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 05 - Straßenbahn-Forum 

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Der Ausland ist hier beliebt - so gibt es heute wieder mal von mir was aus meinem Geburts- und Heimatsland Japan.
Zwar war ich in Japan schon wieder ein Jahr nicht mehr, aber gerade fiel mir auf, dass ich die Bilder von der Straßenbahn in Fukui, wo ich mich am 19. und 20. Juli 2015 befand, hier noch garnicht gezeigt hatte - da ich ja damals noch garnicht hier im Forum angemeldet war!
Eine immense Zeit ist seitdem vergangen - 5 1/2 Jahre, damals war ich noch 11 Jahre alt - heute 17. Es gehört ja fast schon in das historische Forum - aber leider müsste ich wegen der 10-Jahres-Regel bis dahin noch 4 1/2 Jahre abwarten.

In der Zeit vom 18. bis zum 20. Juli 2015 besuchte ich meine Verwandten väterlicherseits in Fukui. Nachdem ich am 17. Juli 2015 in Kashiwa zusammen mit meiner Mutter ein 90-minütiges Konzert vor 550 Zuhörern veranstaltete, ging es am nächsten Tag mit dem Zug nach Fukui, um dort am Abend des 19. Juli in einem Restaurant mit allen Verwandten zusammen zu essen und auch dort ein kleines Vorspiel vor dem kleinen Publikum des Restaurants zu veranstalten.
Zufällig und glücklicherweise fuhren aber auch in Fukui Straßenbahnen - und zwar direkt vor dem Eingang des Hotels.

Ich bin zwar irgendwie nicht auf die Gedanke gekommen, alleine mit der Tram durch Fukui zu fahren oder wollte es nicht - vielleicht hatte ich auch nur nicht das nötige Taschengeld zum Bahnfahren - aber dafür lief ich am Morgen des 19. und 20. Juli in der Nähe des Hotels rum und fotografierte die Bahnen dort dafür umso mehr. Auch wenn es nur Aufnahmen einer Kompaktkamera sind und all diese auch nur aus einer Höhe von maximal einem Meter über dem Boden (in etwa bei einer Körpergröße von nur 1,25 Metern) geschossen wurden, sind mir die Aufnahmen sehr wert - die eine oder die andere Aufnahme habe ich aber ein wenig gedreht oder beschnitten, damit sie bisschen besser aussehen. Dadurch kommen die unterschiedlichen Pixelzahlen zustande - ursprünglich wurden alle Fotos mit 2048 x 1536 Pixeln aufgenommen, was zu damaligem Stand wohl noch die Höchstleistung der Kompaktkamera war.

Fukui befährt heute nur noch eine Straßenbahnlinie, die abwechselnd vom Tawara-machi und vom Hauptbahnhof bis zur Haltestelle Echizen-Takefu führt, welches im Süden Fukuis liegt.

Fast die ganze Zeit bewegte ich mich also rund um die Haltestelle Shiyakusho-mae (übersetzt "Am Rathaus"), dessen Haltestellennamen mittlerweile (seit dem 24. März 2018) wohl auch umbenannt wurde zu "Fukui-Jyoshidaimyomachi", was übersetzt in etwa heißt "Stadtteil der Schloss Daimyo" bedeutet. Am 19. Juli 2015 traf ich erstmal auf den damals neuen und ersten 100%-Niederflurwagen F1001 der Baureihe "Fukuram", die mit einer Länge von 27,1 Metern und einer Breite von 2,65 Metern sowie einer Maximalgeschwindigkeit von 70 km/h auch vergleichbar zu den deutschen Niederflurbahnen sind. Es wurden insgesamt vier Bahnen dieser Fahrzeuge bestellt, die in den Jahren 2013 bis 2016 jeweils in einem anderen Lack ausgeliefert wurden. Der Wagen F1001 traf mit orangenem Lack am 12. März 2013 ein - es war der erste Neufahrzeug seit über 50 Jahren, alle anderen waren Gebrauchtfahrzeuge, als sie in Fukui eintrafen. Die Inbetriebnahme schien in Japan recht zügig zu erfolgen, seine "Fertigstellung" wurde mit dem 27. März datiert, und nach einer Schnupperfahrt am 30. März gelangte dieser bereits am 31. März in den täglichen Liniendienst.
https://live.staticflickr.com/65535/50807853277_c3de2f6aec_b.jpg

Dafür dauerte es jedoch knapp zwei Jahre, bis der nächste Wagen eintraf. F1002 in blau lackiert erreichte den Betriebshof am 5. Februar 2015. Er erhielt seine Genehmigung am 17. Februar und gelangte ab dem 18. Februar in den Einsatz.
Die anderen beiden Wagen existierten noch garnicht, als ich mich dort in Fukui befand. F1003 in grün lackiert erreichte den Betriebshof erst ein weiteres Jahr später am 17. März 2016. Er erhielt die Genehmigung sogar bereits drei Tage später am 20. März und gelang noch am selben Tag in den Liniendienst. Der letzte Wagen (F1004) erreichte gerade noch im selben Jahr am 22. Dezember 2016 den Betriebshof und ging am 29. Dezember in den Betrieb. Er erhielt die Farbe Sakura und damit pink, wobei die Farbe der Bahn in der Realität etwas dunkler ausfällt als die natürliche Sakura.

Ich hatte damals irgendwie nicht ganz verstanden, wie die Bahnen fahren. Die Bahnen standen hier eine lange Zeit, als wäre es irgendwie eine Endhaltestelle gewesen, obwohl sich die Haltestelle in ziemlicher Nähe zum Hauptbahnhof befindet.
Es ist mir bis heute ein Rätsel geblieben, es kann aber auch sein, dass es sich nur um eine Zeitabwartung handelte, da es ein Sonntagmorgen war.
Dank dem hatte ich eben die Zeit, die Bahn etwas genauer zu fotografieren. Nun auch einmal von der Haltestellenseite. Da in Japan im Linksverkehr gefahren wird, wurde hier von hinten fotografiert.
https://live.staticflickr.com/65535/50806996318_80fd3d8ae9_b.jpg

Der Innenraum eines solchen Niederflurwagens. Der Fahrerplatz ist tatsächlich nicht barrierefrei und ist nicht nur recht eng, sondern auch nicht getrennt - ob in der Coronazeit jetzt hier auch Plastik-Absperrungen eingefügt wurden ?
In Japan macht man sich jedenfalls mit dem Thema Plastiknutzung noch längst keinen so großen Kopf wie hier in Deutschland.
https://live.staticflickr.com/65535/50807741696_db16c407be_b.jpg

Als nächstes erreichte Triebwagen 803 der Baureihe 800 die Haltestelle in Fahrtrichtung Fukui Hauptbahnhof. Mittlerweile ist dieser Wagen ausgemustert.
Er wurde, genauso wie Wagen 801 und 802, im Jahre 2000 gebaut und war ab dem 19. Juli 2000 in Gifu unterwegs, bis die Straßenbahn in Gifu am 31. März 2005 stillgelegt wurde.
Fukui beschaffte sich von den gerade mal fünf Jahre benutzten Gebrauchtwagen zwei Stück (802 und 803), die ab dem 1. April 2006 in Fukui eingesetzt wurden - beide Fahrzeuge wurden aber 2018 dann tatsächlich bereits wieder aus dem Liniendienst entnommen.
2019 wurden die beiden Wagen 802 und 803 nach Toyohashi gebracht, zu der Wagen 801 bereits damals (2006) direkt von Gifu aus gelang.
https://live.staticflickr.com/65535/50807856567_e67097b626_b.jpg

Von der Seite sahen sie auch 2015 schon obwohl des vergleichbar jungen Alter von 15 Jahren nicht mehr richtig gut aus.
Wenn man bedenkt, dass zwischen diesem Wagen und dem ersten gezeigten Niederflurbahn nur 13 Jahre Unterschied liegen, zeigt das wiederum ein deutlicher Fortschritt in der Technik der japanischen Straßenbahn im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.
Klimaanlagen waren aber natürlich auch in diesem Wagen bereits eingebaut - wie man es hier auf dem Bild auch ziemlich gut sehen kann. Das hat man in Japan einfach nötig, da im Hochsommer fast täglich Temperaturen von 35 bis 37°C erreicht werden, kombiniert mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. In den ganz alten Bahnen hatte man dieses Problem mit zahlreichen Ventilatoren in der Bahn gelöst - nicht nur mit offenen Fenstern.
https://live.staticflickr.com/65535/50807024198_69dcf918e0_b.jpg

Kaum war er weg, kam er auch schon wieder - ich verstand nicht wirklich warum. Jetzt beim Nachschauen lag es daran, dass seine Endhaltestelle Hauptbahnhof eben nur eine Haltestelle weiter lag und deswegen dieser bereits in Richtung Echizen-Takefu zurückfuhr.
https://live.staticflickr.com/65535/50807858207_8e52b9479a_b.jpg

Geklärt wird das durch die Rollbandanzeige. Schön, dass man damals noch Rollbandanzeigen erleben konnte - heute sind sie eine Seltenheit geworden.
Aber allein an der (farbigen) Gestaltung der Rollbandanzeigen sieht man, dass sie auch nicht ganz so alt sind. ワンマン links oben bedeutet Ein-Schaffner-Betrieb, d.h. kein Schaffner hinten, da dies bei einer so kurzen Straßenbahn nicht notwendig ist.
Bei Zügen ist dies tatsächlich notwendig, da die Züge teilweise so lange sind (6 bis 15teilig), dass der Fahrer hinten nichts sehen kann. Moderne Technik könnte dies aber auch dort eventuell bald ablösen.
急行 in rot heißt Eilzug - mir ist nicht ganz klar, ob alle Fahrten Eilzüge waren oder ob es auch keine Eilzüge gab.
https://live.staticflickr.com/65535/50807000963_2c63e6f62c_b.jpg

Es fuhren aber damals noch ältere Bahnen in Fukui - da waren Rollbandanzeigen nicht das Spektakulärste. 100% Hochflur, noch in solch alten Farben und vorallem die angewandte alte Technik.
Tatsächlich waren damals im Jahre 2015 noch zwei der ursprünglich drei Straßenbahnwagen im Einsatz, die aus den Jahren 1960 und 1962 stammen und fuhren noch bis Februar 2016 im Liniendienst.
Sie fuhren jedoch seit 2006 nur noch in den Hauptverkehrszeiten als Eilzüge.
Damit stammen die Aufnahmen von mir nur ein halbes Jahr vor der Abstellung des letzten Fahrzeugs dieser Serie, die stolze 55 Jahre im Liniendienst gefahren sind. Obwohl es ein Sonntagmorgen war, gab es in Japan die Eilzüge zu den Hauptverkehrszeiten - schließlich wird in Japan in vielen kundenbasierten Branchen auch sonntags gearbeitet. So haben in Japan alle Supermärkte und Kiosk auch an Sonntagen geöffnet.

Fotografiert wurde am 19. Juli 2015 der zweiteilige Wagen 203, dessen einzelne Wagenteile 203-1 und 203-2 zusammen gekuppelt im Liniendienst waren. Ein einzelner Wagen war 15,3 Meter lang, sodass gekuppelt mit einer Länge von ca. 30,6 Metern für 200 Fahrgästen Platz geboten wurden (davon 112 Sitzplätzen) und damit deutlich mehr als die neueste Straßenbahn in Fukui, die mit einer Länge von 27,1 Metern nur auf insgesamt 155 Plätze kommt, wobei der Anteil an Sitzplätzen wie es bei Niederflurwagen ist, mit 53 Sitzplätzen deutlich geringer ausfällt als bei den Wagen aus den 60ern. Zudem sind sie mit 2,75 Metern Breite auch etwas breiter. Sie sind aber auch so massig wie sie aussehen - 24,2 Tonnen bringt ein Wagenteil auf die Waage, der gesamte Zug wiegt damit fast um die 50 Tonnen, wo die neue Niederflurbahn mit 37 Tonnen erheblich leichter ist.

Die alt wirkenden Farben des Wagens wurden tatsächlich erst 2007 lackiert. Zuvor waren alle drei Bahnen Vollwerbebahnen; 2007 erhielt jede der drei Bahnen eine neue Lackierung. Während der Wagen 201 den Originallack erhielt, erhielt 202 den Lack der Teil-Niederflurbahnen (so ähnlich wie der oben gezeigte 803), wohingegen 203 den Altlack der Eilzüge erhielt.

Wagen 203 war noch als letzter Wagen bis Februar 2016 im Einsatz und wurde im Juli nicht mehr fahrfähig aufgrund abgelaufener HU; offiziell wurde er jedoch erst im April 2017 aus dem Bestand herausgenommen.
Momentan wird versucht, ihn museal zu erhalten - ob er fahrfähig oder nicht fahrfähig museal erhalten bleiben wird, steht noch nicht fest.
Seine älteren Kollegen 201 und 202 hingegen wurden früher abgestellt und auch verschrottet. Wagen 201 war bereits nach der Inbetriebnahme des ersten 100%-Niederflurwagen F1001 außer Betrieb gesetzt worden und am 30. Januar 2015 verschrottet worden.
202 hingegen war zum Fotozeitpunkt so wie 203 noch im Einsatz, wurde jedoch am 13. Oktober 2015 wegen einer Türstörung vorzeitig abgestellt - ursprünglich sollte dieser noch bis zum HU-Ablauf im Dezember 2015 laufen. Im März 2016 wurde er schließlich ebenfalls verschrottet. Einmal ein Bild in "Weitwinkel", samt japanischer Verkehrsschilder, Bäume und Laternen - falls es interessant für euch ist.
https://live.staticflickr.com/65535/50807747311_607852e90b_b.jpg

Aber auch von einer Nahaufnahme dieses alten Zuges konnte ich nicht absehen. So entstand auch das folgende Bild - und zu dieser alten Haltestelle passt der Zug tatsächlich sehr gut.
In der Zwischenzeit wurde auch die Haltestelle umgebaut und ist nun doch wesentlich moderner ausgestattet. Der Umbau der Haltestelle begann am 11. Dezember 2017 und wurde in etwa zeitgleich mit der Umbenennung der Haltestelle am 24. März 2018 fertiggestellt.
https://live.staticflickr.com/65535/50807748246_a7f20a17be_b.jpg

Einmal auch von hinten, um den Wagenteil 203-1 fotografiert zu haben:
https://live.staticflickr.com/65535/50807004753_dc5a7825ee_b.jpg

Von den 60ern zurück ins Jahr 2013 - beim Dahinlaufen durch die Gegend an der großen Kreuzung kam mir dann der neue F1001 vor die Linse. Links geht es zum Hauptbahnhof, wohingegen es rechts über die Seiwai-Brücke nach Echizen-Takefu geht.
Ganz schön auffäällig ist hier aber doch die CocaCola-Werbung - ja, die gibt es auch in Japan. In Takaoka fährt sogar eine Straßenbahn mit CocaCola-Vollwerbung durch die Stadt - Es ist jedenfalls eine ziemlich beliebte Marke in Japan.
https://live.staticflickr.com/65535/50807007113_6a650b11e9_b.jpg

Aus heutiger Sicht bin ich wirklich nicht viel gelaufen, denn anschließend ging's wieder zurück zur Haltestelle, wo mir dann der nächste Wagen mit Wagen 771-770 eingefahren kam.
Auch dieser ist ein Gebrauchtwagen, dieser ist ebenfalls von Gifu übernommen wurden.
1987 wurden vier Bahnen dieser zweiteiligen Wagen gebaut. Dabei erhielten diesmal die einzelnen Wagenteile Wagennummern, d.h. Zug 770-771, 772-773, 774-775 und 776-777. Die Länge von 10,1 Metern bezieht sich vermutlich auf einen Wagenteil, da mir jetzt ein Zug nicht kürzer als ein Solobus (gewöhnlich 12 Meter in Deutschland) erschien. Mit einer Breite von 2,1 Metern bringen sie aber gerade mal auf 90 Plätze (52 Sitzplätze), wobei der Anteil der Sitzplätze tatsächlich recht hoch ist - im Vergleich z.B. zu Krefeld, in der nur 46 Sitzplätze in einer 30 Meter langen und 2,3 Meter breiten Bahn angeboten werden, auch wenn man es aufgrund der Niederflurigkeit nicht ganz vergleichen kann; zu den M8C's liegen mir keine genauen Daten.

Noch vor der Auslieferung nach Fukui wurden diese Fahrzeuge im Innenraum in Gifu ein wenig aufgehübscht und gelangen genauso wie die 800er Wagen ebenfalls zum 1. April 2006 in Fukui in den Einsatz. Seit Dezember 2017 verkehren sie jedoch aufgrund der geringen Kapazität nur noch zwischen Sekijyuji-mae (Rotes Kreuz) und Echizen-Takefu.
https://live.staticflickr.com/65535/50807755066_d51b634eb9_b.jpg

Nur ein wenig später rollte an der selben Stelle der Wagen 802 der 800er Wagen ein. Zu diesen Wagen habe ich bereits bei 803 detailliert beschrieben.
Im Gegensatz zu 803 hatte er aber noch eine kleine Bandenwerbung beklebt.
https://live.staticflickr.com/65535/50807868787_8e9132d68d_b.jpg

Nur 20 Minuten waren vergangen, kam auch schon wieder der alte Wagen 203. Trotz Gegenlicht entstand diesmal ein Foto aus einer meiner Meinung nach interessanten Perspektive.
https://live.staticflickr.com/65535/50807758586_04631e8568_b.jpg

Diesmal klappte nur ein Rückschuss, denn er hielt nicht. Er war diesmal beschildert als "Leerfahrt". Damals wusste ich noch nicht wirklich, was das bedeutet, da ich diese Kanjis glaube ich auch noch nicht ganz so gut beherrscht habe.
https://live.staticflickr.com/65535/50807758696_12a459316c_b.jpg

Dafür ging es am nächsten Morgen gleich wieder mit diesem Wagen los - er fuhr gerade in die Haltestelle als Eilzug nach Echizen-Takefu ein. Schon wieder fotografierte ich nur am selben Ort, aber immer wieder gelangen die Fotos etwas anders.
Nun habe ich den 203 mal aus der Haltestellenseite fotografiert. Das Einsteigen in diese Bahnen von diesem schmalen und tiefem Bahnsteig aus sieht nochmal komplizierter und gefährlicher aus, als der Einstieg in eine hochflurige Straßenbahn in Deutschland.
https://live.staticflickr.com/65535/50807014423_06382dbbfc_b.jpg

Eine Detailaufnahme. Baureihe 200, 47 Tonnen, 200 Fahrgäste. Das Schild unten zeigt 24 - 7, was die letzte HU von Juli 2012 bedeutet.
In Japan werden die Jahre in den Regierungsjahren des "Kaisers", des "Tenno"s der royalen Familie. Die Rolle wird immer an den erstgeborenen Sohn des Kaisers weiterübergeben - hat aber in Japan nur noch die Bedeutung als Status und wird nur noch aus Tradition fortgeführt. Ein Kaiser trägt seine Rolle normalerweise bis er stirbt - Kaiser Akihito hat jedoch am 30. April 2019 vorzeitig abgedankt, sodass seit 2019 mit seinem Sohn Kaiser Naruhito wieder ein neuer "Zeitalter" gilt, der nun Reiwa genannt wird.
So hieß 2019 Reiwa 1, 2020 Reiwa 2 und 2021 nun Reiwa 3.
Der abgedankte Kaiser Akihito wurde 1989 nach dem Tod seines Vaters Kaiser und sein Zeitalter wurde als Heisei bezeichnet - so galt 1989 = Heisei 1 und 2000 = Heisei 12.
Daher musste man immer genau 12 abziehen, um auf die letzten Ziffern des westlichen Kalenders zu gelangen, d.h. Heisei 24 = 2012. Die Heisei-Epoche ging damit bis zur Zahl 31 im Jahre 2019.
Durch die Abdankung des Kaisers am 30. April heißt der 30. April 2019 noch Heisei 31, April 30, wohingegen der Folgetag, der 1. Mai, Reiwa 1, Mai 1, heißt. Einen Heisei 31, Mai 1 gab es damit nicht mehr, genauso wenig ein Reiwa 1, April 30.
https://live.staticflickr.com/65535/50807887612_33c70c0dd0_b.jpg

Zurück zur Straßenbahn - die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt noch recht tief, die morgendlichen Sonnenstrahlen werden aber bei diesem Foto sehr spürbar.
Fotografiert wurde nun der Zug 770-771, den ich auch am Vortag bereits fotografiert hatte.
https://live.staticflickr.com/65535/50807015513_58d85e6593_b.jpg

In die Gegenrichtung Wagen 885, ein Wagen der 880er Reihe. Eine weitere Baureihe, die von Gifu übernommen wurden. Sie stammen aus dem Jahr 1980.
Insgesamt gab es fünf Züge (880-881, 882-883 usw. bis 888-889), die auch bis 2005 in Gifu fuhren und nach dem bekannten Schema etwas später, zum 21. April 2006 in Fukui ihren Ersteinsatz hatten.
Sie bieten mit 10,3 Metern Länge, 2,23 Metern Breite und einem Platz für 100 Personen nur bisschen mehr als die 770er, wobei der Anteil an Sitzplätzen hier mit 48 verfügbaren Sitzplätzen sogar geringer ausfällt als bei den etwas neueren 770ern.
https://live.staticflickr.com/65535/50807763026_18017dbe78_b.jpg

Nicht nur die Haltestelle, wie man es auf den letzten Bildern gesehen hat, sondern auch der Gleisbereich schien mir persönlich nicht ganz fit gewesen zu haben. Diese braune Farbe sorgte mir ein wenig für Verwunderung.
Hier eine Detailaufnahme des Gleisbereichs:
https://live.staticflickr.com/65535/50807874882_6603cf6be0_b.jpg

Mit dem 885 zuletzt habe ich alle im regulären Dienst im Einsatz gewesenen Fahrzeuge angetroffen. Einzig nicht angetroffen habe ich jedoch leider den ex Stuttgarter Tw 735.
Er wurde aufgrund der steigenden Straßenbahn-Fans durch den alten Wagen 201-203 sowie der neuen Bahnen 1001-1004 Dezember 2013 von Stuttgart aus nach Fukui übernommen. Er erhielt dort die Bezeichnung F10 und wurde am 29. März 2014 in Fukui öffentlich vorgestellt. Nach paar Metern Fahrt blieb er jedoch stehen, dass er noch nicht ganz bereit für den Liniendienst war. Nach weiteren restaurierenden Arbeiten wurde er dann binnen kürzerer Zeit für den Liniendienst einsatzbereit gemacht und gelangte tatsächlich schon am 12. April 2014 in den Liniendienst. Dennoch fielen erneut Defekte auf, sodass dieser Wagen zum 14. Juni wieder abgestellt wurde. Am 6. September reaktiviert, musste er wegen Defekt nur zwei Tage später schon zum dritten Mal bis zum 30. September abgestellt werden. Es stellte sich heraus, dass der Wagen aufgrund der hohen Anfälligkeit an Defekten nicht geeignet ist für den werktäglichen Liniendienst. So wurde beschlossen, dass dieser nur noch an Wochenenden im Frühling und Herbst verkehrt. Für den Sommer wurde der Einsatz dieser Wagen aufgrund von fehlender Klimatechnik ebenfalls gestrichen.

Es ist durchaus ein interessantes Betrieb, auch wenn dieser mit nur einer Linie nicht ganz so groß ausfällt. Vielleicht werde ich aber irgendwann erneut mal nach Fukui fahren, vorallem da meine Verwandten dort leben - auch wenn man mit ihnen persönlich kaum Kontakt hatte, da Fukui auch schon ein großes Stück entfernt von Tokyo / Präfektur Chiba ist, wo meine beiden Großeltern leben. Fukui scheint aber auch hier im Forum nicht ganz so oft vertreten zu sein.
Vielleicht haben euch ja daher diese Bilder von vor 5 1/2 Jahren gefallen ;)

Ich wünsche euch allen noch eine schöne Zeit. Bis bald!

Grüße aus Krefeld -
Ryokan

Straßenbahn-Begeisterter aus Krefeld! Favorit: Düwag M8C ;)
Meine eigene, ausführliche Website zum Nahverkehr in Krefeld: [strassenbahn-bus.de]
Meine Bahn und Busvideos: [www.youtube.com]
Meine DSO-Fotobeiträge:
[www.drehscheibe-online.de]




1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.01.21 19:32.
Wie immer verschlinge ich deine Berichte mit großem Interesse, Ryokansama.
PS: Ich habe das hoffentlich richtig verwendet.
Danke für den interessanten Bericht. Die Altbauwagen wirken irgendwie wie eine japanische Variante amerikanischer Interurbans. Die Trassierung außerhalb der Innenstadt soll ja auch eher eisenbahnmäßig (unabhängiger, wenn auch nicht kreuzungsfreier, Bahnkörper abseits der Straße) trassiert sein.
Früherwarallesbesser schrieb:
Danke für den interessanten Bericht. Die Altbauwagen wirken irgendwie wie eine japanische Variante amerikanischer Interurbans. Die Trassierung außerhalb der Innenstadt soll ja auch eher eisenbahnmäßig (unabhängiger, wenn auch nicht kreuzungsfreier, Bahnkörper abseits der Straße) trassiert sein.

Die Bahn von Fukui ist auf ganzer Länge Eisenbahn, straßenbündige Abschnitte gibt es nur in Fukui selbst. Witzigerweise gibt es aber durchgehende Fahrten auf eine "richtige" Eisenbahnstrecke, wofür deren Betreiber auch eigene zweiteilige Niederflurwagen in rühreifarbener Lackierung hat, wobei es zu deren Anzahl (1 oder 2) unterschiedliche Angaben gibt.
kaufhalle schrieb:

Die Bahn von Fukui ist auf ganzer Länge Eisenbahn, straßenbündige Abschnitte gibt es nur in Fukui selbst. Witzigerweise gibt es aber durchgehende Fahrten auf eine "richtige" Eisenbahnstrecke, wofür deren Betreiber auch eigene zweiteilige Niederflurwagen in rühreifarbener Lackierung hat, wobei es zu deren Anzahl (1 oder 2) unterschiedliche Angaben gibt.

Die Echizen Railway hat 2 zweiteilige Niederflurwagen (L-01A/B und L-02A/B).

Übrigens wie die Fukuram in Niigata gebaute Nachkommen der AEG-GT..N vom Typ "Bremen" (resp. R-Wagen in München, GT6N in Berlin, etc. etc.).

Ausgezeichnet!

geschrieben von: schoki41

Datum: 07.01.21 19:22

Hallo Ryokan,
danke für deinen Bericht. Das Altbaufahrzeug ist ja wirklich exotisch. Hast du zufällig auch ein Foto der Einstiegssituation gemacht? So wie es aussieht, könnte man mit dem Fahrzeug ja sogar Hochbahnsteige anfahren. Ich habe so etwas auch einmal bei der Überlandbahn von Mailand nach Desio gesehen - die dortigen Großraumwagen hatten Schiebetritte, ob wohl es nie einen Hochbahnsteig gab.

schoki41
ZwischendenJahren01-w1.jpg
Hallo,

erstmal Danke für der den interessanten Bericht, wegen des GT4 dort schaut unsereins da ja genau hin, wobei Japan ja generell ein interessantes Land, in das ich aber wohl nie kommen werde. Ich hatte ja etwas gehofft ;-)

Aber zwei kleine Korrekturen habe ich trotzdem anzubringen:

StraßenbahnFanBobo2003 schrieb:
Einzig nicht angetroffen habe ich jedoch leider den ex Stuttgarter Tw 735.
Er entstand aus den Stuttgarter Triebwagen 714 und 735.

StraßenbahnFanBobo2003 schrieb:
Er wurde (...) Dezember 2013 von Stuttgart aus nach Fukui übernommen.

Er kam von Kochi, wo er von 1989/90 bis 2013 war. Stuttgart verließ er schon am 30.11.1989. Der Umbau zum Zweirichtungswagen aus 735 und 714 erfolgte bereits in Stuttgart.

StraßenbahnFanBobo2003 schrieb:
Er erhielt dort die Bezeichnung F10

Danke, diese Nummer war mir bislang nicht bekannt.

http://www.fahrzeuglisten.de/signlogo.php

Stuttgart 21 Schluss!
Hallole,

hab ein Video von ihm gefunden:

[www.youtube.com]

Grüßle
AFu
Das Video passt ja sogar klasse - in der ersten Minute sowie nochmal bei 3:00 filmte er genau dort, wo ich auch fotografiert hab!

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Hallo!

Danke für diesen interessanten Beitrag. Die Fukuram-Trams haben ja schon ein besonderes Design. Mir gefällt es. Auch schön, dass Straßenbahnwagen von Gifu überlebt haben. Die dortigen Reste der Straßenbahn waren ja eigentlich der Grund, warum ich mich in diesem Forum angemeldet habe. Ich hatte nämlich im Internet keine Informationen gefunden, was das überhaupt für eine Bahn gewesen ist. So erhoffte ich mir Antworten in diesem Forum,die ich dann auch bekam.
Mich würde es freuen, wenn du weiterhin Bilder aus Japan zeigst. Es stört doch nicht, wenn diese schon etwas älter sind.

Tschüss
Der granitschädel
Um noch einmal eine Übersicht zu verschaffen - im Gegensatz zu Hiroshima war das jetzt wirklich nichts.
Fukui 1.PNG
Fukui 2.PNG

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Danke auch hier :-)

Es gibt noch den Deki 11, ein uralter Gepäcktriebwagen. Von diesem sah man letzte Woche im Internet aktuelle Videoaufnahmen von einem Schneepflugeinsatz.