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Frage zur Berliner U-Bahn - Typ B1 Tunneleule

geschrieben von: Harkort

Datum: 12.01.21 08:41

Hallo Fans der Berliner U-Bahn,

ich hätte mal eine Frage an die Spezialisten:

Wir kennen alle die Tunneleule, die erste Großprofilserie vom Typ B1, Bauart 1924.
Die Zeitgenossen erinnerten die beleuchteten ovalen Führerstandsfenster an die
Augen einer Eule im Dunkeln. Daher der Spitzname Tunneleule. Ein Berliner Original.

Vor geraumer Zeit beschäftigte ich mit etwas mit der U-Bahn in London. Dabei stieß ich
auf einen Fahrzeugtyp genannt F Stock. Dieses Fahrzeug hatte auch ovale Führerstandsfenster,
die übrigens auch durch eine Tür in der Mitte getrennt waren. Auffällig fand ich vor allem das
Baujahr 1920-1921.

Nun meine Frage: Hat man sich in Berlin umgeschaut, was in anderen Hauptstädten
gerade modern war, und diese charakteristischen Fenster für den Typ B1 übernommen?
Ist das vermeintliche Berliner Original also eigentlich ein Londoner Original?
Weiß jemand mehr?

Hier die Links zu Wikipedia und zu zwei Bildern:

Wikipedia F Stock
Wikipedia Berlin Typ B

Abbildung F Stock
Abbildung Tunneleule

Danke und Gruß, Harkort

PS: Falls die Geschichte ein alter Hut sein sollte, bitte ich um Nachsicht, niemand weiß alles.

Re: Frage zur Berliner U-Bahn - Typ B1 Tunneleule

geschrieben von: Pio

Datum: 12.01.21 12:11

Zeitgeschmack/Modeerscheinung in dieser Zeit?

Zwei Trapeze pro Bahnhof statt zwei einfacher Weichenverbindungen !!!

würde ich auch sagen...

geschrieben von: ThorstenL

Datum: 12.01.21 17:32

Zumindest beim Londoner, dessen Profil der Tunnelröhre entspricht, hätten rechteckige Fenster auch ziemlich daneben ausgesehen. Ansonsten sehe ich keinen wirklichen konstruktiven Vorteil in den ovalen Fenstern. Die Scheibenwischerfläche vergrößert es jedenfalls nicht. Höchstens könnte ich mir vorstellen, dass noch in den 1920er Jahren eine nicht 'um die Ecke' gehende Fensterdichtung möglicherweise einfacher regensicher herzustellen war. Bullaugen an Schiffen sind ja auch nicht zufällig rund.

...alles meine persönliche wie unbedeutende Meinung!

Gruß aus AHRo
-Th-

Re: würde ich auch sagen...

geschrieben von: Bernd_Freimann

Datum: 12.01.21 20:54

Hallo,
die Regenproblematik gab es bei den Berliner Wagen anfangs nicht. Die Strecken waren ausschließlich im Tunnel.
Erst mit der Verlängerung nach Tegel, deren Strecke teilweise an der Oberfläche verläuft, bekamen die B1 und B2-Wagen überhaupt erst (handbedienste) Scheibenwischer.
Für den modischen Trend der ovalen Fenster sprechen neben den Londoner F-Wagen auch Fahrzeuge amerikanischer Interurbans aus diesem Zeitraum in der ersten Hälfte der 1920er Jahre.

Gruß aus Berlin
Bernd Freimann

Was wir brauchen, ist eine funktionierende Staatseisenbahn.

[www.fotocommunity.de]

Re: Frage zur Berliner U-Bahn - Typ B1 Tunneleule

geschrieben von: der weiße bim

Datum: 13.01.21 01:35

Harkort schrieb:
Vor geraumer Zeit beschäftigte ich mit etwas mit der U-Bahn in London. Dabei stieß ich
auf einen Fahrzeugtyp genannt F Stock. Dieses Fahrzeug hatte auch ovale Führerstandsfenster,
die übrigens auch durch eine Tür in der Mitte getrennt waren. Auffällig fand ich vor allem das
Baujahr 1920-1921.

Nun meine Frage: Hat man sich in Berlin umgeschaut, was in anderen Hauptstädten
gerade modern war, und diese charakteristischen Fenster für den Typ B1 übernommen?
Für die städtische Nordsüdbahn AG wurde Verkehrsfachmann Gustav Kemmann (1858 - 1931) beauftragt, die neu zu entwickelnden Großprofilwagen zu konzipieren. Der war des öfteren in London, um sich bezüglich der Stellwerks-/Zugsicherungstechnik zu informieren. Wie aus zeitgenössischen Quellen (Zeitschrift Verkehrstechnik Jg. 1923 - 1925) hervorgeht, lag die Formgestaltung der später mit B I bezeichneten Wagentype in den Händen des U-Bahn-Architekten Alfred Grenander (1863 - 1931). Sie orientierte sich tatsächlich an den wenig vorher gelieferten Fahrzeugen für die Londoner Metropolitan District Railway. Die hatte 1919 insgesamt 100 Triebwagen, Beiwagen und Steuerwagen bestellt, die ab 1921 im Einsatz waren.
Die Nordsüdbahn AG beschaffte von 1924 bis 1926 insgesamt 74 Triebwagen und 100 Beiwagen dieses Typs, 1928/29 weitere 20 Triebwagen und 30 Beiwagen der weiter entwickelten Form mit rechteckigen Stirnfestern (später B II). Da waren die ovalen Fenster wohl aus der Mode gekommen.

So long

Mario

Re: Frage zur Berliner U-Bahn - Typ B1 Tunneleule

geschrieben von: Harkort

Datum: 13.01.21 16:22

Herzlichen Dank für Eure interessanten Anmerkungen!

Gruß, Harkort
Es gab in London auch tubestock Wagen mit ovalen Fenstern. Das waren 19 Steuerwagen des 1920 Tube Stock die 1920 von Cammell Laird in Nottingham gebaut wurden. Als Steuerwagen liefen sie zumeist in Zugmitte und wurden daher wenig fotografiert. Hier zwei Bilder dieser Wagen (Sammlung Brian Hardy, Uxbridge).
1920 CL-014.jpg
Dzgblony2-10363505_937064252977319_157191643104125704_n.jpg

Sie waren nicht sehr beliebt und dienten nach 1945 als Dienstfahrzeuge. Erhalten geblieben ist keiner, wie auch keiner der Type F.

Gruß aus Berlin
Harald Tschirner




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.01.21 03:23.

Re: Frage zur Berliner U-Bahn - Typ B1 Tunneleule

geschrieben von: der weiße bim

Datum: 14.01.21 01:45

Na dann hier noch ein Foto von letzten Tag der offenen Tür in der BVG-Hauptwerkstatt Seestraße (schon wieder über 12 Jahre her):
26-131-588 HwSee.jpg

Links die Tunneleule (B I) von 1924, in der Mitte B II von 1928, rechts ein Langwagen der 18-Meter-Klasse Typ C II von 1930.
Der Tunneleulen-Dreiwagenzug existiert noch, leider ohne Aufarbeitung in völlig zugespühtem Zustand ;-(
Besser hat es der dritte überlebende B I - Triebwagen im Deutschen Technikmuseum, ist wenigstens an den September-Wochenenden zugänglich:

35 B1.jpg

So long

Mario
Der BII steht seit einiger Zeit in der Kehranlage Boddinstraße und ist ebenfalls mit einem widerlichen "Schutzanstrich" verziert worden, wovon sich jeder U8 Fahrgast überzeugen kann. :-((

Gruß aus Berlin
Harald Tschirner

Re: Frage zur Berliner U-Bahn - Typ B1 Tunneleule

geschrieben von: no-night

Datum: 14.01.21 10:05

Harald Tschirner schrieb:
Der BII steht seit einiger Zeit in der Kehranlage Boddinstraße und ist ebenfalls mit einem widerlichen "Schutzanstrich" verziert worden, wovon sich jeder U8 Fahrgast überzeugen kann. :-((
Ende 2017 habe ich auch die Kleinprofilgarnituren in der Abstellhalle Warschauer Strasse in solchem Zustand gesehen - seither nicht, aber ich befürchte, daß die Lage sich nicht änderte - das ist wirklich erbitternd...