, geht bei Rillenschienen nicht).

Es war letztlich in praxi egal, ob man das CaCl2 mit oder ohne "Kristallwasser" nahm: Ein paar Pellets händisch auf den ca. 6 m² verteilt. Kurz warten. Dann setzte plötzlich - bei -14°C! - Gefechtslärm wie entferntes MG-Feuer ein, Risse wuchsen quer durch die Pfütze, Eisbröckchen sprangen hoch, die ersten flüssigen Stellen bildeten sich, ok, noch eine Handvoll sorgfältig verteilt, die ganze Eispfütze zappelte noch etwas, und nach 10 min war sie verflüssigt. Ich les' grad (E.Merck AG, "Hilfstabellen für das Laboratorium" S.13; zu mehr Literatur hab' ich keine Lust), dass man benetzende Kältemischungen bis -55°C aus CaCl2 und gemahlenem H2O-Eis herstellen könne, aber mir reichen die -20°C im Labor auch. Man musste gelegentlich mit etwas Trockeneis nachhelfen und stochern (Eismaschinen sind regelmässig kaputt, ausser den natürlichen draussen, wenn man sie grad' nicht braucht). Der Kolben soll aber auch nicht festfrieren. OK, hat funktioniert.

Harnstoff [Kohlensäurediamid, (H2N)2CO] soll merkwürdigerweise auch ganz gut klappen. Allerdings nicht bis unter -10°C; ausprobiert habe ich es noch nicht. Man kann auch Gemische verschiedener Salze und Harnstoff einsetzen, vllt. war das mit "Lauge" auch gemeint? Vllt. kann jemand mit entsprechender Erfahrung mal aus der Schule plaudern. Ausprobieren, Optimieren ist gefragt.

OK, Fazit: Es gibt also was. Wenn man mal ein anderes "Salz" nimmt. Ternäre statt binäre Elektrolyten für die berühmten kolligativen Eigenschaften (Gefrierpunktserniedrigung) ins Kalkül zieht. Nicht übertreiben, Aluminiumtrichlorid wäre rotzesauer, Eisentrichlorid im wss. Milieu auch, Finger von lassen. Weiss jemand, wie man mit Magnesiumchlorid weiterkommt?

M.E. sollte der VDV sich des Problems mal in exakten Versuchsreihen annehmen. Vllt. lässt sich der Erfahrungsschatz der UIC mit der Wiener Klimakammer auch anzapfen, damit man das Rädle nicht neu erfinden muss. Mal mit einer Rille anfangen, das CaCl2* 6 H2O sparsam draufstreuen; das wasserfreie ist zu teuer. Wenns klappt, und das Eis springt raus (flüssig werden reicht auch) dann Beschaffungs- und Applikationsstrategien festlegen. Ist ja nicht ganz billig. Und sollte man nicht mit den Strassenmeistereien teilen müssen, sonst wird auch CaCl2 knapper als Impfstoff.

Cheerz

Der Unglaeubige Thomas
Moin,
Der Ungläubige Thomas schrieb:
Verzeihung, "Lauge" wirds wohl kaum gewesen sein, der hohe pH-Wert würde alles glibberig machen und wäre für Lebewesen gefährlich. (...)
Also das, was man zu winterdienstlichen Zwecken in der DDR auf den Straßen verteilte, war m.W. tatsächlich eine (passend verdünnte) Lauge. Die Straßen waren anschließend schnee- und eisfrei, allenfalls eine Restflüssigkeit (innerhalb kürzester Zeit schwarz, was wohl auch am Unterbodenschutz der Autos lag) blieb übrig. Und irgendwann blieb nur ein Grauschleier auf der Straße zurück. Das Zeug funktionierte aber nur bei einstelligen Minusgraden und war wohl ein Abfallprodukt der chemischen Industrie, welches so einigermaßen nutzbringend entsorgt werden konnte. Gefahren für Gesundheit und Leben jeder Art? Zweitrangig. Zumindest bis 1990, ab da gab es nur noch mechanische Schneebekämpfung und mit etwas Glück etwas Salz. Das war ja aus Sicht der Abwasserbehandlung und des Straßenbegleitgrüns auch nicht ganz unumstritten.

MfG 1418



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 21.02.21 23:46.

Die DDR-"Lauge" war MgCl2-Lösung...

geschrieben von: Thomas Wedekind

Datum: 22.02.21 02:56

... hab eine Quelle gefunden, die sich mit dem Einfluss des Zeugs auf das Pflanzenwachstum beschäftigt (Uni Halle 1980). War wohl ein Abfallprodukt bei der Kaliproduktion und wurde schon flüssig verfrachtet.

Gruß Thomas

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: Ladehilfe

Datum: 22.02.21 12:15

Mit der dafür möglichen Geschwindigkeit würdest du bei 3km/h weniger rückwärts fahren.

Liebe Leute,

Bleibt gesund und wenn es geht daheim!

Re: Die DDR-"Lauge" war MgCl2-Lösung...

geschrieben von: Ladehilfe

Datum: 22.02.21 12:25

Das Zeug gab es auch in kristalliener Form und machte sich in einer gesättigten Lösung gut in der Unkrautvernichtung. Am besten noch etwas Natriumthiosulfat dazu und die nächsten 5 Jahre wächst dort nichts mehr.

Liebe Leute,

Bleibt gesund und wenn es geht daheim!

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: Ladehilfe

Datum: 22.02.21 12:37

Chemnitz hat(te) 2 Tatra T3D mit Schneepflug und einer davon mit zweitem Bügel der Glycerin auf den Fahrdraht bringt. Bei uns konnte sich eine Skoda Schnee bedingt am Falkeplatz nicht entscheiden ob sie auf der 1 nach Schönau oder doch lieber auf der 4 nach Hutholz fahren soll. Sie hat sich dafür entschieden das Museum Gunzenhauser anzusteuern.

Liebe Leute,

Bleibt gesund und wenn es geht daheim!

Re: ? Räumtechnik für vereiste Rillen

geschrieben von: Lok35

Datum: 22.02.21 17:32

Spurpflug wäre eine Lösung aus richtig Metall, schwer,der das zugefrorene Eis zu platzen bringt..

Re: Die DDR-"Lauge" war MgCl2-Lösung...

geschrieben von: Der Ungläubige Thomas

Datum: 22.02.21 17:36

Danke, das haut ja dann chemisch-prinzipiell in dieselbe Kerbe ("ternärer Elektrolyt") wie CaCl2.
Angesichts des Zentralatoms im Chlorophyll scheint das hinsichtlich der Pflanzen sogar "gefühlt" besser zu sein. Wumpe, es geht ja um die freien Rillen und Herzstücke.
MgCl2 gibt's bergmännisch vom Niederrhein, und wie Ihr richtig anmerkt, als Nebenstoff aus der Kaligewinnung. Ist aber auch in natürlichem "Steinsalz" drin, fürs Enteisen halt nicht ausreichend. Aber damit weiterarbeiten brächte, meine ich, einen gewissen Fortschritt im Sinne der Eröffnungsfrage. Solange man dann nicht höheren Orts meint, man habe ja den Stein der Weisen gefunden, könne endgültig die Beine hochlegen und präventives Freifahren komplett einsparen: Das wird nix, denn nur "vereinte Waffenwirkung schlägt den Feind".
Cheerz

Der Unglaeubige Thomas